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Was ist „Gedenktafel-Tourismus”? Das weiß allenfalls Christian Schlegl selbst. Ob nun google oder wikipedia, der Brockhaus oder der Duden: Nirgendwo ist dieses Wort bekannt. Der Fraktionschef der Regensburger CSU hat halt wieder nur so daher geredet, als er vom Wochenblatt gefragt wurde, ob die CSU eine Gedenktafel für die Neupfarrplatzgruppe aufstellen will.

Er hat halt daher geredet, wie man das so macht in der Partei, in der Nazi-Dichter Florian Seidl – er hat die Ermordung von Behinderten befürwortet – mal eben mit Kurt Tucholsky verglichen wird (Oberbürgermeister Hans Schaidinger), in der Partei, die sich jahrelang weigerte, daran zu erinnern, dass sich in Stadtamhof eine KZ-Außenlager befunden hat und in der Partei, in der Antifaschismus allenfalls dann ausgepackt wird, wenn es darum geht, unliebsame Parteikonkurrenz in den Orkus zu schicken.

Wer war nun die Neupfarrplatzgruppe: Eine Gruppe von NS-Gegnern wie sie heterogener kaum hätte sein können. 49 Frauen und Männer – vom NSDAP-Aussteiger bis zum Sozialdemokraten, vom Kommunisten bis zum Monarchisten – trafen sich regelmäßig beim Kiosk vorm ehemaligen Arbeitsamt am Neupfarrplatz, um ihre Kritik am NS-Regime öffentlich zu machen. Ab 1942 wurden diese Menschen verhaftet, neun von ihnen wurden schließlich von den Nazis ermordet.

SPD und CSU sind nun der Meinung, dass eine Gedenktafel nicht das richtige sei, um an diese mutigen Menschen zu erinnern. Man suche „etwas Besseres”, wolle „keine Pflichtübung” und keinen „Gedenktafel-Tourismus, der der Sache nicht gerecht wird”. Deshalb hat man den Kulturreferenten damit beauftragt, ein Konzept für Gedenkstätten zu erarbeiten.

Herr Unger ist allerdings der Auffassung, dass der Neupfarrplatzgruppe schon ausreichend gedacht werde: zum einen durch die Erwähnung im document, das unter dem Neupfarrplatz angesiedelt ist (Das document bezieht sich im Wesentlichen auf das jüdische Ghetto aus dem 16. Jahrhundert.); zum anderen deshalb, weil bei Stadtführungen auf die Neupfarrplatzgruppe hingewiesen werde.

Über das Wort „Gedenktafel-Tourismus” regt sich nun ein Teil der Stadtratsopposition auf.

Eberhard Dünninger (ödp) sieht das „europa- und weltweite Ansehen Regensburgs” gefährdet und erklärt „Gedenktafel-Tourismus” zum „Unwort des Jahres”.

Ludwig Artinger (Freie Wähler) hält Schlegl vor, die „Gemeinsamkeit aller Demokraten im Umgang mit diesem schwierigen und höchst sensiblen Thema” aufgekündigt zu haben. Es folgt der unvermeidliche Verweis auf das Ansehen der „Welterbestadt Regensburg” und die Unterstützung der CSU-internen Kritiker Schlegls, die ihm mangelnde charakterliche Eignung und Inkompetenz unterstellen.

Warum aber die Aufregung? Über die Schleglsche Wortschöpfung „Gedenktafel-Tourismus”?

Ein Grund zum Aufregen ist eher die Tatsache, dass man ein sichtbares Andenken an die Neupfarrplatzgruppe mit Begründungen a la „das wird der Sache nicht gerecht” oder „man muss eine andere Form finden” auf den St.-Nimmerleinstag verschiebt, indem man Klemens Unger mit einem Konzept beauftragt.

Der Antrag für eine Gedenktafel wurde auf Vorschlag des 3. Bürgermeisters Wolbergs ohne Gegenstimme zurückgestellt.

Falsch gedacht, Herr Unger!

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