Kurzes und Internes

Aus dem Redaktionstagebuch (12/18)

Ausgegebenem Anlass beschäftigt sich das Redaktionstagebuch heute etwas ausführlicher damit, wie wir mit Kommentaren umgehen. Es gab nämlich Kritik aus prominentem Munde. Wir haben ein paar Reaktionen auf unserem Bericht zur Mail von Joachim Wolbergs an seine Parteigenossen und zwei kleinere Meldungen vom Brandlberg und aus der Altstadt.  

Wieder Ärger am Brandlberg

Die Anwohner am Brandlberg behalten die Großbaustelle vor ihrer Haustüre weiter im Auge. Am gestrigen Donnerstag rückte um kurz vor acht eine Polizeistreife an und stoppte widerrechtliche Bauarbeiten am Rohbau des künftigen REWE-Markts, dort, wo auch die öffentlich geförderten Seniorenwohnungen entstehen. Das bestätigte unserer Redaktion ein Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Nord. „Es lag ein Verstoß gegen das Gesetz zum Schutz des Sonn- und Feiertags vor.“ Zuvor hätten sich mehrere Anrufer über die seit 6.30 Uhr laufenden Arbeiten beschwert. „Das haben wir bis auf den Berg hoch gehört“, bestätigt uns eine Brandlbergerin auf Nachfrage. „Da hab ich angerufen.“ Die Polizei unterband die Arbeiten und die Arbeiter zogen um kurz nach acht Uhr ab. Ob deswegen Anzeige erstattet wurde, konnte uns der Sprecher heute nicht mitteilen.

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Gehzeug statt Fahrzeug

Mit einer ungewöhnlichen Aktion stellte am vergangenen Samstag Aktivisten der „Aktionsplattform Verkehrswende“ die Frage: „Wem gehört der öffentliche Raum?“ Sie trugen fünf aus Metallstangen zusammengebaute „Gehzeuge“ durch die Altstadt, um auf den Flächenverbrauch durch Pkws aufmerksam zu machen – keine eigene Erfindung: Erdacht hat dieses „Gefährt“ der Verkehrsplaner Hermann Knoflacher bereits 1975, um ein zentrales Problem des Autos im Stadtverkehr zu verdeutlichen: Aufgrund ihrer Größe bremsen sie Fußgänger, Radfahrer, den ÖPNV und sich selbst aus.

„Wir möchten das Nachdenken über eine faire Verkehrspolitik anregen“, so Harald Klimenta, einer der Organisatoren. Die Demonstration richte sich nicht gegen Autofahrer, sondern gegen eine Verkehrspolitik, die Menschen zwinge, das Auto zu benutzen, „etwa weil kaum Busse fahren, man sich auf Rädern gefährdet fühlt oder der öffentliche Verkehr zu teuer ist“. Domplatz, Alter Kornmarkt und Emmeramsplatz könnten genau so attraktiv gestaltet werden wie zum Beispiel der Haidplatz, so eine Vision. Allerdings fehle der Stadt bislang ein vernünftiges Verkehrskonzept. „Dass der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Wege innerhalb Regensburgs bei 43 Prozent liegt, in Freiburg dagegen bei gerade einmal 21 Prozent, ist nicht gottgegeben, sondern Folge der verfehlten Verkehrspolitik in unserer Stadt“, kritisiert Mitorganisator Johannes Ludsteck.

Dem Bündnis gehören an: Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club, Bund Naturschutz, Verkehrsclub Deutschland, Bündnis für Atomausstieg und erneuerbare Energien, Greenpeace, Attac, Bündnis90/ Grüne, Grüne Jugend, ÖDP, Linke, KHG, Bündnis für einen hochwertigen ÖPNV im Raum Regensburg, IG historische Straßenbahn, Critical Mass, Transition-Town, Bündnis gegen das RKK, Altstadtfreunde, Bürgerverein Süd-Ost, Pro Regensburg.

