„Tunnelbau ist rein politische Frage”

HaackProfessor Alfred Haack (Foto) hört sich gelassen an. „Die Fragen der SPD sind nicht unsinnig”, sagt der Tunnelbauexperte, „es gibt aber keinen Punkt, wo ich Argumentationsschwierigkeiten hätte”. Haack gehört zu den Unterzeichnern der Machbarkeitsstudie für eine Tunnellösung, die vor gut einem Monat von den Freien Wählern vorgelegt wurde. Er hat im Namen der renommierten Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (STUVA) daran mitgearbeitet. Der Tunnel soll vom Unteren Wöhrd auf einer Länge von 480 Metern unter dem Gries geführt werden und an der Grässlschleife in Stadtamhof wieder an die Oberfläche kommen. Die SPD hat als Reaktion auf die Studie einen vierseitigen Fragenkatalog vorgelegt, der unter Federführung des Fraktionsvorsitzenden Norbert Hartl erstellt wurde. Insbesondere Sicherheitsbedenken – auch die „gefühlte Sicherheit” (Hartl) – prägen diesen Katalog, in dem mit plakativen Vergleichsbeispielen wie dem Seilbahnunglück in Kaprun oder dem Tunneleinsturz in Köln gearbeitet wird. Diese Bedenken ließen sich alle ausräumen, erklärt Haack. Er hat angekündigt, die Fragen detailliert zu beantworten und seine Ausführungen dem Regensburger Stadtrat bei seiner nächsten Sitzung vorzulegen. „Aus den Fragen ergibt sich kein K.O.-Kriterium”, verrät er vorab. „Die Machbarkeit ist eigentlich keine Frage.” Letztlich sei es aber ausschließlich eine politische Frage, ob nun ein Tunnel in Regensburg gebaut werde oder nicht. Solche Diskussionen gebe es immer wieder, insbesondere bei größeren Vorhaben als dem in Regensburg. Haack zeigt sich davon aber unbeeindruckt. „Ich bin weder in die Regensburger Zusammenhänge involviert noch gehöre ich einer der Stadtratsfraktionen an und beurteile das rein technisch – ohne politische Ambitionen oder Emotionen.” Die aktuell ins Gespräch gebrachte (teurere) Variante mit spurgeführten Bussen hält Haack übrigens nicht für erforderlich. „Das ist nur notwendig bei einem schmalen Durchmesser des Tunnels.” Bei der aktuellen Machbarkeitsstudie habe man den Tunnel bereits entsprechend größer geplant. Rückendeckung erhält eine Tunnellösung mittlerweile von der CSU. Der Kreisvorstand hat bei seiner gestrigen Sitzung mit großer Mehrheit die „ernsthafte Prüfung” eines Tunnels befürwortet, allerdings ohne sich dabei auf eine bestimmte Variante festzulegen. Ob das die CSU-Fraktion im Stadtrat interessieren wird ist – angesichts der Zerstrittenheit der Regensburger Christsozialen – wieder eine ganz andere Frage.

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (7)

  • Herbert Will

    |

    Endlich ein Lichtblick, am Anfang eines Tunnels.
    Die Tunnellösung könnte für alle Parteien ein verbindendes Element darstellen. Die TuLö scheint mir für die „Zukunft“ eine richtige Enscheidung zu sein, denn in der „ZUKUNFT“ werden wir Leben.

  • hansdampf

    |

    Problem in Regensburg: Man wird bei den Tunnelbauarbeiten so oft auf einen römischen Nachttopf etc. stoßen dass allein das Graben 10 Jahre dauert.

  • Bernd Henneberg

    |

    Gerade auf der Trasse die man mit dem Tunnel erschließen will, würde sich eine Fähre anbieten. Aber auf solch altmodischen Dinge kann und will man sich nicht einlassen. Im übrigen gibt es von keinem Politiker eine Idee, wie man das Problem vielleicht anders lösen könnte. Die haben nur ihre Parteilogik im Kopf und die ist sicherlich in vielen Köpfen wirr.

