SOZIALES SCHAUFENSTER

Norbert Hartl kritisiert "massives Entgegenkommen" der Stadt

„Kompromisslösung“ für Pegida-Peter: Kein Weihnachtsmarkt am Totensonntag

In dem Anzeigenblatt des Veranstalters Peter Kittel wird Norbert Hartl in schöner Regelmäßigkeit durch den Dreck gezogen. Am Donnerstag wollte der Stadtrat nun von der Bürgermeisterin wissen, warum Kittels „Romantischer Weihnachtsmarkt“ auf Schloss Thurn & Taxis von der Verwaltung ein so „massives Entgegenkommen“ erfährt. Rechtsreferent Walter Boeckh spricht dagegen von einem Kompromiss. Kittel habe sogar am Totensonntag öffnen wollen.

Keine Freunde: Norbert Hartl und Peter Kittel. Fotos: Archiv/Staudinger/Baumgärtner

„Frau Bürgermeisterin, können Sie sich vorstellen, dass aufgrund dieser Kompromissentscheidung die Stadt Regensburg in der nächsten Ausgabe mit GigaIn bezeichnet wird und ich werde mich dort finden mit einem neuen Superlativ: TeraOut?“ Mit diesem Schlusspunkt beendet Stadtrat Norbert Hartl am Donnerstag seine Fragen an Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Es geht um den „Romantischen Weihnachtsmarkt“ im Hof des Schlosses Thurn & Taxis und dessen Veranstalter: den CSU-Intimus und Stadtzeitungs-Herausgeber Peter Kittel.

Während der Kittel-Markt im vergangenen Jahr erst am 28. November seine Pforten öffnete, und damit zwei Tage später als der städtische Christkindlmarkt am Neupfarrplatz, hat der Veranstalter für heuer eine frühere Eröffnung angekündigt – und zwar zum 22. November. Die Mittelbayerische Zeitung hat bereits begonnen die Werbetrommel für den Spezl des Hauses zu rühren, der auch heuer wieder die Massen in den fürstlichen Schlosshof locken will – zum Schnäppchenpreis am Wochenende von 9,50 Euro.

„Warum halten alle sich daran, nur die nicht?“

Dass der Markt nun um eine Woche früher öffnet, verärgert Stadtrat Hartl, den Kittel seit Jahren in seiner „Stadtillustrierten“ disst und der ihn zuletzt großformatig im Porträt abdruckte, verbunden mit der Bildunterschrift: „Gesucht wird der Charakter dieses Mannes.“

Doch Hartl geht es am Donnerstag nicht darum. Zum einen gehe es zu Lasten des städtischen Christkindlmarkts, wenn es bei Kittel jetzt noch früher weihnachten dürfe. Und schließlich sei es in Regensburg gute Tradition und auch für den städtischen Markt verbindlich, dass grundsätzlich erst nach dem Totensonntag Glühwein und Bratwurst-Semmeln in weihnachtsromantischer Atmosphäre angeboten werden. Dies gelte auch heuer wieder für alle Christkindlmärkte, mit Ausnahme des Kittel-Marktes im Schloss eben. „Warum halten die sich nicht daran?“, will Hartl nun von der Bürgermeisterin wissen.

Wollte St. Peter am Totensonntag Weihnachtsparty machen?

Das sei ein privates Gelände und eine private Veranstaltung, setzt Maltz-Schwarzfischer an. Genehmigt werde so eine Veranstaltung aber trotzdem durch die Stadt, wendet Hartl dagegen ein. Die Bürgermeisterin stockt. Darüber solle Rechtsreferent Dr. Walter Boeckh aufklären, in dessen Zuständigkeit solche Genehmigungen fallen. Man habe da mit Herrn Kittel diskutiert, sagt Boeckh. Dieser habe – obwohl er laut Eigendarstellung mit Papst Benedikt und der erzkatholischen „Fürstin“ quasi auf Du und Du ist – sogar am Totensonntag, einem stillen Feiertag, aufmachen wollen.

Doch darauf zumindest ließ sich die städtische Ordnungsbehörde nicht ein. Das gehe wegen des gesetzlichen Schutzes von Feiertagen „natürlich nicht“, erklärt Boeckh. Da, am 24. November, bleibe auch der „Romantische Weihnachtsmarkt“ geschlossen. Ansonsten habe man, genauer gesagt das städtische Ordnungsamt, dann eben abgewogen und diese Lösung für „vertretbar“ gehalten.