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Reaktionen I

Unsere Berichterstattung zu der vorwurfsvollen E-Mail, die Joachim Wolbergs an die Regensburger SPD-Vorsitzende Margit Wild, Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Unterbezirkschef Sebastian Koch und den Landtagskandidaten Matthias Jobst verschickt hat, fand ihren Niederschlag in mehreren Medien. Während der Bayerische Rundfunk uns direkt zitiert, berichtet der „Neue Tag“ von „einem Blog“, über das die E-Mail öffentlich geworden sei, was nicht ganz korrekt ist, da vor diesem ominösen Blog bereits TVA via eines Interviews mit Joachim Wolbergs von den Inhalten der E-Mail berichtet hatte. Die Mittelbayerische Zeitung berichtet gar nicht – man ist wohl beleidigt, weil man irgendwie nix exklusiv hatte und dann gibt es das Thema eben nicht. Dass die MZ damit lediglich sich selbst schadet, kümmert im „Medienhaus“ offenbar niemanden.

Stellenweise wurde kritisiert, dass wir eine „private E-Mail“ veröffentlicht hätten. Diesen Vorwurf halten wir nicht nur wegen des erwähnten TVA-Beitrags für unzutreffend, sondern auch deshalb, weil Wolbergs selbst in der E-Mail ankündigt, sich unter Bezug darauf mit den SPD-Ortsverbänden in Verbindung zu setzen. Darüber hinaus zeigen Dukutus und Inhalt der Mail, dass sie sich nicht in erster Linie an die Angesprochenen richtet, es wird über sie geschrieben, nicht an sie.

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Reaktionen II

Apropos Kommentare: In einem Kommentar auf unserer Seite hatte Joachim Wolbergs vergangene Woche regensburg-digital als „gefährlich“ bezeichnet, „weil ich all die Portale für gefährlich halte, die für Menschen ein Angebot unterbreiten, sich dort im Lichte der Anonymität, also nicht mit offenem Visier, mit Haß, Häme, Beschimpfungen, Beleidigungen und/oder Aburteilungen über andere Menschen zu erhöhen“. Diese Meinung sei ihm zugestanden. Ein paar Sätze gibt es aber doch zu erwidern.

Die Verwendung von Pseudonymen ist in Internetforen nicht nur gang und gäbe, sie ist auch durch den Pressekodex des Deutschen Presserats, den wir unterschrieben haben, gedeckt. Dort heißt es unter anderem:

„Es dient der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit, im Leserbriefteil auch Meinungen zu Wort kommen zu lassen, die die Redaktion nicht teilt. (…). Bei der Übernahme von Nutzerbeiträgen als Leserbrief können Pseudonyme beibehalten werden. (…) Die Presse trägt Verantwortung für ihre Angebote, auch für die von Nutzern beigesteuerten Inhalte (User Generated Content). Von Nutzern zugelieferte Beiträge müssen als solche klar erkennbar sein. Die Redaktion stellt die Einhaltung der publizistischen Grundsätze sicher, wenn sie Verstöße durch Nutzerbeiträge selbst erkennt oder darauf hingewiesen wird.“

Was bedeutet das? Wir akzeptieren grundsätzlich Pseudonyme. Wir akzeptieren Beiträge:

  • die sich mit dem Thema des Artikel beschäftigen
  • sich innerhalb der Grenzen des Grundrechts auf Meinungsfreiheit bewegen
  • keine Beleidigungen und für uns offensichtlich erkennbaren Falschbehauptungen enthalten
  • nicht zu Gewalt aufrufen oder Hetze verbreiten

Die Grenzen sind bisweilen fließend. Manchmal rutscht etwas durch. Dann löschen wir nach Hinweis. Wir machen uns die Meinung der Forumsteilnehmer nicht zu eigen. Unsere Meinung kann in den Artikeln oder eigenen, namentlich gekennzeichneten Kommentaren nachgelesen werden.

So wie wir praktiziert das jedes Medium, wenngleich die meisten von ihnen in Regenburg keine oder brachliegende Foren haben. Doch spätestens auf Facebook funktioniert es bei allen nach demselben Prinzip und dort sieht man recht eindrücklich auf der Seite des Regensburger Wochenblatts, dass Pseudonyme in Hülle und Fülle verwendet werden, um beispielsweise in einem Ton gegen Flüchtlinge zu hetzen, der hier auf dieser Seite bei keinem Thema angeschlagen wird.

