RIAS Bayern vorgestellt

Meldestelle für Antisemitismus startet mit Zustimmung und Kritik

Am Mittwoch wurde in München die neue Meldestelle für antisemitische Vorfälle in Bayern vorgestellt. Kritik daran kommt von dem Antisemitismus-Forscher Prof. Wolfgang Benz. Er sieht die alleinige Zuständigkeit bei der Polizei. In einem Vortrag zur Jahresthema-Reihe Jüdisches Regensburg (hier zum Programm)  bezeichnet Benz die Rede vom „christlich-jüdischen Abendland“ am Donnerstag als Kampfbegriff für eine antimuslimische Politik.

Benjamin Steinitz (Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus), Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) und Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei der Vorstellung von RIAS Bayern. Fotos: wr

Ab dem 1. April gibt es auch in Bayern eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle. Nach Berliner Vorbild können sich Betroffene und Zeugen an die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) wenden. Die staatlich unabhängige Einrichtung registriert Vorfälle, die von verbaler Belästigung bis zu strafrechtlich relevanten Handlungen reichen. Ein daraus resultierender Jahresbericht soll helfen, alltäglichen Antisemitismus besser sichtbar zu machen. „Wir wollen das Ausmaß des Antisemitismus in Bayern abbilden. Sei es, dass ein jüdisches Kind in der Schule abfällige Kommentare zu hören bekommt oder Israel als Apartheidstaat bezeichnet wird, wir bieten einen Anlaufpunkt“, sagte Leiterin Annette Seidel-Arpaci bei der Vorstellung von RIAS Bayern am Mittwoch.

„Antisemitismus sichtbar machen“

Um unabhängig von Politik und staatlichen Stellen arbeiten zu können, ist RIAS Bayern zunächst an den Bayerischen Jugendring (BJR) angegliedert, ab 2020 soll ein zivilgesellschaftlicher Verein als Träger fungieren. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales finanziert die Meldestelle RIAS Bayern mit 381.000 Euro. Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) betonte bei der Vorstellung der Meldestelle am Mittwoch: „Antisemitismus ist ein Problem der gesamten Gesellschaft und in seinen unterschiedlichen Ausprägungen nicht immer leicht zu erkennen. Daher sehe ich in der Arbeit von RIAS Bayern die Möglichkeit, Antisemitismus sichtbar zu machen und dadurch für seine verschiedenen Gesichter zu sensibilisieren. RIAS Bayern ist ein wichtiger Baustein für die Prävention von Antisemitismus in Bayern.“

Die Meldestelle will Behörden, Politik, Medien und Zivilgesellschaft auf antisemitische Vorfälle aufmerksam machen. Auf Wunsch der Betroffenen oder Zeugen werden diese auch detailliert veröffentlicht. Die Meldenden entscheiden aber, wie mit ihren Informationen umgegangen werden soll. Entsprechende Vorfälle können über die Online-Plattform www.rias-bayern.de und per Telefon (unter der Nummer 01622951961) gemeldet werden. Die Recherche- und Informationsstelle vermittelt darüber hinaus verschiedene Beratungsangebote, zum Beispiel im juristischen oder psychosozialen Bereich.

Wichtiges Anliegen des Zentralrats der Juden

Mit dieser niedrigschwelligen Meldestelle wird ein wichtiges Anliegen des Zentralrats der Juden in Deutschland, des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales und des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus Ludwig Spaenle erfüllt.

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, begrüßt die neue Meldestelle. „Die Betroffenen haben manchmal eine Scheu, zur Polizei zu gehen, oder halten den Vorfall für nicht relevant genug, um ihn anzuzeigen. Dennoch leiden sie unter dem, was sie erlebt haben. Daher bietet RIAS eine sehr gute und niedrigschwellige Möglichkeit, jenseits der Behörden Vorfälle zu melden. Das hilft den Betroffenen sehr und verschafft uns ein realistisches Bild über Antisemitismus und seine Erscheinungsformen in Bayern“.

RIAS Bayern arbeitet eng mit dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus zusammen. Dessen Vorstandsmitglied Benjamin Steinitz erklärte auf der Pressekonferenz: „Wir begrüßen, dass RIAS Bayern ihre Arbeit aufnimmt, und freuen uns sehr auf die Kooperation.“ Aus der Arbeit von RIAS Berlin wissen wir, „wie wichtig eine regionale Verankerung und eine Ansprechbarkeit vor Ort für Betroffene und ein funktionierendes Unterstützungsnetzwerk ist.“ Gleichzeitig bilde „der Start von RIAS Bayern einen wichtigen Schritt hin zu einer flächendeckenden und bundesweit einheitlichen Dokumentation antisemitischer Vorfälle.“

Die Erfassung der Vorfälle orientiert sich an der Definition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken (IHRA), die Antisemitismus als „eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann“, beschreibt. Demnach richtet sich Antisemitismus in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Personen, deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus könne auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.

