Flüchtlingsunterkunft

Fünf Jahre im Container?

Bizarr: In der Regensburger Erstaufnahmestelle, wo Flüchtlinge maximal einige Wochen untergebracht sind, wird nach höchsten Standards gebaut. Im Stadtwesten soll dagegen eine „langfristige Gemeinschaftsunterkunft“ für 100 Menschen entstehen – in preisgünstiger Container-Bauweise. Der Platz pro Person: 6,8 Quadratmeter.

Container für Flüchtlingsunterkünfte: Eine boomende Branche. Foto:  Steven Lek/ Wikipedia/ CC

Container für Flüchtlingsunterkünfte: Eine boomende Branche. Symbolfoto: Steven Lek/ Wikipedia/ CC

Der Montag nächste Woche ist ein wichtiger Tag für Flüchtlinge in Regensburg. Gemeinsam mit Staatsministerin Emilia Müller (CSU) und Regierungspräsident Axel Bartelt (CSU) wird Oberbürgermeister Joachim Wolbergs (SPD) die geplante Erstaufnahmeeinrichtung eröffnen. Vorerst ist es nur eine Übergangslösung in der Pionierkaserne, doch wenn alles nach Plan läuft, soll die endgültige Einrichtung in der Bajuwarenkaserne Ende 2015 fertig sein.

Kurze Unterbringung, hoher Standard

Sie wird Platz für 500 Menschen bieten. Diese sind dort maximal drei Monate untergebracht, um untersucht, registriert und mit dem Nötigsten versorgt zu werden. Dann werden sie auf ihre festen Unterkünfte in der Oberpfalz verteilt. 40,9 Millionen Euro hat der Haushaltsausschuss des bayerischen Landtags dafür vergangene Woche bewilligt – das lässt auf einen hohen Standard schließen.

„Wer, wenn nicht Regensburg…“

Regensburg hatte sich von Anfang an um diese Einrichtung beworben. Die Erstaufnahmestelle ist so etwas wie das Aushängeschild für die besondere Willkommenskultur, die Joachim Wolbergs immer wieder beschwört. Bei der ersten Vorstellung der Pläne hat er das folgendermaßen zusammengefasst: „Wir sagen nicht: Wir nehmen die Flüchtlinge auf, wenn’s sein muss, sondern: Wir wollen sie.“ „Wer, wenn nicht Regensburg“ könne das angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage schultern, so der Oberbürgermeister.

Langfristige Unterbringung, enge Container

Bereits der Donnerstag diese Woche ist allerdings auch ein wichtiger Tag für Flüchtlinge in Regensburg. Dann wird sich der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Stadtrats mit der „Errichtung einer Unterkunft für Flüchtlinge in Modulbauweise“ befassen. Kern der teils sehr schwammig formulierten Vorlage: Am Weinweg sollen 100 Flüchtlinge in „Modulgebäuden“ – Containern – untergebracht werden.

Bunte Beengtheit: Der Entwurf für die Container-Unterkunft. Grafik: Stadt Regensburg

Bunte Beengtheit: Der Entwurf für die Container-Unterkunft. Grafik: Stadt Regensburg

„Es ist beabsichtigt, das Gebäude langfristig an die Regierung der Oberpfalz zum Betrieb einer Gemeinschaftsunterkunft zu vermieten“, heißt es dazu in der Vorlage. Was „langfristig“ bedeuten soll, geht daraus nicht ganz hervor. An einer Stelle ist in der Vorlage von „rund fünf Jahre(n)“ die Rede. Mit der Vermietung der Container-Unterkunft an die Regierung hätte die Stadt darüber aber ohnehin keine Kontrolle mehr.

Container-Unterkunft bietet kaum die Mindeststandards

Die Unterbringung der Flüchtlinge würde auf engstem Raum erfolgen. Im Plan, der der Verwaltungsvorlage beiliegt, sind für ein „Doppelzimmer“ gerade einmal 13,6 Quadratmeter vorgesehen. Damit fällt Regensburg sogar hinter die Leitlinien des Bayerischen Sozialministeriums zurück. Die sehen sieben Quadratmeter als „durchschnittliche Wohn-/Schlafraumfläche“ pro Person vor. Manche Kommunen gehen über diese Empfehlungen sogar hinaus und räumen Flüchtlingen immerhin acht Quadratmeter ein.

Kommentar

In Regensburg, so heißt es in der Stadtratsvorlage, hat man das „Raum- Bedarfsprogramm (…) mit der Regierung abgestimmt“ und sich an den Leitlinien des Bayerischen Sozialministeriums „orientiert“, Das Ergebnis: Die Container-Unterkunft bietet nicht einmal das vom Ministerium empfohlene Minimum.

