Kuratorium stellt Ergebnisse vor

Gewalt und Missbrauch bei den Domspatzen: Bistum finanziert unabhängige Anlaufstelle

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Stellt gemeinsam mit Betroffenen ein Gesamtkonzept zur Aufarbeitung vor: Bischof Rudolf Voderholzer. Foto: Archiv

Stellt gemeinsam mit Betroffenen ein Gesamtkonzept zur Aufarbeitung vor: Bischof Rudolf Voderholzer. Foto: Archiv

Am morgigen Mittwoch stellen Betroffene und Bischof Rudolf Voderholzer erste Ergebnisse aus dem gemeinsamen Aufarbeitungsgremium vor.

Es war ein langer Weg, seit sich Betroffene von Gewalt und Missbrauch bei den Regensburger im Jahr 2010 zum ersten Mal vernehmlich an die Öffentlichkeit wandten. Ein Weg der – vornehmlich unter der Verantwortung des damaligen Bischofs Gerhard Ludwig Müller – teilweise einem Spießrutenlauf gleichkam, der von Verzögerungen, Schweigen und Aussitzen gekennzeichnet war und in dessen Zuge sich Betroffene als Lügner, Nestbeschmutzer und Weicheier beschimpfen lassen mussten.

Erst im Januar 2015, als die Wortmeldungen der Betroffenen in der weithin beachteten Dokumentation „Sünden an den Sängerknaben“ kumulierten, begann die Mauer des Schweigens zu bröckeln.

Unter Ägide von Bischof Rudolf Voderholzer wurde der Rechtsanwalt Ulrich Weber mit Aufklärung beauftragt, der im Februar ein Gremium einrichtete, in dem erstmals Vertreter des Bistums zusammen mit Betroffenen an einem Tisch sitzen, um über eine angemessene Aufarbeitung zu verhandeln.

Neue Anlaufstelle in München

Am morgigen Mittwoch sollen der Öffentlichkeit nun erste Ergebnisse dieser Gespräche vorgestellt werden. Bereits im Vorfeld wurden Betroffene aber schon darüber informiert, dass sie sich ab sofort nicht mehr an das Bistum selbst wenden müssen, sondern – seit dem 4. Oktober – an eine unabhängige Stelle, die beim „Münchner Informationszentrum für Männer“ (MIM) eingerichtet wurde.

Das MIM ist laut eigener Darstellung 1988 aus einer Selbsthilfegruppe hervorgegangen. Der gemeinnützige Verein will, so heißt es in seinem Leitbild „zu einem neuen Selbstverständnis und Rollenbewußtsein von Männern“ beitragen und hat in diesem Zusammenhang unter anderem sogenannte „Sexualtäterprogramme“ gegen sexuelle Kindesmisshandlung initiiert. 

Wie es in einem Schreiben heißt, das bereits vor einigen Wochen von Rechtsanwalt Weber an Betroffene verschickt wurde, hat das MIM nun eine eigene Abteilung eingerichtet, deren Mitarbeiter für die Anliegen ehemaliger Domspatzen zuständig sein werden.

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem:

„Absolute Vertraulichkeit ist garantiert. Jeder Betroffene bestimmt selbst, welche seiner Angaben und Informationen ggf. weitergereicht werden. Das Angebot reicht von einfacher Unterstützung bei der Abfassung eines Antrags auf Anerkennungsleistungen bis hin zu einer Betreuung bzw. Mithilfe bei der Suche nach einem geeigneten Weg, die Erlebnisse so aufzuarbeiten, dass ein möglichst unbelastetes zukünftiges Leben möglich wird.“

Wie es weiter in dem Schreiben heißt, werden sämtliche Leistungen des MIM vom Bistum übernommen und sind für die Betroffenen kostenlos.