Benz wünscht sich Beauftragten auch für Islamfeindlichkeit

Wolfgang Benz : „2000 Jahre lang waren die Christen bemüht, den Juden das Leben so schwer wie irgend möglich zu machen, möglichst viele auszurotten. Und dann anschließend, weil es den neue Feind, die Muslime, gibt, nimmt man die Juden mit ins Boot.“ Foto: wr.

Die RIAS-Meldestellen stoßen allerdings auch auf Kritik. Neben den mittlerweile üblichen judenfeindlichen Statements, die dazu im Internet grassieren, bezweifelt auch der renommierte Antisemitismus-Forscher Prof. Wolfgang Benz den Sinn von Meldestellen. Benz in einem Zeitungsinterview Anfang Februar: „Wer schult die Leute die zum Telefonhörer greifen (…) Wenn es eine Meldestelle gibt, gibt es auch viele Meldungen.“ Eine Meldestelle habe „etwas Denunziatorisches“, meinte Benz. Stattdessen sieht der ehemalige Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung bei antisemitischen Vorfällen die alleinige Zuständigkeit bei der Polizei. Auf Nachfrage unserer Redaktion wiederholte Benz seine Kritik.

Darüber hinaus wünscht sich Benz neben dem bereits existierenden Antisemitismus-Beauftragten einen für Islamfeindlichkeit. „Denn erheblich mehr Muslime als Juden erleben Beleidigungen und Diskriminierung im Alltag.“

Auf die Kritik von Benz angesprochen, betonte der RIAS-Projektleiter Benjamin Steinitz gegenüber regensburg-digital, dass  die Meldestellen auch kostenlose Beratungen vermitteln und die zivilgesellschaftlichen Dokumentationen insbesondere die nicht strafrechtlich relevanten „Alltagserfahrungen von Betroffenen sichtbar machen und die polizeilichen Statistiken über antisemitische Straftaten ergänzen“ können. Die Arbeit der Meldestellen werde „unter anderem vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien wissenschaftlich begleitet“ und könne dabei wichtige Informationen und Erkenntnisse liefern, gerade wenn  „viele Juden und Jüdinnen aus ganz unterschiedlichen Gründen auch bei Straftaten die Polizei nicht informieren“.

„…weil es den neuen Feind, die Muslime, gibt, nimmt man die Juden mit ins Boot.“

Dass der Kampf gegen Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen ein offenbar nicht enden wollender ist, verdeutlichte Wolfgang Benz in Regensburg am Donnerstag in seinem gekonnt vorgetragenen Referat zu Metamorphosen der Judenfeindschaft. Benz ging hierbei auf vier Aspekte näher ein. Auf den über Jahrhunderte andauernden und wachsenden christlichen Antijudaismus, folgte Benz zufolge der im 19. Jahrhundert entstandene moderne Antisemitismus, der „rassistisch argumentierte und in der Shoah gipfelte.“ Nach 1945 ist mit dem „sekundären Antisemitismus“, so Benz, eine neue Form der Judenfeindschaft entstanden, die sich unter anderem an Restitutionsleistungen für Israel und Überlebende der Shoah festmacht. Oder als politische Manifestation gegen den Staat Israel ausdrücken kann. Dieser sekundäre Antisemitsmus sei nicht trotz, sondern wegen Auschwitz entstanden. Als vierte Form ging Benz auf den sogenannten muslimischen Antisemitismus ansatzweise ein.

Mit beeindruckender Gelassenheit erwiderte Benz im vollbesetzen Regensburger Runtingersaal auf Co-Referate, bedenkliche Erklärungsmodelle für Antisemitismus und Wortmeldungen aus dem Publikum, die ihrerseits auf antisemitischen Stereotypen beruhen. So wies Benz etwa die Erklärung, dass die aus Neid resultierende Reaktion von Christen auf reiche oder zum Wohlstand aufstrebende Juden Ende des 19.Jahrhundert ja doch verständlich und nachvollziehbar sei, als ressentimentbehaftetes Denken zurück, das arme Juden nicht zur Kenntnis nehmen könne.

