Für Kardinal Müller ist das Thema Domspatzen "erledigt"

Das Schweigen des Kirchenleerers

Das Konzept zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Domspatzen klingt schlüssig. Nun müssen die Verantwortung von Kardinal Müller klar benannt und seine beachtlichen Apanagen aufgekündigt werden.

Gastkommentar von Alfred Gassner

In Regensburg Chefverschleierer, im Vatikan Chefaufklärer: Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv/ Staudinger

In Regensburg Chefverschleierer, im Vatikan Chefaufklärer: Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv/ Staudinger

Das Ergebnis der Arbeit des Aufarbeitungsgremiums für den Missbrauchsskandal, vorgestellt in seiner jüngsten Pressekonferenz, kann sich sehen lassen. Wollte bisher kirchlicherseits niemand zur Opferrehabilitation etwas sagen, gibt es jetzt ein schlüssiges und verbindliches Konzept für substantielle Entschädigung und therapeutische Versorgungsmaßnahmen. Auch wurde mit dem Auftrag an zwei unabhängige Kommissionen sichergestellt, dass der öffentliche Informationsanspruch zu den inkriminierten Verhältnissen effektiv und nachhaltig beantwortet werden kann. Die vereinbarten Rahmenbedingungen stimmen.

Für den amtierenden Bischof Voderholzer ergibt sich daraus ein weiterer Vorteil. Dessen tätige Reue (von ihm selbst umschrieben mit dem Satz: „Besser spät als nie!“) befreit ihn schlagartig vom Schatten seines Amtsvorgängers.

Der selbsternannte Gott-Vater in Sachen Reinheit schweigt

Kardinal Gerhard Ludwig Müller wird das nicht kümmern. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation will künftig nichts mehr zum Missbrauchsskandal bei den Domspatzen sagen, für ihn ist die Angelegenheit erledigt. Die Angelegenheit betreffe ihn nicht mehr, ließ Müller dem Bayerischen Rundfunk ausrichten. Als selbsternannter Gott-Vater in Sachen Reinheit kirchlicher Lehre versucht er, analog zu Beate Zschäpe im NSU-Prozess, sich im laufenden Verfahren einen Freispruch mangels Beweisen zu erschleichen. Seine Taktik ist darauf aus, sich durch Verschweigen aus der Verantwortung zu stehlen. Seine Gewissensschuld soll sein Nachfolger tilgen, nur so kann der eigne Pelz sauber bleiben. Schließlich darf seine Anwartschaft auf das künftige Papstamt keinen Schaden nehmen.

Um das müllersche Widerfahrnis aus Opfersicht zu illustrieren, hier einige Beispiele: Mit der These, mehr als 422 jetzt bekannte Missbrauchsfälle (Dunkelziffern nicht eingerechnet) seien „Einzelfälle“, begann er seine Verteidigung als Bischof von Regensburg. Als das nichts half, nutzte er Ambo und Predigt, um die Missbrauchsfälle als investigative Phantastereien und Kirchenverfolgung abzutun. Kein Prozess war ihm zu teuer, wenn er von außen von sog. „Wadenbeißern“ angegriffen wurde.

Kein Zeichen tätiger Reue

Der katholische „Pfingstl“ (im Bayrischen ein Synonym für lernunfähige, beratungsresistente und allein am Ego orientierte Menschen) konnte sich kein einziges Zeichen tätiger Reue abringen, schuld waren immer nur die anderen. Jetzt hat er seine Taktik umgestellt und will sich durch Schweigen retten.

Müllers Strategie ist durch Voderholzers tätige Bußstaffel jetzt aber zusammengebrochen. Der Grandenkardinal (der sich gern im glorialen Umfeld abbilden lässt) steht moralisch nackt da und diese Bloßstellung wird er seinem Nachfolger wohl nie verzeihen. Es könnte aber trotzdem passieren, dass ihn die Realität einholt und ihn mindestens eine Untersuchungskommission für den Aufarbeitungsskandal mitverantwortlich macht.

Wird Müllers Verantwortung klar benannt werden?

Man darf gespannt sein, ob und wie er sich unter medialem oder innerkirchlichem Druck doch noch auf das vor ihm aufbereitete Verdachtstableau einlassen wird. Juroren ermitteln neutral und von Amts wegen, haben Akteneinsicht und können sich auf alle gängigen Quellen beziehen. Niemand kann sich vor ihnen nur durch seine Reputation als hoher Kirchenmann selbst freisprechen.

Vielleicht sollte das Regensburger Domkapitel zur Förderung Müllers tätiger Reue es nochmals mit dem Würsteldosen-Test versuchen. Die Aufkündigung seiner beachtlichen Apanagen, die er neben seiner römischen Besoldung und Buchtantiemen wohl immer noch aus dem hiesigen Kirchensäckel bezieht, könnte das gewünschte Wunder bewirken. Der eingesparte Gegenwert wäre im Opferentschädigungsfond wesentlich besser angelegt.

