SOZIALES SCHAUFENSTER

Herr Stein rät

Die Jugend!!!

Mit Beginn der Corona-Pandemie hat der Regensburger Martin Stein (Gastronom, Autor, Unikum) einen kleinen Podcast auf Youtube gestartet. Regelmäßig gibt Herr Stein dort nun Ratschläge zur Krisen- und Lebensbewältigung. Angesichts der Debatte um ein Betretungsverbot für Grieser Spitz und Jahninsel hat er sich nun dem Umgang mit unserer Jugend gewidmet. Wir veröffentlichen sein Video und haben den Text so gut es ging transkribiert – zur Einordnung raten wir dringend zum Anhören.

Eine Glosse von Martin Stein

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Und jetzt fragen’s mich alle, was man mit der Jugend machen soll. Und da muss ich zugeben, das ist schon ein Brocken, da fällt sogar mir die Antwort nicht leicht. Sie kennen ja vielleicht die Geschichte von der ägyptischen Tontafel, wo draufgestanden ist, dass jetzt aber gewiss bald die Welt untergeht, weil so eine schlimme Jugend wie grad hat’s noch nie gegeben. Und dieser Satz – der stimmt jetzt seit 3.000 Jahren. Jedes Mal kommt eine neue Jugend daher, die wo noch schlimmer ist als wie die zuvor. Das macht dann seit dieser ägyptischen Tontafel so pi mal Daumen eintausend Jugenden, die es geschafft haben, dass sie schlimmer sind wie alle vorher. Wie sie’s nur immer hinkriegen.

Die Sache lässt sich doch schon lange nicht mehr schönreden. Jugend und Zukunft und Dings… Am Arsch, sag ich Ihnen! Lauter Schmarrn! Das hat doch mit der Realität nix zu tun. Der Amerikaner hat da ein schönes Sprichwort: don’t piss on my back und tell me, it’s raining. So schaut’s doch aus.

Und dann kommen so Leute und sagen, ach geh, Sie waren doch auch amal jung! Also, so eine Frechheit! Das ist genauso, wie wenn ich zu jemandem hingeh und sag: Hey Sie, Sie waren doch auch einmal fett! Eine Unhöflichkeit sondergleichen.

Mit der Jugend ist das wie mit einer Vorstrafe. Wenn man mal eine gehabt hat, dann mag man da auch nicht dauernd drüber reden.

Aber was macht man jetzt mit diesem Vorstadium menschlicher Entwicklung, das noch dazu volkswirtschaftlich total irrelevant ist? Überlegen’s doch amal. Was unterscheidet jetzt einen Jugendlichen von einem Säugling? Ich sag’s Ihnen. Der Jugendliche ist beim Schreien, Kotzen und Scheißen nicht mehr ortsgebunden.

Gut, irgendwann ist es natürlich überstanden. Die Jugend ist einer der ganz wenigen Fehler des Menschen, der sich von selbst erledigt. Aber bis dahin? Das zieht sich, das sag ich Ihnen. Eltern und Anwohner von Jugendlichen wissen: So eine Pubertät zum Beispiel, die zählt man ganz locker nach Hundejahren. Und da rechnet man eh noch freundlich. Wer jemals einen irdischen Anhaltspunkt braucht, was Ewigkeit bedeutet: bitteschön.

Jetzt gibt’s da wahrscheinlich so eine genetisch-evolutionäre Zwangsläufigkeit, nach der ein Jugendlicher einfach scheiße sein muss. Ja, könnt man sagen, dann kann er ja gar nix dafür am End. Das ist schon richtig, aber der Xaver Naidoo kann ja vielleicht auch nix dafür, dass er so singt, und trotzdem muss man sich das nicht anhören.

Wie soll man jetzt reagieren?