„…die Gesamtsituation befrieden“

Über das gemeinsam ausgearbeitete Gesamtkonzept zur Aufarbeitung will das Gremium bei der morgigen Pressekonferenz informieren. Am Tisch sitzen für die ehemaligen Domspatzen Alexander Probst und Peter Schmitt. Als Vertreter des Bistums nehmen Internatsdirektor Rainer Schinko und Rudolf Voderholzer teil. Das im Schreiben an die Betroffenen formulierte Ziel des Gremiums:

„Alle Beteiligten hoffen, dass nach jahrelangen Diskussionen in der Missbrauchsdebatte der Domspatzen Lösungen gefunden wurden, die zum einen den Betroffenen helfen und zum anderen dazu beitragen, die Gesamtsituation zu befrieden. Letztlich war und ist es das Ziel, das dunkle Kapitel transparent und unabhängig aufzuarbeiten.“

Hat es sich endgültig ausgemüllert?

Sperrspitze des Totschweigens: Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv

Speerspitze des Totschweigens: Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv

Ein Signal ist in jedem Fall die persönliche Teilnahme des Bischofs an einer solchen Pressekonferenz. So etwas wäre unter Voderholzers Vorgänger Gerhard Ludwig Müller noch völlig undenkbar gewesen.

Der jetzige Chef der Glaubenskongregation im Vatikan, der in seiner Regensburger Zeit zu den maßgeblichen Leugnern der Missbrauchsfälle zählte und nicht müde wurde, dies im Rahmen von Predigten oder Pressemitteilungen zu bekräftigen, hatte es stets vorgezogen, entweder seinen Pressesprecher oder den Generalvikar vorzuschicken, wenn es galt, Rede und Antwort zu stehen. Ungeachtet dessen steht Müller sowohl bei Verantwortlichen des Bistums als auch der Stadt Regensburg außerhalb jeder Kritik.

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Kommentare (29)

  • Haimo

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    Haimo
    Weil Müller zum 10 jährigen Papstbesuchsjubiläum nach Regensburg kam und sich dort ausgiebig feiern lies, sahen wir uns dazu veranlasst, Flugblätter vor dem Dom und der alten Kapelle zu verteilen. Wo ist bei diesem Herren auch nur der Ansatz von Scham Reue und Demut zu erkennen?

  • aucheinehemaliger

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    Toll, man kann sich wieder an jemand anderen wenden! Danke, Rudi! Jetzt geht’s mir gleich vieeeeel besser!

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Haimo“ – Müller ist nicht nur beratungsrestistent, wie
    sein Doktorvater sagt, sondern auch nicht lernfähig.
    Bei dem ist, wie man in Bayern so schön sagt, Hopfen
    und Malz verloren.

  • Herbert Turetschek

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    „Ungeachtet dessen steht Müller sowohl bei Verantwortlichen des Bistums als auch der Stadt Regensburg außerhalb jeder Kritik.“ Das unterscheidet mich eben von anderen: Ich möchte Aufklärung ohne Rücksicht auf Ansehen und Person!

  • hutzelwutzel

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    Die persönliche Teilnahme des Bischofs an dieser heutigen Pressekonferenz meint nichts anderes, als dass die Sache damit für die RKK, die Diözese R. beendet ist.
    Betroffene können sich an einen Verein wenden, die Diözese macht nichts mehr, und klärt vor allem auch nicht auf, welche Systematik dahintersteckt.

  • hutzelwutzel

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    Wer hat Lust? Ich zähle mich zwar nicht zu den Mißbrauchten, vielmehr fühle ich mich mittlerweile schon allein deshalb mißbraucht weil ich ohne mein Wissen als Säugling katholisch getauft wurde ;-). Dennoch geht mir das Hin- und Hergeschiebe bei der Aufklärung mächtig auf den Keks. Sollten nun über das MIM die Betroffenen zu möglichen Tätern gemacht werden? Wo bleibt die Anlaufstelle für weibliche Betroffene. Diese soll/ darf es gem. vor einigen Monaten eingesetzter Ansprechpartnerin der Diözese Regensburg (mittlerweile) auch geben.

    Wer macht mit, und trägt alle bisherigen Informationen zu dem Mißbrauchsskandal hier
    mit zusammen?
    https://katholisch-missbraucht.ml
    Bitte beim Aufrufen das temporäre SSL-Zertifikat akzeptieren. Derzeit warte ich auf ein allgemeingütliges Zertifikat, und jemanden der sich im Impressum verewigen läßt, weil es mir beruflich leider untersagt ist dies zu tun.

