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Beiträge mit Tag ‘Colosseum’

Das „offizielle“ Regensburg tut sich schwer im Umgang mit seiner Vergangenheit als Zentrum des Rüstungskonzerns Messerschmitt. Die Verbindungen der Stadt zum KZ-System Mauthausen-Gusen waren in der lange kein Thema. Das, obwohl zwischen 1943 und 1945 mehrere hundert der Regensburger Messerschmitt-Facharbeiter zur Flugzeugproduktion nach Gusen versetzt wurden, um dort Zwangsarbeiter anzuleiten und zu überwachen. Bis ins Jahr 1997 hielt dieses Schweigen an: Dann fielen dem Antiquar Reinhard Hanausch zufällig zehn im Gusener Konzentrationslager angefertigte Aquarelle in die Hände, die der polnische Häftling Franciszek Znamirowski für den aus Regensburg stammenden Vorarbeiter Karl Seider gemalt hatte. Derzeit läuft dazu eine Ausstellung in der staatlichen Bibliothek („Überleben durch Kunst“).

Produktionsstätte für die Regensburger Messerschmitt GmbH: Das ehemalige Konzentrationslager Gusen in Österreich. Foto: Werner

Produktionsstätte für die Regensburger Messerschmitt GmbH: Das ehemalige Konzentrationslager Gusen in Österreich. Foto: Werner

Da die damalige Produktionsverlagerung Messerschmitts nach Gusen nicht nur mit Blick auf die Kriegsindustrie, sondern auch stadtgeschichtlich von Bedeutung ist, soll hier eine überblicksartige Zusammenfassung folgen. Diese versteht sich auch als Hintergrundbericht zur Ausstellung und dem dazu jüngst erschienenen Begleitband.

Die Entstehung des Lagersystems Mauthausen

Im März 1938, wenige Tage nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs, inspizierten Spezialisten der SS die Steinbrüche in der Nähe von Mauthausen, südöstlich von Linz an der Donau. Gesucht wurde ein Areal für ein Konzentrationslager. Nachdem das Granitabbaugebiet zwischen den Ortschaften St. Georgen, Gusen und Mauthausen als geeignet befunden worden waren, ließ die SS dort ab August 1938 von Dachauer KZ-Häftlingen das erste Konzentrationslager im Gebiet des annektierten Österreichs errichteten. Dieses KZ in Mauthausen war dazu gedacht, politisch und „rassisch“ definierte Gegner dort zu internieren, um sie als rechtlose Arbeitskräfte auszubeuten.

Um geeignetes Material für den Bauboom des aufrüstenden Nazireichs profitabel bereitstellen zu können, gründete die SS eigens die „Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH“ (DEST) und errichtete in den Granitbrüchen von Flossenbürg in der Oberpfalz zeitgleich ein weiteres Lager mit der derselben Funktion. Diese SS-eigne Gesellschaft trat bis Kriegsende 1945 als Betreiber der jeweiligen Steinbrüche auf.

Bereits gegen Jahresende 1939, als sich circa 2.600 Häftlinge und etwa 500 SS-Leute in Mauthausen befanden, plante man eine Vergrößerung des Lagers. Der Überfall der Deutschen auf Polen 1939 stellte die Ausbeutung von zigtausenden polnischen Arbeitskräften in Aussicht.

Der Bau von Gusen I

Im Frühjahr 1940 wurden KZ-Häftlinge von Dachau nach Gusen bei Mauthausen gebracht, um dort ein weiteres Konzentrationslager zu bauen. Unter ihnen war der polnische Lehrer Wacław Pilarski, der dort so fürchterliche Lebensbedingungen vorfand, so dass er sich mit einer eigenartigen Wunschvorstellung tröstete: „Wenn wir das fertig gebaut haben, dann bringen sie uns weg von hier. Vielleicht kommen andere und wir fahren wieder nach Dachau.“ Aus solchen Berichten Überlebender speist sich der grausige Ruf von Gusen.

Das dortige Konzentrationslager wird regelmäßig mit Superlativen wie „Vorraum der Hölle“, oder „Die Hölle aller Höllen“ belegt. Obwohl diese Bezeichnungen individuell berechtigt sind, gilt es zu unterscheiden: Der Lagerkomplex Gusen bestand nämlich aus drei Teillagern, die ihrerseits mehrere Veränderungen und Entwicklungen durchmachten und nicht für alle Häftlinge das gleiche Grauen bedeuteten.

Bevor das Lager in Gusen 1940 eigenständig geführt wurde, war es dem KZ im nahegelegenen Mauthausen zugeordnet.

Das Lagersystem von Gusen.

Das Lagersystem von Gusen.

Nicht zuletzt, um die tägliche Wegstrecke der Häftlinge vom Mauthausener Lager in die Bergwerke bei Gusen zu verkürzen, wurde diese Nebenlager dort, nahe den Steinbrüchen errichtet. Mitten im kleinen Dorf Gusen. Anfangs trug es die Bezeichnung „KL Mauthausen/Unterkunft Gusen“ und ab Mai 1940 bekam es eine eigene Verwaltungs- und SS-Bewachungsstruktur. Das später als „KZ Gusen I“ bezeichnete Areal war circa 250 mal 400 Meter groß und sollte 7.000 Häftlinge aufnehmen können.

Als der eingangs erwähnte Wacław Pilarski auf der KZ-Baustelle von Gusen I ankam, gab es dort weder Straßen noch Baracken. Weder Wasserversorgung noch Latrinen. Die Arbeitsbedingungen waren so desaströs, dass täglich Tote zu beklagen waren. Die eklatante Unterversorgung der Häftlinge mit Nahrung, Kleidung, Wasser, Unterkunft, sanitären Einrichtungen, Ruhepausen, etc. war Programm. Gefangene kamen von Anfang an durch die reguläre Arbeitsbelastung zu Tode, ihr Sterben wurde zumindest billigend in Kauf genommen. Die ersten Betten in den schnell errichteten Baracken gab es erst Ende 1940. Im Januar 1941 nahm man ein Krematorium in Betrieb. Mit dem darin errichteten und mit Koks befeuerten „Doppelmuffenofen“ wurden bis Ende April 1945 rund 30 000 Leichen verbrannt (weitere Details unter: www.gusen-memorial.at).

