Kloster zu verkaufen

Foto: Stadt Regensburg

Der Ausverkauf geht weiter. Die Stadt Regensburg will die barocke Klosteranlage St. Klara veräußern – ein interessantes Objekt mitten im Weltkulturerbe, dessen Verkauf vom Stadtrat in einer nichtöffentlichen Sitzung des Planungsausschusses beschlossen wurde. Seit Donnerstag wird die 400 Jahre alte Anlage nun offiziell im Internet angeboten – gegen Höchstgebot.

Man sammle erst einmal Angebote, heißt es aus dem städtischen Liegenschaftsamt, dann sehe man weiter. Ein Teil der Immobilie, die beim Ostengassenfest als Künstlerhaus genutzt wurde, beherbergt derzeit das Ostkirchliche Institut und die Jugendschutzstelle. Letztere soll nach dem Verkauf verlegt werden. Auch wenn ein Großteil des Klosterbaus denkmalgeschützt ist und einem (vom Käufer geforderten) Nutzungskonzept damit gewisse Grenzen gesetzt sind, dürfte es an Interessenten nicht mangeln.

Die Lage ist äußerst attraktiv. Nicht nur, weil die Klosteranlage sich im Kernbereich der Welterbezone, in unmittelbarer Nähe zu Donau und Villapark, befindet und – etwa bei Wohnnutzung – entsprechend hohe Preise zu erzielen sind. Im unweit gelegenen Trunzer-Block, den erst kürzlich die Immobiliengruppe Trepnau von der städtischen Tochtergesellschaft Stadtbau erworben hat, sind Quadratmeterpreise von bis zu 3.900 Euro im Gespräch.

Attraktiv ist der Gebäudekomplex St. Klara auch, weil er im förmlich festgelegten Sanierungsgebiet „Ostengasse Nord“ liegt. Das eröffnet dem Käufer entsprechende Steuervorteile. Insofern ist das Objekt mit einer Nutzfläche von 4.000 Quadratmetern für Geldanleger, damit auch Immobilienfonds, besonders interessant. Erst 1968 hatte die Stadt das Gebäude erworben – im Zuge von Käufen für Verkehrsplanungen, bei denen auch ein Großteil des Donaumarkts in städtischen Besitz überging. Und ebenso wie die Fläche am Donaumarkt wird nun auch die Klosteranlage wieder privatisiert – in der Hoffnung, dass diese Verkäufe ein erkleckliches Sümmchen in die Kassen von Stadt und Stadtbau spülen.

Noch im vergangenen Jahr war die Klosteranlage Gegenstand des internationalen IACOBUS-Wettbewerbs an der Hochschule Regensburg, an dem sich 120 Architekturstudentinnen und -studenten aus Regensburg, Clermont-Ferrand und La Corune beteiligt hatten. Ziel: Eine öffentliche Nutzung als Jugendgästehaus mit Jugendmusikschule. Das Siegerteam wurde insbesondere für den respektvollen Umgang mit der historischen Substanz und die Öffnung der Ostengasse hin zur Donau gelobt.

„Für uns ist es wertvoll, wenn verschiedene Möglichkeiten durchgespielt werden und uns damit Anregungen bei der Projektentwicklung gegeben werden“, hatte Planungsreferentin Christine Schimpfermann anlässlich des Wettbewerbs erklärt. Ein Jahr später ist klar: Die Stadt hat kein eigenes Konzept. Eine öffentliche Nutzung sei unrentabel, heißt es auf Nachfrage. Die Projektentwicklung überlässt das städtische Planungsamt damit – wie so oft – einem privaten Investor.

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Kommentare (11)

  • Veits M.

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    Es verbietet sich von selbst, eine dem Grundsatz der Nachhaltigkeit folgende, von der Stadt und ihren Bürger getragene Stadtentwicklung alleine mit dem Argument, „eine öffentliche Nutzung sei unrentabel“ nicht zu starten.

