Ärger um den Strohhalm-Chef

CSU-Stadtrat contra Mieter

Stell Dir vor, Du kaufst ein Haus und es wohnt jemand drin: für CSU-Stadtrat Josef Troidl offenbar eine bizarre Vorstellung. Foto: Archiv

Stell Dir vor, Du kaufst ein Haus und es wohnt jemand drin: für CSU-Stadtrat Josef Troidl offenbar eine bizarre Vorstellung. Foto: Archiv

Mit fragwürdigen Mitteln versucht CSU-Stadtrat Josef Troidl derzeit einen Mieter loszuwerden. Trotz Gegenwind von Stadtbau-Chef Joachim Becker hat er eine rechtlich nicht haltbare Kündigung bislang nicht zurückgenommen.

Stell Dir vor, Du kaufst ein Haus und da wohnt jemand drin – so geht es aktuell Josef Troidl. In der Mittelbayerischen Zeitung durfte sich der CSU-Stadtrat vor geraumer Zeit als Opfer eines angeblich unverschämten Mieters gerieren, der – was für eine Sauerei – sich weigert, obdachlos zu werden, damit Troidl – Vorstand des Strohhalm e.V. – in dem Haus etwas für Obdachlose tun kann.

Kaufbedingung: Bestandsschutz für die Mieter

Doch von Anfang an: Im Sommer 2014 freute sich Josef Troidl „wie ein Schneekönig“ darüber, ein Haus in der Metgebergasse erworben zu haben. Vor dem Kauf hatte er das Haus weder besichtigt, noch mit den dortigen Mietern gesprochen. Aber das Angebot der Stadtbau GmbH war offenbar so unschlagbar günstig, dass Troidl zuschlug, obwohl er lediglich Pläne gesehen hatte.

Im Aufsichtsrat der Stadtbau hatte man sich indes erst im zweiten Anlauf zum Verkauf entschlossen – einstimmig und mit Zustimmung von Stadtbau-Chef Joachim Becker wurde dabei in dem Kaufvertrag Bestandsschutz für die beiden Mieter in dem Gebäude garantiert. Troidl akzeptierte diese Bedingung. Dann, als der Kauf quasi schon unter Dach und Fach war, nahm er sich auch mal Zeit, das Haus zu besichtigen und mit den Mietern zu sprechen.

Bei der Frage nach Umzugskosten eskalierte der Termin

Ein Bewohner – ein Flüchtling aus Afghanistan – ließ sich offenbar recht rasch überzeugen, auszuziehen. So heißt es zumindest. Der andere aber erdreistete sich, Troidl bei dem Besichtigungstermin zu fragen, wie es denn mit einem Zuschuss zu den Umzugskosten und einer Ablöse für die fast neue Einbauküche aussehe. Was dann auf Andreas N. hereinprasselte, schockiert ihn noch jetzt. „Ich habe selbst immer wieder an den Strohhalm gespendet, als es mir finanziell noch besser ging“, erzählt er. Quittungen über knapp 1.000 Euro legt N. uns dazu vor. „Und plötzlich werde ich vom Vorsitzenden dieses Vereins behandelt wie der letzte Dreck.“ Der 45jährige Mann ist zu 60 Prozent schwerbehindert und lebt derzeit – nachdem er zuvor einige Jahre im Schaltschrankbau gearbeitet hatte – von Hartz IV. „Und jemand wie ich, meinte Herr Troidl, habe gar nichts zu fordern“, so N.. „Schließlich würde ich ja von seinen Steuergeldern leben.“

Einfach mal eine Kündigung schreiben

Der Termin endete im Streit. Nach weiteren Gesprächsterminen, die ähnlich verliefen, verkehrt man nun nur noch schriftlich. Und weil man so mit ihm umgegangen ist, fordert Andreas N. nun konsequent das, was ihm rechtlich zusteht: „Wenn Herr Troidl will, dass ich ausziehe, dann soll er mir Umzug und Ablöse zahlen. Es gibt dazu ja genügend Gerichtsurteile, an denen er sich orientieren kann. Wenn ich Geld hätte und das ganze etwas anders verlaufen wäre, hätte ich zugunsten des Strohhalms den Umzug auch selbst bezahlt.“

Doch natürlich kann man auch einfach mal etwas ausprobieren und versuchen, den Mieter einzuschüchtern. Troidl ließ Andreas N. Mitte Januar ein Anwaltsschreiben zustellen, in dem er ihm aus „Eigenbedarf“ die Kündigung ausspricht. Der Strohhalm benötige die Wohnung zur Unterbringung von Obdachlosen. Deshalb sei die Kündigung notwendig, heißt darin unter anderem.