Im Juni 1942 wurden 24 weibliche Häftlinge aus Ravensbrück nach Mauthausen und Gusen verschleppt und im neu eingerichteten Bordell zur Prostitution gezwungen. Nur privilegierte Männer, die sich im Zuge ihrer Zwangsarbeit sogenannte Prämienscheine erworben hatten und dadurch die anfallende „Eintrittsgebühr“ an die SS bezahlen konnte, bekamen Zutritt ins Bordell. Begründet wurde der sogenannte Puff mit einer angeblich dadurch erzielten Leistungssteigerung und mit der vermeintlichen Vermeidung von sexuellen Übergriffen von Kapos gegen gewöhnliche Häftlinge.

Einheimische nannten es „Polenlager“

Im Laufe des Jahres 1940 wurden tausendfach KZ-Häftlinge polnischer Herkunft in das neue Konzentrationslager von Gusen deportiert. Da die Mehrheit der Häftlinge aus Polen kam, wurde Gusen I von den Einheimischen als „Polenlager“ bezeichnet. In den Anfangsjahren mussten die Häftlinge neben der Arbeit im Steinbruch vor allem die noch fehlende Infrastruktur aufbauen: Wege, Bahngleise, Steinmetzhallen, Hafenanlagen, Trockenlegung. Das Baumaterial dafür stammte aus den Steinbrüchen. Entsprechend dem Kriegsverlauf veränderte sich auch die Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft: 1940 kamen rund 4.000 spanische Republikanhänger, die in Frankreich gefangengenommen worden waren, 1941 verschleppten die Deutschen und ihre Helfer Holländer, sowjetische Kriegsgefangene (ca. 4.500), Jugoslawen, Franzosen und Belgier nach Gusen. Im Lagerkomplex Gusen wurden über 22.000 Polen, zumeist Angehörige der sogenannten polnischen Intelligenz, ermordet.

Rückkehr unerwünscht

Die ab Mitte der 1930er Jahre errichteten nationalsozialistischen Konzentrationslager wurden intern in sogenannte Lagerstufen I, II oder III unterteilt. Häftlinge eines Lagers mit der Stufe III sollten dieses im Regelfall nicht mehr lebend verlassen. Dementsprechend trugen die offiziellen Einlieferungspapiere den Vermerk „Rückkehr unerwünscht“. Im Reichsgebiet gab es außer dem Lagerkomplex Mauthausen-Gusen kein weiteres KZ mit der Lagerstufe III. In der Sprache der Vernichtungsbürokratie gesprochen hieß es, dass in Gusen vorwiegend Menschen eingewiesen wurden, die angeblich „kaum noch erziehbar“ waren. Neben der Ausbeutung der Häftlinge im Steinbruch war die gezielte Vernichtung der Gefangenen eine wesentliche Funktion im KZ Gusen.

"Rückkehr unerwünscht": Das Krematorium von Gusen. Foto: Werner

“Rückkehr unerwünscht”: Das Krematorium von Gusen. Foto: Werner

Die Überlebenschancen der Häftlinge waren unterschiedlich und ergaben sich in erster Linie aus ihrer nationalen bzw. „rassischen“ Einordnung durch die Nazis. Jüdische Gefangene, egal welcher Nationalität, überlebten meist nur wenige Tage. Von den Angehörigen der sogenannten polnischen Intelligenz und den russischen Kriegsgefangenen überlebte nur eine kleine Minderheit. Von den spanischen Republikanern starben fast Dreiviertel. Vor allem deutsche und österreichische Häftlinge konnten im Lager eine Funktionsstelle oder weniger zermürbende Arbeitsfelder erreichen, wodurch sie eher überlebten. Insbesondere Gefangene die spezielle Fertigkeiten besaßen: Handwerker verschiedenster Art, Ärzte, Ingenieure, mehrsprachige Menschen, Kunstmaler…

Funktionswandel durch Rüstungsproduktion

Im Laufe des Jahres 1943 bekam das Gusener Lager eine neue Funktion. Der Anteil der in den Steinbrüchen eingesetzten Häftlinge wurde reduziert und der Schwerpunkt auf die Rüstungsproduktion gelegt. Diese Neuorganisation auf Beschluss der SS-Führung galt für die meisten Konzentrationslager, so auch z.B. im KZ Flossenbürg, das für die Gusener Umstellung modellhafter Vorreiter war.

Rüstungsfabrikant mit direktem Draht zum Führer: Heinrich Messerschmitt. Foto: Heinrich Hoffmann

Rüstungsfabrikant mit direktem Draht zum Führer: Willy Messerschmitt. Foto: Heinrich Hoffmann

Der für die nationalsozialistische Kriegswirtschaft kennzeichnende Mangel an deutschen Arbeitskräften sollte durch das scheinbar unbegrenzte Kontingent an rechtlosen nichtdeutschen beseitigt werden.

Für den Lagerkomplex Mauthausen-Gusen bedeutete dies, dass in den Steinmetzhallen nunmehr unter anderem ab März 1943 Gewehrteile für die Steyr-Daimler-Puch AG und ab Dezember Flugzeugteile für die Regensburger Messerschmitt GmbH gefertigt wurden.

Messerschmitt verlagert Produktion ins KZ Gusen

Anders als die eigens in einem Außenlager unterbrachten KZ-Häftlinge, die z. B. in einem nahegelegenen Betrieb oder – wie das Außenkommando im Regensburger Colosseum – auf dem Gelände der Reichsbahn Zwangsarbeit leisten mussten, blieben die in Gusen Inhaftierten im Lager.