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Kommentare (36)

  • Haimo

    |

    zu:
    Jetzt hat er seine Taktik umgestellt und will sich durch Schweigen retten.
    Ich denke es ist für ihn die einzige und schlechteste Möglichkeit die Misere der Aufarbeitung in der Diözese Regensburg zu beenden. Zu sagen hat er nichts mehr, die Gerichte haben ihm das klargemacht, seine Selbstherrlichkeit und Glaubwürdigkeit ist schon lange verblasst, der Altersstarrsinn breitet sich bei ihm aus. Wenn er sich ein Beispiel an seinem Nachfolger Hr. Voderholzer nehmen würde, dann ergriffe er die Flucht nach vorne. Aber hier handelt es sich um einen unbelehrbaren Kleriker.
    Ich sehe es durchaus im Bereich des Möglichen, dass er eines Tages im Kloster Mallersdorf oder sonstwo vergessen wird weil kein Hahn mehr nach im kräht. Für mich gibt es duchaus Paralellen zu anderen ebenso „weltfremden“ Charakteren aus diesem Milieu ( zB. G. Ratzinger). Wenn er aber meint wie beim 10. Papstbesuchsjubiläum mehrere Tage in Regensburg residieren zu müssen, um im Schloß bei einer Buchbesprechung anwesend zu sein, dann stehen wir vor dem Dom und anderen Orten und verteilen Flugblätter. Denn solche Provokationen lassen wir uns nicht mehr bieten.
    Haimo
    Etterzhausen 1962 – 1964

  • Hans

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    Verehrter Herr Gassner, ein Aufarbeitungsgremium das nur dem Bischof genehme „Opfer“ und ausschließlich vom Bistum ernannte und bezahlte Experten zulässt, ist kein Aufarbeitungsgremium sonder eine offensichtlich gelungene PR Aktion, auf die auch Sie hereinfallen. Diesem Gremium fehlt jegliche Legitimation im Namen der Opfer zu sprechen oder gar irgendwelche „Schlusspunkte“ zu setzen. Besser hätte es doch für den Bischof gar nicht laufen können, nicht er sondern die Herren Schmidt und Probst fordern im Namen der Opfer einen „Schlusstrich“ zu ziehen. die Manipulation der Schäflein gehörte immer zur Kernkompetenz von Kirchenfürsten. Wie sehr sich die Herren doch im Glanz der Bischofsgesatllt gesonnt habe müssen. Selbst Regensburg Digital scheint langsam einzuknicken und spricht von einer „unabhängigen“ Anlaufstelle in München? Wie unabhängig eine Anlaufstelle ist, die vom Bistum aus finanziert wird, bleibt noch abzuwarten, vermutlich ebenso unabhängig wie Pofalla, Dr. Linder, Rechtsanwalt Weber und die selbst ernannten Opfervertreter. Auch finde ich es flasch den Urheber diese PR Gags, Bischof Vorderholzer hier als den Aufklärer zu preisen. Der Unterschied zwischen Vorderholzer und Müller ist marginal. Zu den Zeiten Müllers war noch kein Geld im Missbrauchsfond der Bundesregierung und die Kirche (Müller) hätte eigenes Geld für die Entschädigung der Opfer aufwenden müssen. Seit Anfang 2015 steht der Fond. Kann die Kirche (nun Vorderholzer) auf die Mittel des Fonds zurückgreifen, wenn sie Opfer entschädigt werden oder sonstige Leistungen erbracht werden? Hat die plötzliche Bereitschaft zur „Aufarbeitung“ also rein monetäre Gründe? Zahlt hier gar nicht die Kirche, sondern wie (fast) immer der Steuerzahler?

  • Christian Feldmann

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    @Hans:

    Und Eure anonyme Majestät, Herr „Hans“, wer hat E u c h legitimiert, im Namen der Opfer zu sprechen und ihnen das Recht abzuerkennen, ihre eigene Einschätzung des aktuellen Verhaltens der Kirche zu artikulieren?

  • Mathidle Vietze

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    Müller zu den Mallersdorfer Schwestern? Das sind fei‘ teilweise sehr
    nette Personen; die täten mir echt leid, wenn der unbelehrbare und
    beratungsresistente Dickschädel denen das Leben schwer machen
    täte. Ich zitiere hier eine fromme alte Dame „Der Müller gehört nach
    Afrika, da kann er den Affen predigen.“

  • Coffin Corner

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    Ausser dem Herrn Bischof Müller gab es da wohl auch noch andere tatkräftig Beteiligte: Die Herren Neck und Fuchs beispielsweise. Die tatkräftige Reue ist wohl nicht so intensiv, daß da nun personelle Konsequenzen gezogen würden: Im Gegenteil, ich nehme mit grosser Verwunderung wahr, daß GV Fuchs dem Aufarbeitungsgremium sogar angehört, obwohl er nicht auf der Pressekonferenz war. Ein Mann, der dien „Nichtnachvollziehbarkeit“ des erlittenen Leids ja fast jedem dieser Opfer schriftlich bescheinigt hatte. Zur organisatorischen Vereinfachung gleich im hektografierten Serienbriefen.

    Da frage ich mich, ist da wirklich eine Umkehr eingetreten oder haben sich die Herren Probst und Schmitt einfach über den Tisch ziehen lassen?
    Denn was und wie sie nun sprechen, passt so überhaupt nicht mehr zu ihren Auftritten in bestimmten Filmen vorher.

  • Mathilde Vietze

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    Mit den Herren Fuchs und Neck hat Bischof Voderholzer
    „Altlasten“ übernommen und nun wohin mit diesen
    Herren? Es ist fast wie bei GLM. Den wollte Papst Franziskus
    auch nach Mainz abschieben, aber die dortigen Domherren
    haben „dankend“ abgelehnt. Ein kluges Domkapitel!

  • joey

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    Man sollte G.L. Müller dankbar sein, er hat als Professor, Bischof und Kardinal wie auch als Schleimer zu Benedikt16 klargemacht, daß der Katholizismus nicht reformierbar ist und Fundamentalisten in Rom alle Lernfortschritte vor Ort jederzeit zunichte machen können. Er hat uns gelehrt, daß die Kirche keine demokratische, sondern eine sakramentale Verfassung hat. Das heißt: es gibt eine zwingende Weihehierarchie, die am Ende z.B. in der Wandlung beim Kirchenvolk ankommt. Wandlung ist die tatsächliche wundersame Verwandlung von Brot und Wein in Christi Fleisch und Blut. Letztes Abendmahl, Apostel und so.

