SOZIALES SCHAUFENSTER

Bombenfund in Kumpfmühl

Evakuierung im Zeichen der Corona-Pandemie

„Reibungslos“ und „ohne größere Schwierigkeiten“ ist am Freitagnachmittag in der Augsburger Straße eine amerikanische Fliegerbombe entschärft worden. Die Evakuierung war auch von den Sicherheitsmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie geprägt.

Die Hülle der 250 Kilogramm schweren Bombe ist an der Seite aufgeplatzt. Foto: bm

Keine 15 Minuten haben Tobias Oelsner und Bettina Jurga von der Nürnberger Firma Tauber gebraucht. Dann ist die 250 Kilogramm schwere Bombe mit knapp 60 Kilogramm Sprengstoff entschärft. Kurz nach 15 Uhr verladen sie den „Blindgänger“ aus dem Zweiten Weltkrieg in ihr Auto. Die Vorbereitungen dafür hatten sich hingegen seit den Morgenstunden hingezogen.

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Es ist nicht das erste Mal, dass bei Bauarbeiten im Regensburger Stadtgebiet eine Fliegerbombe der Alliierten gefunden wird. Unter anderem die damaligen Messerschmittwerke im heutigen Stadtteil Prüfening waren ein strategisch wichtiges Ziel. Ebenso der Hauptbahnhof. Die Abläufe bei so einem Fund sind mittlerweile bei den zuständigen Einsatzstellen einigermaßen eingespielt. Und doch war es diesmal ein wenig anders.

4.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen

Nach dem Fund auf einer Baustelle in der Augsburgerstraße am Donnerstagnachmittag wurden rund 4.000 Regensburgerinnen und Regensburger per Aushang an den Häusern und Pressemeldungen aufgefordert, den 400 Meter großen Sperrradius bis Freitagmittag zu verlassen. Ab dem Morgen stehen aber zunächst die 140 Bewohner des Seniorenheims in der Kumpfmühler Straße im Fokus. Mit Krankenwägen und Bussen werden sie vorübergehend in einem Regensburger Hotel untergebracht.

Auch RVV-Busse waren bei der Evakuierung im Einsatz. Hier vor dem Von-Müller-Gymnasium.

Die Corona-Pandemie macht den ohnehin großen logistischen Aufwand dabei nicht leichter. Zwar wurden die Heimbewohner am Donnerstag selbst noch einmal getestet. Bei der Verlegung wird dennoch auf größtmögliche Sicherheit Wert gelegt.

Wer rein will, wird getestet

Größeren Aufwand betreibt man auch im Von-Müller-Gymnasium in der Erzbischof-Buchberger-Allee in Königswiesen, knapp außerhalb des Sperrradius. Die dortigen Turnhallen fungieren als Anlaufstelle für all diejenigen, die nicht anderweitig etwa bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können. Eine Mutter entscheidet sich aufgrund des sonnigen, wenn auch windigen Wetters aber dann doch lieber dafür, die Zeit auf einem Spielplatz zu verbringen.

Wer vorübergehend in die Anlaufstelle in Königswiesen wollte, musste sich zuerst testen lassen. Foto: bm

Wer in die Turnhalle rein möchte, der muss in einem von den Maltesern und der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG) provisorisch eingerichteten Bereich zunächst auf das Ergebnis seines Corona-Schnelltests warten. „Jede Person wird von uns auf Corona getestet. Wenn das Ergebnis nach circa 20 Minuten passt, dann dürfen sie in die Hallen“, erklärt ein Mitarbeiter der DLRG vor Ort.

Entschärfung verzögert sich

Auch in den Turnhallen wird auf die Einhaltung der Hygiene-Regeln geachtet. Zehn Quadratmeter pro Person sind angedacht. Wirklich eng wird es während des ganzen Tages aber nicht. Denn mit 75 Personen in der Spitze ist die Notfallunterkunft kaum ausgelastet. Diejenigen, die hier darauf warten, möglichst bald wieder in ihre Wohnungen zurück zu dürfen – es sind vor allem ältere Menschen – werden mit Decken, warmen Getränken und Essen versorgt. Je länger es dauert, desto ungeduldiger werden aber manche.