Man ging eine Art Joint-Venture mit Messerschmitt ein: Es wurde vertraglich vereinbart, dass der nationalsozialistische Musterbetrieb Messerschmitt Rohmaterial, Maschinenpark und Facharbeiter bzw. Know-how zur Verfügung stellt und sein Vertragspartner, die SS-GmbH DEST, Arbeitskräfte und bauliche Infrastruktur. Zu einem vertragsgemäßen Stückpreis wurden daraufhin in den ehemaligen Steinmetzhallen Rümpfe und Flügel für den Standardjäger der Luftwaffe, die Me 109, produziert. Bereits im Oktober 1943 wurden über den KZ-eigenen Bahnanschluss Betriebsmittel und Material für die Produktion der Messerschmitt-Jäger angeliefert. Ein für beide Seiten gewinnbringendes und risikoloses Rüstungsgeschäft, das zu Lasten der Häftlinge ging.

Im November 1943 trafen in Gusen auch zivile Facharbeiter aus Regensburg ein. Sie wurden privat bei Ortsansässigen untergebracht und namentlich in gemeindlichen Meldebüchern erfasst. Nach Recherchen von Rudolf Haunschmied, der seit Jahrzehnten mit der Geschichte des Lagerkomplexes um Gusen befasst ist (siehe www.gusen-org.at), befanden sich zu Produktionsbeginn im November bereits vierzig ausgewählte Spezialisten in Gusen: Schlosser, Spengler, Nieter, Kontrolleure oder Maler. Für das folgende Jahr waren für die Flugzeugproduktion bereits 4.000 Häftlinge und 400 Messerschmitt-Zivilarbeiter geplant. Unter den ersten zivilen Spezialisten in Gusen befand sich auch der Regensburger Maler Karl Seider.

Ein „Arier“ und Parteigenosse steigt auf

Karl Seider, 1907 in Vilshofen geboren, war als Kind mit seinen Eltern nach Regensburg gezogen und machte hier eine Lehre als Maler. Zuletzt hatte er als Malergehilfe gearbeitet. Im Januar 1938, nach längerer Arbeitslosigkeit, begann er im Regensburger Rüstungsbetrieb Messerschmitt zu arbeiten. Um diese hochbezahlte Stelle antreten zu können, war es offenbar von Vorteil, oder notwendig, Mitglied der NSDAP zu werden. Seider trat wenige Wochen vor seiner Anstellung in die Nazi-Partei ein.

Im Zuge der Kriegsvorbereitungen war der Messerschmittkonzern enorm gewachsen und zu einem der führenden Flugzeugwerke aufgestiegen. Mit ihm der Rüstungsstandort Regensburg. Die stadtpolitische Führung Regensburgs unter den SS-Bürgermeistern Otto Schottenheim und Hans Herrmann förderte diesen Aufstieg intensiv, unter anderem im Beirat des nationalsozialistischen Musterbetriebs.

Als Seider Ende 1943 die Rüstungsschmiede in seiner Heimatstadt verließ, mussten in und um Regensburg mehrere tausend Menschen Zwangsarbeit leisten. Ob Seider bereits in Regensburg einen Vorarbeiter-Posten innehatte, ist nicht bekannt, aber unwahrscheinlich. Im Gusener Konzentrationslager bekam er jedenfalls die Stelle des Vorarbeiters in der Malerwerkstatt. Im rassistischen Herrschaftsgefüge stieg Seider, der laut seinem Personalbogen den „Arierparagraphen“ erfüllte und katholischer Konfession war, zum „Meister“ auf. Er beaufsichtigte unter anderem zur Zwangsarbeit verpflichtete Polen, die der nationalsozialistischen Rassenideologie zufolge einer „minderwertigen Rasse“ angehörten

KZ-Meister „auf Posten“

Das Wenige, was man über Karl Seiders konkretes Verhalten in Gusen weiß, stammt aus der Biografie des eingangs genannten polnischen Künstlers Franciszek Znamirowski von 1971. Der KZ-Häftling Znamirowski kam nämlich im Januar 1944 in die Gusener Malerwerkstatt unter Seider und bescheinigte ihm lapidar, dass er „mit den Menschen eine sehr große Nachsicht“ hatte. Einmal habe Seider Znamirowskis Briefe an der Kontrolle vorbei mit nach Regensburg genommen, um sie dann ins besetzte Polen weiterzusenden. Überliefert ist auch, dass Seider einen weiteren Häftling der Malerwerkstatt deckte, der nebenher und verbotswidrig Bilder produzierte. Zweifellos hob sich Seider durch dieses Verhalten von anderen deutschen zivilen Vorarbeitern positiv ab, vielleicht schenkte Znamirowski ihm deshalb die eingangs erwähnten zehn Aquarelle.

"auf posten": Ein Aquarell, auf dem Znamirowski die Schwarzarbeit für Seider thematisierte.

“Auf Posten”: Ein Aquarell, auf dem Znamirowski die Schwarzarbeit für Seider thematisierte.

Karl Seider dürfte nicht zuletzt aus Eigeninteresse und Selbstschutz so gehandelt haben. Er war nämlich eine zentrale Figur in dem streng verbotenen Tauschhandel, der damals mit Zeichnungen und Kunstwerken der KZ-Häftlinge betrieben wurde. Zu den Abnehmern der Zeichnungen, die in der Malerwerkstatt unter Seiders Protektion und sicher auch zu seinem Nutzen als „Schwarzarbeit“ produziert wurden, gehörten unter anderem Zivilisten und SS-Leute bis in die höchsten Ränge. Angeblich soll sogar der Gusener Lagerkommandant seine Räume mit solchen Werken verziert haben.