    Es ist also völlig unbedeutend, was die Menschen denken und glauben, sie haben im Zweifel schlicht nicht Recht, weil richtig und falsch von Müller definiert wird, in strenger Auslegung des Wortes Gottes. Was man zu Recht dem Islam zum Koran vorwirft, gilt also auch für die Bibel – nur daß man dem alten Testament nun schon historisch kritisch gegenübersteht, Massaker an Philistern und Edomitern sind nun wohl nicht mehr möglich (kennt jemand von Euch noch einen Edomiter…?).

    Der christliche Fundamentalismus ist deswegen (in Deutschland) nicht mehr gefährlich, weil es schlicht keiner mehr glaubt und sozialer Zwang von „Widerspenstigen“ nicht mehr funktioniert. Die Macht ist nicht mehr mit ihm, dafür haben Napoleon, Bismarck und besonders das internet gesorgt.
    Deswegen konnte Voderholzer auch nicht so weitermachen, sonst kann er seine Domspatzen inklusive sonstige kirchliche Schulen irgendwann völlig einpacken.

    Denken wir mal kurz im Sinne einer diskussionstechnischen Provokation apokalyptisch: Regensburg als Titularbistum. Da ist keiner mehr, der Dom ist ein reines Museum, die Domspatzen ein schlichtes Gymnasium mit „jingle bells“ Programm im kultursensiblen „Winterfest“…

    Na, wie würde das gefallen?

  • semmeldieb

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    „Regensburg als Titularbistum. Da ist keiner mehr, der Dom ist ein reines Museum, die Domspatzen ein schlichtes Gymnasium mit „jingle bells“ Programm im kultursensiblen „Winterfest“…“

    ja, das würde mir gut gefallen. und ich wüsste es auch gerne gesetzlich irgendwie manifestiert und ausgedehnt auf alle religionen. auch und besonders auf den islam.

  • Coffin Corner

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    Frau Vietze, ich habe das auch gehört mit Mainz.
    Die richtigen Hardcorekatholen wünschen sich nichts sehnlicher. Auch den Herr Tebartz van Elst hätten sie gern wieder. Sie glauben an die „notwendige Gesundschrumpfung der Deutschen Kirche“.
    Wenn Herr Müller in Mainz dann die gleichen Spielregeln einführen würde wie in Regensburg, würden vermutlich noch mehr Leute austreten wie in Limburg.
    Nur die finanziellen Folgen stehen der Gesundschrumpfung im Wege. Es ist egal, wer woran glaubt, solange nur der Geldhahn offen bleibt.
    Gehen Sie mal auf http://www.kreuzgang.org

  • Mathilde Vietze

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    Zu Coffin Corner: Bezpüglich Tebartz van Elst hat Papst Franziskus einen
    sehr klugen Schachzug gemacht, auch wenn manche glaubten, eine
    „harte Strafe“ wäre besser gewesen. Hätte Papst Franziskus diese Strafe
    über Tebartz ausgesprochen, wären die ganzen reaktionären Katholen
    aufgestanden und hätten einen Aufstand gemacht und Tebartz hätte
    seine Märtyrerrolle genossen. So aber hockt der im Büro, schreibt Predig-
    ten, die keiner hält und Aufsätze, die keiner liest.

  • Coffin Corner

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    @Frau Vietze:
    Für den Herrn Fuchs wird sich doch ein Weihbischofspöstchen in der Republik finden. Herr Weihbischof Jaschke hat beispielsweise gerade den Ruhestand erreicht. Dem kann zwar niemand in der DBK das Wasser reichen, aber Versorgung ist eben Versorgung, Weihe ist Weihe.
    Herr Fuchs wäre belohnt, er würde so etwas wie die Serienbriefe bestimmt nicht wieder tun und alle wären zufrieden.
    Pressesprecher kann man loswerden, das konnte sogar SE Tebartz van Elst. Sein letzter hielt sich für so unersetzlich, daß er das Bistum zwingen wollte, ihn auch ohne den Herrn Bischof weiter arbeiten zu lassen. Das ist schon echtes Sendungsbewusstsein, was da von Pressesprechern an den Tag gelegt wird.