Gegenwind vom Stadtbau-Chef

Dass dies ein klarer Verstoß gegen die Vereinbarung mit der Stadtbau ist, musste Troidl wissen. Andreas N. wusste das nicht. Weil in dem – für ihn diffamierenden – MZ-Artikel der Name von Norbert Hartl erwähnt war, wandte er sich an den SPD-Fraktionschef. Der meldete sich rasch zurück und gab Entwarnung. „Er hat mir als erster gesagt, dass ich nicht so ohne weiteres gekündigt werden darf“, so N.. Und nun meldete sich auch deren Chef Joachim Becker zu Wort. In einem Schreiben weist er Troidl auf den vereinbarten Bestandsschutz für die Mieter hin und droht mit Schadenersatzansprüchen, sollte der CSU-Stadtrat die Kündigung nicht zurücknehmen.

Kündigung wurde noch nicht zurückgenommen

Gegenüber dem Regensburger Wochenblatt gab sich Troidl, den manche als das „soziale Gewissen der Regensburger CSU“ bezeichnen, kleinlaut. Er werde das Ganze jetzt durch seinen Anwalt prüfen lassen. Klar ist allerdings schon ohne diese Prüfung: Die Kündigung müsste Troidl zurücknehmen. Das ist – Stand 11. Februar – allerdings noch nicht geschehen.

Andreas N. ist angesichts seiner unsicheren Lage mit den Nerven fertig. Neben Mängeln in der Wohnung – etwa der immer wieder ausfallenden Heizung, um die sich sein Vermieter Troidl nicht kümmert, stehe nun auch noch die Kündigungsandrohung im Raum. „Jetzt werde ich mir einen Anwalt suchen müssen, um mich gegen dieses Vorgehen zu wehren“, sagt er uns.

Auf eines legt Andreas N. allerdings Wert: „Ich habe nichts gegen den Strohhalm. Ich möchte auch nicht, dass dieser Streit dazu führt, dass die Leute dort nicht mehr spenden. Aber die Machenschaften von Herrn Troidl müssen aufhören.“

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Kommentare (15)

  • Dieter

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    Ich frage mich wie sich der Strohhalm finanziert oder was so ein Stadtrat verdient und wer dies letztendlich bezahlt…es werden ja wohl nicht meine Steuergelder und Spenden sein?

    Für mich ist es sowieso mehr als fraglich, wenn ein Stadtrat eine Immobilie von der Stadtbau kauft. Auch hier liegt für mich ein Gschmackl in der Luft.

    Ist es eigentlich gängige Praxis, dass die Stadtbau Immobilien verkauft und wenn ja, aus welchem Grund?

    Fragen über Fragen, aber besser als die Beleidigungen die mir nach Lesen des Artikels auf den Lippen liegen.

  • Mathilde Vietze

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    Natürlich verdienen Behinderte der besonderen
    Fürsorge von Staat und Gesellschaft. Leider aber
    gibt es unter denen derart renitente Querulanten,
    daß es unmöglich ist, mit diesen vernünftig zu-
    sammenzuleben. Und genau das scheint mir
    – ohne Stadtbau oder Troidl das Wort zu reden –
    der Fall zu sein.

  • Mr. T

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    Frau Vietze, ein „auch“ zwischen „es“ und „unter“ hätte Ihre Aussage etwas weniger behindertenfeindlich erscheinen lassen.

  • Barbara L.

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    @vietze
    OB Wolbergs kann noch soviel über Inklusion faseln, es klappt nicht wenn alte SPD Mitglieder solche Kommentare verzapfen.
    Nicht der Behinderte ist eine Zumutung sondern sein Umfeld.
    Geben sie ihre Willy-Brandt-Medaille freiwillig zurück.

  • Jörg Stein

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    Einen Menschen (Mieter), den man (frau) nicht kennt, derart abzukanzeln, ist einfach nur borniert. Und sich über Umstände auszulassen, die man bestenfalls aus der Zeitung kennt, grenzt schon an galoppierende Dummheit.

    Auch ein Tor, wenn er schwiege, würde für weise gehalten und für verständig, wenn er den Mund hielte. (Sprüche Salomos, 17,28)

    Wer sich angesprochen fühlt, ist wahrscheinlich auch gemeint.

  • orka

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    @ Frau Vietze
    so treffend und pointiert ihre Kommentare des Öfteren sind.
    DIESER HIER WAR VOLL DANEBEN. und einer Sozialdemokratin unwürdig.
    Was hat Sie dazu gebracht über den Menschen Andreas N., den sie vermutlich noch nie gesehen haben und nicht kennen ein so vernichtendes Urteil (renitente Querulanten) zu fällen.