Kunst  des christlichen Abendlands um 1758. Das 2015 frisch restaurierte Fresko der Kassianskirche zeigt die Vertreibung von angeblich ritualmordenden Juden 1519 als „Befreiung“. Foto: wr.

Die instrumentalisierende Rede vom „christlich-jüdischen Abendland“ (die gerade in der Partei der CSU-Ministerin Schreyer und im Regensburger Bistum verbreitetet ist) betrachtet Wolfgang Benz als Kampfbegriff für eine „antimuslimische Politik“. In dem bereits erwähnten Interview im Badischen Tagblatt bezeichnete Benz diese Formel als eine grob fahrlässige Geschichtsklitterung. Benz: „2000 Jahre lang waren die Christen bemüht, den Juden das Leben so schwer wie irgendmöglich zu machen, möglichst viele auszurotten. Und dann anschließend, weil es den neuen Feind, die Muslime, gibt, nimmt man die Juden mit ins Boot.“ Das sei unredlich, so Benz.

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Kommentare (17)

  • Juergen Hafner

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    Es ist eigentlich sehr Schade, dass Teile der Menschheit nicht miteinander auskommen können. Ob hier zusätzliche Meldestellen in welcher Art auch immer geeignet sind, ist jedoch sehr fragwürdig.

  • Eingeborener

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    Richtig,erst so ca 1000 Jahre Bekämpfung bis Ausrottung alles jüdischen, und dann von ,jüdisch-christlichem Abendland‘ zu schwafeln, das ist schlimme vertuschung.
    Wie immer ist jede Aufklärung besser als repression: also zB juden und Muslime stellen sich in der schule vor. Ich habe aktuell selten hetze gegen juden ,aber viel hetze gegen Muslime gehört.
    Der Staat Israel ist kraft definition in seiner Verfassung ,der Nationalstat der Juden‘ ,also bei 20 % araberanteil ( nicht von denen zu reden, die in Flüchtlingslagern um Israel herum hausen) ein apartheidstaat.das sieht auch die nichtzionistische jüdische Opposition so.die Regierungszusammensetzung ist nach unseren Maßstäben rechtsextremistisch bis klerikalfaschistisch. Wer kritik an der Politik eines apartheidstaats mit Antisemitismus gleichsetzt, verfolgt keine demokraTischen ziele.

  • Piedro

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    Die Floskel christlich-jüdisches Abendland geht mir sowas von auf die Nerven… Unsere europäischen Gesellschaften sind von der Aufklärung geprägt, und die musste sich erst gegen das durchsetzen, was die Kirchen als Christentum definierten. An dieser Aufklärung waren auch Denker jüdischer Abstammung beteiligt, aber die haben ihre Gedanken nicht aus der Thora abgeleitet.

    Wäre das „Abendland“ tatsächlich christlich (und nicht nur mehrheitlich von Christen bevölkert), wären Nächstenliebe und Vergebung die Grundfesten unserer Gesellschaften. Das kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

    „Darüber hinaus könne auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“
    Wenn es darum geht, Israel und seine Bewohner vernichten zu wollen, was einige Matschbirnen ja auf der Agenda haben: ja. Wenn aber, wie in manchen Kreisen üblich, jegliche Kritik an diesem Staat, der sich regelmäßig am Völkerrecht vergeht, Kinder tötet und interniert (da gibt es unsägliche Abscheulichkeiten, die weit abseits von Menschenrechten und sogar dem israelischen Recht begangen werden) als antisemitisch zu brandmarken wird sich diese Meldestelle instrumentalisieren lassen.

    „Darüber hinaus wünscht sich Benz neben dem bereits existierenden Antisemitismus-Beauftragten einen für Islamfeindlichkeit. „Denn erheblich mehr Muslime als Juden erleben Beleidigungen und Diskriminierung im Alltag.“
    Das ist richtig, angefangen mit der regelmäßigen wiederkehrenden Floskel der Islam gehöre nicht zu Deutschland, zu der sich auch Minister schamlos erblöden.

    Warum kann eine Meldestelle nicht beide Bereiche abdecken um aufzuzeigen, welches Ausmaß der Hass gegen Menschen dieses Glaubens, respektive dieser Abstammung hat? Schließlich sind viele Muslime ebenfalls Semiten. Der Begriff leitet sich von Stamm der Sprache ab, nicht von irgendeiner Volks- oder Stammeszugehörigkeit.