  • Toribio

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    Das alles sind für mich Folgen der Regentschaft des Polenpapstes als Freund (Mitglied??) von Opus Dei sowie Auswüchse der Ära unter einen erzkonservativen Josef Ratzinger, die beide dies alles während ihrer Zeit in Rom eingefädelt haben.
    Josef Ratzinger akademischer und karrieristischer Mentor von GLM und vermutlich auch von seinem Bruder Georg sowie von Fuchs und Neck.
    GLM als Mentor von Voderholzer, und wohl gezwungener Maßen auch von Fuchs und Neck, hat durch seine übertriebene Härte, seine Beratungsresistenz, seine Klagewut und Rohheit im Umgang mit gläubigen ChristInnen dem Ansehen des Bistums Regensburg und der DKK aus meiner Sicht immens geschadet.
    Er sollte seines Amtes in Rom enthoben werden, in den Ruhestand im tiefsten Urlaub als Dorfpfarrer versetzt und sein Ruhegehalt um die Hälfte gekürzt werden.
    Der Pole, oben beschrieben benötigte damals einen Hardliner im Amt des Chefs der Glaubenskongregation und obersten Inquisitor, was ihm m. E. in Persona J. R. exzellent gelungen war.
    Die Auswahl des Josef Ratzinger für dieses Amt zeigte sich für den Polen als Erfolgsgeschichte.
    Hielt J. R. doch in vielen Dingen dem Polen den Rücken frei und herrschte in seinem Amt mit eiserner Hand und spitzer Feder und vermutlich auch im Sinne seiner Günstlinge.
    Aus meiner Sicht sehr zum Nachteil der DKK.
    Die RKK ein Erbhof für linientreue und hörige Günstlinge oder gar eine religiöse Kaderschmiede in der hörige Anbiederung durch unfähige Führungskräfte geduldet, begünstig und wenn eine Hand die andere wäscht auch gefördert wird?
    Wenn dann noch absolute Hörigkeit hinzukommt, wirkt so etwas extrem begünstigend und macht den Weg auf der Karriereleiter dieser RKK frei.
    Die weitere Beurteilung überlasse ich gerne den Lesern selbst, wenn dazu meine Meinung auch deutlich feststeht.
    Das alles finanziert durch die staatlich geduldete Zwangskirchensteuer von uns Kirchenmitgliedern ohne Rechte, aber mit sehr großen Pflichten von Klerikern erfunden und durchgesetzt mit Härte im Namen Gottes.
    Wo sind und bleiben da Grundsätze aus der Bibel, wie Nächstenliebe, Demut, Verantwortung dem/ der Nächsten/ Bruder / Schwester gegenüber, die Toleranz, die Verantwortung der Kleriker als Hirten ihrer von Gott anvertrauten Herde?
    Oder sind vielleicht Machtgier, Abzocken, Drohung mit Verdammnis/ Höllenqualen u. ä. in der RKK verwendete Begriffe, um Furcht unter den Gläubigen zu schüren und zu verbreiten religiös irgendwo verbrieft?
    J. R. alleine wird es wissen und Auskunft darüber geben können, warum er vorzeitig als Papst zurückgetreten ist und warum er sich unter der Vorgabe von Altersgründen in die „Einsamkeit im Gebet“ zurückgezogen hat?
    Hatte er etwa plötzlich sein Gewissen entdeckt, das ihn unruhig werden lies oder übermannte ihn gar die Angst vor dem Gottesgericht nach überdenken seines Priesterlebens?
    Hat hier etwa der „Hl. Geist“ J. R. in seinem Gewissen dazu bewegt und seinen Geist endlich erleuchtet?
    Allein mir fehlt der Glaube daran nach allem, was ich von der RKK weiß, wie ich sie erlebt habe und was ich über sie gelesen habe.
    Aber das ist ja alles nicht wahr und man muss nur einmal um Vergebung ansinnen, dann ist alles wieder vergessen und vorbei?
    Nein, ist es eben nicht, denn solche Schuld, wie z. B. Religionskriege, Unterdrückung und Vernichtung von Gläubigen durch Inquisition, Hexenverbrennung, Reformationskriege waren Teufelszeug und ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott solch in seinem Namen geschehenes Unrecht straflos und ohne Folgen für die Täter abtut.
    Das zu hinterfragen aber sollte allein in Gottes Hand bleiben, auch wenn die/ der Eine oder Andere von uns dies gerne anders handhaben würde.
    Kann intensives Nachdenken im Gebet vermeintlich quälende Schuld vergeben?
    Aus meiner Sicht, „Nein“, sondern nur der „Dreifaltige, gütige Gott“.
    Mit zunehmenden Alter frage ich mich auch immer deutlicher, was manches Verhalten von Klerikern, sogenannten Hirten, noch mit Gott und unserem christlichen Glauben zu tun hat?
    Hat der „Dreifaltige Gott“ als unser Schöpfer, Erlöser, geistiger Inspirator und Lebensbegleiter so etwas wirklich verdient?
    Warum lässt er so ein Treiben schon so lange zu?
    Gibt es IHN überhaupt?
    Eindeutig und überzeugt glaube ich: „JA“.
    Wenn in schweren Stunden auch gelegentlich erneut Zweifel aufkommen.
    Das aber betrachte ich als menschliche Schwäche von mir persönlich.
    Zur Aufarbeitung dieses Umstandes brauche ich aber nicht die für mich verlogene und zweifelhafte Institution RKK als eher lästiges Anhängsel, sondern das geistig meditative Gespräch in Ruhe, Zweisamkeit und Stille mit dem „Dreifaltigen Gott“.
    Den „Christlichen Glauben“ fördernd ist m.E. das Verhalten dieser RKK sicherlich nicht, eher abstoßend und zum Kirchenaustritt beflügelnd.
    Hoffentlich müssen diese Herren das auch einmal bis ins Kleinste verantworten?

  • Mr. T

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    Toribio, die Zweifel in schweren Stunden sind keine menschliche Schwäche, sondern lichte Momente, welche die abergläubische Konditionierung langsam durchbrechen. Warum dass es so einen gütigen Gott eigentlich gar nicht geben kann haben Sie ja quasi schon selber beantwortet. Viel Erfolg bei dem weiteren Ausbrechen aus dem Glaubenskorsett! Viele schaffen das gar nicht im Rahmen ihres Lebens.

  • Mathilde Vietze

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    Der Glaube muß kein „Korsett“ sein, er kann durchaus
    auch etwas Befreiendes an sich haben. Und – keiner
    ist verpflichtet, ausgerechnet mit den Reaktionären
    in den Kirchen (= katholische Ultras oder Evangelikale)
    Kontakt zu pflegen. Es gibt so viele andere, mit denen
    der Umgang F r e u d e macht.

