Interview

„Der Schweinsbraten ist anscheinend wichtiger als Kunst und Kultur.“

Kommt sich verarscht vor: Achim Hofbauer vom Garbo-Kino. Foto: Schmuck

Nun ist es beschlossene Sache: Anders als bei der Ministerpräsidentenkonferenz besprochen wird es in Bayern keine 2G plus-Regelung für die Gastronomie geben. Es gilt weiterhin 2G. Was bei Wirten für Aufatmen sorgt, löst bei Achim Hofbauer Kopfschütteln aus. Für den Betreiber des Garbo-Kinos gilt – wie für alle Kultureinrichtungen – weiterhin 2G plus (Zutritt erhält nur, wer geimpft oder genesen ist und einen negativen Test vorlegt bzw. bereits geboostert ist), Maskenpflicht auch am Platz und eine maximale Auslastung von 25 Prozent. Wir haben mit Hofbauer gesprochen.

Herr Hofbauer, was haben Sie sich gedacht, als Sie heute gehört haben, dass Bayern für Gastronomiebetriebe keine 2G plus-Regelung einführen wird?

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Überrascht hat mich das nicht. Das haben Markus Söder und Hubert Aiwanger ja schon im Vorfeld angekündigt. Aber diese Ungleichbehandlung nervt mich gewaltig. Wenn auf der anderen Seite für Kinos, Theater und Konzerte 2G plus, Abstände, Maskenpflicht und eine Maximalauslastung von 25 Prozent vorgeschrieben sind, komm’ ich mir verarscht vor. Vielleicht sollte ich einfach zum Wirtshaus mit Filmvorführung umfirmieren…

Aber es ändert für Sie auch nichts, wenn für die Gastronomie strengere Regeln gelten würden…

Das sage ich auch nicht. Ich gönne das den Wirten schon. Aber wenn man sich beispielsweise die Kollegen vom Wintergarten im Andreasstadel anschaut, wo die Gastro gleich nebendran ist, dann ist es schon bitter, dass die in den kleinen Saal wegen der derzeitigen Regeln nur sechs Leute reinlassen dürfen und keine siebte Karte verkaufen dürfen, während direkt daneben das Lokal voll ist. Das können sie auch Ihren Besucherinnen und Besuchern nicht erklären.

Hat Ihnen mal jemand erklärt, warum für Sie und andere Kultureinrichtungen diese Regelungen gelten?

Das hat mir noch niemand erklärt und das kann man auch nicht schlüssig erklären. Es gibt Studien, die belegen, dass von der Gastronomie ein zumindest potentiell deutlich höheres Infektionsrisiko ausgeht als von Kinos. Erst kürzlich hat eine Untersuchung aus Großbritannien das geringe Gefahrenpotential von Kinos belegt. Aber Hubert Aiwanger, der sich auf der einen Seite so vehement für die Gastro einsetzt, sagt, dass es erst neue wissenschaftliche Erkenntnisse braucht, ehe man die Regeln für Kultur entschärft. Der hat offenbar noch nichts von Gleichbehandlung gehört. Anscheinend sind solchen Entscheidungsträgern Schnitzel und Schweinsbraten wichtiger als Kunst und Kultur.

Digitalministerin Judith Gerlach hat für morgen zu Gesprächen mit Kulturvertretern eingeladen, um mögliche Erleichterungen zu diskutieren. Erhoffen Sie sich davon etwas?

Ich bin gespannt. Ich hoffe, dass es zumindest ein paar Lockerungen gibt. Ich hätte ja nichts gegen eine 2G plus-Regelung, wenn ich mein Kino voll besetzen dürfte und diese unsinnige Maskenpflicht am Platz wegfällt. Notwendig wären solche Lockerungen dringend. Januar bis März sind die wichtigsten Monate im Kinogeschäft. Ich darf momentan 46 von 185 Plätzen besetzen. Da zahle ich jeden Monat drauf.

Aber es gibt noch finanzielle Hilfen vom Bund, oder?

Ja, die federn das einigermaßen ab. Aber ich will mir mein Geld selbst verdienen und nicht auf Kosten der Allgemeinheit leben. Im Moment zahlt doch jeder Kinobesucher seine Karte im Grunde doppelt – bei mir an der Kasse und auch noch über seine Steuern.

Wie reagiert Ihr Publikum auf die 2G plus-Regeln?

Ich hab da großes Glück. Seit diese Regeln gelten, musste ich erst zwei Leute wegschicken. Ich musste mir auch nicht viele blöde Sprüche anhören. Aber wenn dann jemand zu einem sagt „Ach, ihr macht bei 2G plus also auch mit“, dann ärgert mich das schon. Es ist ja nicht so, dass wir eine Wahl hätten.