Wenn uns Herr Wolbergs also als „gefährlich“ ansieht, dann hoffen wir zumindest, dass er diese Maßstäbe dann auch bei jenen Medien anwendet, derer er sich bisweilen bedient.

Und noch eine letzte Anmerkung: Für die Verwendung von Pseudonymen in unserem Forum werden wir auch vom Veranstalter und gelegentlichem CSU-Wahlkampfleiter „Pegida-Peter“ Kittel kritisiert. Das finden wir insofern amüsant, als dass Kittel in seiner Stadtzeitung regelmäßig Schmähartikel unter dem Pseudonym Heinz Karl veröffentlicht und bei juristischen Auseinandersetzungen darauf verweist, dass er zu eben jenem Heinz Karl von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch mache, da es sich um eine „redaktionsinterne Angelegenheit“ handle. So pöbeln Profis!

Bitte unterstützen Sie eine unabhängige Berichterstattung in Regensburg.

 
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Kommentare (14)

  • eingeborener

    |

    Was mir fehlt, ist die Unterstützung der Petition. Kein Kreuzzwang in öffentlichen Institutionen , die der Regensburger Studenten Sprecher Carls initiiert hat

  • Giesinger

    |

    Das Foto unter „Reaktionen II“ paßt schon besser.
    Ist zwar auch nicht aktuell, was …ähm…angeht…wie drücke ich das jetzt diplomatisch aus?

    Der Treffer dafür:
    Nach wie vor im Stammlokal in der Oberen Bachgasse anzutreffen!

  • Hans1St

    |

    Aigner findet sich in Ordnung. Ist er aber nicht ;)

  • Knapp Daneben

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    @Giesinger
    “ Obere Bachgasse“, wurde mich schon wundern? Aber was soll’s.
    Auch Eingeborene kennen selten die Straßennamen ihres langjährigen Wohnorts. Test: Oberer und Unterer Wörth, äh Wöhrd oder Wörd…
    Was liegt oben ober unten und wie ist die Schreibe?
    ;-)

  • Giesinger

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    Ja, tut mir leid, @Knapp Daneben, die „Untere Bachgasse“ war gemeint.
    Bin schon seit knapp 25 Jahren kein Regensburger mehr, und die Bachgassen waren nie mein Revier.
    Wohl aber die Mälze, z. B.
    Habe aber meine guten Regensburger Kontakte, über die ich informiert werde.

  • Giesinger

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    Habe ich von MR T. die Freud’schen Versprecher übernommen?

    OB = Obere Bachgasse?

    Das Orphée ist gemeint!

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Hans1 St.“ Stefan Aigner macht einen guten
    Job, aber ist – Gott sei Dank – nicht unfehlbar!

  • Tobi Becq

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    Kommentar gelöscht. Bleiben Sie bitte beim Thema und überdenken Sie Ihren Ton.

  • Bürni

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    Zum Punkt, dass Regensburg digital anscheinend von Wolbergs als gefährlich eingestuft wurde, will ich sagen, dass es auf keinem anderen Internetmedium, das ich lese bzw. besuche, eine so aufmerksame Sichtung der Beiträge durch die Redaktion gibt, wie hier bei RD. Ich finde, dass hier zum allergrößten Teil ein Ton angeschlagen wird, mit dem die meisten Beteiligten gut leben können. Wenn man allerdings auf andere Seiten, wie zum Beispiel Facebook, blickt, liest man sehr oft Hasskommentare und/oder Hetze gegen Minderheiten. Ich finde, ihr macht das super, RD!

  • Barnie Geröllheimer

    |

    Wolbergs hat völlig recht. Regensburg-Digital ist gefährlich. Wahnsinnig gefährlich. Für ihn.
    Die Unabhängigkeit von RD macht es möglich seinen wahren Charakter aufzudecken.