Also, lustig fänd ich ja, wenn sich die Anwohner von so einer Speibwiesen zammtun und so eine Lärmkanone kaufen, die wo übrig ist von der Piratenbekämpfung von Somalia. Des wär eine erwachsene Reaktion, finde ich. Mit überlegener Technik und Logistik der Meute mit ihre Bluetooth-Boxen die Trommelfelle schreddern. „Ah geh, Burli, des is doch kein Lautsprecher! Schau mal her: DES is ein Lautsprecher!“

Des Problem ist natürlich ein Grundsätzliches, und da samma wieder bei der Zwangsläufigkeit. Wenn der Jugendliche zwanghaft ein Arsch sein muss, dann muss der Erwachsene ihn genauso automatisch dafür hassen. Das ist ein Naturgesetz, und wenn man dem Jugendlichen nicht mit ausreichend Intoleranz begegnet, dann gerät das Universum aus dem Gleichgewicht. Sie sehen’s ja.

Und diese segensreiche Intoleranz darf nicht erst dann anfangen, wenn der Schraz auf ein Polizeiauto draufbieselt. Dann ist es zu spät. Die muss viel früher anfangen. Bei der Frisur zum Beispiel. Wenn der Delinquent das erste Mal eine eigene Frisur mit heimbringt, dann muss man da sofort ein Mordstheater drum machen. Videospielverbot und Hausarrest. Ordentlich drauf.

Kaufen’s dem Kind auch auf jeden Fall das allerneueste Iphone. Das ist eine lohnende Investition in die Erziehung, weil dann tut’s erst richtig weh, wenn Sie es ihm wieder wegnehmen. Und ihm dafür ihren alten Nokia-Tastenziegel geben.

Das ist jetzt zum Mitschreiben: Jeder Jugendliche hat den Anspruch darauf, dass man sich nix um ihn scheißt. Und an ihm ganz lang überhaupt nie auch nur das Geringste gut findet. Der braucht des. Mit Verständnis kann der doch überhaupst nix anfangen.

Gehen’s doch einmal hin zu ihrem Balg und sagen, also Lennox-Blue, diesen Gangsterrapper da von dir, der wo da die Chicks auf der Kühlerhaube von seinem Benz durchbumst und der wo die ganzen Drogen nimmt, den find ich auch richtig gut, so musikalisch-literarisch, verstehst? Was hältst davon, wenn wir da miteinander aufs Konzert gehen? Ich lad dich ein! Des wird saucool!

Des verzeiht der Ihnen im Leben nicht, der Lennox-Blue. Hättens ihm mal lieber schon vor fünf Jahren den Gabalier verboten, dann wär das überhaupt nie so weit gekommen.

Und wenn man konsequent und frühzeitig großflächig intolerant ist, dann hat man vielleicht die Chance, dass die nächste Jugendgeneration vielleicht bloß noch die drittschlimmste in der Geschichte der Menschheit ist. Der Virus hat uns doch da so schöne Ansatzpunkte geliefert. Da muss man doch Lehren daraus ziehen!

Ganz ehrlich: Überhaupt niemand ist der Meinung, dass Jugendliche raus müssen und ihre Freiheit genießen. Wirklich keiner. Kein einziger. Wissen Sie, wer sowas fordert? Genau. Eltern fordern das. Weil sie es keine Minute länger ertragen, wenn ihnen die Saufratzen daheim in der Bude hocken. Es ist für so ein Kind andererseits eine ganz wichtige Lektion, nix zu dürfen. Also, überhaupt nix. Da lernt es mal wirklich was für Leben.

Und dann kann man ihm trotzdem noch sagen, du Rotzlöffel, früher, da haben wir auch nix gedurft, aber ohne Pizzadienst! Und auch ohne Internetpornos! Da haben sich drei Häuser einen Playboy geteilt, bei dem die Seiten schon zusammengepickt sind. So war das nämlich.

Jaaa, da kommen dann die Stimmen, Sie wissen eh, woher, diese Stimmen, die wo sagen, also, man kann ja so einen Jugendlichen auch nicht einsperren, bis er 21 ist, und dann rauslassen.

Ja…
Hm…
Also, wer sagt das eigentlich?