Als es vor dem Gebäude einmal etwas hektischer wird, fragt eine Frau, ob es denn schon vorbei sei. Während die Evakuierung insgesamt nach Plan verlaufe, wie der zuständige Polizeisprecher der Polizeiinspektion Süd Markus Reitmeier kurz zuvor erklärt, kommt es dann aber doch noch zu einer kurzen Verzögerung. Der Polizeihubschrauber sichtet bei seinem letzten Kontrollflug gegen 14.30 Uhr noch eine kleine Personengruppe.

Nach 15 Minuten ist alles vorbei

Nachdem die Polizei auch diese in Sicherheit gebracht hat, können sich die Sprengmeister dann endlich ans Werk machen. Es ist bereits 14.50 Uhr. „Wie lange das dauert, können wir derzeit noch nicht sagen. Das kann nach einigen Minuten fertig sein. Das kann aber deutlich länger dauern“, so Reitmeier. Und so hält das Warten weiter an.

Laut den Sprengmeistern gab es „keinerlei Komplikationen”.

„Wegen der verformten Hülle hatten wir Schwierigkeiten, den Zündkopf zu entfernen“, erklärt Sprengmeister Tobias Oelsner dann 45 Minuten später neben der Bombe stehend wissen. Die 15 Minuten hätte man sonst deutlich unterschritten. Wirklich brenzlig sei der Einsatz nicht gewesen, meinen die Experten. „Das Ganze lief reibungslos ab“, erklärt Bettina Jurga, Bayerns einzige Sprengmeisterin.

15.45 Uhr: Das Gebiet ist wieder frei gegeben

Dennoch sei man froh, dass das Ding nun sicher im Auto verstaut sei und nicht der Ersatzplan habe greifen müssen. „Notfalls hätten wir die Bombe kontrolliert sprengen müssen.“ Das wäre an sich auch kein Problem, erklärt Oelsner. In der dicht bebauten Wohngegend aber dennoch mit gewissen Risiken verbunden.

Zufrieden zeigt sich auch Polizeisprecher Reitmeier mit dem Verlauf des Großeinsatzes. Er selbst ist bereits seit den Morgenstunden im Dienst. Um 15.45 gibt er dann die letzte wichtige Meldung des Tages bekannt: „Das Gebiet ist wieder freigegeben und die Menschen dürfen in ihre Häuser zurück.

Hotel als Quarantäne-Station

Vor dem Von-Müller-Gymnasium steht zu diesem Zeitpunkt bereits ein Bus des RVV bereit, um die Leute abzuholen. Die Teams der Malteser und des DLRG haben bereits während der Entschärfung ihre Materialien zusammengeräumt und die Zelte verladen.

Etwas länger dauert der Einsatz hingegen am Hotel Jakob in der westlichen Altstadt. Dort stehen auch am frühen Abend noch Krankenwägen vor dem Gebäude. Im Eingangsbereich sind zudem Personen in Sicherheitsanzügen zu sehen. Menschen, die bei der Evakuierung von den Einsatzkräften positiv auf Corona getestet wurden, wurden nach einem erneuten Test im Testzentrum am Dultplatz im Jakob-Hotel in vorübergehende „isolierte Quarantäne“ untergebracht, wie Florian Frummet, Einsatzleiter der Malteser am Nachmittag erklärt. Wie viele Personen dies betrifft ist bisher nicht bekannt.

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Kommentare (1)

  • Madame

    |

    Das sich die Sprengung einer bombe in stadtteil kumpfmühl verzögert hat ist so typisch. Es wurde ja durch tva und mz gross angekündigt, wann die Prozedur der entschärfen der bombe erfolgen sollte. Aber immer sind noch bei der fraglichen zeit ein paar hanseln unterwegs. Einen fast ganzen Stadtteil zu räumen ist freilich eine mamutaufgabe. Aber alles hat dann doch geklappt

Kommentare sind deaktiviert

drin