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Kommentare (26)

  • Mr. T.

    |

    Zweifellos sind Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nötig. Aber gerade in Bayern sind die Umsetzung und Gestaltung der Maßnahmen schon stark Lobby-abhängig. Die Kinobetreiber haben da wohl eine recht schwache. Die Gastro hat jetzt als Ausgleich für die unsinnige Sperrzeitverlängerung wieder ein Guadl gekriegt. Andere schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Kaum Regeln (und deren Kontrolle) am Arbeitsplatz und eine Durchseuchung von Kindern (die sich noch kaum einen Impfschutz holen konnten) stehen auf der anderen Seite. Die offenen Schulen werden dann zynischerweise noch als ‘Gefallen’ an die Kinder verkauft, die ohnehin schon so viel unter der Pandemie leiden mussten. Profitieren tut davon nur die Wirtschaft.

  • Mane

    |

    Söder und Aiwanger haben wohl mit Schäufle und Hendl mehr am Hut, als mit Kultur. Überrascht mich leider nicht.

  • Norbert

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    Naja, so ein Schweinsbraten macht halt schön satt, während echte Kunst
    einen erst richtig hungrig macht.

  • Mich

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    Wie lange der Staat wohl noch aufkommt für sämtliche vom Umsatzeinbruch betroffenen Wirtschaftszweige. Scheinbar ist noch genug Geld zum verprassen da…hier wieder ein Paradebeispiel für willkürliche staatliche Eingriffe.

  • Reinhold Bauer

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    Lieber Achim Hifbauer. Ich bin ganz deiner Meinung. Danke.

  • xy

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    Wer nicht isst stirbt, wer nicht ins Kino geht stirbt nicht.

  • Daniela Camin-Heckl

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    Nachvollziehbar ist so manches nicht.

    Mir fehlt gelegentlich auch der rechte Glaube an so manche Verordnung.

    Mir ist es auch schleierhaft, warum in einem Kino, zumeist mit sehr hohen Sicherheitsstandards bei Lüftungstechnik ect. ausgestattet, mehr Auflagen gelten, als in der Gastronomie, wo dann sicherlich die Masken, schon wegen der Speisen und Getränke, abgesetzt werden?!

    Die Masken gelten nach, wie vor als eine der sichersten Mittel sich gg. eine Infektion zu schützen….,

    Warum sollten also Maßnahmen, die in der Gastronomie ausreichend scheinen, nicht alle Mal für ein Kino mit steter Maskenpflicht genügen?

    Manche Entscheidung ist für mich auch nicht nachvollziehbar.

    Ich finde daher die Beschwerde der in Kunst und Kultur Schaffenden durchaus nachvollziehbar.

    Bei einem Kinobesuch, wo während der Vorstellung, Verzehr von Speisen und Getränken untersagt ist, die Masken konsequent oben bleiben

  • Dirk

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    Der Schweinsbraten ist unsere Kultur.

  • Mane

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    @xy stimmt und essen kann man nur in Restaurants und Wirtshäusern…

  • Eriki

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    Es klingt zynisch, aber dass sich die Kulturschaffenden im 3. Jahr der Pandemie immernoch wundern dass sie der Politik egal sind ist naiv.
    Das ist genauso naiv wie zu glauben in der Pflege würde sich durch die Pandemie irgendetwas verbessern.
    Wenn man inzwischen irgendwas weiß, dann dass alles so bleibt wie es ist.

  • Hthik

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    @Dirk 12. Januar 2022 um 09:21

    “Der Schweinsbraten ist unsere Kultur.”

    Wie schon die Biermöslblosn – wegen Copyrightbedenken hier verkürzt – zum Wesen der bayerischen Seele darlegte:

    Dada Anstand
    Umfda Frömmigkeit
    Dada Umfda Umf Gebenedeit!
    Dada Schweinsbron
    Umfda fünf Mass Bier
    Dada Umfda Umfda Mir san mir!
    Liberalitas Umf Bavaria
    Dada Umfda Umfda Umpfdada!

    Letztlich wiedermal Querdenkerförderung aus der Regierung:
    Seht doch, was das für Unsinn ist. Das ist doch widersprüchlich. Die wollen doch gar nicht die Pandemie bekämpfen. So blöd können die doch gar nicht sein. Das ist nur ein Vorwand. In Wirklichkeit steckt da ganz was Anderes dahinter!

  • Hans

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    Kommentar gelöscht. Bitte keine Vermutungen ohne Belege.

  • Günther Herzig

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    Der Schweinsbraten ist auch wichtig!

  • Privatfrau

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    @ Günther Herzig
    Ich könnte mir vorstellen, dass die Schweine das ein bisschen anders sehen – aber, nix Gwiss wiss mer net ;-)

  • Piedro

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    Geimpft und getestet -> Maskenpflicht im Kino, weil gefährlich.
    Geimpft und potentiell infektiös -> im Wirtshaus ungefährlich.

    Das ist grenzdebil.