    Wikipedia sagt dazu:
    „Semitische Sprachen sprechen insbesondere Araber, Israelis, Aramäer, Malteser sowie mehrere Sprachgruppen in Äthiopien und Eritrea. Der Sammelbegriff „Semiten“ als Bezeichnung einer Völkerfamilie gilt inzwischen als ungenau und überholt, insbesondere auch aufgrund seiner Verwendung in rassistischen Kontexten.“

    Und doch sollen nur Juden betreffende Anfeindungen erfasst werden? Warum? Um nur einen Teil dieses gesellschaftlichen Problems aufzuzeigen? Warum?

  • joey

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    @Piedro
    Richtig, es geht um Judenfeindlichkeit, nicht um Antisemitismus. so gut wie nie hat jemand Jagd auf Araber oder Äthiopier gemacht, immer wieder auf Juden.

    Das Abendland wurde von Heinrich August Winkler ausgehend vom römischen Recht (des Individuums) als „lateinisch“, als „Westen“ definiert: systemische Trennung von Staat und Religion.
    Das Abendland ist westchristlich und jüdisch, weil diese Religionen zur Aufklärung geführt haben. Der Grad der Aufklärung kann vereinfacht an Rechten für Frauen und für Sexualität gemessen werden. Die Aufklärung dauert immer noch an, erstreckt sich aber vorwiegend auf „westliche Gesellschaften“. Im späten 20. Jhdt wird der Begriff immer weniger geografisch.
    Es ist aber auch ohne Winkler sichtbar, daß die Aufklärung in der orthodoxen Christenheit und im Islam nach wie vor wenig wirkt. Inwieweit Israel nun zum Westen gehört, ist differenziert zu betrachten. Denn nicht Christentum und Judentum sind der Westen, sondern die Aufklärung ausgehend von… Ein Staat, der besondere Rechte und Vorteile den Angehörigen einer (Staats-) Religion gibt, ist eben nicht westlich, siehe Trennung von Religion und Staat. Trotzdem gibt es in Israel deutlich mehr Rechtsstaat als umliegend.

    Ich bin auch der Meinung, daß (Religions-) Kritik am Judentum, aber auch am Islam oft zu einfach als „Feindlichkeit“ bezeichnet wird. Es gibt auch Feindlichkeit: Schmierereien und Beschimpfungen sind keine Kritik.
    Als Mensch des Westens kann ich aber beispielsweise keine Knabenbeschneidung akzeptieren, ob das nun islamischer Brauch oder fundamentaler Inhalt des orthodoxen Judentums ist. Diese Diskussion wurde aber vom ZdJ (Dieter Graumann) als judenfeindlich abgewürgt.
    https://www.youtube.com/watch?v=rWcRQ8Bl_3w
    Das war keine argumentative Lösung. Mit Basta kommt man nicht mehr denn wir sind im Abendland.

  • Piedro

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    @joey
    „Richtig, es geht um Judenfeindlichkeit, nicht um Antisemitismus. so gut wie nie hat jemand Jagd auf Araber oder Äthiopier gemacht, immer wieder auf Juden.“
    Geschichtlich gesehen mag das stimmen, aber es geht nicht nur darum wer gejagt und durch die Straßen gehetzt wurde – obwohl das in letzter Zeit auch mehr Moslems als Juden betroffen hat. Es geht auch um Beleidigung, Ausgrenzung, rassistische Ausgrenzung, das ist dem Text zu entnehmen, und wer bestreitet, dass Moslems (darunter auch Araber und Perser, aber es reicht dafür ein Kopftuch zu tragen, den „falschen“ Namen zu haben oder eine Moschee zu besuchen) in der jüngeren Vergangenheit massiv unter Anfeindungen dieser Art zu leiden haben, der ist vermutlich nicht minderinformiert, sondern lügt bewusst und mit Absicht.

    „Das Abendland ist westchristlich und jüdisch, weil diese Religionen zur Aufklärung geführt haben.“
    Aber sicher. Das Verbrennen von „Ketzern“ hat zur Aufklärung geführt, das Vernichten von Büchern war aufklärerisch motiviert, Galileo hatte Probleme, weil die Kirche um Aufklärung bemüht war. Weia! Bis heute argumentieren Kleriker antiaufklärerisch wenn es um Homosexualität geht, um die Freiheit eine Ehe zu scheiden, sprechen sich gegen vorehelichen Geschlechtsverkehr oder das Zusammenleben von Mann und Frau (von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften mal gar nicht zu sprechen) ohne den Segen eines Priesters auf. Wenn irgendwas nicht zur Aufklärung beigetragen hat, dann die Religionen, weil sich die Aufklärung gegen die Religionen erst durchsetzen musste. Daran ändern auch die Definitionen des Herrn Winkler nichts, die eh nichts mit dem Thema zu tun hat.