    Ich verlinke aktuell auf eine neue Initiatve des Rates für Nachhaltigkeit (RNE). Das Stadtplanungsamt ist wohl das stärkste Amt der Stadtverwaltung mit ausgewiesenen Fachleuten. Hohe Zeit, dieses Wissen und Erfahrung in kreative Initiationen unter Einbindung der Bürgerschaft (Leitfaden Bürgerbeteiligung) einzubringen.

    Zur Initiave des RNE geht es auf
    http://aktionboss.de/n-wie-nachhaltigkeit

  • gifthaferl

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    Dann werfe ich das mal in den Raum.

    „Das Mietshäuser Syndikat

    * berät selbstorganisierte Hausprojekte, die sich für das Syndikatsmodell interessierten
    * beteiligt sich an Projekten, damit diese dem Immobilienmarkt entzogen werden
    * hilft mit Know How bei der Projektfinanzierung
    * initiiert neue Projekte“

    http://www.syndikat.org/

    Eine solche Projektinitiative könnte man auch in Regensburg gründen, bevor unser letztes Hütterl an Spekulanten ausverkauft ist.

  • wastl

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    Ich war am Gassenfest mal im „Künstlerhaus“. Die ausgestellte Kunst war sehr attraktiv das Innere des genutzten Teils des Klosters weniger.
    Von innen erhielt ich da eher den Eindruck als sei da seit 30 Jahren garnichts gemacht worden und das Haus stünde kurz vor dem Abriss…überall demontierte Sanitär- udn Elektroeinrichtungen in den Räumen. Kaputte Tapeten und Teppiche etc.
    Ich war schon etwas entsetzt…übrigens war auch erst auf Rückfrage unsererseits von einem anwesenden Künstler zu erfahren das es sich hier um ein Kloster handelt…
    Auch Sicherheits und Elektroeinrichtungen schienen mir soweit das zu sehen war auf Stand vn vor Jahrzehnten.

    Meinermeinung nach müsste die Stadt hier eine Menge Geld in die Hand nehmen um das wieder herzurichten und auf aktuelle Energie- wie Sicherheitstechnik zu bringen und das müsste man wohl wenn man da eine Musikschule und Jugengästehaus daraus machen wollte. Da die Stadt lieber Geld für andere Dinge ausgibt wird es nun halt verkauft…soll doch ein Invester das sanieren…auch wenn dann statt Jugendbildung teueres wohnen angesagt ist..die Stadt spart die Sanierungskosten und streicht noch ordentlich Geld ein…

  • gifthaferl

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    @ wastl

    Und wer ist „die Stadt“?

    Wessen Besitz wird da meistbietend verhökert, ohne dass die was davon haben, deren Besitz das ist?

    Dir ist das egal, wenn ich das richtig verstanden habe?

    Ja, das Betreute Wohnen irgendwo in der Pampa ist auch nicht schlecht, da stirbt’s sich schneller, wenn man nichts mehr außer Natur aus dem Fenster mitkriegt.

    Ich mein nur, wenn sich z.B. die vielen sicher kommenden Kleinrentner keinen Wohnraum in Stadtnähe mehr leisten können, werden sie halt aufs Land abgeschoben, und recht tattrig lässt sich der eine Bus am Tag, dann schlecht benutzen.
    Aber macht ja nix, sind ja eh nur unnütze Fresser.

    Man staunt ja jetzt schon, wo überall bereits derartige Anlagen sind.
    Ich möchte da nicht begraben sein, geschweige denn lebend.

    Ich finde, „die Stadt“ hätte allerlei, worum sie sich schleunigst zu kümmern hätte.

  • Veits M.

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    Natürlich ist auch dem Stadtplanungsamt die Ökosiedlung „Französitsches Viertel“ besten bekannt.