  • Toribio

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    @ Frau Mathilde Vietze
    Sehr verehrte Frau Vietze,
    der Glaube als „Lehre von Gott und seinem Verhältnis zu uns Menschen“ ist für mich nicht das Korsett, sondern die Verhaltensweisen und Vorkommnisse innerhalb der Institution RKK/ Diözese Regensburg sowie von vielen sog. Klerikern im Umgang mit den gläubigen ChristInnen.
    Glauben Sie mir, nach vielen Kontakten als ehem. Pfarrgemeinderat zu Klerikern dieser Diözese und als früherer Blogger bei Radio Vatikan habe ich so meine negativen Erfahrungen mit solchen Institutsvertretern der RKK gemacht.
    Ich bin mir sicher, gerade in der RKK wird sehr oft gegen Werte des christlichen Glaubens und der Lehre Jesu Christi aus Macht- und Geldgier verstoßen.
    Diese Institution hat eine eigene, aus meiner Sicht nicht christliche ideologische Konstellation und Dynamik, die vordergründig nur auf ihr eigenes Wohl und das ihrer Macher sowie auf uneingeschränkte monetäre Wertschöpfung bedacht ist.
    Dabei scheint jedes Mittel recht zu sein, solange es nur Geld für die Belange der RKK bringt.
    Sie zapft unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit und Nächstenliebe alle möglichen Einnahmequellen im Sozialbereich unter Ausnützung jedweder staatlicher und gesetzgeberischer Vergünstigungen an.
    Die Hauptlast aber, teilweise bis zu 100% liegt hierbei meist durch raffinierte Knebelverträge beim Staat und den Kommunen, scheinbar nach dem Grundsatz:
    „Für die Kirchen möglichst wenig, für den Staat aber jedwedes Risiko.
    Die brauchen uns ja, weil sie selbst damit keine Arbeit haben wollen!?“
    Außerdem bin ich überzeugt, dass sie jedwede Verdunkelungs-/ Geheimhaltungsstrategien ihres eigenen Bereiches exzellent beherrschen und fahren, auch gegenüber ihren eigenen Institutsmitgliedern (Gläubigen) – siehe Missbrauchsdebatte bei den Domspatzen.
    Erschwerend kommt aus meiner Sicht noch dazu, dass viele von ihnen stets und ständig durch ihre vom Staat geduldete Kirchengesetzgebung und –gerichtsbarkeit mit dem Damoklesschwert der folgenden Strafe und dem Zorn Gottes hantieren und somit bei den Gläubigen ständiges Unbehagen auslösen.
    Vor allem die bekannten Hardliner, die m. E. das Klima in der RKK vergiften und so für den möglichen Niedergang der RKK verantwortlich sein könnten.
    Der Vatikan und Papst Franziskus aber schweigen sich aus und machen solche Leute dort sogar noch hoffähig.
    Dadurch wird aus meiner Sicht eine gewollte Abhängigkeit aus Angst allgegenwärtig bei den Gläubigen manifestiert.
    Die Entscheidungen überlassen die Herren dann aber, großzügig und sich den Hals aus der Schlinge ziehend, den Einzelnen selbst unter Bezug auf deren Gewissen.
    Gott sei Dank, gibt es heute sehr viele aufgeklärte ChristInnen mit sehr viel Hintergrundwissen über den phasenweise für mich zu hinterfragenden Werdegang und die Verfehlungen in der RKK in den letzten 2000 Jahren.
    Die RKK-Austritte belegen ja deutlich die Enttäuschung und den Unmut bei den Gläubigen.

    Bitte nehmen Sie mir ab, dass ich nach allen Erfahrungen bezüglich der RKK am liebsten austreten würde.
    Jedoch fiele mir ein derartiger Schritt schwer und es treibt mich manchmal auch um, zumal dahinter ja meine „Überzeugung zum Christlichen Glauben“ steht, jedoch eine tiefe Abneigung gegen die Institution RKK bei mir vorhanden ist.
    Ich hoffe, dass Sie, verehrte Frau Vietze, meine innere Situation nun besser nachvollziehen können.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu Toribio: Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Ich kann ihre
    Gedanken, Bedenken und Ihren Frust durchaus nachvollziehen. In der Zeit
    vom 1957 – 1960 (also unmittelbar nach Beendigung der Realschule) war
    ich in der Bischöfiichen Administration tätig. Und da habe ich alles mög-
    liche erlebt, was man nicht eben als christlich bezeichnen kann. Und – dort
    hätte ich für den Bischöflichen Segen und für das Wort Gottes arbeiten
    sollen, aber dafür kann ich mir weder meine Schuhe besohlen lassen,
    noch mein Busticket kaufen. Also sagte ich „Ihr könnt mich mal….“ und
    ging in den Dienst der Stadt Regensburg, wo ich nach 40jähriger Tätig-
    keit im Jahr 2000 aus dem Dienst schied.
    Es wäre aber nun einseitig betrachtet und unredlich, wollte ich alle
    über einen Kamm scheren. Ich hatte in meiner Kindheit und Jugend
    durchaus gute Kapläne und Pfarrer kennengelernt, die zwar (wert-)
    konservativ, aber verständnis voll waren. Die schlimmsten waren
    nicht die Pfarrer, sondern einfältige Laien. Und die haben versucht,
    mir das Leben zur Hölle zu machen. Auch ich war in den 80er Jahren
    knapp daran, aus der Kirche auszutreten, aber das Haus Werden-
    fels hat mich davor bewahrt und seitdem fahre ch mehrmals im
    Jahr dorthin zu Seminaren und treffe interessante Gleichgesinnte.
    Von diesem Zeitpunkt an habe ich auch angefangen, meine Meinung
    öffentlich zu äußern, unabhängig davon, ob dies irgendwelchen
    Reaktionären gefallen hat oder nicht. Im Kreise aufgeschlossener
    und ernstzunehmender Katholiken (Laien u n d Pfarrer) wird meine
    Haltung sehr gelobt und wenn sich die anderen aufregen wollen,
    dann ist mir das scheißegal. Schließlich liegt mein Brot nicht in
    deren Schublade.
    So und nun wissen Sie auch über mich ein wenig Bescheid. Ich
    wünsche Ihnen alles Gute.
    lobt und wenn sich die ander

