SOZIALES SCHAUFENSTER

Pfaffensteiner Tunnel

Alle gegen die Grünen

Kurz vor der Bundestagswahl ist ein neuerlicher Streit um eine mögliche dritte Röhre des Pfaffensteiner Tunnels entbrannt. Die Frontlinie verläuft dabei ganz klar: Alle gegen die Grünen. Ungewöhnlich scharf äußert sich dabei auch das Regensburger Landratsamt.

Kurz vor dem Wahltag kocht der Streit um eine dritte Röhre für den Pfaffensteiner Tunnel noch einmal hoch. Foto: pm

„Die Überzeichnung des Bundesverkehrswegeplanes sei selbstverständlich bekannt. Gerade deshalb brauche es ein politisches überparteiliches Gemeinschaftsengagement für dieses große Projekt und nicht parteipolitisch geprägte Ignoranz, wie sie von den Grünen gezeigt werde. ‚Die Grünen stehlen sich aus der Verantwortung, wenn sie diese Zusammenhänge nicht erkennen können oder wollen.’“

Landrätin Tanja Schweiger ist sauer. So sauer, dass sie die Kritik am Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, nicht etwa über ihre Partei, die Freien Wähler, sondern ganz offiziell über das Landratsamt Regensburg verschicken lässt. Es ist eine ungewöhnlich scharfe Pressemitteilung, die man von einer Behörde selten liest.

Hofreiter gegen dritte Röhre

Es geht um den Pfaffensteiner Tunnel. Die Landrätin sagt: „Die Grünen verkennen fundamental die Bedeutung des Pfaffensteiner Tunnels. Er ist im jetzigen Ausbauzustand nicht nur das Nadelöhr für den Verkehr im Großraum Regensburg, sondern genauso das Nadelöhr für den gesamten ostbayerischen Raum.“

Anlass für diese Stellungnahme ist der kürzliche Besuch von Hofreiter in Regensburg, bei dem er auch besagten Tunnel besichtigte. Bei der Gelegenheit sprach sich Hofreiter mit Nachdruck gegen eine mögliche dritte Röhre des sanierungsbedürftigen Pfaffensteiner Tunnels aus.

Auch Aumer kritisiert Grüne scharf

Peter Aumer attackiert Anton Hofreiter. Bild: Facebook

Nicht nur Schweiger opponiert gegen Hofreiter. CSU-MdB Peter Aumer lässt sich auf Facebook eine Anzeige sponsern, die Hofreiter als verwirrten Trottel dastehen lässt. „Meine Gedanken zum ‚NadelOHR‘ finden Sie im Videolink!“, heißt es auf dem dazugehörigen Bild. Es ist eine Fotomontage Aumers mit Bildmaterial von TVA. Aumer schreibt dazu: „Da kommt Anton Hofreiter aus der Metropole München, in der es U-Bahn und S-Bahn gibt und will uns erklären, wie wir in der Region Regensburg in Zukunft zur Arbeit kommen sollen!“ Aumer behauptet, dass Olaf Scholz „den“ zum Verkehrsminister machen wolle.

Tatsächlich spricht Hofreiter davon, dass eine dritte Röhre beim „Nadelohr“ Pfaffensteiner Tunnel eher ein „Hirngespinst“ sei. Die Pläne kämen ihm „sehr vage“ vor und der Bundesverkehrswegeplan sei ohnehin „bereits überbucht“, so Hofreiter. Wenn man ein „Nadelohr“ beseitige, bekomme man direkt danach das nächste.

Aiwanger: Pfaffensteiner Krötentunnel

Ohne konkret zu werden, spricht der Grüne im TVA-Interview davon, dass man statt einer dritten Röhre auf eine „integrierte Verkehrslösung“ setzen müsse. Das Verkehrsministerium betrachte aktuell nur „Straße isoliert von Bahn und Bahn isoliert von Straße“. So könne man keine „moderne Verkehrspolitik“ machen. Der Regensburger Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt ergänzt, dass eine dritte Röhre nicht nötig sei, wenn das Angebot anderer Verkehrsträger attraktiver gemacht werde.

Beim gestrigen Wahlkampfabschluss der Freien Wähler in Wackersdorf attackierte auch Schweigers Parteifreund, der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, die Grünen: „Ich bin überzeugt, wenn es nach den Grünen geht, wird aus dem Pfaffensteiner Tunnel am Ende ein Krötentunnel gemacht und die Autos werden ausgesperrt“.