    „Die Aufklärung dauert immer noch an, erstreckt sich aber vorwiegend auf „westliche Gesellschaften“.
    Allerdings. Und die Unterscheidung zwischen antisemitischen Handlung gegenüber Juden oder Moslems, um die einen zu erfassen und die anderen nicht, trägt dazu nicht bei.

    „Es ist aber auch ohne Winkler sichtbar, daß die Aufklärung in der orthodoxen Christenheit und im Islam nach wie vor wenig wirkt.“
    Richtig. Und man muss sich nicht vormachen, dass die Religionen heute aufgeklärt sind. Die lutheranischen schon eher, aber der Katholozismus ist davon noch immer weit entfernt. Frauen werden von geistlichen Ämtern ausgeschlossen, Wiederverheiratete verlieren kirchliche Arbeitsplätze, Bischöfe verbiegen sich in alle Richtungen gleichzeitig um sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen nicht bis ins Letzte zu ermitteln und die Täter den Gerichten zuzuführen. Halten Sie das wirklich für aufgeklärt? Oder zählen sie die katholische Kirche zu den orthodoxen?

    „Trotzdem gibt es in Israel deutlich mehr Rechtsstaat als umliegend.“
    Nicht für alle Bewohner, und nicht für die Bewohner der Nachbarländer. Auch nicht für Schiffsbesatzungen anderer Nationen, deren Kurs dem Staatschef missfällt.

    „Ich bin auch der Meinung, daß (Religions-) Kritik am Judentum, aber auch am Islam oft zu einfach als „Feindlichkeit“ bezeichnet wird.“
    Stimmt. Von beiden Seiten. Aber bei der Meldestelle geht es nicht um Kritik, sondern um Anfeindungen und Angriffe und um Ausgrenzung, wenigstens einer der betroffenen Gruppen.

    Und ein Dieter Graumann kann bei uns gar nichts abwürgen, in der Position ist er nicht. Er kann, wie andere auch, lediglich seinen Standpunkt kommunizieren. Sie implizieren, „die Juden“ hätten die Macht unsere Politik zu bestimmen, wenn sie so was schreiben.

    „Mit Basta kommt man nicht mehr denn wir sind im Abendland.“
    DER war gut! Meinen Sie das wirklich so? Gehört Ungarn nicht zum Abendland? Und Polen? Was ist mit Italien? Und – themenübergreifend – mit der AfD, die ausgesprochen unaufgeklärt argumentiert, fordert und agiert, um ihre Basta-Position zu halten?

  • Lothgaßler

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    Der interessante Aspekt ist doch, dass die Auseinandersetzung mit Juden/ Judentum immer in einer Diskussion um den Staat Israel und einer sich hier in Deutschland unsichtbar machenden Gruppe Mitbürger mündet.
    Kritik an der Realpolitik des Staates Israel ist überwiegend Kritik an seinen politischen Köpfen und deren Treiben und wird geführt auf Basis jener Informationen, die wir hier in Deutschland zu lesen, sehen und hören bekommen. Ich verstehe hebräisch und arabisch weder in Wort noch in Schrift, somit fehlt mir der Zugang zu den Primärquellen. Was wir aus dieser Region mitbekommen dreht sich zumeist um Gewalt, Unrecht, Perspektivlosigkeit, reliösen Eiferertum und alle paar Jahre um kriegerische Handlungen. Das ist sicher ein verzerrtes Bild. Nachdem die führenden politischen Köpfe seit Jahrzehnten keinen Frieden in unserem Verständnis schaffen können, bleibt alleine die Hoffnung auf die Zivilgesellschaften in den Ländern dieser Region, d.h. in deren Willen zur guten Nachbarschaft und der Erkenntnis, dass Wohlstand Frieden schafft. Gründet eine Freihandelszone „Levante“, ein Versuch wäre es wert!
    In Regensburg, Bayern und Deutschland erkenne ich überhaupt keine Gewalt, die von Bürgern jüdischen Glaubens ausgehen würde, somit keinerlei Rechtfertigung für Gegengewalt. Nachdem jüdisches Leben sich bei uns regelrecht versteckt bzw. mit Schutz- und Sicherheitstechnik umgibt, stellt sich doch die Frage nach dem WARUM! Einerseits müssen Juden den Mut fassen öffentlich in der Gesellschaft präsent zu sein (sofern sie das wollen), andererseits müssen Gewalttaten gegen Juden als Straftaten sofort geahndet werden und unsere Zivilgesellschaft muss dergleichen Angriffe melden/anzeigen um sich nicht mit den Tätern gemein zu machen. Irgendwelche Bezüge auf religiöses oder nationalsozialistisches Gedankengut können sich nicht strafmildernd auswirken. Die Realpolitik des Staates Israel kann hier bei uns keine Rolle spielen und keinerlei Gewalt rechtfertigen. Das bedeutet nicht, dass die Realpolitik Israels nicht kritisiert werden darf, die Frage ist nur, wie das geschieht und welche Absicht verfolgt wird.
    Gewalt gegen Muslime ist genauso zu verurteilen. Ich hoffe andere Gruppen leben in Frieden miteinander. Dazu schließt sogar ein Atheist wie ich mit AMEN!