    Zur Sache/Rechtslage;
    jeder, der sich schon einmal mit dem Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung befasst hat kennt den alten Rechtsgrundsatz: Kauf bricht nicht Miete!
    Auch wenn es nicht ausdrücklich im Vertrag mit der Stadtbau stünde hätte der Mieter einen Bestandsschutz für sein Mietverhältnis.
    D.h. wenn Herr Troidl jetzt verwundert ist, dass er den Mieter nicht ohne weiteres aus der Wohnung bekommt gibt´s dafür nur drei Möglichkeiten.
    Entweder (1.) Herr Troidl hat sich vorher nicht informiert, (2.) er ist völlig weltfremd oder – und das scheint mir bei einem Vertreter der christlich sozialen „Staatspartei“ die wahrscheinlichere zu sein – (3.) er hat geglaubt er stehe über dem Gesetz.
    Das Verhalten von Herrn Troidl gegenüber dem Mieter, noch dazu einem Menschen mit Behinderung, ist weder christlich, noch sozial. Aber das ist seine Partei ja auch schon seit langem nicht mehr.

    @ Dieter
    Klar hat der Strohhalm auch mit deinen Spenden und Steuergeldern dieses Haus gekauft und den Anwalt bezahlt, den er mit dem Rauswurf beauftragt hat.
    Aus der Privatschatulle vom Herrn Troidl kommt das Geld bestimmt nicht.

  • Franz

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    Noch mal nachgefragt. Hat Herr Troidl privat das Haus gekauft und stellt es dem Strohhalm zur Verfügung? Wenn nein, wie kann ein Verein soviel Geld anhäufen und sich in Regensburg eine Immobilie leisten???

  • Hans Dampf

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    Bravo Frau Vietze. SIE sind die BESTE. Keiner kennt den genauen Sachverhalt aber WolliFanWomen Vietze hat natuerlich eine Meinung. Ich würde mich an Ihrer Stelle schämen. Ich wage es nicht zum Sachverhalt fuer oder wider Stellung zu nehmen geschweige denn verallgemeinernd Dreck abzusondern. PFUI

  • Hans - Peter Dantscher

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    Ich finde es immer wieder überraschend, wie sich manche Menschen (anscheinend) ihr Selbstbild in Bezug auf Integrität, Können und angeblichem Zuspruch über Jahre hinweg erhalten können, obwohl Sie bei Menschen die von der Materie Ahnung haben bzw. betroffen sind regelmäßig Gegenteiliges vermittelt bekommen.
    Herr Troidl hat tatsächlich (fast) ein Haus gekauft, ohne sich vorher den Vertrag durchzulesen?
    Oder hatte er grenzenloses Vertrauen in seinen besonderen Charme nach dem Motto: „Ich bin doch sozial, schließlich rede ich sogar mit diesen Leuten.“ (kein Zitat, reines Kopfkino)?

  • Andreas N.

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    Ein nettes Hallo von dem betroffenem Mieter Andreas N., an alle die sich hier so fleißig bemühen etwas zu kommentieren und sich mit dem Inhalt des Artikels beschäftigen.

    Seitdem die MZ, das Wochenblatt und jetzt auch Regensburg-Digital über den Sachverhalt Strohhalm/N. geschrieben hat, werde ich auf der Straße von wildfremden Personen angesprochen und muss alles Mögliche über mich hören und lesen, leider manchmal auch nicht schöne Dinge, wie z.B. der Kommentar von Frau Mathilde Vietze, welcher mich sehr getroffen hat.

    Übrigens habe ich Frau Mathilde Vietze heute Abend gleich angerufen, nachdem ich dies gelesen habe, um erstens zu erfahren wie sie dazu kommt so etwas zu schreiben und um ihr die Möglichkeit zu geben, sich selbst bei mir ein Bild von dem Ganzen zu machen.

    Leider war sie sehr kurz angebunden, da sie auf eine Sitzung musste und für einen Nummernaustausch hatte sie leider auch keine Zeit, vielleicht auch kein Interesse, aber das weiß ich nicht, ich hoffe sie meldet sich nochmal, wenn sie wirklich Interesse hat und die Wahrheit wissen will.

    Aus diesem Grund, wenn es eine Person wirklich interessiert und sich mit dem wahrem Sachverhalt, soweit es möglich ist dies zu belegen, z.B. chronologischer Schriftverkehr zwischen dem Strohhalm und mir, die Wohnungsmängel etc., der kann gerne bei mir vorbeischauen, Einsicht in die Unterlagen nehmen, die Wohnung besichtigen und sich so ein objektiveres Bild von dem Ganzen machen.