Abgesehen von den beengten Wohnmöglichkeiten gibt es – zumindest laut Plan – in der geplanten Container-Siedlung keine Räume zum Waschen und Trocknen von Wäsche, ebenso fehlt ein Krankenzimmer zur kurzfristigen Unterbringung erkrankter Personen. Stauraum für die Habseligkeiten der Flüchtlinge ist ohnehin nicht vorgesehen.

41 Millionen einerseits, zwei Millionen andererseits

Gerade mal 2,1 Millionen Euro soll diese Container-Unterkunft ersten Schätzungen zufolge kosten – ein Zwanzigstel dessen, was der Freistaat für die Erstaufnahmestelle ausgibt. Derzeit werde ein Bauantrag erstellt, heißt es in der Beschlussvorlage für Donnerstag. Im ersten Quartal 2015 soll dann die Auftragsvergabe für die Container erfolgen – „sofern die zugewiesenen Flüchtlinge nicht anderweitig untergebracht werden können“.

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Kommentare (14)

  • Luchs

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    Entgegen der landläufigen Meinung, ist er wohl doch ein Sparfuchs – der Wolli. Mit fremden Geld baut es sich halt großzügiger. Wenn der politische Trend zum sicheren Herkunftsland anhält, werden die Grünen der AfD irgendwann zustimmen, dass auch Syrien dazuzählt und dann wird das Asylverfahren so verkürzt sein, dass man gar nicht zum Wäschewaschen kommt. Die Stadt sollte zukunftssicher auch in Abschiebeknäste investieren.

  • oregon

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    Irgendwie erkenne ich die Logik Ihres Artikel nicht Herr Aigner.

    Nur, weil ein „Gebäude“, wie diese Containeranlage 5 Jahre stehen bleiben wird ist doch noch nicht gesagt, dass die Person Y., die bei Eröffnung im Frühjahr 2015 dort als Asylbewerber einzieht auch noch im Frühjahr 2020 dort wohnen muss.

    Ihrer Logik folgend müsste ja bei einem Gebäude für Asylbewerber dessen Nutzungsdauer auf 30 Jahre ausgelegt ist der Asylbewerber Y. die nächsten 30 Jahre dort leben.

    Wenn unser Herr Y. nach zwei Jahren als Asylbewerber anerkannt ist darf er doch wohl ausziehen oder wollen Sie, Herr Aigner, dass er die 5 Jahre im Container absitzt, bloß weil der Container so lange hält?

    Wenn man will findet man in jeder Suppe ein Haar. Diese Container sind sicher nicht schlechter als die tausende von „Baustellencontainer“ in denen Bauarbeiter auf Montage oder Soldaten im Auslandseinsatz einen Großteil ihres Lebens verbringen.

    Und noch eins, die Lage dieser Container ist doch fast besser als alles, was wir bisher in Regensburg hatten, direkt am Sport- und Freizeitgelände am Donaupark, gute Nahversorgung, altstadtnah (Fußweg keine 30 Minuten), 1a Busverbindung und Schulbusanbindung zur Grundschule.
    Andernorts finden sich die Asylbewerber in tristen Gewerbegebieten am Stadtrand oder in der Pampa wieder, wo der Bus zweimal am Tag vorbeifährt , während sie hier im Grunde genommen mitten drin sind.

    Also manchmal kann man Kritik auch übertreiben. Die wirklich Verfolgten sind weit weniger anspruchsvoll als manche Gutmenschen uns glauben machen wollen, reden sie doch mal mit solchen Menschen, die teils jahrelang rastlos auf der Flucht waren, die wollen Ruhe, Sicherheit, ein Dach über dem Kopf, einen geheizten Raum und ausreichend zu essen, vielleicht noch kostenloses Wlan für den Kontakt zur Verwandtschaft in der alten Heimat und nicht in einer „Massenmenschhaltung“ in alten Kasernen landen wo 1000 oder mehr Asylbewerber aufeinander hocken.

  • Wiki Pedia Advent

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    Wer klopfet an?
    Oh zwei gar arme Leut’.
    Was wollt ihr denn?
    Oh gebt uns Herberg heut!
    Euch durch Gottes Lieb’ wir bitten,
    öffnet uns doch Eure Hütten!
    O nein, o nein!
    Ach lasset uns doch ein!
    Das kann nicht sein!
    Wir wollen dankbar sein.
    Nein, es kann einmal nicht sein,
    drum geht nur fort, Ihr kommt nicht rein!