  • joey

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    @piedro
    Nicht die Kirchen haben die Aufklärung aktiv betrieben, die Aufklärung kommt aber aus dem Rechts- und Moralsystem. Das gilt auch für das Judentum.

    Weniger Schaum…

  • Piedro

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    @Lothgaßler
    „Der interessante Aspekt ist doch, dass die Auseinandersetzung mit Juden/ Judentum immer in einer Diskussion um den Staat Israel und einer sich hier in Deutschland unsichtbar machenden Gruppe Mitbürger mündet.“
    Ist das so? Ich habe lediglich einen Satz aus dem Artikel kommentiert. joey hat Israel nur kurz in den Kontext zur Entwicklung der Aufklärung in den Nachbarländern gestellt.

    „Die Realpolitik des Staates Israel kann hier bei uns keine Rolle spielen und keinerlei Gewalt rechtfertigen.“
    Natürlich spielt sie eine Rolle wenn hier Menschen leben, deren Angehörige oder Völker von Aggression betroffen sind. Und sie spielt natürlich eine Rolle bei Protesten gegen kriegerische und/oder völkerrechtswidrige Handlungen dieses Staates, die, gewaltfrei, durchaus legitim sind.

    „Gewalt gegen Muslime ist genauso zu verurteilen. Ich hoffe andere Gruppen leben in Frieden miteinander. Dazu schließt sogar ein Atheist wie ich mit AMEN!“
    Auch bei uns leben Moslems und Juden in Frieden, genau wie Christen, Hindus etc. Es sind ja nicht alle Moslems und nicht alle Juden religiöse Eiferer. Seitens der jüdischen Gemeinde wurde schon manche Lanze gegen Angriffe und Ausgrenzung von Moslems und ihres Glaubens gebrochen.

    @joey
    „Nicht die Kirchen haben die Aufklärung aktiv betrieben, die Aufklärung kommt aber aus dem Rechts- und Moralsystem. Das gilt auch für das Judentum.

    Weniger Schaum…“
    Was Sie in meinen Beiträgen manchmal wahrnehmen ist für mich erstaunlich. Ich schäumte nicht bei diesem Beitrag, sondern habe mich sachlich mit Ihrer Aussage beschäftigt. So auch mit Ihrer nächsten.

    „…die Aufklärung kommt aber aus dem Rechts- und Moralsystem. Das gilt auch für das Judentum.“
    Was das Judentum angeht kann ich da wenig sagen, aber meines Wissens waren die jüdisch stämmigen Philosophen der Aufklärung keine religiösen Menschen. Da kann ich mich irren und lasse mich sehr gern korrigieren.

    Das Denken der Aufklärung auf das Rechts- und Moralsystem der Religionen zurück zu führen ist allerdings handfest albern. Die Kirche hat den Feudalismus gestützt, als gottgegebene Ordnung. Sie hat sich gegen das Verbot von Kastration ausgesprochen, um jubilierende Sänger zu erhalten, weil das dem Lob Gottes diente. Sie hat alles getan um auch ihre weltliche Macht zu erhalten, und in D-Land ist ihr das wunderbar gelungen, sie kassiert bis heute Entschädigungen und sind bis heute der größte Grundbesitzer. Und das Moralsystem der katholischen Kirche hat ganz genau gar nichts mit Aufklärung zu tun, und ebenso wenig basiert diese auf dieser Moral. Ausgrenzung von Frauen, Ausgrenzung von Homosexuellen, um nur zwei Beispiele zu nennen, waren niemals Basis der Aufklärung. Auch die Nächstenliebe kam da nicht zum Tragen, es ging immer nur um Vernunft. DAS ist das Wesen der Aufklärung. Die Vernunft folgend wurde die Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt – ein klarer Bruch mit dem Rechts- und Moralverständnis der katholischen Kirche. Der Vernunft folgend wurde auch die Religionsfreiheit proklamiert (ein Religionsverbot war damals nicht denkbar), allerdings nur im Hinblick auf das Individuum, nicht auf irgendeine Lehre oder eine Institution. Aufklärung hat religiösem Rechtsverständnis oder Moral nichts zu tun, gar nichts, sie hat sich darüber erhoben um dem Menschen die Freiheit zuzusprechen, die Religionen ihnen nicht gewährten.