Resolution für die dritte Röhre

Hofreiter, Schmidt und die Grünen stehen bei diesem Thema allein auf weiter Flur. Denn Ende vergangenen Jahres wurde Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Resolution überreicht, die von 19 Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft unterzeichnet wurde. Darunter sind neben Aumer und Schweiger auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, FW-MdL Tobias Gotthardt sowie die Landräte Franz Löffler (Cham), Thomas Ebeling (Schwandorf) und Martin Neumayer (Kelheim).

In der Resolution wird eine dritte Röhre für den Pfaffensteiner BAB 93-Tunnel gefordert, die den Verkehrsfluss während der nötigen Sanierungsphase der anderen beiden Röhren entspannen soll. Die Rede ist von einer „zukunftsfähigen und störungsarmen Erneuerung“. Daneben fordern die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eine weitere Donaubrücke südlich des Tunnels. Denn auch die jetzige Brücke ist sanierungsbedürftig. Aktuell befahren laut Landratsamt täglich etwa 70.000 Fahrzeuge die Engstelle Pfaffenstein.

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Kommentare (19)

  • Mr. T.

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    Warum nicht einen Tunnel von nördlich dem Tunnel unter der Donau durch bis südliche von Pentling für den Durchgangsverkehr? Dann hätte man diesen auch außer der Stadt und könnte die aktuelle Autobahnfläche für den dann nur noch innerstädtischen Verkehr reduzieren und auch für alternative Verkehrsmittel nutzen.

    Nicht viel hirngespistiger als andere Schnapsideen!

    Gibt es eigentlich einen vernünftigen und machbaren Plan für eine dritte Röhre, die vor einer Sanierung einsatzbereit wäre?

  • Skyrider

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    „Da kommt Anton Hofreiter aus der Metropole München, in der es U-Bahn und S-Bahn gibt und will uns erklären, wie wir in der Region Regensburg in Zukunft zur Arbeit kommen sollen!“
    Das sagt ein Politiker der CSU, dessen Parteikollege Scheuer 500 Mio. Steuergeld für eine rechtswidrige PKW-Maut zum Fenster rausgeschmissen hat und sich mit der Größten “Lobbyistin” der Autoindustrie, Hildegard Müller, auf seinem Wahlkampf Flyer ablichten lässt.

  • Piedro

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    Ihr habt da zwei Röhren und trotzdem Gegenverkehr? Ist das Stand der Technik in Bayern?

  • Me

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    Nicht alle sind in dieser Sache gegen die Grünen. Auch Bundestagskandidatin Dr. Carolin Wagner (SPD) hat sich gegen die Röhre ausgesprochen.

  • Freier Wähler

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    @ Mr. T

    Klasse Idee. Wollte nicht der Artinger von den Freien in seinem ersten Versuch OB zu werden für lächerliche 13 Mio einen Tunnel unter der Donau bauen? Der hat bestimmt sehr gute Verbindungen zu großen Baufirmen. Damit wäre Ihre Idee sogar leicht finanziert.

  • Andreas

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    Mit der S-Bahn in München hat der Aumer ein sattes Eigentor geschossen.

    Ein S-Bahn-System um Regensburg ist schon seit mindestens 10 Jahren überfällig, aber sowohl die städtischen als auch die Lankreispolitiker sind ganz offensichtlich zu kleingeistig, um eine wirklich überzeugende große Lösung zu kreieren.

    Hofreiter hat völlig recht: Das Geld wäre viel sinnvoller in einem ÖPNV-System angelegt, das diesen Namen auch verdient. Stattdessen kratteln gelbe und rote Busse durch Stadt und Land, die man nur benutzen mag, wenn es gar nicht anders geht.

  • Autofahrer

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    Warum setzt sich der Landkreis, nicht für einen wirklich großen Wurf ein?
    Mir würde da eine Ringverbindung, über Lappersdorf, Donaustauf, Barbing, Neutraubling, Obertraubling, Pentling, Sinzing, Nittendorf und zurück nach Lappersdorf vorschweben.
    Mit den jeweiligen Autobahn Anschlüssen zur A3 und A93. Hätte auch den Vorteil,
    würde alles auf Landkreisgebiet liegen.