    Damit die Sache öffentlich an einer Stelle steht und Hilfe auch von anderen Stellen zu erwarten ist.

  • Coffin Corner

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    „Ungeachtet dessen steht Müller sowohl bei Verantwortlichen des Bistums als auch der Stadt Regensburg außerhalb jeder Kritik.“
    Das Problem, daß unfähiges Personal in Leitungsfunktionen gelangt, hat nicht nur die Kirche. Nur in der Kirche sind sie zusätzlich unkündbar.

  • Christian Feldmann

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    @hutzelwutzel:

    Was ist denn das wieder mal für ein hutzelwutzelig-heilloses kunterbuntes Durcheinander …?

    Einerseits beklagt er sich, dass er den BR-Livestream der PK nicht sehen konnte (und tut so, als habe die großmächtige katholische Kirche, warum nicht gleich der Vatikan, „die Medien“ daran gehindert, auf das für jeden BR-Nutzer klar erkennbare Livestream-Angebot zu verweisen; wenn ich arbeite, kann ich halt in der Regel nicht Radio hören oder auf dem PC Übertragungen verfolgen). Gleichzeitig weiß er ganz genau und wundersamerweise schon eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn, was auf der versäumten Pressekonferenz passiert ist.

    Die Sache ist für das Bistum Regensburg eben nicht überstanden, sondern tritt endlich in das Stadium der systematischen Aufarbeitung ein, wie die Opfervertreter überzeugend darlegten. Betroffene sollen sich weiter an den Sonderermittler des Bistums wenden, wie Voderholzer betonte; für diejenigen, die kein Vertrauen mehr in die Beratungsinstanzen des Bistums haben, hat man eine neue, komplett unabhängige Anlaufstelle in München geschaffen (die zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehört). Was ist daran falsch oder schief?

    Und „welche Systematik dahintersteckt“, das gerade soll die – ebenfalls unabhängige, bei der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder in Wiesbaden angesiedelte – sozialwissenschaftliche Studie zu den Mechanismen, die Missbrauchsfälle begünstigt oder zumindest nicht verhindert haben, herausarbeiten. Auch bei der zweiten, der historischen Studie, soll es nicht nur um Einzeltäter, sondern um „institutionelle Strukturen und Abhängigkeiten“ (Internatsdirektor Rainer Schinko) gehen.

    Erst informieren und dann Gift und Galle spritzen! Das gilt für a l l e Seiten.

  • Ehemaliger

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    @ Alle Beteiligten hoffen, dass nach jahrelangen Diskussionen in der Missbrauchsdebatte der Domspatzen Lösungen gefunden wurden, die zum einen den Betroffenen helfen und zum anderen dazu beitragen, die Gesamtsituation zu befrieden. Letztlich war und ist es das Ziel, das dunkle Kapitel transparent und unabhängig aufzuarbeiten.“

    Ois a schmarrn!
    Seit Jahren wurde geredet und geredet! Die Frau Dr. Böhm zum Thema Missbruach , und dieser Internatspräfekt von den Domspatzen , Reichstrasse , sie starben auch schnell und urplötzlich. Heute und urplötzlich reden Sie von noch mehr Vergebung und einer gewissen Befriedung! Ich finde , das dieses Ergebnis von diesem Kuratorim eben nur zu 50 % einen gewissen Wert hat. Was jetzt dieser Probst redet , verstehe ich überhaupt nicht. Zum Thema Geldzahlungen hat man heute nur eine gewisse befriedingende Wut!
    Es hätte mehr sein können! Ich finde , wenn diese Institution heute eben diese Aufarbeitung in eine Schublade steckt , dann sind sie selber Schuld. Es kocht und kocht! Anscheinend sind diese Clubfreunde heute , diese Jahretreffen der Domspatzenfreunde wieder und wieder einmal , auch heuer im November 2016 wieder , , eben wichtiger , als man heute richtig , aufrichtig , und vor allem mit einem nötigen Respekt , eben heute in der Gegenward eben diese derarteige Vergangenheit richtig und aufrichtig aufarbeitet. ES gibt noch so so viele Informationen zum sehr großen DomspatzenThema, und dazu gibt es auch heute noch zahlreiche Hinweise. Auch müssen die Themen Sexpartys, betäubte Domspatzenbuben, das Thema Stricherszene und vorallem ,, etc,, aufgearbeit werden..Von..Von..Von..Von, natürlich darf man den Von nicht vergessen. Meine jetzt nicht den Herr von Ribbeck auf Ribeck im Havelland.
    cu