  • Stefan Aigner

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    @oregon

    Es stimmt: Es ist nicht klar, wie lange eine Einzelperson dort leben wird. Die Beschlussvorlage gibt darüber keinerlei Aufschluss. Die durchschnittliche Verweildauer in bayerischen Gemeinschaftsunterkünften lag 2012 bei 3 Jahren. Ich bin gerade dabei, aktuellere Daten zu suchen.

    Aber auch eine von Ihnen erwähnte Unterbringung von zwei Jahren auf derart engem Raum halte ich bereits für zu lang. In der Regel sind es zwei Menschen, die sich nicht kennen, möglicherweise traumatisiert, die sich knapp 14 qm teilen. Es bleibt nicht die Spur von Privatsphäre. Was kommt dabei heraus? Streit, Ärger, psychische Probleme. Das deckt sich auch mit der Einschätzung bei der Expertenanhörung im Bayerischen Landtag 2009: „Gemeinschaftsunterkünfte machen krank“. Es kann also entweder nur eine Übergangslösunbg sein oder man stellt den Menschen mehr Platz zur Verfügung. z.B. zehn Quadratmeter Einzelzimmer sind kein Luxus.

    Der Vergleich mit Baustellencontainern ist etwas verfehlt. Die Leute leben dort nicht auf Dauer, sondern während der Woche zum Arbeiten. Ähnliches gilt für Soldaten.

    Flüchtlingsräte fordern schon seit längerem ein Container-Verbot. Doch das nur am Rande. Es kommt wohl auch auf Qualität und räumliche Aufteilung an. Mir geht es – wie erwähnt – um die räumliche Enge. Wo werden dann die Habseligkeiten gelagert, wenn es in den privaten Räumen dafür kaum Platz gibt? Draußen, rund um die Container-Siedlung. Die Bilder kennt man aus anderen Städten und ebenso die Tatsache, dass Rechtspopulisten diese Bilder für sich ausnutzen.

    Es geht nicht darum, in jeder Suppe ein Haar zu finden, sondern auf solche Dinge hinzuweisen, bevor so ein Ding steht.

    Die hier im Artikel verlinkte Beschlussvorlage für Donnerstag ist gerade einmal eineinhalb Seiten lang und verschleiert mehr als sie erklärt. Sie verhindert eine sachgerechte Diskussion statt dass sie diese befördert. Und bei aller Anerkennung für die Haltung, die die neue Stadtspitze gegenüber Flüchtlingen bislang eingenommen hat und auch in die Bevölkerung transportiert: Man sollte schon ehrlich und transparent bleiben, wenn es mal kritischer wird, anstatt zu verschleiern und zu beschönigen.

  • ulf

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    Bitte, bitte Herr Aigner stellen Sie die Tränendrüse wieder ab.

    Ich kann mich noch gut an meine Jugend in olivgrün erinnern, da nannte ich doch 15 Monate lang tatsächlich von Sonntagabend bis Freitagnachmittag schicke 3 1/2 bis 4 Quadratmeter in einem Prachtbau aus der Jahrhundertwende, der letztmals bei Gründung der Bundeswehr so kurz vor meiner Geburt renoviert worden war mein eigen.
    Wir waren 9 Mann auf gut 28 Quadratmetern „gestapelt“ in 3-stöckigen Eisenbetten.

    An den Wochenende hatte ich damals – wenn ich frei hatte – richtig viel Platz zu Hause in meinem Jugendzimmer mit seinen 9 Quadratmetern. Ich hatte Glück: Einzelkind.

    Es gab vom Mo. bis Fr. Gemeinschaftsverpflegung und manchmal EPa kurz vorm Verfallsdatum (Einmannpackung: Panzerkekse, Kaffeepulver, Kaffeeweißer, Teebeutel, Früchtereis etc.) http://de.wikipedia.org/wiki/Einmannpackung .

    Alternativ gab´s noch „Camping“ zu zweit im Zelt, Zeltgrundfläche 130 x 250 mit Eintopf und Tee (gefühlt 1 Teebeutel auf 10 Liter Wasser handwarm).

    Fazit, man kann es auf 7 bis 8 Quadratmetern schon eine Zeit aushalten, zumal es in den Containern sicher auch noch Gemeinschaftsräume geben wird.

    Es gibt sicher bessere, aber wohl auch deutlich schlechtere Asylunterbringungen.

  • Stefan Aigner

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    @ulf

    Klar gibt es schlechtere Bedingungen. Das ist ein Argument wofür?
    Beruflich bedingte Bundeswehr- und Flüchtlingsunterbringung sind zwei Paar Stiefel.
    Man kann das „schon aushalten“ auf 7 Quadratmeter, aber nicht in jeder Lebenssituation. Oder leben Sie heute auch mit einer Ihnen unbekannten Person auf 14 Quadratmetern dauerhaft (auch am Wochenende) zusammen?
    Dass diese Unterbringung krank macht ist auch nicht Tränendrüse, sondern war bei der Expertenanhörung im Landtag weitgehend Konsens.