  • KW

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    Man könnte dort auch die ganze Winzerer Höhe abtragen, 6-spurig ausbauen und dann wieder einen Deckel draufsetzen.
    Vorher und nachher wird einfach von 4- auf 6-spurig und zurück gebaut.
    Diese ominöse dritte Röhre ist wohl ähnlich sinnvoll wie der 6-spurige Ausbau der A3 im Raum Regensburg. Dieses aber-Millionen teure Bauwerk ist mit die Krönung der Dämlichkeit und sinnbefreiten Verschwendung von Geld und Ressourcen. Welche Regionalpartei, die seit vielen Dekaden unerklärlicherweise bundesweit mitregieren darf, stellt nochmal traditionell das Bundesverkehrsministerchen?

  • Mr. B.

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    “Zu Mr. T. und Freier Wähler”

    In dieser Stadt geht nicht viel vorwärts mit dem Verkehr, außer ein paar sinnlose Fahrradstraßen und die 30ger-Zone in der Weißenburgstraße. Von der Stadt heraus dürfen hier nur noch die Kreuzfahrtschiffe mächtig Dampf ablassen, weil ja vermutlich der Wind nur von West weht und zugleich die Stadt in dieser Zone viel Geld mit täglichem Blitzen verdienen kann!
    Die Arbeiter und Steuerzahler, von dem die Arbeitgeber erwarten, daß sie, wie der Warenverkehr auf den LKWS auf den Autobahnen jederzeit abrufbereit zur Stelle stehen, werden von vielen Stellen vergessen.
    Ich war vor ca. einem Jahr überzeugt, ab sofort mit dem Bus meine Strecke zur Arbeit zurückzulegen. Der RVV ist wirklich eine tolle Sache! Muss hier auch mal festgestellt werden.
    Aber jetzt kommts.
    Am Freitag ab Mittag ist dann fff-Demo!
    Einige Damen und Herren der offensichtlichen Studentengesellschaft in dieser Stadt (einige noch nicht ganz ausgeschlafen von der Donnerstagsparty, die ja bekanntlich bis in die frühen Morgenstunden dauert und bei denen sich an diesem Tag ein Besuch der Uni ja sowieso nicht mehr lohnt), ein paar offensichtl. Schulschwänzer, die gegen das Schulpflichtgesetz verstoßen dürfen, zusammen mit grün-angehauchtem Klientel, welches vermutlich die ganze Woche für Demos Zeit hätte, blockieren und jetzt aufgepaßt, den ÖPNV an einer Stelle für mindestens eine Stunde!!!!
    Arbeitendes Volk, welches schon früh morgens aufgestanden ist und sich nach einer arbeitsreichen Woche mit dem ÖPNV endlich nach Hause will, ist natürlich in keinster Weise verständnisvoll für solche Unsinns-Veranstaltungen!!!
    Aber wie man auch von den Autobahnblockaden bei der IAA in München hören konnte, geht es diesen Personen oftmals nur um Aufmerksamkeit ihrerseits und nicht um die eigentliche Sache, denn sie waren z. Teil mit den Autos zu den Autobahnteilstücken gefahren.

    Wer sich für das “ökologische” wirklich einsetzen will und nicht nur ein paar D….. nachlaufen will und sich so instrumentalisieren lässt, sollte doch niemals den ÖPNV über Stunden blockieren!

    Meine Meinung und da war ich gestern nicht alleine!!!

  • Realist oder Zyniker?

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    Es gibt keine Alternative! Seit 60 Jahren ist jedes Straßenbauvorhaben in etwa gleich wichtig: Es geht darum, von A nach B zu kommen. Das ist ein Grundrecht. Wenn A und B weiter als 10 Meter auseinanderliegen, ist es ein Grundrecht, motorisiert vorwärts zu kommen. Da gibt es nichts zu deuteln: Ob Umgehungsstraße oder Bundesautobahn – Jede Straße kommt irgendwann, weil entweder Wachstum oder Krise. Viel Spaß bei den Versuchen, den nächsten “Weiter-So”-Bau zu verhindern. Verzögern ist unwichtig.

  • Tante Mathilda

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    Solange man der ständig steigende Zahl von Kraftfahrzeugen und die damit verbundenen Verkehrsstaus usw. mit immer mehr Neubau und Erweiterungen von Straßen, Brücken, Tunneln begegnen will, wird der Individualverkehr (und Lastverkehr) immer mehr zunehmen und kein Autofahrer wird irgendwelche Überlegungen anstellen, mit dem ÖPNV, Rad, Fahrgemeinschaften zu bilden. Ist halt auch nicht so komfortabel und der Mensch ist einfach faul und bequem.