  • Angelika Oetken

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    „für diejenigen, die kein Vertrauen mehr in die Beratungsinstanzen des Bistums haben, hat man eine neue, komplett unabhängige Anlaufstelle in München geschaffen (die zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehört).“

    @Christian Feldmann,

    „komplett unabhängig“ hieße, dass das MIT keinerlei Finanzierung vom Bistum erhielte. Ist das so?

    MfG,
    Angelika Oetken

  • Mathilde Vietze

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    Lieber Christian Feldmann, als kritische Katholikin danke ich
    Ihnen aufrichtig für Ihre deutlichen Worte. Es gibt Leute, die
    die Kirche z u R e c h t kritisieren und es gibt andere, denen
    es nur darum geht, ihr Gift zu verspritzen.

  • Lothgaßler

    |

    Für mich stellt sich noch eine andere Frage. Die Bildungseinrichtungen der katholischen Kirche stehen und standen nicht im rechtsfreien Raum: Was wusste die Schulaufsicht, und wie hat sie auf unbewiesene wie bewiesene Vergehen reagiert? Die Kirche ist eine Partei, die staatliche Schulaufsicht eine andere. Dass die Schulbehörden nichts über die Geschehnisse wussten ist nicht glaubhaft. Deshalb steht die Frage nach einer Tolerierung der Übergriffe durch die Schulbehörden zur Aufarbeitung an.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „Coffin Corner“ – Stellen Sie sich mal vor, ein Offizieller würde Müller öffentlich
    brüskieren1 Sofort würden alle reaktionären Katholiken aufstehen und Müller
    würde sich in seiner Märtyer-Rolle aalen. So aber verhallen die „Lobesworte“ und
    Müller zieht wieder ab nach Rom.

  • hutzelwutzel

    |

    @Lothgaßler:

    Mahlzeit! Sehe ich auch so. Da jedoch sind alle schon im wohlverdienten Ruhestand, und werden mit Sicherheit nichts mehr von sich geben (wollen).

  • hutzelwutzel

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    T’schuldigung, noch ein Zusatz:

    @Lothgaßler:

    Für die regionalen Schulen findet sich bis auf die, der jeweiligen Bezirksregierung unterstützenden Schulämter ja nur noch die entsprechenden Referate in der Bezirksregierung, hier ROPF, und da wurde leider bislang ebenso geschwiegen. ;-(

  • „Ein Gesprächspartner, dem Sie vertrauen können.“ » Regensburg Digital

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    […] Wie bereits berichtet wurde beim Münchner Informationszentrum für Männer (MIM) eine neue, unabhängige Anlaufstelle geschaffen. Dort können sich all jene melden, die sich bislang weder an den Missbrauchsbeauftragten des Bistums noch an den mit der Aufklärung betrauten Rechtsanwalt Ulrich Weber wenden wollten, etwa, weil es ihnen an Vertrauen fehlte. Neben Gesprächs- und Therapieangeboten soll es dort auch Hilfe beim Stellen von Anträgen auf Anerkennungsleistungen geben. Die Finanzierung ist vorerst für zwei Jahre vereinbart und beläuft sich nach Angaben Voderholzers auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. […]

  • Herbert Turetschek

    |

    „Wie bereits berichtet wurde beim Münchner Informationszentrum für Männer (MIM) eine neue, unabhängige Anlaufstelle geschaffen.“ Ich habe mich dort gemeldet. Wieder ein neuer Antrag… Wieder eine neue „unabhängige“ Stelle… Wieder ein neuer Anlauf… Ich frage mich wirklich, warum übergibt man es nicht einer Hochschule oder einem wissenschaftlichen Institut und man leitet eine wissenschaftliche Forschung ein, die sich mit den Ereignissen der Zeit beschäftigt? Verstehe ich etwas falsch?