Korruption und Schwarzmarkt waren zwar im KZ-Wesen allgegenwärtig, jedoch bestand immer die Gefahr, dass die daran Beteiligten, insbesondere die Häftlinge, dafür schwer bestraft wurden. Die „Schwarzarbeit“ in der Malerwerkstatt war ein offenes Geheimnis. Znamirowski hat sogar eines der derzeit ausgestellten Aquarelle danach benannt. Seider wird darin als Komplize „auf Posten“ dargestellt, als einer, der im weißen Mantel für die „Schwarzarbeit“ Schmiere steht.

Das Konstrukt von der Rechtschaffenheit

Für den Begleitband zur Ausstellung „Überleben durch Kunst“ hat der Historiker Roman Smolorz auf der Grundlage der spärlichen konkreten Angaben, die in Bezug auf Seider überliefert sind, eine Bewertung von dessen Verhalten in Gusen vorgenommen.
Schon der Titel seines Aufsatzes kündet vom Ergebnis: „Biografie einer rechtschaffenen bayerischen Seele“. Was immer dies auch sein mag: eine rechtschaffene bayerische Seele in einem Vernichtungslager. Ohne weitere Quellen heran ziehen zu können, konstruiert Smolorz mit den wenigen Bemerkungen, die Znamirowski über Seider fallen ließ, ein anständiges Wesen, das obwohl Parteimitglied, nicht den „Nationalsozialisten“ und ihren Verbrechen zuzuordnen sei. Ob sich Karl Seider auch gegenüber Juden, Kranken, sowjetischen Kriegsgefangen, Roma, Nicht-Malern etc. „anständig“ verhalten hat, dieser Frage geht Smolorz nicht nach.

Vielmehr behauptet er, der gebürtige Niederbayer Seider sei „mental wahrscheinlich auch ein wenig Oberpfälzer“ gewesen, habe „freilich kirchlich geheiratet“ und seine Kinder römisch-katholisch taufen lassen, „obwohl dies in der Zeit des Nationalsozialismus nicht opportun“ gewesen sei. Nach Smolorz „fühlte er sich gezwungen“, neben der NSDAP auch dem NS-Fliegerkorps beizutreten, um keine Nachteile zu erleiden. Nur auf den ersten Blick habe er sich dem NS-Regime gegenüber opportun verhalten, nach seiner Konfrontation mit den Verbrechen der Nationalsozialisten in Gusen habe Seider dieser Opportunität aber innerlich getrotzt. Wie diese „Konfrontation“ aussah, wann sie geschah und was sie bei Seider verändert haben soll, weiß Smolorz nicht anzugeben. Insgesamt habe bei Seider keine „nationalsozialistische Überzeugung“ zugrunde gelegen, vielmehr sei es überzeugender, „vom Anstand der Person Seider auszugehen“.

Smolorz verkennt dabei das strukturelle Macht- und Vernichtungsverhältnis zwischen dem rechtlosen KZ-Häftling und dem im nationalsozialistischen Lager zum „Meister“ aufgestiegenen Parteigenossen, der persönlich Nutzen aus dem rassistischem Vernichtungssystem zog. Die hiesige Tageszeitung setzte all dem noch eine Krone auf, als sie zur Ausstellungseröffnung über Seider titelte: „Ein Mensch im Gewande des Herrenmenschen“ (MZ 16.1.2012).

Die Überbewertung der Person Seiders kam offensichtlich auch dadurch zustande, weil Smolorz die Forschungsergebnisse des Begleitbands zur Ausstellung „Kunst und Kultur im Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945“ von 2007 nicht berücksichtigte. Denen zufolge hatte Znamirowski nämlich neben Seider weitere, vor allem mächtigere, Protektoren unter anderem den Kommandanten der KZ-Wache. Dieser bekam von dem polnischen Künstler sogar Unterricht in Aquarellmalerei. Der überlebenswichtige Lohn: Brot, Zucker und Obst.

Leider mindern diese unhistorischen Spekulationen von Smolorz seine ansonsten überaus verdienstvollen Recherchen. Insbesondere zu erwähnen sind seine beeindruckenden Nachforschungen zu Znamirowski, der 1894 als Sohn eines Bahnarbeiters und einer Hausfrau in der galizischen Stadt Stary Sącz geboren wurde.

Znamirowskis Weg in die Malerwerkstatt

Vor dem Krieg diente Znamirowski als Major in der polnischen Armee, 1939 nahm er an der Verteidigung Warschaus teil, um danach bis zu seiner Verhaftung im Juni 1943 in der „Armia Krajowa“ (dt.: Heimatarmee) im Untergrund weiter gegen die Deutschen zu kämpfen. Nach seiner Festnahme wurde Znamirowski Ende August als politischer Häftling ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt, um daraufhin Anfang November nach Mauthausen-Gusen deportiert zu werden. Nachdem er dort fast sechs Wochen in einem Quarantänelager zubringen musste, zog man ihn als Facharbeiter für die Messerschmitt-Produktion heran. Glücklicherweise verstand es Znamirowski gerade zu dem Zeitpunkt als „Maler“ aufzutreten, als die SS eben solche Facharbeiter für die Produktion von Flugzeugteilen suchte.

Der KZ-Häftling Franciszek Znamirowski.

Der KZ-Häftling Franciszek Znamirowski.

Franciszek Znamirowski, der wie erwähnt Anfang Januar 1944 in Seiders Malerwerkstatt gekommen war, beschrieb seine eigene privilegierte Lage mit folgenden Worten: „ohne physische Anstrengung, unter dem Dach immer in der Wärme und ohne herumgejagt zu werden, in einer Atmosphäre der Ruhe und nicht des Grauens, welches immer über den Gefangenen zu jeder Tageszeit hing“. In dieser Umgebung, fast könnte man meinen, dass er sich nicht zu den Gefangenen rechnete, gelang es Znamirowski eigenen Angaben zufolge, neben der beachtlichen Anzahl von etwa 100 Ölbildern, kleine Ansichtskarten und weitere Kunstwerke zu fertigen. Diese beeindruckende Menge stellt eine singuläre Ausnahme für einen KZ-Häftling dar.