  • Herbert Turetschek

    |

    Liebe Frau Mathilde Vietze, natürlich gibt es unter uns Sozialpädagogen auch Pädophile, natürlich gibt es unter uns Sozialpädagogen auch „Schläger“ und brutale Menschen, aber immerhin wurde es besser, vor allem als wir „einfältigen Laien“ immer mehr Stellen übernahmen, also die Caritasleitungen z. B. oder die Erzieherstellen oder die Heimleitungen. Denken Sie bitte an die vielen schlagenden Nonnen damals. Ich will mich nicht als den guten Christen bezeichnen und nichteimal habe ich es zu einer „richtigen“ musikalischen Ausbildung geschafft, ich wollte das immer, aber ich war einer von denen, die einen Umbruch ausgelöst haben, weil eine fundierte Ausbildung eben dazu führt, dass es irgendwann keine „unbeobachteten“ Schläge und Übergriffe mehr gibt. Ich bin dafür, dass wir alle zusammenhalten, deshalb schreibe ich das hier, denn es gibt die Pädophilen, die mich angreifen und die katholischen Fundamentalisten, die mich angreifen, da müssen sie mich doch mit verteildigen oder? Ich bin auf Ihrer Seite und Sie auf meiner, denn gemeinsam sind wir stark und alle positiven Kräfte bewegen zusammen etwas, da bin ich mir sicher – da können die Betonköpfe auf der Extremistenseite doch einpacken?!

  • Mathilde Vietze

    |

    Lieber Herbert Turetschek, was die „schlagenden Nonnen“ betrifft, muß
    man wissen, daß damals die „überschüssigen Töchter“, für die man
    sonst keine „Verwendung“ hatte, oft gegen ihren Willen ins Kloster
    abgeschoben wurden. Wie „fromm“ die sich dann aufführten, kann
    man nachvollziehen, ohne daß man dies gutheißt. Heute gehen die
    Mädchen freiwillig ins Kloster. So besuche ich z.B. bei einer inzwi-
    schen 80jährigen Ordensfrau regelmäßig Seminare. Und diese Frau
    ist so aufgeschlossen, daß sich so manche „Weltlichen“ eine Schei-
    be abschneiden könnten. Auch das ist Realität, genauso wie die
    frustrierten Zwangsnonnen.

  • Herbert Turetschek

    |

    …man muss aber auch sagen, dass es manche verantwortungsvolle Priester (als es diese noch in den Heimleitungen gab) gab, die die Nonnen auf Fort- und Ausbildung schickten und es danach aufwärts ging und es nicht mehr so viele Prügel gab (bei den Patern war es das gleiche). Übrigens halte ich die meisten Priester für glaubwürdig, es gibt halt schwarze Schafe wie überall…

  • Mathilde Vietze

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    Ich teile voll Ihre Meinung, Herr Turetschek!

  • Luzia

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    … und davon gibt es doch hier im Bistum hoffentlich nicht nur Wenige, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Verlassen wir uns dabei auch nicht nur auf die Priester! Klerikalismus können wir als Laien befördern, wenn wir uns unseres eigenen Auftrags als Getaufte/r nicht bewusst sind! Wir sind getauft, dürfen denken, sprechen, segnen, beten, dürfen not-taufen, müssen die Wahrheit sagen, die wir erkennen, wenn wir sie geprüft haben!
    Ich bin erfreut, hier in diesem Bistum nicht nur lobhudelnde, am-dom-biertischgarnitur-sitzende Katholiken zu treffen…

  • hans

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    Kommentar gelöscht. Keine Beleidigungen.

  • hans

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    @ Christian Feldmann
    Ich spreche nicht für die Opfer aber die sogenannten Opfervertreter können das auch nich! Sie wurden vom Bistum ausgewählt und nicht von den Opfern! Ob die Herrschaften vor lauter Ehre eingeknickt sind oder vom bezahlten Mediator weichgespühlt wurden oder andere Faktoren dazu führten, kann ich nicht sagen. Fest steht, dass sie den Auftrag des Bistums übererfüllt haben und in der Pressekonferenz schöner für das Bistum gesungen haben als damals als Knabensoprane.

  • hans

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    @Matidle Vieze

    auch ich unterhalte mich sehr gerne mit einer ausgesprochen welterfahrenen Franziskaner Nonne; nur würde mich das, im Gegensatz zu Herrn Turetschek nicht zu der Äußerung verlassen, dass eine Mehrheit von Priestern „sehr aufgeschlossen“ sei. Ich unterscheide sehr gerne zwischen Institutionen und Individuen, beschränke mich allerdings bei der Bewertung von Individuen auf die Personen, die ich wirklich kenne (und ich kenne z.B. die Mehrheit der Priester nicht persönlich). Die Institution Katholische Kirche ist durch 2000 Jahre Kirchengeschichte ausreichend beschrieben; 422 Missbrauchsfälle plus Dunkelziffer plus Verstorbene plus solche, die ihren Missbrauch als „normal“ oder gottgewollt akzeptiert haben, alleine bei den Domspatzen, legen meines Erachtens ausreichend Zeugnis über den Zustand der katholischen Kirche in der jüngeren Kirchengeschichte ab. In den letzten 2000 Jahren war sie die größte kriminelle Vereinigung der Weltgeschichte. In der Neuzeit wohl nur der größte deutsche Kinderschänderring. (Man könnte natürlich jetzt im Sinne Heinrich Bölls darüber sinieren, ob nicht andere Verbrecherorganisationen ein noch größere Unheil über die Menscheit gebracht hätten, wäre diese Niesche in unserem Kulturkreis nicht schon von der katholischen Kirche besetzt gewesen).