  • hutzelwutzel

    |

    @Christian Feldmann:

    T’schuldigung, dass ich jetzt erst auf Ihren Kommentar eingehen kann.

    „Die Sache ist für das Bistum Regensburg eben nicht überstanden, sondern tritt endlich in das Stadium der systematischen Aufarbeitung ein, wie die Opfervertreter überzeugend darlegten.“
    ———————————-
    Gut, systematisch war das bisher nicht, was da geboten wurde. Wie erkenne ich aktuell die Systematik, die dahinterstehen soll? ;-)
    Bitte nicht auf die Studien verweisen, denn diese haben jetzt schon den Wert von Archivalien, nachdem Herr Robert Werner schon ausführlich hier geschildert hatte, wie Georg Ratzinger Domkapellmeister wurde.
    Kann man also bestens mal für eine Heiligenbiografie verwenden, die historische Studie, doch auch da dürfte in Vorbereitung einer Heiligsprechung Pater Rupert Mayer’s S.J. bei dem mehr zu holen sein.

    „Betroffene sollen sich weiter an den Sonderermittler des Bistums wenden, wie Voderholzer betonte; für diejenigen, die kein Vertrauen mehr in die Beratungsinstanzen des Bistums haben, hat man eine neue, komplett unabhängige Anlaufstelle in München geschaffen (die zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehört). Was ist daran falsch oder schief?“
    ————
    Das MIM gehört aber auch zum Kreisjugendring München, damit zum Bayerischen Jugendring und wird von unserer lieben Emilia Müller und derem Ministerium „beaufsichtigt“, und das MIM für diese Sache vom Bistum R. bezahlt.
    Unter „unabhängig“ stelle ich mir was anderes vor, nachdem bisher kein Politiker dieser Gegend – oder habe ich das was nicht gehört/ gelesen? – auch nur ein Jota zu dieser Mißbrauchs- oder Aufklärungssache äußerte.

    Frage: Ist dieser Prof. Löffler zufällig ein Verwandter des Bezirkstagspräsidenten Löffler?

    Ehrlich: Trauen würde ich der Diözese R. sowieso nicht mehr. Warum man gerade dem MIM, einem Verein trauen soll, müssen die Betroffenen selbst entscheiden. Ein Verein der von undefinierten Spendengebern lebt, ist wie alle diese Vereine, wenn sie mit persönlichen Daten arbeiten wollen, mit Vorsicht zu genießen.
    Vereine kann man ebenso schnell gründen wie auflösen, da bieten sogar Facebook und Google mehr Kontinuität. ;-)

  • hutzelwutzel

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    Ergänzung:
    Warum hat man die Sache mit dem MIM und andere Aufklärer nicht europaweit ausgeschrieben, und nicht vielleicht sogar „Atheisten“ oder andere Ungläubige dafür begeistert, hier aufzuklären.
    Wer hier wie die Diözese Regensburg nicht mehr viel in Sachen „Ruf“ zu verlieren hat, kann nahezu jede Möglichkeit wagen die eigene Reputation wieder herstellen zu lassen. Auch „Atheisten“ oder sonstige Ungläubige sind keine Bestien. ;-)

  • Mathilde Vietze

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    Bischof Voderholzer ist zwar konservativ, aber
    bestimmt nicht so naiv zu glaube, daß die
    Angelegenheit jetzt für das Bistum erledigt
    wäre.

  • Herbert Turetschek

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    Für mich wäre eine echte Anerkennungsleistung folgende Anerkennungsleistung: Die katholische Kirche stellt mich als Sozialpädagoge ein und lässt mich weiter mein Eine-Welt-Projekt verwirklichen, siehe hier: https://www.kreativ-jackpot.de/event/eine-welt-projekt/ oder hier https://2015.kreativ-jackpot.de/event/eine-welt-projekt/ .
    So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe; es gäbe dann in Nürnberg, neben dem Eine-Welt-Laden und dem Fenster zur Stadt der katholischen Stadtkirche, eben auch das Eine-Welt-Projekt und es wäre eine echte Alternative, denn ein bisschen Anerkennungsleistung, sprich ein paar Euro – das bringt doch gar nichts, der katholischen Kirche nicht und mir nicht! Und glaubwürdiger, als diese vielen „unabhängigen“ Stellen, wäre es allemal!