Man müsst’s halt mal ausprobieren. Einen Versuch wär das bestimmt wert.

Dieser Kaspar Hauser damals zum Beispiel, der soll ja ein sehr angenehmer Mensch gewesen sein. Den haben dann alle sehr gemocht, nachdem er dann rausgelassen worden ist. Höflich und alles war der, und hat auch nie an ein Polizeiauto gebieselt oder sowas.

Gut, dann hat ihn wer umgebracht.

Wahrscheinlich ein Jugendlicher.

Auf Wiederschaun.

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Kommentare (10)

  • Mr. T.

    |

    Gut, Kaspar Hauser ist natürlich ein schlechtes Beispiel. Der kann ja gar nie nicht an ein Polizeiauto gebieselt haben, weil damals die Polizei noch Gendarmerie geheißen hat.
    Ansonsten sind das sehr kluge Gedanken, die sich der Herr Stein da macht!

  • xy

    |

    “Was unterscheidet jetzt einen Jugendlichen von einem Säugling? Ich sag’s Ihnen. Der Jugendliche ist beim Schreien, Kotzen und Scheißen nicht mehr ortsgebunden.” Den Satz muss man sich wirklich merken. Ganz großes Kino!

  • S.G.

    |

    Zum Thema Jugend…….
    Meine Jugend, eben bis zum Erwachsenenalter, hat mir diese katholische Kirche derart genommen und zerstört. Vorher war ich auch in dieser Eliteschule bei den Regensburger Domspatzen in Etterzhausen. Meine Zukunft und meine Jugend nahm mir dieses Bistum Regensburg!!!

    Vertuschung „um der Barmherzigkeit Christ willen“

    https://www.regensburg-digital.de/vertuschung-um-der-barmherzigkeit-christ-willen/30052014/

  • Dieter

    |

    Schöner Text!

    Aber ob feiernde Studenten Anfang-Mitte 20 auch noch Jugendliche sind? Naja, im Suff wahrscheinlich schon, laut Shell-Studie auch und rein rechtlich nein, da ist man das ab 18 nicht mehr.

  • S:G

    |

    @Dieter
    Sehr richtig! Der Vergleich mit der Shell Studie ist sehr sehr gut!

    SHELL JUGENDSTUDIE
    Die 18. Shell Jugendstudie untersucht, wie die Generation der 12- bis 25-Jährigen heute in Deutschland aufwächst: Welche Rolle spielen Familie und Freunde, Schule und Beruf, Digitalisierung und Freizeit. Und ebenfalls: Wie stehen junge Menschen zu Politik, Gesellschaft und Religion?
    https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

  • Untertan Giesinger

    |

    Eine Frage zum Müllhalden-Foto: Ist das Foto gestellt, oder sieht es dort wirklich am “Tag danach” so aus?

    Falls ja, laßt den Müll doch einfach mal eine Woche liegen.
    Das Krawall-Party-Volk wird sich dann sicher verziehen.
    Es erwartet schließlich gepflegte Grünanlagen. Niemand will auf einer Müllhalde feiern.
    Insbesondere für Kundgebungen von Grüner Jugend und Jusos sollte der Dreck nicht vorher weggeräumt werden. Womöglich würden die sich der Absurdität ihres Tuns etwas bewußt werden?

    An Herrn Stein: Ich habe es mir nur zu einem Drittel angehört. Sobald es geht, machen Sie lieber wieder eine Bar auf. (Schwierig in Bayern).

  • Lenzerl

    |

    Sehr schön! Hab mich gerade gekringelt über diesen Beitrag! Und viel besser als Schwafi! Neue Existenz in der Kabarett-Szene????

  • R.G.

    |

    Herr Stein, ich bin sonst ein kühles Ding, aber ick liebe Ihnen!

  • Altstadtkid

    |

    Die Pubertät geht heute bis 30 manchmal bis 35. Lang lebe der Berufsjugendliche

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu “Altstadtkid” – Bei manchen hört die Pubertät nie auf!

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