Tatsächlich war Znamirowski kein ausgebildeter Maler sondern Offizier, der nur um 1914 eine kurze Zeit die Krakauer Akademie der Künste besucht hatte. Dass er sich nur zur Tarnung als „Maler“ ausgab, wusste die Geheime Staatspolizei bereits im Herbst 1942, als sie nach ihm suchte. Anfang des Jahres 1944 war es allerdings nicht mehr von Belang, mit welcher Tarnung polnische Offiziere im Untergrund agiert hatten. In Gusen sollten sie, falls fachlich dafür halbwegs geeignet, für die deutsche Rüstungsindustrie arbeiten. Arbeiten, solange sie körperlich dazu in der Lage waren, unter Umständen bis zu ihrer Vernichtung. Eine Überlebensgarantie war diese Tätigkeit als Facharbeiter im nationalsozialistischen Ausbeutungs- und Vernichtungssystem Gusen also nicht. Wurden Facharbeiter beispielsweise krank und länger arbeitsunfähig, gerieten sie in die Mühle der Vernichtung.

Der Bau von Gusen II: Vernichtung durch Arbeit im Stollenbau

Gegen Ende 1943 traten in Gusen gravierende Veränderungen auf. Die Lagerleitung begann, Häftlinge zum Bau von Stollen abzuordnen. In diesem Jahr hatten die alliierten Luftkräfte damit begonnen, die wichtigsten Flugzeugproduktionsstätten im Reich systematisch anzugreifen. So auch die Messerschmittwerke in und um Regensburg, die die Alliierten Stäbe mit höchster Priorität und Genauigkeit bombardieren ließen. Als Reaktion darauf wurde die Produktion zunächst dezentralisiert und um 1944 in unterirdische Fabriken verlagert.

Willy Messerschmitt: Mehrfach von den Nazis ausgezeichnet, hier als "Pionier der Arbeit".

Willy Messerschmitt: Mehrfach von den Nazis ausgezeichnet, hier als “Pionier der Arbeit”.

Im Bereich nördlich von Gusen begann man im Dezember 1943 unter dem Tarnnamen „Kellerbau“ die erste unterirdische Produktionshalle zu errichten. Da die geologischen Voraussetzungen dort nicht ideal waren, entstand Anfang 1944 im nahegelegenen St. Georgen eine weitere, viel größere Stollenanlage. Dieses Projekt trug den Tarnnamen „Bergkristall – Esche II“, es hatte höchste Priorität und breitete sich zuletzt über die gigantische Nutzfläche von fast 50.000 Quadratmetern aus. Für die bauliche Herstellung dieser Stollenanlage wurden tausende von KZ-Häftlingen, zumeist jüdische aus Auschwitz, nach Gusen deportiert. Der Bergkristall-Stollen wurde unter grausamsten Bedingungen geschaffen. Bis zu 6000 Häftlinge wurden dafür abgestellt. Hier wurde massenhaft Leben durch härteste Arbeit vernichtet.

Untergebracht waren die Häftlinge im eigens dafür errichteten Außenlager Gusen II, dessen Lebensbedingungen mit ihrer systematische Unterversorgung schlechter kaum mehr sein konnten. Im Winter 1944 auf 1945 waren dort etwa 17.000 Menschen auf engsten Raum zusammengepfercht. 9.000 Tote waren für das erste Drittel des Jahres 1945 in Gusen zu beklagen.

Um die ohne Unterlass nach Gusen und Umgebung verschleppten Menschenmassen verwalten und ausnützen zu können, wurde der Bau eines dritten Teillagers notwendig. Nördlich von St. Georgen errichtete man im Dezember 1944 das Versorgungslager Gusen III. Dies war mit etwa 200 Häftlingen ein relativ kleines Lager.

Größter Verlagerungsbetrieb

Anders als in Gusen I, wo die Produktion von Teilen des Me109-Jägers weiterlief, wurden in den Stollen von St. Georgen Rümpfe des Düsenjäger Me 262 hergestellt. Diese in mehreren Schichten betriebene Produktionsstätte „Bergkristall“ stellte den größten Verlagerungsbetrieb des gesamten Messerschmittkonzerns dar, sie war somit auch von zentraler Bedeutung für die SS und das Luftfahrtsministerium. Von Herbst 1944 bis zum Kriegsende 1945 verließen fast 1.000 Rümpfe die Untertagefabrik von St. Georgen. Laut Aussagen von Überlebenden war das Verhältnis zwischen KZ-Häftlingen und dem Zivilpersonal von Messerschmitt oftmals schlecht, da letztere einer SS-Werkschutzorganisation angehörten und sich der NS-Ideologie entsprechend verhielten.

Der Solz von Regensburg: Messerschmitt-Propaganda im Programm des Stadtteaters.

Der Stolz von Regensburg: Messerschmitt-Propaganda im Programm des Stadttheaters.

Geliefert wurden die Teile der Me 262 unter anderem nach Obertraubling, wo die Düsenjäger vollständig montiert, eingeflogen und ausgeliefert wurden. Aus dieser dezentralen Infrastruktur heraus, die für das Reichsluftfahrtsministerium höchste Relevanz hatte, erfuhr die Rüstungsregion um Regensburg-Obertraubling eine weitere Aufwertung. Vor diesem Hintergrund wird auch verständlich, warum man in Obertraubling und Regensburg/ Colosseum kurz vor Kriegsende noch zwei Außenlager des KZ Flossenbürg einrichtete. So sollte die vermeintlich kriegsentscheidende Infrastruktur am Laufen gehalten werden. Die erhoffte kriegsentscheidende Wirkung stellte sich allerdings nicht mehr ein.