Applaus für Hartls Kritik

„Ich bin der Meinung, dass man das hätte verhindern können“, legt Hartl nach. Und unter den Beifallsbekundungen zahlreicher Stadträte – abseits der CSU gibt es da so einige, die den Herrn Kittel nicht wirklich zu mögen scheinen – bezeichnet er es als „allerhand“, dass „der“ jetzt schon am Freitag eröffnen könne, während der städtische Christkindlmarkt dies erst am darauffolgenden Montag dürfe. „Warum müssen wir solchen Leuten in dieser Form so massiv entgegenkommen?“

Im Kreis von Freunden: Peter Kittel (2.v.li.) bei der Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte mit Ministerpräsident Markus Söder, dem früheren Wochenblatt-Herausgeber Herbert Zelzer und MZ-Verleger Peter Esser. Foto: Staudinger

„Nochmal zur Klarstellung: Das war eine Kompromisslösung“, gibt Rechtsreferent Boeckh kurz und bündig zurück. Und Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer bemüht sich, zu betonen, dass sie mit diesem Kompromiss zugunsten des bei Hartl und einem Großteil der SPD so ungeliebten Kittel nichts, aber auch gar nichts zu tun habe. Das sei mit dem zuständigen Amt so verhandelt und genehmigt worden. „Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen.“ Das sei nicht politisch entschieden worden. „Auch ich habe das nicht entschieden und das war Geschäft der laufenden Verwaltung.“

Man hätte aber doch „gewisse Einflussmöglichkeiten“

Auf eine weitere Nachfrage von Benedikt Suttner, der ebenfalls moniert, dass es ja schon gedauert habe, bis der städtische Markt etwas früher eröffnen durfte, und ob man nun regelmäßig separat mit Kittel verhandeln wolle, so dass am Ende eine immer frühere Öffnung der Christkindlmärkte stehe, verspricht die Bürgermeisterin dann doch: „Wenn mir die Wählerinnen und Wähler die Gelegenheit geben, dann werde ich mir im nächsten Jahr genauer anschauen, sehen, was eine sinnvolle Regelung ist und es in die Verwaltung hinein transportieren.“ Denn selbstverständlich habe die Stadt als Genehmigungsbehörde da „gewisse Einflussmöglichkeiten“.

Nun kann auch CSU-Chef Michael Lehner nicht mehr an sich halten. Ob die Stadt denn nicht dringlichere Probleme habe, als so viel Zeit darauf zu verwenden, um über den Beginn von Christkindlmärkten zu diskutieren, will er wissen. „Und glauben Sie nicht auch, Frau Bürgermeisterin, dass der Privatkrieg zwischen Herrn Kittel und Herrn Hartl hier nicht her gehört?“

Wie „out“ wird Hartl sein?

Auch wenn das vielen nicht gefalle, dürfe in der Fragestunde eben jeder Fragen stellen, gibt die Bürgermeisterin zurück. „Die zweite Frage beantworte ich überhaupt nicht.“ Ach ja – und die Frage, ob Norbert Hartl von Kittels Anzeigenblatt nun die Würde des „TeraOut“ und der Stadt Regensburg jene des „GigaIn“ verliehen wird? Das ist der Bürgermeisterin, so sagt sie, „egal“.

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Kommentare (21)

  • Dieter

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    Da weiß man fast nicht mehr was einem lieber wäre:
    Die Unfähigkeit der SPD oder die Freinderlwirtschaft der CSU?

    Vielleicht sollte man ab sofort einfach den Stadtrat und die Bürgermeister abschaffen und die Verwaltungsreferenten direkt wählen, das wäre ehrlicher.

  • Mr. T.

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    Ob sich der Pegida-Peter schämt, wenn ihm der Fahnen-Michi beispringt? :-)

    Da hat man wohl der OBin ein faules Ei ins Nest gelegt. Sie war damit sicherlich nicht befasst und muss sich jetzt vor die Verwaltung stellen. Aber ein Kompromiss ist eigentlich etwas, wo sich zwei Seiten aufeinander zu bewegen. Hätte Pegida-Peter den Tag nach Allerheiligen verlangt und das jetzige Ergebnis wäre herausgekommen, hätte man das als einen solchen verkaufen können. So verzichtet er nur auf den Tag, an dem er eh nicht gedurft hätte.