    Hier ist ein LINK für eine enspannte Wochenendlektüre, die auch für die Ostnerwacht im Sanierungsgebiet „Ostengasse-Nord“ einige Pfünder an Anregungen bereit hält.

    http://www.oekosiedlungen.de/franzoesisches_viertel/steckbrief.htm

  • wastl

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    @gifthaferl: wer der Eigentümer des Kloster ist weiss ich nicht,jedoch würde ich mich schon wundern wenn die Stadt (ich nehme das mal als Oberbegriff weil ich nicht immer weiss welches Amt jetzt da involviert ist) etwas verkaufen kann was sie nicht besitzt.
    Ich bin auch nicht dafür es an irgendeinen Investor zu verhökern, da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt.
    Ich wollte nur den Zustand wie er sich mir damals darstellte darlegen und meine Ansichten warum die Stadt es verkaufen möchte.

  • Helmut Matias

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    Na nu! Wer ist denn „die Stadt“? Schaidinger mit seinen Vasallen?
    Im Altstadtzentrum (geschützte) Objekte im Eigentum der Stadt zu verkaufen: Das ist so: Ich versenke mein Schiff und rette mich mit Rettungweste an Land. Klar, ich überlebe, wenn ich Glück habe. MfG.

  • gifthaferl

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    @ wastl

    „wer der Eigentümer des Kloster ist weiss ich nicht“

    Na ja, WIR, die BürgerInnen der Stadt Regensburg.
    WIR sind „die Stadt“.

    Unsere Angestellten und gewählten Vertreter haben UNSEREN Gemeinbesitz in UNSEREM Sinne und zu UNSEREM Nutzen und Frommen lediglich zu verwalten und zu wahren.
    Nicht zuletzt haben sie bezahlbaren Wohnraum für diese Bürgerinnen zu erhalten und zu schaffen.

    Und, Infrastruktur in der Stadtplanung bedeutet auch SOZIALE Infrastruktur, nicht nur Straßen etc. und Konsumtempel

    Die Stadtbau ist KEIN privater Wirtschaftsbetrieb!
    Wenn eine 100% städtische „Firma“ „wirtschaftlich“ arbeiten soll, heißt dass keineswegs, dass sie privatwirtschaftliche Ziele nämlich Gewinnmaximierung zu verfolgen hat, sie soll lediglich nicht das Geld sinnlos zum Fenster rauswerfen.

    Das städtische Eigentum, also unseres, soll sie bestimmt nicht meistbietend an Spekulanten verkloppen, die lediglich ihr eigenes Wohl im Auge haben, nicht das der BürgerInnen.

  • Journalist

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    Zitat von „Gifthaferl“:

    „Na ja, WIR, die BürgerInnen der Stadt Regensburg [sind die Eigentümer]!
    WIR sind “die Stadt”.
    Unsere Angestellten und gewählten Vertreter haben UNSEREN Gemeinbesitz in UNSEREM Sinne und zu UNSEREM Nutzen und Frommen lediglich zu verwalten und zu wahren.
    Nicht zuletzt haben sie bezahlbaren Wohnraum für diese Bürgerinnen zu erhalten und zu schaffen.“

    Ich stimme Ihnen ja nicht immer und überall zu, aber da haben Sie absolut und uneingeschränkt recht.
    Es wäre nur gut, wenn diese Tatsache endlich auch in die Köpfe aller Bürger einsickern würde.
    BÜRGER!! – nicht Untertanen. Und zwar schon seit 1945, meine Damen und Herren. Benehmen Sie sich doch endlich mal auch so.

  • Veits M.

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    Dem Bürger ist seine Rolle als Souverän viel zu wenig bewusst – geschweige denn macht er davon rege Gebrauch. Untertänigst wenden sich viel zu viele ab, frei nach dem Motto: Da kann MAN eh nichts machen.

    Wie man den Bürger „empowered“ – das zeigen die Methoden beispielsweise von
    Community Organizing. Auch Barack Obama war in Chicago als Community Organizer tätig.

    Der „Vater“ dieser Bürgerbewegung war Saul D. Alinsky. Bücher zum Thema gibt es auch auf Deutsch. Auch gibt es einen eingetragenen Verein in D. , der sich mit diesem Thema befasst.

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