„Mit Wertschätzung nichts zu tun!” Zoff um Erzieherinnen-Gehälter

Bürgermeister Weber bei einem Besuch im Kindergarten. Um die Gehälter von Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen wird aktuell gestritten. Foto: Jonas Jelinski
Ist der Beruf der Erzieherin eine besonders schwierige fachliche Tätigkeit? Müssen Angestellte des Sozialpädagogischen Fachdienstes Entscheidungen treffen, um eine Gefährdung des Kinderwohls vermeiden? Die Stadt Regensburg beantwortet diese Fragen de facto mit nein – um Geld zu sparen. Andernfalls müssten die städtischen Sozialarbeitern sowie die Angestellten in den Horten, Kindergärten und Kitas der Stadt nämlich ein höheres Gehalt bekommen. Bei den Kinderpflegerinnen wären das bis zu 150 Euro mehr im Monat, mit bis zu 380 Euro mehr Gehalt schlüge eine andere tarifliche Eingruppierung bei den Erzieherinnen zugute. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft verdi rund 280 Personen. „Die Stadt scheint das Tarifrecht auf Kosten ihrer Beschäftigten ignorieren zu wollen”, kritisiert Gewerkschaftssekretär Robert Hinke. „Mit Wertschätzung der eigenen Mitarbeiter und Anerkennung ihrer Leistungen hat das nichts zu tun.” verdi zufolge hat die überwiegende Mehrheit der Sozialarbeiter ihre Ansprüche bereits geltend gemacht und gegen die niedrigere Lohngruppe Widerspruch eingelegt. Bei der Stadt Regensburg scheint man nicht so ohne weiteres klein beigeben zu wollen: Bislang müssen die höheren Ansprüche noch individuell vor Gericht erstritten werden. Eine offizielle Stellungnahme zu den Protesten der Personalräte gibt es bislang nicht. Auch unsere Redaktion wird vertröstet. „Das Problem haben fast alle bayerischen Kommunen”, so eine Sprecherin der Stadt. Mittlerweile gebe es dazu eine Stellungnahme des kommunalen Arbeitgeberverbands. „Wir werten das gerade aus.” „In der Tat ist es so, dass viele Kommunen offenbar der Meinung sind, ihre Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen würden keine besonders schwere Tätigkeit ausüben”, bestätigt Hinke. Allerdings gebe es auch Ausnahmen: In Hannover gibt es Hinke zufolge so gut wie keine Beschäftigten im sozialen Bereich, die in den niedrigen Entgeltgruppen eingestuft werden. Das soll auch in Regensburg passieren. „Wir haben die Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, Widerspruch einzulegen und werden bei gerichtlichen Auseinandersetzungen auch Rechtsschutz gewähren.” Auch politisch will man in den kommenden Wochen und Monaten Druck machen.

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Kommentare (11)

  • Joachim Datko

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    Wir dürfen die öffentliche Hand nicht ausbeuten lassen!

    Wir leben schon lange auf Pump. Der öffentliche Bereich ist Vorreiter in der Verschuldung.

    http://newsticker.welt.de/index.php?channel=wir&module=dpa&id=24556328
    „Deutschlands Staatsschulden auf 1,76 Billionen Euro gestiegen“

    Ich würde im öffentlichen Bereich Streichungen vornehmen. Insbesondere sind z. B. die Lehrergehälter und Pensionen viel zu hoch.

  • Rotstift

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    Ich würde Herr Datko den Lebensunterhalt um 30 Prozent kürzen. Vielleicht überlegt er sich seine intelligenten Äußerungen noch einmal.

  • Bernd Henneberg

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    @ Datko
    Schönen Gruß von Herrn Motschmann, der damals Streichungen am Lehrlingsgehalt eines gewissen Herrn J. D. vornehmen lassen wollte. Leider kam er damit nicht durch, aber er wollte den Lehrling J. D. nicht mehr dabei haben. Was zu Verwunderungen beim Arbeitgeber hervorrief.