  • Piedro

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    10 Eier Eintrittsgeld kenne ich eigentlich nur von Vereinen, die in ehrenamtlicher Arbeit ein Rahmenprogramm bieten. In der Regel generieren kommerzielle Veranstalter ihren Gewinn über die Standgelder, und ich vermute: die sind da nicht günstig.
    Gehen da auch Einheimische hin oder ist das mehr für Touristen und fundamentalistische Katholiker, die zur fürstlichen Huldigung anreisen und ihr Schärflein für die gute Sache beitragen wollen?

  • Gregor

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    Für ‚Rachefeldzüge’ sind ja noch einige Monate Zeit und Der Stadtrat kann sich endlich auch mal von Seiner besten Seite zeigen.

  • Riafan

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    Es ist schon merkwürdig, welche Sonderaktionen Pegida Peter immer wieder bekommt. Ich persönlich wäre ja dafür, alle Weihnachtsmärkte in Regensburg – komplett an Pegida Peter zu vergeben, und natürlich für die nächsten 20 Jahre.
    Demnächst in der Kittel Bayerischen Zeitung:
    Kittel sucht das Christkind. 4 Sonderseiten
    Kittel und seine Freunde. 6 Sonderseiten
    Kittel das große Truthahnessen. 12 Sonderseiten

  • Eingeborener

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    Kittel ist ein synonym für die verkommenheit einflussreicher Kräfte dieser stadtgesellschaft: : ich erinnere mich an seitenlange prostitutiertenanzeigen in seiner RSZ, dann der Aufstieg ausgerechnet zum papstbesuch-organisierer und vorzeigekatholik, ausgerechnet. Seine in-out-hetze in der RSZ. Organisator des unsauberen csu-Wahlkampfes , wo die anklage gegen ihn überfällig ist. Seiine foto-Montage in der RSZ: wolbergs-Kopf auf das foto des toten Barschel in der Badewanne aufmontiert. Seine enge geschäfts-Verbindung zu MZ-ultrareaktionäre Gloria von TuT…Ein Kabinett der bigotterie mächtiger teile dieser stadt.

  • Robert

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    Der Ex-SPD-Stadtrat Hartl hat schon recht, wenn er die in Regensburg üblichen Extrawürste für den Multi-Unternehmer und Werbeblatt-Schrott-Produzenten Kittel moniert, gegen den ja noch wegen falschen Rechnungen für die CSU ermittelt wird.

    Nur, Herr Hartl, wie viele Extrawürste haben Sie dem Bau- und Dienstleitungs-Magnaten Tretzel persönlich auf dem städtischen Tablett serviert? Stets garniert mit der untertänigen Frage, ob´s denn so passe und gewürzt mit dem nicht uneigennützigen Angebot, der Herr Magnat möge Änderungswünsche mit Roter Tinte festhalten! Haben nicht auch Sie, Herr Hartl, Sonderpreise und Sonderleistungen für BTT gewährt und beim Kauf Ihrer BTT-Wohnung erhalten – ganz legal und straffrei, versteht sich?

    Glaubwürdigkeit sieht anders aus Herr Hartl – da müssten Sie erst mal reinen Tisch in eigener Sache machen und nicht nur beleidigt aus der SPD austreten.

    Noch eine Bemerkung zu dem wohlklingenden aber irreführenden Bonmot von Franziskus: „Der Korrupte nimmt seine Korruption nicht wahr, es ist ein wenig wie mit Mundgeruch. Man merkt es nicht, man muss es ihnen sagen.“

    Nicht nur in Regensburg nimmt der Korrupte sein Tun durchaus als nicht gesetzeskonform wahr. Nachdem er darauf angesprochen wird, legitimiert und verdreht der Korrupte aber sein Handeln mit Floskeln wie: angemessen, zum Wohle der Stadt und Kleinen Leute, lebensnah, die Anderen-machen´s-doch-auch.

  • daraufundschluss

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    Ich muss vomitieren, wenn ich die Einlassungen von diesem Immernoch-Stadtrat lesen muss. Von einem, der überall mitgemischt und seine Finger im Spiel gehabt hat, kann ein „anständiger“ Bürger erwarten, dass er das Maul hält und abtritt.
    Nichtsdestotrotz könnte er und der verurteilte OB etwas Schaden gut machen, wenn sie endlich über die Machenschaften von Pegida-Peter und Spendenkeiler-Franz auspacken würden.