  • KW

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    Die Tatsache, dass die nächste Bundesverkehrsminister:in nicht von der CSU sein wird lässt hoffen. Es sei denn, sie verschachern das Ressort an die FDP, was ich nicht glaube.

  • Hans Meiser

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    Ein Blick nach München lohnt sich. Da ist der Luise-Kiesselbach-Platz mit viel zeit und Geld vom Verkehr befreit worden, und jetzt staut sichs ein paar Kilometer weiter. Die Anwohner vom Luise-Kiesselbach-Platz und vor allem die Hausbesitzer freuts, die Anwohner paar km weiter eher nicht.

  • JJ

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    Wenn die 3te Röhre nur für die Sanierungsphase benötigt wird, kann sie ja nachher für ÖPNV und Fahrradverkehr genutzt werden? Oder ist das zu sehr Wunschdenken?

  • Easy Rider

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    Herr Aiwanger und Frau Schweiger könnten das bereits bestehende Angebot sinnvoll nutzen und schon mal vorbildlich mit dem Impfbus durchs Nadelöhr fahren.

  • Gscheidhaferl

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    Vielleicht ist insbesondere die Stadt (freilich mit Ausnahme der Grünen) ja deswegen so erpicht auf die dritte Röhre, weil sie die rechtzeitige straßenbahngerechte Ertüchtigung der Galgenbergbrücke versaubeutelt (und damit die Stadtbahn äußerst erfolgreich bis auf Weiteres verhindert) hat? Wäre ich mir nicht so sicher, dass da lediglich Inkompetenz dahinter steckt, würde ich sagen, das Festhalten an steinzeitlichen Verkehrskonzepten hat in Regensburg System. Welche Konsequenzen hatte dieser von der Verwaltung zu verantwortende verkehrskonzeptionelle Supergau eigentlich?

  • Madame

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    Zu Tante Mathilde. Sie hat recht, wenn sie schreibt :Der Mensch ist einfach bequem und faul. Fahrgemeinschaften sind unmodern . ÖPNV ist mangelhaft. Es muss wahrscheinlich eine Generation vergehen, um die Vorteile zu sehen. Jahrelang wurden in strassen und autobahnen investiert, um die masse des verkehrs zu bewältigen. Der ausbau des öffentlichen verkehrs wurden sträflich vernachlässigt. Nun haben wir den Salat.

  • Tobias

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    @Andreas:

    Was reden Sie da? “Kratteln rote und gelbe Busse”, die man nicht benutzen mag? Ich bin jetzt gleich 31 Jahre und habe keinen Führerschein. Gerade weil die gelben und roten Busse so gut laufen. Eine S-Bahn braucht man wirklich nicht, das decken schon die REs ab. Was wollen Sie denn anfahren? Man kann es auch mit ÖPNV übertreiben, bis es unwirtschaftlich wird. Ja, manche Pläne sind blöd (meine Leigeschichte vom 5er und 12er habe ich ja bereits mehrfach kundgetan), aber es ist eben nicht möglich, einen Vollkasko-ÖPNV hinzubekommen; das ist Deutschland, nicht La-La-Land. Ich habe das Gefühl die, die nach diesen viel zu übertriebenem ÖPNV rufen die sind, die gar nicht damit fahren, nur, damit diese weiterhin ihr Auto anbeten können. Gab es nicht vor ein paar Jahren einen “Badebus” zum Guggi für mehrere hunderttausend Euro, weil die liebe Bevölkerung nach mehr ÖPNV krakelt hat? Umgesetzt hatte dieser extrem viele Leerfahren zu verzeichnen. Aussagen wie: “Busse doof” zählt nicht, vor allem mit den neuen LION City und den eCitaros. Dann kommt eben “Fahrpläne doof”. Ist das behoben nörgelt man weiter… Wasser predigen, Wein trinken, hm?

    Dass der Tunnel nunmal eine Autobahn ist, ändert auch eine S-Bahn-Linie nicht. Ich möchte wissen, welch (vermutlich großer) Teil nicht einmal von einem städtischen ÖPNV tangiert wird, weil es even ein Transit ist.

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drin