  • joey

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    @piedro
    verwechseln Sie nicht formalen Kirchenbesuch mit kulturell philosophischer Heimat.
    Die Aufklärung ist weitgehend regional begrenzt: Westeuropa und Amerika, dem „Abendland“. Heinrich August Winkler sieht da eine Auffälligkeit.

  • Piedro

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    @joey
    „verwechseln Sie nicht formalen Kirchenbesuch mit kulturell philosophischer Heimat.“

    Sie sprachen von Religion, ich verwies auf die organisierte Form der Religion, der Kirche. Seinerzeit waren Kirchenbesuche auch weit weniger formal als heute, die Angst vor der Verdammnis der Sünder, denen erst der Priester, dann der Gott nicht vergab, war wesentlich ausgeprägter. Auf dieser Angst beruhte die Macht der Kirche und sie wurde lebendig gehalten so gut und so lange es ging.

    Jede Neuerung ist erst regional begrenzt und breitet sich dann aus, die Idee der Menschenrechte und andere, aufklärerische Ideen sind heute jedoch weltweit präsent, auch, wenn sie sich noch nicht überall durchgesetzt haben oder, auch in Europa und Amerika, an Bedeutung verlieren wenn es im politischen Interesse ist.

    Aber im Artikel geht es nicht um die Aufklärung, wir sollten zum Thema zurück kehren ehe unser Disput endlos wird. Auf meine Argumente gehen Sie eh höchstens am Rande ein, so haben Sie zB noch kein Beispiel für die religiöse Moral gegeben, auf der die Aufklärung beruhen soll.

  • Mr. T.

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    Ich bin mir nicht ganz sicher, was sich manche hier unter „Aufklärung“ vorstellen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass diese Aufklärung bislang maximal angestoßen wurde, aber auf gar keinen Fall erfolgt oder gar abgeschlossen ist. Bislang war das nichts anderes als ein Versuch, das Christentum halbwegs mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen, damit der Unsinn dieser Weltanschauung nicht gleich den Dümmsten komplett ins Zweifeln bringt. Man sieht ja schön, wie sich weniger aufgeklärte Christen weit übers lächerliche hinaus verbiegen, um zum Beispiel ihr Alter der Erde von 6k Jahren mit Relikten aus Millionen von Jahren Erdgeschichte zusammenzureimen.

    Meine Meinung zum „christlich-jüdischen Abendland“ hat Wolfgang Benz schon 1:1 wiedergegeben. Es ist erstaunlich wie die Christen ihre 2000-jährige Tradition der Judenvernichtung sowas von komplett vergessen haben, nachdem der letzte Versuch durch das Joint Venture mit den Nazis nicht endgültig gelungen ist. Obwohl sie doch sonst so an ihren Traditionen festhalten. Vielleicht eine der wenigen Errungenschaften der Aufklärung.