  • hans

    |

    Eine Lanze für Bischof Tebartz brechen. Weiter oben wurde mal wieder der frühere Limburger Bischof Tebartz kritisiert. Das stimmt mich immer traurig. Ich finde, man sollte es Bischof Tebartz hoch anrechnen, wenn er mitten in der Finanzkrise beschloss die lokale Bauwirtschaft anzukurbeln und auch die verlustbedrohte Lufthansa brauch Kunden, die First Class fliegen. Was mich besonders ärgert ist, dass Bischof Tebartz auch kirchenintern so starker Kritik ausgesetzt ist? Ich meine noch zu erinnern, dass ein Papst zur Einweihung eines Nachbaus des Petersdoms nach Afrika reiste; ich glaube das war nach Ghana und das Bauwerk hatte 300 Millionen verschlungen. Dieser Papst wurde mittlerweile (ich glaube kirchenrechtswidrig) heilig gesprochen? Wäre Bischof Tebartz „ungeschoren“ davon gekommen, wenn er das Geld für seine Baumaßnahmen in Limburg aus afrikanischen Spendengeldern finanziert hätte und wäre er dann vielleicht auch heilig gesprochen worden?

  • Angelika Oetken

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    @Hans,

    Sie führen ein grundsätzliches Problem bei der Bildung von Gremien an, in die Betroffene integriert werden. Wählen oder berufen? Ersteres wäre natürlich transparenter und demokratischer, scheitert aber im Falle von Opfergruppen wie der, die von einem Teil der Ehemaligen der Domspatzen gebildet wird, ganz einfach an der Definition des Wahlvolkes. D. h. es kann nicht festgestellt werden, wie viele Opfer es gibt, wer die sind und einfach mal angenommen, man könnte sie identifizieren, ob die Betreffenden das überhaupt möchten. Insofern kann keine demokratisch legitimierte Opfervertretung gewählt werden. Bleibt also die Berufung. Und da ist es ganz klar: die Institution, die etwas sehr Schlimmes und Komplexes zu verantworten hat und damit auch riskiert, (zu) viel von sich zu offenbaren, wird sehr viel daran setzen, die Kontrolle zu behalten. Alles Andere wäre aus Sicht der Institution fahrlässig. Das Bistum Regensburg hat doch, so wie das Projekt, was es selbst als „Aufarbeitung“ bezeichnet läuft, kaum was zu verlieren. Das bisschen Geld, die kleinen Tricksereien. Die haben doch jede Menge Zeit, sich damit zu beschäftigen. Schauspielern lernen die Kleriker während ihrer Ausbildung, die involvierten Laien auf kirchlichen Seminaren…Die kleine Investition ist es deshalb aus Sicht der Bistumsleitung doch wert. Immerhin bietet das eine Chance für sie, an Informationen zu gelangen. Nämlich darüber, was die Menschen über die institutionelle Missbrauchskriminalität, in die das Bistum Regensburg verwickelt ist wissen, welche Belege es gibt. Ob Zeugen vorhanden sind. Wer unter welchem Namen agiert. Von außen erkennt man die verdeckte Absicht an der Kopplung der wie in solchen Fällen immer genutzten Phrasen, mit dem überdeutlichen Mangel an Klarheit. Die Macht der wirklich unabhängigen Opfer und ihrer UnterstützerInnen besteht darin, dass sie von „die Kirche“ bisher nicht korrumpiert werden konnten. Weder finanziell, noch sozial, ideell oder mental. Diesen Zustand zu erreichen, hat viel mit Glück zu tun. Das Leben ist leider auch in der Hinsicht leider ungerecht.

    Um so wichtiger, dass sich die Unabhängigen nicht unterwandern, beirren oder auseinander dividieren lassen.

    Viele Grüße aus Berlin-Köpenick von
    Angelika Oetken

  • Mr. T

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    Hab ich auch nie verstanden, warum Tebartz van Elst auf einmal dafür kritisiert worden ist, mit Kirchengeldern unsinnige Prunkbauten zu errichten. Das war doch die letzten 1000 Jahre auch kein Problem. Der Regensburger Dom zum Beispiel ist ja auch keine bescheidene Gnadenkapelle. Der hat doch auch einiges gekostet – Geld der Allgemeinheit und Menschenleben von Zwangsarbeitern. Hat nicht auch in der jüngsten Geschichte unser großer Päderasten-Protektor seine prunkvolle Bischofswohnung aufwendig und teuer restaurieren lassen? Seinem Nachfolger war das dann auch nicht geheuer, so dass er sie lieber leer stehen lässt und ins bescheidene Menschenkammerl zieht – ganz wie sein Pate in Rom. Quasi die neue Bescheidenheit der RKK :-)
    Bei der Zusammensetzung der Opfervertreter ist es schon interessant, wie das abgelaufen ist. Mir als Außenstehender ist das jetzt so vorgekommen, dass die, die schon immer für den an ihnen begangenenen Missbrauch öffentlich aufgetreten sind, ein paar Personen aus ihrem Kreis abgestellt haben. Hat es auch andere Opfervertretergruppen gegeben, die hier außen vor gelassen worden sind? Wollten auch andere Personen hier als Vertreter der Opfer teilnehmen?

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Hans“ – Was das nun Realsatire oder was?