  • Ely

    |

    @Dieter: Warum sollte er sich schämen für sein Produkt? Er hat eher mitgeholfen die Fahne zu hissen. Unter den CSUlern und den Honorationen der Katholischen Kirche gibt es nicht wenige Antisemiten und Rassisten, nicht zu vergessen die Fürstin. Der Herausgeber der RSZ verfügt über formidable Beziehungen in die Stadtverwaltung. Der engste Ratgeber der Bürgermeisterin ist seit Jahrzehnten Jagd-und Duzfreund des Herausgebers der RSZ. Ein Schelm, der Böses denkt! OB Meier musste sich von SR Hartl harmlosere vorhalten lassen und wurde in der örtlichen Presse durch den Kakao gezogen, weil sie die Verwaltung nicht im Griff hätte, sie persönlich verantwortlich wäre. Naivität ist nichts für das Stadtoberhaupt.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ich war ja wirklich oft verärgert über Hartls Herumgepoltere. Aber, der Mann hat mit
    einer Lebensleistung aufzuwarten. Leider aber hat er mit seinen cholerischen Aus-
    brüchen auch ‚Wohlgesonnene vor den Kopf gestoßen. Trotzdem hat Kittel kein
    Recht, Hartl in den Dreck zu ziehen. Eine anständige Kritik sieht anders aus.

  • Hanna

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    Ich kenne etliche Leute, die sind sehr erfolgreich und können ebenfalls eine respektable Lebensleistung nachweisen. Das ‚System H‘ ist ihnen bei ihrer Tätigkeit aber völlig fremd.

  • Lothgaßler

    |

    Der Weihnachtszirkus auf fürstlichen Fluren kennt zwei Nutznießer: Kittel und T&T. Wenn schon Extrawürste beklagt werden, dann bitte beide Extrawurstesser benennen.
    Bezeichnend ist doch, dass Norbert Hartl den Mumm hat diese Dinge im Stadtrat anzusprechen, während andere dergleichen gar nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Richtig ist schon, dass Wohl und Wehe der Stadt Regensburg nicht vom Weihnachtsmarktzirkus abhängig sind, aber richtig ist auch, dass diese Extrawürste schon immer ein Geschmäckle hatten und ab sofort nicht mehr gebraten werden sollten. Ich erwarte von jedem einzelnen Wahlvolkvertreter im Stadtrat, dass er/sie für politische Hygiene sorgt und das bedeutet, dass alles unterbleibt, was den Anschein von Begünstigungen fördert.

  • Frieda

    |

    Ich versteh die Welt nicht mehr, wenn stört den eigentlich der Weihnachtsmarkt? Es ist kein Lärm, kein Feuerwerk usw. alles läuft auf Privatgrund ab und die Stadt (Welterbe!) verdient auch dabei.

  • Giesinger

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    Ich gebe Frieda voll Recht.

    Die Stadt hat sich eh seit langer Zeit für das Überrantwerden durch die Tages – und Stundentouristen entschieden.

    Was stört da noch ein zusätzlicher Disney -Weihnachtsmarkt im Schloß?
    Von mir aus auch das ganze Jahr, wie in Rothenburg ob der Tauber!

    (Randbemerkung: Wegen der Touristen bin ich schon vor 25 Jahren aus der Altstadt von Regensburg weggezogen.)

  • Mr. B.

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    Ich glaube, Frieda hat den Sinn diese Artikels nicht verstanden oder vielleicht betreibt sie in „Disney“, wie Giesinger bemerkte, selbst einen Stand.

  • altstadtkid

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    Wenn das so weiter geht haben wir in 10 Jahren Christkindlmärkte die im August beginnen :o)

  • Mega Off

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    Während rd überregional zitiert wird, interessiert sich keine Sau für das Heftchen vom Knittel, dessen Medienreichweite im Wirtshausklo als Toilettenpapier endet.

  • R.G.

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    Hallo altstadtkid!

    Wieso Weihnachten erst im August?
    Die unterm Äquator feiern das Fest mitten im Sommer.
    Da hinken wir deutlich hinterher.

  • Mr. B.

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    @Mega Off
    Man sieht, sie verbreiten keine Fake-News!!!
    War gestern in einem Cafe, da lag es auch an der von Ihnen beschriebenen Stelle!!

  • Meier mit „ei“

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    Der Hamburger Dom geht auch 3x 1Monat = 1/4 Jahr insgesamt!
    Nachdem die Schifffahrt bei uns auch immer mehr wird: Vielleicht brauchen die Leichtmatrosen bei uns auch mehr Vergnügen?

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