  • Manfred Veits

    |

    Hinweis auf DIE ZEIT:

    In der aktuellen Ausgabe findet sich ein Artikel über STADTAMHOF, der voll des Lobes und der Bewunderung ist und der Hoffnung Ausdruck gibt, dass es keine Brücke geben werde.

    Tatsache ist, dass seit der Sperrung der Steineren das Leben weiterhin pulsieret und die zwingende(!) Notwendigkeit einer Ersatztrasse sich keinesfalls aufdrängt – geschweigedenn ein Beweis dafür erbracht wurde.

    Auch ein Tunnel stellt einen Schaden verursachenden Eingriff dar.

    Was notwendig ist?

    Mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen, die z.B Verhaltensveränderungen der Menschen, eine Neuausrichtung des ÖPNV (nicht „Stern“, sondern „Tangente“ und in der Altstadt selbst einen CO2-freien Bus-Kreisel), Förderung des Radelverkehrs (vgl. Studie des VCD) und die Benutzung des DULTPLATZES ganzjährig(!) als PARK-and-RIDE Platz u.a. bedingen.

    Wenn hört die Politik endlich damit auf, auf eine(!) angeblich allein „seelig“ machende Maßnahme ihr Augenmerk zu legen?

  • Bürger von Regensburg

    |

    In der Machbarkeitsstudie heißt es unter Ziff 1 am Ende: „Die Darstellung im Beschlussvorschlag des Planungsausschlusses vom 14.10.2008 Top 5, Ziff 2, dass eine Tunnelvariante nicht realisierbar sei, wird mit dieser Machbarkeitsstudie widerlegt.“ Ähnlich die Formulierung am Ende unter Ziff. 3.
    Habe mir mal die Vorlage zu der besagten Sitzung des Planungsausschusses vom 14.10.2008 angesehen Az. VO/08/3751/61. Dort steht nichts drin, dass die Tunnellösung nicht machbar sei. Es findet eine sehr differenzierte Betrachtung statt, insbesondere zu Brandschutz, Fluchtwegen und Rettungswegen. Anstelle irgendeine Behauptung zum Inhalt einer Vorlage aufzustellen, die zumindest so dort nicht zu finden ist, hätten die Gutachter sich besser mal mit den Argumenten der von mir gefundenen Vorlage auseinandergesetzt. Dann würden wir uns leichter tun bei der Frage, wie ein solcher Tunnel aussehen muss und was er dann wirklich kostet. Die Machbarkeitsstudie ist mir viel zu dünn und behauptet, etwas widerlegt zu haben, was so nie gesagt wurde.

  • altmodischer Fährmann

    |

    Ich dachte es herrscht nun eine Haushaltssperre, wie soll man sich da einen Tunnel leisten?

    Ich frage mich auch warum man nicht einfach ein paar Rikschafahrer für Senioren einstellt, die nicht mehr so gut über die Steinerne laufen können. So eine Fähre wär doch auch was, oder ein wasserradgetriebener Sessellift…da hat man einen schönen Ausblick und kommt genausolangsam voran wie im Tunnel oder auf der Schmalspurtrasse dafür aber höher hinaus.
    Allerdings würde dabei der Erlebnischarakter stark in den Vordergrund treten und die Frage nach der Notwendigkeit einer zusätzlichen als Schnikschnack bezeichneten Querungshilfe gestellt werden (zu Unrecht, denn denkt mal an die Touristen!).
    Warum nicht einfach mit Rad fahren (lernen)?
    Ich glaube die meisten Stadtamhofer sind ganz froh ihre Ruhe zu haben. Dass nicht alles mit motorisiertem Verkehr erreichbar ist , ist doch sehr schön, vielleicht aber ein gefährliches Gegenbeispiel für das Vorherschende Umwelt- und Geldvernichtungsmodell, das ohnehin überwunden werden muß.
    Wie gesagt ungewöhnliche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele viel billigere und genauso abwegige. Man sollte sie ernst nehmen.

Kommentare sind deaktiviert