  • Herbert Turetschek

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    @Hans
    Ich halte einige (wenige) Priester für unbestechlich, aber das muss doch jeder für sich entscheiden, denn „wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.
    @Angelika Oetken
    „Um so wichtiger, dass sich die Unabhängigen nicht unterwandern, beirren oder auseinander dividieren lassen.“ So sehe ich das auch.
    So sehe ich das auch.

  • hutzelwutzel

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    @Herbert Turetscheck:

    „Übrigens halte ich die meisten Priester für glaubwürdig, es gibt halt schwarze Schafe wie überall…“
    ———–
    Richtig! Genau diesen Eindruck will man mit solchen Dingen wie dieser von Betroffenenseite mißglückten, fast dreistündigen Pressekonferenz gegenüber der Öffentlichkeit vermitteln.

    @Hans:
    Bitte mal bei mir per email (veritasvincit@opentrash.com) melden! Ich denke wir haben hier gewisse „Schnittmengen“, was die Beurteilung der Sache, und die weitere Vorgehensweise betrifft. ;-)

  • Herbert Turetschek

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    @huzelwurzel
    Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, was ich von der katholischen Kirche halten soll; Rache ist nicht der richtige Weg, ist nie der richtige Weg. Sie, die Diözese Regensburg, verhält sich ziemlich unmöglich, aber gleichzeitig höre ich dann immer wieder so Töne, die sehr an Hasspredigten erinnern, das ist alles nicht zielführend, zeigen wir ihnen, der Diözese Regensburg, die rote Karte, ohne, dass wir uns auf ihr Niveau hinab begeben.

  • Hans

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    @Herbert Turetschek
    Meine Email an @opentrash ist wohl nicht angekommen ?

  • Michael

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    @hutzelwurzel
    Ich finde es viel schlimmer, wenn die Kirchenleitung meint, mit einer Pressekonferenz, ein paar Studien und ein paar Euros, 50 Jahre des Missbrauchs, der Vertuschung, der Verleumdung usw. ungeschehen machen zu können. Es gibt ja zwei Verbrechen, die Missbrauchstaten und die Beleidigungen und Verschmähung der Opfer durch Vertuschung. Für den Missbrauch gibt es Einzeltäter, deren Namen man nennen kann. Für die 50 Jahre, Weiterbeschäftigung der Täter, Verschähung der Opfer, trägt die Kirchen und das Bistum Regensburg insbesondere die Verantwortung und aus dieser Verantwortung kann man sich nicht durch Einmalzahlungen stehlen, diese Verantwortung sollte, damit sie glaubhaft wird, in die Zukunft tragen und eine besondere Sorge für die Opfer auch in der Zukunft miteinschließen. Eine Zukunft, die mindestens so lange währet, wie die Vertuschung einst andauerte.

  • Angelika Oetken

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    Gründe fürs Verschweigen und Vertuschen:

    „Die Kirche versucht nicht einfach aus konformistischen Gründen die peinlichen Pädophilieskandale zu vertuschen, sondern mit ihrer Selbstverteidigung verteidigt sie ihr innerstes obszönes Geheimnis. Das bedeutet, daß die Identifizierung mit dieser geheimen Seite ein wesentlicher Bestandteil der Identität eines christlichen Priesters ist. Wenn ein Priester diese Skandale ernsthaft, nicht bloß rhetorisch, verurteilt, schließt er sich damit selbst aus der kirchlichen Gemeinschaft aus, ist er nicht mehr „einer von uns“‘
    https://www.lettre.de/beitrag/%C5%BEi%C5%BEek-slavoj_vom-geistigen-tierreich (Ausschnitt aus einem sehr lesenswerten Essay zum Thema)

    Neben der kollektiven, gibt es aber noch die individuelle Ebene, auf der Angehörige von „die Kirche“ sich bewegen. Und dort spielt die Abspaltung, Verdrängung, Verdrehung und Verharmlosung der eigenen Traumabiografie eine Rolle http://www.dissoziation-und-trauma.de/pdf/tbl-traumatisierungen.pdf Wenn man dieser Sicht folgt, dann stellt die Flucht in den Priesterberuf bzw. das Engagement innerhalb der kirchlichen Institution eine besondere Form der regressiven, d.h. kindlichen Vermeidung reifer Auseinandersetzung mit den traumatischen Anteilen der eigenen Lebensgeschichte dar. Vielleicht gibt es sogar schon einen Fachterminus dafür? „morbus regressio catholicis“ oder so?

  • hutzelwutzel

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    @Hans:

    Entschuldigen Sie, aber ich hatte den „opentrash“-Account nun länger nicht mehr abgefragt. Werde ich gleich nachholen. Herr Turetschek ist übrigens nicht „HutzelWutzel“. ;-)

    @Michael:

    Da stimme ich Ihnen total zu! Nur ist die RKK seit einigen Jahren – genauer seit Mitte der 1990er Jahre – auf Missionierungstrip, und wie dereinst im Mittelalter kann die scheinbar niemand davon abbringen, außer eine Art „Französische Revolution 2.0“.
    Wollen wir mal wirklich nicht hoffen, aber ein Schuldeingeständnis werden sich von dieser Organisation nie erhalten, schon gar nicht ad personam, und „die Kirche“ ist „die ecclesia – Gemeinschaft der Herausgerufenen/ Auserwählten“, zu der sich die Führungsriege nicht zählt, denn die sehen sich als „Herausrufende“. ;-)

    Schönen ersten Advent! Ohne Glühwein und Plätzchen/ Lebkuchen würden diese Zeit auch längst niemand mehr feiern. Das Primbamborium der RKK gibt eben mittlerweile viel zu wenig her.

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