  • Hthik

    |

    @Piedro 12. Januar 2022 um 19:43

    Nun ja. Man hat halt so seine Klientel, die man für die Wiederwahl braucht und nicht verärgern will. Es ist schwierig die Lufthoheit über den Stammtischen mit einem Film über Antoine de Saint-Exupéry zu halten.

  • Günther Herzig

    |

    Privatfrau:
    Versuchen Sie sich nicht am bayerischen Dialekt. Das geht schief. Zum Thema:
    Eine Umfrage unter Schweinen hat ergeben, dass die das Problem nicht interessiert.

  • Privatfrau

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    @Günther Herzig
    Touché! So machts Spaß ;-)

  • Günther Herzig

    |

    @Privatfrau
    Danke und der korrekte gesetzte “accent de gue” erfreut mich zusätzlich!

  • Piedro

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    @Hthik
    Sie sind ein böser Mensch! :)

  • Hthik

    |

    @Piedro 14. Januar 2022 um 12:10

    Normalerweise bekämpft das Gute das Böse, aber manchmal ist die Lage so verzweifelt, dass das andere Böse das Böse bekämpfen muss.

    Steht, glaub ich, hinten auf meiner Riddick DVD. Oder so ähnlich. Ich bin das faule Böse und such das jetzt nicht raus.

    Mal im Ernst was denken sich diese Christen eigentlich? Da rebelliert Satan mit einem Haufen Engel (laut RD Reporter John Milton, ein Drittel). Schön. Oder auch nicht. Aber was dann? Die ganze Individualistentruppe, die der Chef nicht halten konnte und die dafür eh schon von ihm aus dem Himmel rausgeworfen wurden, folgt dann Äonen lang Satan auf’s Wort. Shit just got real. Was haben die noch zu befürchten? Da gibt es keine Meinungsunterschiede und Fraktionen? Keiner der sich in einem unbeachteten Moment nach links in die Büsche verdrückt? Wie wahrscheinlich ist das?

  • Gegen Schwurbler & Spalter

    |

    Ich finde dieses Geschwurbel um Nischenkinos in diesen ernsten Zeiten unerträglich.

    Diese Unterscheidung: Schweinsbraten hier, bezuschusstes Kino da:

    Das ist genau ein Teil der Spaltung der Gesellschaft, vor der der Bundespräsident warnt.

    Sich für “Lockerungen” auszusprechen, während der Großteil der demokratischen BürgerInnen besonnen handelt, finde ich brandgefährlich.

    Hier ist man nahe an der Rhetorik der “Querdenker” und ihrer rechten und in Teilen antisemitischen Klientel.

    Dieser kleinen aber lauten Minderheit energisch entgegenzugetreten ist für DemokratInnen heute wichtiger denn je!

  • KW

    |

    Extreme Haltungen sind immer schlecht, sei es die Quer-“Denker”-Haltung oder das extreme Gegenteil davon. Ich bin ziemlich sicher Herr Steinmeier hat nicht gemeint, dass eine Diskussion über den Vergleich mancher Maßnahmen bzw. deren Sinn oder Unsinn, zur Spaltung der Gesellschaft führt.
    Was Sie da schreiben ‘@Gegen Schwurbler & Spalter’ wird er schon eher gemeint haben.

  • Daniela Camin-Heckl

    |

    @Gegen Schwurbler & Spalter
    15. Januar 2022 um 11:29 | #

    Ich glaube nicht, dass Herr Steinmeier gemeint habe, dass jegliche kritische Frage, per se, die Maßnahmen allesamt in Abrede stelle.

    Ich glaube eher, dass es halt Menschen gibt, derer durchaus viele, die konkret einzelne Maßnahme in deren Umfang, einfach nicht recht nachvollziehen können.

    Tatsache ist und bleibt, dass es auch bei, wie Sie es nennen ‘ Nischenkinos’ um existentielle Fragen der Betreiber geht. Durchaus berechtigt! Genau so, wie zuvor bei Frisören, Teilen des stationären Einzelhandel ect.

    Politische Entscheidungen müssen immer so transportiert werden, dass der Einzelne diese auch nachvollziehen kann. Dem ist nur leider nicht immer so.

  • G'sunde

    |

    So ein Querdenker-Gedanke, die Maßnahmen der Regierung zu kritisieren.
    Alles wissenschaftlich belegt. In Hessen darfst zum Friseur, in England ins FußballStadion.
    Es tut mir sehr leid für Kultur,aber unter solchen Bedingungen brauche ich weder Theater noch Kino.
    Die meisten stört es leider nicht: mit Maske, mit Abstand, immer brav den Namen und Impfstatus abzugeben – macht es trotzdem Spaß? Wenn ich weiß, dass andere Menschen, obwohl sie gesund sind und nichts verbrochen haben, die Impfung ist freiwillig, draußen bleiben müssen?
    Auch Kulturszene muss endlich laut werden! So wie in Niederlanden Gastronomie-einfach für alle aufmachen.

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drin