    Hierzu habe ich eigens bis zum Abschluss dieses Falles eine Emailadresse eingerichtet:

    MietergegenStrohhalm@gmx.de

    Habt bitte Geduld mit der Antwort, falls es ein wenig länger mit der Antwort dauert, da es mehrere Gründe dafür gibt.

    Leider hat mich diese ganze Situation, Kündigung und Vorgehensweise des Strohhalms (J. Troidl) so sehr mitgenommen, das ich jetzt erst mal mich behandeln lasse und deswegen zeitlich sehr eingeschränkt sein werde, doch gerne Zeit finden möchte der Wahrheit wegen.

    Zudem an alle die große Probleme mit dem Strohhalm, besonders eigentlich nur mit dem Herrn J. Troidl hatten und haben, entweder ohne wirklichem Grund rausgeschmissen worden sind, Hausverbot ungerechter Weise bekommen haben, oder angegangen, beleidigt worden sind und hier spreche ich nicht über Kinderkram, mögen sich bitte auch bei mir melden.

    Hier noch ein weiter Bericht von regensburg-digital, wo die letzten Kommentare zu diesem Bericht, angefangen bei Bjön P. abwärts, sehr interessant hierzu sein könnten.

    http://www.regensburg-digital.de/man-soll-ja-nicht-hetzen-aber-ich-machs-mal/19122014/

    Auch bei Facebook Wochenblatt gibt es interessantes zu lesen, besonders der Kommentar von der Luna Gypsy und ganz interessant der Kommentar des Stephan Hellwig, der sich mir als Geschäftsführer des Strohhalms vorgestellt hat, lest mal was er geschrieben hat und vergleicht dies mit der Begründung der ausgesprochenen Kündigung, da stimmt und passt was nicht, war wirklich nur der §2 der Satzung des Strohhalms der Grund, oder….?

    https://de-de.facebook.com/wochenblatt.regensburg/posts/10153103942719451

    Bericht Wochenblatt vom 04.02.2015

    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Obdachlosen-Verein-Strohhalm-will-behinderten-Mieter-rauswerfen-;art1172,288417

    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas N.

  • erik

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    Kommentar gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Klaus Meier

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    Hallo meine lieben Freunde,

    ich finde es traurig das so ein CSU Stadtrat aus Regensburg wie dieser Herr Josef Troidl von der Frau Christine Haderthauer ein Verdienstkreuz bekommt und so mit armen Menschen die auch noch behinderung haben in einem Ort wie im Strohhalm so umgeht.Ich als Regensbuger schäme mich für diese Aktion vom Herrn Troidl.Desweiteren Herr Andreas N.da gebe ich ihnen recht diese Frau Mathilde Vietze ist mit Vorsicht zu genießen Sie ist schon hier in Regensburg Digital bekannt mehr möchte ich mich über diese Frau hier nicht äußern.

    Wünsche dir trozdem alles gute und ich hoffe das die Gerechtigkeit bei dir zum Siege führt lieber Andreas.

    Mit freundlichen Grüßen

    Klaus Meier

  • Mathilde Vietze

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    An alle, die mich beschimpft haben:
    Bitte weisen Sie mir nach, mit welchen
    Worten ich mich „behindertenfeindlich“
    geäußert habe. Und – was hat mein
    Kommentar mit Wolbergs zu tun?

  • Janus Otto

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    @Mathilde Vietze
    Lesen sie doch mal gaaaanz langsam diese Zeilen:
    Natürlich verdienen Alte*) der besonderen Fürsorge von Staat und Gesellschaft. Leider aber gibt es unter denen derart renitente Querulanten, daß es unmöglich ist, mit diesen vernünftig zusammenzuleben. Und genau das scheint mir–…– der Fall zu sein.
    *) kann natürlich durch andere Bevölkerungsgruppen ersetzt werden.
    Fehler machen kann mal jeder, uneinsichtig ist einfach nur zum :'(

  • urkel

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    „Natürlich verdienen rothaarige ältere Damen die besonderen
    Fürsorge von Staat und Gesellschaft. Leider aber
    gibt es unter denen derart renitente Querulanten,
    daß es unmöglich ist, mit diesen vernünftig zu-
    sammenzuleben. Und genau das scheint mir ….“

    Na, sehr geehrte Frau Vietze was empfinden Sie bei diesem Satz?

    Eine Entschuldigung Ihrerseits bei dem behinderten Wohnungsmieter wäre angezeigt. finden Sie nicht?

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