  • Angelika Oetken

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    Herr Turetschek,

    Ihr Modell gibt es schon. Auch mit weitaus weniger gemeinnützigen Projekten, als es das Ihrige auf den ersten Blick zu sein scheint. Allerdings ist die Vorabbedingung für die Subventionierung, dass sich der zukünftige kirchliche Mitarbeiter bzw. Unterstützte am gemeinschaftlichen Verschweigen beteiligt. Mehr noch: Dankbarkeit dafür, von „die Kirche“ die Gelegenheit bekommen zu haben, am erlittenen Leid zu wachsen, wird ebenfalls vorausgesetzt. Was sich für Menschen mit einem normal entwickelten Wertesystem und Unrechtsempfinden so sarkastisch anhört, dass es als pervers bezeichnet werden darf, schätzt das Konstrukt „die Kirche“ offenbar als ganz selbstverständliche Übereinkunft ein.

    Was wir an vielen Stellen ablesen können, wenn wir uns etwas näher, aus einer vernünftigen Distanz heraus und ohne unangemessenen „Glauben“ mit der klerikalen Missbrauchskriminalität auseinandersetzen.

    VG
    Angelika Oetken

    P.S. das oben von mir Beschriebene ist meiner Einschätzung nach der Hauptgrund dafür, dass kirchliche MitarbeiterInnen zu den verlässlichsten Whistleblowern gehören, wenn es um ehrliche und echte Aufklärung der Missbrauchsfälle geht, die unter Verantwortung der Katholischen Kirche stehen. Und das ermutigt mich sehr. Es zeigt, wie schwer es ist, Menschen die Menschlichkeit auszutreiben

  • Rudolph B.

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    Kommentar gelöscht. Nutzer gesperrt.

  • Herbert Turetschek

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    Frau Oetken,

    „wie schwer es ist, Menschen die Menschlichkeit auszutreiben“
    mein Projekt ist zum Selbstläufer geworden – ich selbst habe am allerwenigsten daran geglaubt! Die Frauen haben sich untereinander vernetzt, also die Frauen in Mittelamerika haben nun Kontakt zu den Frauen in Asien und umgekehrt. Sie geben sich untereinander Tipps, wo man am besten Englisch lernen kann und wo man am günstigsten Material herbekommt. Einige Frauen sind in andere Länder gegangen, so dass eine Frau jetzt in Deutschland lebt (in München), eine lebt in Südkorea, eine in Indien, eine in den USA, eine ging zurück nach Kambodscha usw. und die „Studentinnen“ – so nennen sie sich selbst und mich nennen sie den „teacher“ haben es in die Hand genommen und ich muss nichts mehr tun. Nie hätte ich sowas für möglich gehalten.
    Ich habe das Projekt der Kirche angeboten, aber keine Antwort erhalten (was nicht anders zu erwarten war), aber ich kann dieses einzigartige Projekt auch jedem anderen anbieten; was hindert uns daran etwas gegen all die „Hassprediger“ zu unternehmen? Dass es funktioniert, das hat sich hier bewiesen (ohne mein großes Zutun), denn ich wollte ursprünglich nur einen Tropfen auf den heißen Stein geben und das hat sich daraus entwickelt.