  • Joachim Datko

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    Behörden sind meiner Erfahrung nach völlig überbesetzt und überteuert!
    Oft frage ich mich, was es überhaupt soll.

    Zu “ Rotstift 19. April 2010 um 18:48 Uhr“

    Sehen wir uns nur die zur Zeit viel diskutierten römisch-katholischen Bischöfe an.

    – Was arbeiten sie?
    (Kein passendes Bild gefunden)

    – Sehen sie sich so etwas an!
    http://www.welt.de/multimedia/archive/1241444699000/00803/lac_meisner_DW_Berl_803284g.jpg
    Mich erinnert es an den Karneval in Venedig

    – Was verdienen sie aus öffentlichen Mitteln?
    http://www.stop-kirchensubventionen.de/bischoefe.html

    Meiner Ansicht nach eine typische Verschwendung öffentlicher Mittel.

    Der öffentliche Dienst kennt keinen Wettbewerb, das ist ein großer Fehler.

  • peter sturm

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    „Müssen Angestellte des Sozialpädagogischen Fachdienstes Entscheidungen treffen, um eine Gefährdung des Kinderwohls zu vermeiden? Die Stadt Regensburg beantwortet diese Fragen de facto mit nein“
    die stadt kann dies nicht mit nein beantworten, da sich diese aufgabe aus „§ 8a (Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung) des SGB VIII ergibt.
    niemand kann erzieherInnen von dieser aufgabe entbinden – oder als entbunden betrachten – da dies gesetzwidrig wäre und die beschäftigten, trotz niedigerer eingruppierung, in der veranwortung bleiben.
    mindestens sittenwidrig ist es bei dieser wichtigen aufgabe den rotstift anzusetzen und die mitarbeiterInnen damit, nicht nur finanziell, herabzusetzen.

  • Vor kurzem noch Student

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    Sonntagsreden und Werktagsarbeit
    Hier zeigt sich mal wieder, wie die politisch Verantwortlichen der Stadt Regensburg zwar in ihren Sonntagsreden für den Wert der Arbeit an Kindern plädieren (letztes Jahr zur Kampagne Soziale Arbeit ist mehr Wert – gerechtere Bezahlung von Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen) und das Wohl der Kinder muss geschützt werden. In Regensburg gibt es keinen Fall Dennis wie in Bremen. Aber die konkreten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in diesen Bereichen, die Entlohnung nach Tarifrecht entspricht nicht diesen Worten.
    Nicht umsonst gibts ja das Sprichwort: „Lasst den Worten, Taten folgen“ und wer das nicht macht, dem gehts nur um Wählerstimmen und um verarsche der Leute. Als Hirn einschalten und sich dagegen wehren. Von nichts kommt nichts und Einigkeit macht immer noch stark bzw. zwingt zumindest zu Reaktionen und Demaskierung. Die Herren müssen dann ihr wahres Gesicht zeigen, nicht nur das immer Lächelnde in der Mittelbayrischen Zeitung.

  • Joachim Datko

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    Keine Ausbeutung der öffentlichen Kassen!

    Zu 21. April 2010 um 7:22 Uhr „gerechtere Bezahlung von Erzieherinnen und Sozialpädagoginnen“

    Der öffentliche Dienst ist schon lange ein Selbstbedienungsladen der Mitarbeiter geworden. Dort wird weit über unsere Verhältnisse verdient.

    Die Verschuldung der öffentlichen Bereichs wächst erschreckend.

  • Hannes Wagner

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    Herr Datko,

    anscheinend haben Sie keine Kinder bzw. waren noch nie im engeren Kontakt mit „Sozial arbeitenden Menschen“, denn dann wüssten Sie, dass WIR massiv unterbezahlt sind.
    Die Verantwortung die WIR tragen kann mensch gut und gerne mit irgendwelchen „Managerposten“ vergleichen.