    Im Übrigen macht mich Ihre IP-Adresse etwas skeptisch.

  • Anonym

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    Es sollte gesagt werden:

    Die Bundesrepublik Deutschland ist ein reiches und großzügiges Land! Wenn wir „linke“ Verhältnisse hätten, ohne Kapital, wären wir arm und könnten nicht so effektiv helfen.

    – Unser wirtschaftlicher Erfolg trägt allerdings auch zu den wirtschaftlichen Problemen in anderen Ländern bei.

  • Vielleicht besser als überhaupt nix » Regensburg Digital

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    […] Donnerstag sollen die Stadträte im Finanz- und Verwaltungsausschuss über eine Container-Unterkunft für Flüchtlinge in Regensburg entscheiden. Die Beschlussvorlage, die ihnen präsentiert wird, bietet dafür keine ernstzunehmende […]

  • Hans - Peter Dantscher

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    Die im Artikel erwähnte Verwaltungsaussschusssitzung findet am Donnerstag um 16:00 im neuen Rathaus statt und ist öffentlich.
    Hier wird Herr Wolbergs wohl einiges erklären müssen, wie er die Willkommenskultur in Regensburg mit dieser Art der Unterbringung umsetzen will. Die Vorlage lässt jedenfalls nichts positives vermuten.

  • Jeanette Kamrowski

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    Unterkunfts-Logistik ist nicht einfach herzustellen und von einer genauen Planung, Geld und Personal abhänig, dies ist nach bestimmten Kriterien in einer Demokratie verfügbar, die unter Umständen auch angepasst werden.
    Die Notsituation der Menschen ist erkannt und dennoch ist man den Flüchtlingszahlen nicht gewachsen. Schnell ist man dabei vom Versagen oder Nichtwollen zu sprechen und so das Geleistete in ein ungünstiges Licht zurücken. Da es sich bei Ihnen um ein gut informiertes Reporterteam handelt und sie selbst über den Wohnungsmarkt in Regensburg berichtet haben, sind ihnen die Fakten bekannt.

  • Mediator

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    Sicherlich gibt es bessere Unterbringungsmöglichkeiten als in einem Container, aber wenn wir ehrlich sind gibt es doch für jeden Bedarf eine Kennzahl die diesen regelt.
    Einzelzimmer wären sicher wünschenswert, aber hier spielt dann eben die Kostenrechnung nicht mit, da die Preise pro Quadratmeter zu hoch wären.

    Damit einen in so einem Container nicht der „Lagerkoller“ trifft ist es notwendig, dass es ausreichend Gemeinschaftsräume und andere soziale Angebote gibt.

    Einige der Vorkommentatoren haben ja bereits Ähnlichkeiten mit der Unterbringung von Bauarbeitern auf Montage und Soldaten im Auslandseinsatz genannt. Letztendlich handelt es sich bei Flüchtlingen auch um eine Art Zwangsgemeinschaft.

    Die zeitlich begrenzte gemeinsame Unterbringung ist etwas wo man durch muss und das Ende ist hoffentlich absehbar.

    Wichtig ist doch, dass aus diesen Unterkünften kein Ghetto wird, sondern dass die Menschen in die Stadt mit ihren Vereinen und Möglichkeiten integriert werden.

    Das die Erstaufnahmeeinrichtung anders konzipiert ist mag unterschiedlichen Trägern und Fördertöpfen geschuldet sein. aber wie wir im privaten kann die Stadt auch nur mit dem bauen was sie zur Verfügung hat.

    Dass pro Person 0,2 Quaratmeter weniger, als in einer „unverbindlichen“ Vorgabe des Ministeriums, zur Verfügung stehen ist für mich kein großer Skandal.

    Erstens stand in dieser Vorgabe das Wort „Durchschnitt“ und zweitens entspricht diese Fläche gerade einmal der Standfläche eines Getränkekastens. Wenn die Unterkünfte praktisch möbliert sind lässt sich so etwas ausgleichen.

  • Ein paar Quadratmeter „deutsche Lebenswirklichkeit“ » Regensburg Digital

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    […] Wie berichtet, soll die Verwaltung beauftragt werden, alle Vorbereitungen für den Bau einer Contain…. Doch die äußerst knappe Beschlussvorlage, die dafür präsentiert wurde, lässt zahlreiche Fragen offen. Am Donnerstag wurde das Thema in öffentlicher Sitzung diskutiert. […]

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