    LG
    Herbert Turetschek

  • Ehemaliger

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    Alles ein sehr großer Schmarren, anscheinend schnitzt sich das Bistum heute ihre eigene Aufarbeitung zum Thema derart zusammen. Für mich ist das in keinster Weise eine richtige und umfassende Aufarbeitung! Wenn urplötzlich der Bischof von Regensburg so sehr im Rampenlicht steht: Ich möchte bitte klarstellen, dass von vielen damaligen Opfern bis heute auch keine deren Interessen zum Thema kein wenig eine Berücksichtigung finden / fanden! Man schnitzt sich da mal schnell ein sogenanntes Kuratorium zusammen, ( diese Herrschaften wurden nur von Herrn RA Weber mal schnell gesucht und gefunden ) und siehe da, eine Befriedung ist schon einmal in die Wege geleitet. Ich sage nein danke, weil das für mich in keinster Weise eine richtige Aufarbeitung ist. Jetzt werden plötzlich viele zum Thema gelobt , nur damit diese heutige Institution einmal auch dieses Thema vom Tisch hat. Das MIM München, von dem oben im Bericht geschrieben wird: Der Besitzer dieses MIM Hauses in München , ist die kath. Kirche in München! Also ,lange Rede und kurzer Sinn: Alles ein großer Schmarren. Bei der letzten Pressekonferenz , OKT. 2016 , fand es der leitende DKP nicht einmal für nötig daran teilzunehmen, er stand nämlich nur in der letzten Reihe. Auch finde ich , da das Thema dieser derartigen Aufarbeitung noch derart kocht,, sollte man doch bitte noch mit diesem Abschlußbericht ein paar Monate warten. Viele Betroffene bleiben ihr Leben lang durch die Missbrauchserfahrungen / Gewalterfahrungen geprägt und oder sind bis heute nach so langer Zeit derart belastet. Ich schreibe jetzt zum Thema kein Buch , aber ich schreibe hier nur meine Meinung.
    …..
    Ein Extra-Lob an Bischof Rudolf Voderholzer / Regensburg
    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/rorig-wurdigt-aufarbeitung-bei-domspatzen
    …..
    „Endlich umfassende Aufarbeitung“
    https://www.domradio.de/themen/ethik-und-moral/2017-02-25/roerig-wuerdigt-missbrauchs-aufarbeitung-bei-domspatzen

  • Angelika Oetken

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    Das Bistum macht Werbung mit seinem Projekt. Wie solide es ist, wird die Zukunft zeigen.

    Das MIM hat nicht nur seine Räume von der Kirche gemietet, sondern ist vom Bistum Regensburg beauftragt worden, für vorerst zwei Jahre als Anlaufstelle für Betroffene zu fungieren http://www.bistum-regensburg.de/news/pressemitteilung-aufarbeitungsgremium-zu-den-missbrauchsfaellen-bei-den-regensburger-domspatzen-informiert-ueber-gesamt-konzept-4964/ Und wie auch im Falle aller anderen Beauftragten und Gremien des Bistums Regensburg, die sich mit Gewalt und Missbrauch an den Einrichtungen des Bistums beschäftigen, vermisse ich nähere Angaben zu Art und Umfang des Auftrages, zu Interessenkonflikten und zum Datenschutz. Von Opfern der Bistumseinrichtungen, die sich an das MIM gewandt hatten war nur zu hören, dass die Mitarbeiter dieser Institution großen Wert darauf legen, zu erfahren, wen die Betroffenen schon über das, was ihnen widerfahren ist informiert hatten.

    Kurzum: es ist dringend an der Zeit, dass ein Goldstandard für institutionelle Aufarbeitungsvorhaben entwickelt wird. Zum Schutze der Betroffenen und Whistleblower, aber auch, um die Glaubwürdigkeit ALLER Aufklärer nicht zu gefährden. Es gibt schließlich auch welche, die sehr transparent arbeiten.

  • Angelika Oetken

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    Wer hat eigentlich das MIM ausgewählt?

    Es gibt in München nämlich noch andere Stellen, die in Frage kommen. Zum Beispiel das THZM http://www.thzm.de/
    Dort berät und hilft man Traumaopfern. Darunter auch Betroffenen so genannter „ritueller Gewalt“, die beim Ausstieg aus dem Missbrauchskontext begleitet werden. Hinter dem Begriff „rituelle Gewalt“ verbirgt sich organisierte sexuelle Ausbeutung, ritueller sexueller Missbrauch und sektenähnlicher Missbrauch.

    Nach allem, was wir bisher über die Gewalt und über den Missbrauch, der an Einrichtungen des Bistums betrieben wurde und ggf. noch wird, in Erfahrung gebracht haben, sollten Opfer, die sich beim Aufbau einer gesunden und heilsamen Distanz zum Missbrauchsgeschehen und dem Täterkreis therapeutisch begleiten lassen wollen, bei der Wahl der HelferInnen besonders sorgfältig und wachsam sein.

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