Methoden der Vernichtung im KZ Gusen

Die Methoden der gezielten Vernichtung entsprachen zum Einen denen anderer Konzentrationslager: Tod durch Unterversorgung, Seuchen, Erschießen, Erschlagen, Vergiftung durch Spritzen ins Herz. Zum anderen wurden Arbeitsunfähige, Kranke und Schwache ins nahegelegene Schloss Hartheim deportiert und dort vergast. In der Gaskammer von Hartheim, das als überregionales Zentrum zur Vernichtung von sogenanntem „lebensunwerten“ Leben – auch für jene aus Regensburg Karthaus – diente, fanden etwa 2.000 Häftlinge den Tod. Weiterhin sind gezielte Tötungen von Gefangenen in Baracken durch Zyklon B überliefert. Dies geschah im Rahmen einer Desinfektion von Räumlichkeiten nach dem Auftreten der Flecktyphus-Seuche. Durchgeführt haben diese Morde unter anderem Mitarbeiter einer zivilen Linzer Firma.

Als bemerkenswerte Besonderheit ist noch ein Gaswagen zur gezielten Vernichtung zu nennen. In diesem transportierte man auf den Strecken Gusen – Mauthausen und Mauthausen – Gusen jeweils Kranke, die dann unterwegs mit Motorabgasen oder Blausäure aus den Zyklon-B-Kartuschen ermordetet wurden. Es wird geschätzt, dass dadurch über 900 zumeist kranke und schwache Gefangene zu Tode vergiftet wurden. Überliefert ist darüber hinaus die Gusener Besonderheit des „Todbadens“. Bis zu 300 Menschen wurden durch lang andauerndes Eintauchen in eiskaltes Wasser oder durch Untertauchen getötet. Die Täter stammten aus der SS und dem Kreis willfähriger Funktionshäftlinge – hauptsächlich sogenannten Berufsverbrechern deutscher oder österreichischer Herkunft.

Insgesamt wurden mehr als die Hälfte der 71.000 Gefangenen in Gusen getötet. Dies entspricht in etwa der Opferzahl des Dachauer Lagers, das allerdings die dreifache Anzahl von Häftlingen aufwies und mehr als doppelt so lange existierte.

Am 5. Mai 1945 endlich wurden etwa 20.000 Gefangene befreit, die zumeist aus kurz vorher anderswo aufgelösten Lagern stammten. Nach der Ankunft der US-Truppen in Gusen starben noch etwa 2.000 der Befreiten an den Folgen der mörderischen Haftbedingungen – trotz der bald einsetzenden medizinischen Versorgung in Lazaretten und Spitälern.

Kein Überleben ohne Glück

Überlebende von Konzentrationslagern hatten in der Regel mehrfach „Glück“. Ohne Glück kein Überleben. Oder anders formuliert: in eine unglückliche Situation zu geraten oder unglücklicherweise in einem zermürbenden Kommando arbeiten zu müssen, konnte den unvermeidlichen Tod bedeuten. In Phasen der gezielten Massenvernichtung, beispielsweise von Juden, sowjetischen Kriegsgefangenen oder polnischen Akademikern, war die Möglichkeit „Glück zu haben“ für all jene, die zur Vernichtung vorgesehenen waren, strukturell nicht gegeben.

Häftlinge, die nicht aus dem Deutschen Reich stammten, mussten besonders gute Facharbeiter sein, oder ausgefallene Qualifikationen und/oder Deutschkenntnisse besitzen, um etwa eine weniger auszehrende Arbeit zu finden und bessere Überlebenschancen zu haben. Laut dem Österreicher Hans Maršálek, der als sogenannter KZ-Lagerschreiber Mauthausen überlebte, hatten besonders junge Gefangene und solche, die innerhalb der nationalen Solidarität der Häftlingsgesellschaft geschützt wurden (wie z.B. Polen oder Spanier), bessere Chancen, mit dem Leben davonzukommen.

Der zu Beginn erwähnte Wacław Pilarski erklärte sein Überleben unter anderem dadurch, dass er glücklicherweise bald nach seiner Einlieferung dem vergleichsweise weniger zermürbenden und damals unterbesetzten Gärtnerkommando zugeteilt wurde, obwohl er keine entsprechende Ausbildung besessen hatte. Pilarski überstand das KZ Gusen und wurde nach seiner Befreiung Jurist in Polen.

Franciszek Znamirowski, dessen Bilder derzeit in der Staatlichen Bibliothek gezeigt werden, erfüllte mehrere Voraussetzungen, die ein Überleben in Gusen zumindest wahrscheinlicher machten. Er beherrschte die deutsche Sprache relativ gut und war in der bevorzugten Lage, Flugzeugteile fachmännisch lackieren zu können. Er konnte nebenbei Kunstwerke in Schwarzarbeit herstellen und war zusammen mit seinem Vorarbeiter, Karl Seider, in einen illegalen Tauschhandel eingebunden. Da dieser bis zuletzt nicht geahndet wurde, konnten beide davon, wenn auch ungleich, profitierten.

Seider hat u.a. aus der „Schwarzarbeit“ Znamirowskis Nutzen gezogen. Hätte er die „Schwarzarbeit“, die Gefälligkeiten und Gunstbezeugungen des polnischen Zwangsarbeiters denunziert, wäre sowohl er selbst als auch seine privilegierte Stellung als deutscher Vorarbeiter schwer gefährdet gewesen.

Es bleibt dennoch ein eklatanter Unterschied zwischen Seider und anderen zivilen Arbeitern aus dem Regensburger Haus Messerschmitt, die nach Gusen abkommandiert worden sind. Der polnische Häftling Stefan Józewicz sagte nach seiner Befreiung von der Gusener KZ-Haft 1945 aus, dass „zivile Meister bei Messerschmitt für viele Todesurteile von Häftlingen verantwortlich (waren)“. Diese Schuld trug Seider, soweit bekannt, nicht.