    Die Kinder werden schön brav im Kindergarten besser noch in Kindergrippe abgegeben – die Bezahlung des Personals, dass die volle Verantwortung für Leib und Leben, Erziehung und nachhaltige Entwicklung hat, braucht nicht all zu hoch sein -> sind doch alles GUTMENSCHEN, die leben von Luft und Liebe…

    In der Schule das gleiche: Extrem hohe Erwartungen (Erziehung, Wissensvermittlung, Problemkinder wieder „geradebiegen“ usw usf) aber gleichzeitig schreien, dass Lehrern das Gehalt gekürzt werden soll.

    Wie es in der Sozialen Arbeit ausschaut brauche ich glaube ich nicht auch noch erwähnen?!
    Jugendhilfe steigt beständig, die Gehälter stagnieren bzw. werden gelürzt…

    Ich warte auf den Moment, wenn alle GUTMENSCHEN ihre Arbeit niederlegen und in den Generalstreik (im besten Fall versteht sich) gehen. Die Gesichter und die häuslichen Katastrophen, die dann „plötzlich“ entstehen…die will ich sehen…. dann dürft ihr gerne wieder nach uns rufen.

  • Joachim Datko

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    Herr Wagner,

    diejenigen, die im öffentlichen Dienst arbeiten, arbeiten ja nicht weil sie „gute Menschen sind“, sondern weil der öffentliche Dienst als Arbeitgeber erfahrungsmäßig viele Vorteile gegenüber der freien Wirtschaft bietet.

    Zitat:
    „Ich warte auf den Moment, wenn alle GUTMENSCHEN ihre Arbeit niederlegen und in den Generalstreik (im besten Fall versteht sich) gehen“

    Wir müssen darauf achten, dass sich die Schere zwischen der freien Wirtschaft und dem öffentlichen Dienst nicht noch weiter zu Gunsten des öffentlichen Dienstes öffnet. Ich kenne beide Bereiche aus eigener Erfahrung. Es ist hinreichend bekannt, dass diejenigen, die im öffentlichen Dienst unterkommen das große Los gezogen haben.

  • Vor kurzem noch Student

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    Gehaltsentwicklung im öffentlichen Dienst im Vergleich zur gewerblichen Wirtschaft und zur Entwicklung des. Verbraucherpreisindex …
    http://www.vbgr.de/aktuelle_themen/anlagen/Anlage2_Stellenzulage.pdf

    Sieht man sich die Tatsachen der letzten 17 Jahre an, stellt man fest, das Hr. Datko bewusst oder unbewusst,
    aus Dummheit oder aus Kalkül die Unwahrheit sagt. Der öffentliche Dienst bzw. im öffentlichen Dienst fällt seit Jahren, mit dem Argument, die öffentlichen Kassen haben kein Geld und den Beschäftigten geht es ja so gut, die Gehaltsentwicklung im Vergleich zur freien Wirtschaft geringer aus.

  • Joachim Datko

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    Hier einige Beispiele, die meiner Ansicht nach zeigen wie leichtfertig Politik und Behörden mit dem Geld der Bürger umgehen:

    Zu “ Vor kurzem noch Student 21. April 2010 um 17:20 Uhr“

    – Stadttheater, weitgehend subventioniert, viel zu viel, viel zu teures Personal aus öffentlichen Mitteln.

    – Kirchen, angeblich bekommt der römisch-katholische Bischof Mixa 7.900 Euro pro Monat aus öffentlichen Mitteln für …, für was eigentlich?
    (http://www.focus.de/panorama/vermischtes/mixa-bayern-zahlt-weiter-gehalt_aid_500520.html)

    – Religionslehrer, für was erhalten die eigentlich ein Gehalt aus öffentlichen Mitteln? Damit sie ein uraltes Weltbild von Hirtenvölkern, aus einer permanent kriegerischen Region, heute noch verbreiten.

    – Nehmen wir ganze Behörden, z. B. die ehemalige Bundespost. Was war das bei der Abschaffung vom Personal her für ein Geschrei. Und warum? Wegen der sehr gut bezahlten sicheren Arbeitsplätze.

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