  • mkv

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    Zum Brandlberg, seinem ominösen „Obstgarten“ und der kommenden vierspurigen Umgehung –

    Nachdem ich jüngst diesen kommenden „Garten Eden“ per Velo eingehend beschaute und sprachlos davonradelte, fand ich in der SZ vom Freitag, Nr. 107, vom 11. Mai auf der Seite 9 dieses:

    „Der industrielle Wohnungsbau (… ist…) das minutiöse Abbild des heutigen Turbokapitalismus. Alles was Geld kostet, aber dem Investor keinen Gewinn bringt, wird gestrichen. Der großzügige Innenhof genauso wie die Freifläche zwischen Grundstücksgrenze und Straße. Das Fenster im Bad, genauso wie der Laubengang oder das lichte Treppenhaus. Jeder Quadratmeter muss sich rechnnen. Wie wohl sich der Mensch darin fühlt, ob die Bewohner eines Hauses sich entspannt oder gereizt begegnen und ob das neugebaute Viertel

    dem alten Quartier etwas bringt,

    spielt in einer solchen Kalkulation keine Rolle. Wie auch, bevor die Bewohner einziehen, hat der Investor das Projekt längst verkauft.“
    Quelle: (1)

    M.E. „passt“ diese generelle Beschreibung auf den „Obstgarten“, seinerseits ein Euphemismus, der in den Wettbewerb um das UNWORT des Jahres eintreten sollte.

    „Gesunde Wohnverhältnisse“ schauen freilich anders aus.
    (2)

    —-

    (1)
    Im Korsett des Turbokapitalismus
    von Laura Weissmüller
    SZ, a.a.O.

    (2)
    https://www.umweltbundesamt.de/themen/nachhaltigkeit-strategien-internationales/umweltrecht/umweltschutz-im-fachrecht/oeffentliches-baurecht#textpart-3

    P.S.

    Im Übrigen erscheint für die kommenden Jahre absehbar, dass die Ost-Tangente vierspurig ausgebaut wird – mit entsprechender Zunahme von Verkehr und Lärm. Wann wird der/die nächste OB sich Gedanken über eine Einhausung á la „Stadtautobahn“ machen? Man wende sich dann u.a. an die Damen und Herren Funktionäre von der IHK, die diese Umgehung genauso forderten, wohl wissend, was da auf die Menschen zukommen wird. Egal …. es muss vor allem DER Wirtschaft dienen!

    Schallimmissionen
    http://www.stadtplanungsamt-frankfurt.de/show.php?ID=16235&psid=d

  • Günther Herzig

    |

    @eingeborener:
    mir fehlt die Petition überhaupt nicht. Ich sehe für mich auch keinen Zwang,

  • Markus Frowein

    |

    Zu „Wieder Ärger am Brandlberg“:

    ‚„Es lag ein Verstoß gegen das Gesetz zum Schutz des Sonn- und Feiertags vor.“
    „Das haben wir bis auf den Berg hoch gehört“
    „Da hab ich angerufen.“ Die Polizei unterband die Arbeiten …‘

    Das macht die Pressestelle der Stadt Augsburg viel professioneller, da werden einfach
    Zettel in einem gewissen Umkreis um die Baustelle in die Briefkästen verteilt und der
    Oberbürgermeister lässt dann zusätzlich durch seinen Herold verkünden, dass bei
    der (Beton-)Pfahlgründung „Klackgeräusche“ entstehen, was natürlich total harmlos
    ausgedrückt wird, weil sonst die Bürger mit Mistgabeln und Fackeln zum Rathaus …

    Hier die Verkündigung des Herolds: https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Baustelle-Fuer-Anwohner-des-Hauptbahnhofs-wird-es-nachts-laut-id42608051.html

    Es würde auch nichts nützen, die Polizei zu rufen. Die ist damit beschäftigt, mit den
    Streifenwagen in der Gegend herumzufahren und harmlose Bürger zu belästigen …

    Am Rande:

    Dass bei diesem unnötigen Tunnelbau mindestens 200 Millionen Euro Steuergelder
    durch den Schornstein verpuffen, wird der OB-Herold übrigens niemals verkünden,
    weil deswegen die Bürger wiederum mit Mistgabeln und Fackeln zum Rathaus …

  • Jürgen

    |

    @mkv:
    Wer soll die Einhausung zahlen? Ich hoffe nicht der Steuerzahler.
    Eine eingehauste Idylle hätte, wenn schon, dann die Verursacher, in dem Fall die Erbauer der zu nah gebauten Wohnungen, im Konzept mit umsetzen müssen.
    Wer neben einer Umgehungsstraße baut, darf sich nicht wundern wenn er den Verkehr hört.

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