Messerschmitt und Gusen im Bewusstsein der Stadt

Das offizielle und das mehrheitliche Regensburg tun sich schwer mit dem unangenehmen zeitgeschichtlichen Thema Rüstungsstadt Regensburg und KZ-Zwangsarbeit für Messerschmitt in Gusen oder Flossenbürg. So ist es auch kein Zufall, dass die derzeitige Ausstellung in der staatlichen Bibliothek ohne Unterstützung der Stadt auskommen musste. Dort denkt man völlig anders über dieses Thema. Nichts könnte die zugrundeliegende Haltung besser verdeutlichen als die städtische Bewerbungsschrift für das Haus der Bayerischen Geschichte aus dem Amt des Regensburger Kulturreferent Klemens Unger.

Darin wird, nicht ohne einen gewissen Stolz, die Geschichte des Nazi-Rüstungsgiganten Messerschmitt als beispielhaft für „wirtschaftlicher Fortschritt, politisch demokratische Stabilität und kulturelle Identität“ in Regensburg und Bayern dargestellt.

Wünschenswert wäre es, wenn sich das Haus der Bayerischen Geschichte der Zwangsarbeit beim Rüstungs-Giganten Messerschmitt tatsächlich annehmen und dessen überregionale Bedeutung im derzeit geplanten Museum in Regensburg thematisieren würde. Die einzigartigen Aquarelle von Franciszek Znamirowski befänden sich bereits in der Stadt. Sie eignen sich vorzüglich als Dokumente für eine historische Ausstellung.

Literatur:

Baris Alakus (Hg.): „Kunst und Kultur im Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945“ (Ausstellungskatalog), 2007.

Stanisław Dobosiewicz: Vernichtungslager Gusen, 2007.

Reinhard Hanausch, u.a. (Hg.): „Zwangsarbeit im Konzentrationslager Gusen für das Messerschmittwerk Regensburg“, 2012.

Rudolf A. Haunschmied, u.a. : St. Georgen – Gusen – Mauthausen, 2007.

Hans Maršálek: Konzentrationslager Gusen, Ein Nebenlager des KZ Mauthausen, 1987.
Katarzyna Madoń-Mitzner (Hrsg.): Errettet aus Mauthausen, 2010.

Bertrand Perz, u.a.: Konzentrationslager in Oberösterreich 1938 bis 1945, 2007.

Und sie bewegt sich doch

Colosseum: Stadt holt Experten ins Boot

Man muss nur ein paar Jahre hartnäckig bleiben – und schon tut sich was. In der Debatte um ein angemessenes Gedenken für die Opfer des KZ-Außenlagers Colosseum in Stadtamhof hat sich die Stadt nun dazu durchgerungen, auf den Rat von Experten zu setzen. Das gab Kulturreferent Klemens Unger am Mittwoch in der Sitzung des Kulturausschusses bekannt.

Bestandsaufnahme

Messerschmitt und Regensburg

Als beispielhaft für wirtschaftlichen „Fortschritt, politisch demokratische Stabilität und kulturelle Identität“ gelten die Messerschmitt-Werke laut der Regensburger Bewerbung für das Museum Bayerische Geschichte (2011). Eine kleine Bestandsaufnahme zu dem Rüstungsindustriellen Willy Messerschmitt und Regensburg.

Ansichten eines ödp-Stadtrats

Konkurrenz des Gedenkens

Als “Häppchen” zwischen der Nicht-Diskussion um den Nicht-Skandal der Falsch-Abrechnung ging es im letzten Stadtratsplenum auch um die Regensburger Gedenkkultur. Angestoßen von ÖDP-Stadtrat Eberhard Dünninger stritten sich der honorable Professor a. D., OB Hans Schaidinger, der dritte Bürgermeister Joachim Wolbergs und Richard Spieß um Gedenktafeln, die Rolle des SPD-Bürgermeisters und der Privatperson Wolbergs und ganz am Rande auch um die Aktivitäten Verfassungsschutzes.

„Regensburger Gedenkkultur“

Zeichen der Annäherung?

Ein Anliegen, zwei Veranstaltungen: Das Gedenken an die NS-Opfer bleibt in Regensburg auch in diesem Jahr gespalten. Zum ersten Mal seit 40 Jahren nimmt aber ein Bürgermeister auch beim Gedenkweg am 23. April teil. Das ist wenigstens so etwas wie der Anfang eines gemeinsamen Gedenkens.

Heute vor 67 Jahren wurde in Regensburg ein KZ eröffnet

Cowboys im Vollrausch

Am Montag ist es auf den Tag genau 67 Jahre her, seit mitten in Regensburg ein KZ eingerichtet wurde. Doch bis heute schaffen es die Verantwortlichen an der Spitze der Stadt nicht, mit dem Thema offen und ehrlich umzugehen. Und hier nicht von Absicht zu sprechen, hieße, diesen Leuten eine Intelligenz im Bereich des Debilen zu attestieren.

Holocaust-Gedenktag

„Erinnern ist Grundlage des Friedens“

Es war ein Einlenken. Anlässlich der Gedenkfeier zum Internationalen Holocaust-Gedenktag hat Oberbürgermeister Hans Schaidinger am Sonntag erstmals vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof gesprochen. Die Wahl des Orts ist auch ein Zugeständnis an die zahlreichen Kritiker städtischer Gedenkpolitik.

Mehr oder weniger Opfer

„Volkstrauertag heute muss also auch bedeuten, den Blick über Deutschland hinaus zu weiten und aller Opfer ohne Ausnahme oder irgendeiner Klassifizierung zu gedenken“, erklärte OB Hans Schaidinger beim Volkstrauertag 2010. Ein Jahr später hat sich diese Doktrin geändert. Die 50er Jahre sind in Regensburg wieder das Maß aller Dinge.

Gedenkpolitik zwischen Missbrauch und Ignoranz

Die Debatte im Kulturausschuss am Donnerstag – anlässlich der umstrittenen Bodenplatte vor dem Colosseum – war Trauerspiel und Exempel zugleich. Trauerspiel, weil eine seit Jahrzehnten anstehende gedenkpolitische Sachentscheidung zu dem ehemaligen KZ-Außenlager erneut in der Mühle der Großen Koalition zermalmt wurde. Exempel war die Debatte für die Gedenkpolitik eines Kulturreferats, das mit Manipulationen und Irrlichtern arbeitet.

Colosseum: Die Platte bleibt!

„Da haben wir den Salat.“ Dieser Überschrift, unter die Stadtrat Jürgen Huber (Grüne) die gestrige Debatte im Kulturausschuss zum ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum stellte, ist kaum etwas hinzuzufügen. Zwei Stunden diskutierten die Stadträtinnen und Stadträte am Donnerstag über das Thema. Auf einen einstimmigen Beschluss konnte man sich am Ende nicht einigen. Generell bleibt die Frage, ob eine derartige Diskussion nicht eher geeignet ist, das Thema zu zerreden und Reaktionen a la „Ich kann das nicht mehr hören“ hervorzurufen. Verantwortlich dafür war vor allem ein emotionaler und wenig souveräner Sitzungsleiter.

Colosseum-Debatte: Stadtspitze unter Druck

Im Vorfeld der Sitzung des Kulturausschusses am kommenden Donnerstag gewinnt die die Debatte um das ehemalige KZ-Außenlager Colosseum an Fahrt. In einem offenen Brief an die Regensburger Stadträtinnen und Stadträte fordert das Bündnis „Kein Platz für Neonazis“, die umstrittene Bodenplatte vor dem Gebäude zu entfernen. Der Text sei „historisch falsch, zumindest aber verharmlosend“ und damit […]

Colosseum-Debatte am 10. November

UPDATE: Die Sitzung findet nicht, wie zunächst von uns geschrieben, im Alten, sondern im Neuen Rathaus statt.

Bei einer öffentlichen Sondersitzung kommende Woche (Donnerstag, 10. November, 16 Uhr, Neues Rathaus) wird sich der Regensburger Kulturausschuss erneut mit dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof beschäftigen. Ein Ende von Verschleppung und Peinlichkeiten?

„Besondere Sorgfalt“

Bahnbrechende Erkenntnisse. Solche zeitigt die Diskussion um die Bodenplatte vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof. In einer Vorlage von Kulturreferent Klemens Unger, über die der Regensburger Kulturausschuss am Donnerstag (17 Uhr, Altes Rathaus) berät, wird festgestellt, dass in Regensburg „neuerlich eine Diskussion zum Umgang mit der Gedenkkultur bezüglich der Opfer des Nationalsozialismus entstanden“ sei. […]

Colosseum: Bürgermeister fordert Eigentümer zum Einlenken auf

Bei einer Kundgebung vor der ehemaligen KZ-Außenstelle Colosseum in Stadtamhof hat sich Bürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) den Kritikern der dort verlegten Bodenplatte gestellt. Er warb um Verständnis für das Verhalten der Stadt, räumte Fehler ein und versprach Abhilfe. Den Eigentümer des Gebäudes, Develey-Boss und CSU-Politiker Michael Durach, forderte Wolbergs auf, „endlich eine Gedenktafel am Colosseum zuzulassen“.

Colosseum-Bodenplatte: „Verhöhnung der Opfer, historische Fälschung“

Die Regensburger Stadtverwaltung gerät wegen der Bodenplatte vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik – vor Ort, aber auch überregional. Mehrere Organisationen haben einen offenen Brief an Oberbürgermeister Hans Schaidinger und die Stadtratsfraktionen verfasst, Freie Wähler und ödp haben sich zu Wort gemeldet und auch in der SPD-Fraktion rumort es. Offiziell wehrt man sich gegen Kritik an Bürgermeister Joachim Wolbergs, intern hat man Archivleiter Heinrich Wanderwitz als Hauptverantwortlichen für den umstrittenen Gedenktext ausgemacht.

„Ein Detail der Geschichte“

Die Bodenplatte vor der ehemaligen KZ-Außenstelle Colosseum in Regensburg Stadtamhof sorgt zunehmend für Empörung. Wie jetzt bekannt wurde, war die SPD-Fraktion mit dem Text nicht einverstanden. Ihre Änderungswünsche wurden aber einfach übergangen. Das Bündnis „Kein Platz für Neonazis“ hat mittlerweile eine Kundgebung vor dem Colosseum angekündigt. Der Text der Tafel sei verharmlosend, so ein Sprecher. Oberbürgermeister Schaidinger weist indessen Kritik am Vorgehen der Stadt zurück.

Colosseum-Gedenken „sehr beschämend“

Die klammheimliche Verlegung der Bodenplatte vor dem ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum in Regensburg Stadtamhof sorgt für Kritik. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Stadtamhof, Markus Zaglmann, bezeichnet es als „sehr beschämend“, dass es anlässlich der Verlegung keine öffentliche Gedenkveranstaltung gegeben hat. „Man könnte den Eindruck gewinnen, dass kein großes Aufsehen gemacht werden sollte“, so Zaglmann.

Verschämte Verlegung

Sie ist über 25 Jahre alt: Die Debatte um ein angemessenes Gedenken für die Opfer des KZ-Außenlagers Colosseum in Regensburg Stadtamhof. Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass eine vor zwei Jahren beschlossene Bodenplatte in aller Stille verlegt und darüber nicht einmal der Stadtrat informiert wurde.

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