  • Lothgaßler

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    @Piedro:
    Oh doch, natürlich wird Realpolitik des Staates Israel auf Bekennende des jüdischen Glaubens übertragen, gleichgültig in welchem Land diese Bürger sind bzw. sich gerade aufhalten. Das passierte hier in den Kommentaren und das passiert auf den Straßen. Auch der Artikel oben erwähnt, dass Gewalt mit Bezug auf Israel zum Aufgabenbereich der Meldestelle gehört (im Sinne von sammeln und dokumentieren), eben wegen dieser unsinnigen Gleichstellung Jude = Israel und umgekehrt. Dahinter verbergen sich allzuoft Verallgemeinerungen und vermeintliche Entschuldigungen für Gewalt gegen Juden. Genau das kennzeichnet Antisemitismus (der Jude = …). Und natürlich rechtfertigt die Realpolitik des Staates Israel keine wie auch immer gearteten Gewalttaten in Deutschland. Das hier ist Deutschland und jeder Bürger und Gast/ Tourist hat ein Anrecht darauf nicht mit Gewalt bedroht zu werden, nur weil er/sie Jude, Muslim, Christ oder Atheist ist. Legitimer Protest muss konkret werden kann sich nicht allgemein gegen etwas richten und dann irgendjemanden in Geiselhaft nehmen bzw. zum Sündenbock erklären.
    Wir können von Deutschland und Europa aus die Probleme in der Weltregion um Israel herum nicht lösen, das zeigen die letzten Jahrzehnte. Die Politik Deutschlands ist gefangen in seiner Geschichte und wird nichts bewegen können. Irgendwann wird den Menschen dort hoffentlich der Krieg und die Gewalt zum Halse raus hängen und die fehlende Alternative zu gut nachbarschaftlichen Beziehungen erkannt werden. Ich hoffe auf die Jugend, die irgendwann die Heldengeschichten der Alten nicht mehr hören und ihre eigene Geschichte schreiben wollen. Es kann eigentlich nur besser werden.
    Und genau hier kann Deutschland und Europa helfen: Indem durch die hiesigen Verhältnisse ein friedliches und für alle Seiten vorteilhaftes Zusammenleben ermöglicht wird, somit erkannt wird, dass funktionierende Staaten und die Realpolitik vor Ort entscheiden über gutes oder schlechtes Leben.

  • Piedro

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    @Lothgaßler
    „Oh doch, natürlich wird Realpolitik des Staates Israel auf Bekennende des jüdischen Glaubens übertragen, gleichgültig in welchem Land diese Bürger sind bzw. sich gerade aufhalten. “
    Sagen wir so: es gibt Menschen die das tun, es gibt aber auch Menschen, die da zu unterscheiden wissen. Ich hoffe letztere sind in der Mehrheit. Was jedoch nichts daran ändert, dass Kritik am Staat gern als antisemitisch gebrandmarkt wird.

    „Die Politik Deutschlands ist gefangen in seiner Geschichte und wird nichts bewegen können.“
    Das sehe ich anders. Mit etwas Mühe könnte ich auch Beispiele dafür finden, dass deutsche Politik die israelische kritisiert, aber dafür bleibt mir jetzt keine Zeit.

    „Und genau hier kann Deutschland und Europa helfen: Indem durch die hiesigen Verhältnisse ein friedliches und für alle Seiten vorteilhaftes Zusammenleben ermöglicht wird, somit erkannt wird, dass funktionierende Staaten und die Realpolitik vor Ort entscheiden über gutes oder schlechtes Leben.“
    Dazu soll diese Meldestelle beitragen, in dem das Problem sichtbar und fassbar wird. Deshalb erscheint es mir unzureichend die Funktion auf Menschen jüdischer Abstammung oder jüdischen Glaubens zu begrenzen, während Anfeindungen anderer Gruppen außen vor bleiben. Was spricht dagegen alle rassistischen Anfeindungen zu dokumentieren, zumal Moslems in letzter Zeit mindestens so betroffen sind? Ist das ein geringeres Problem, ein weniger interessantes, eines, das man nicht deutlicher erkennbar machen will? Oder sorgt man sich wegen antijüdischer Anfeindungen mehr, weil das dem D-Land-Image (vermeintlich) mehr schadet?

  • Maria

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    Die Debatte um die im (christlichen) Abendland angeblich entstandene oder gelungene Aufklärung finde ich befremdlich. Zur Erinnerung: Diese viel gerühmte Aufklärung hat die historisch beispiellose Vernichtung von Juden, Sinti + Roma und sogenannten „Lebensunwerten“ (und solchen die jeweils dazu gemacht wurden) im Nationalsozialismus keinesfalls verhindert, eher schon untätig hingenommen und manchmal sogar begründet. Die übergroße Mehrzahl der Deutschen (aus dem D-Land, das gerne mal als Musterland dieser Aufklärung angepriesen wird) und ihre abendländischen Helfer wollten ein rassisch-strukturiertes Europa der Herrenvölker aufbauen. Ohne Juden versteht sich. Dies ist (zugegeben etwas verkürzt) der historische Hintergrund für die oben genannte Meldestelle, die offenbar notwendig ist, weil von Betroffenen gewünscht.

    Ich fände es gut und richtig, wenn es weitere Meldestellen für rassistische Angriffe aller Art gäbe – unabhängig davon, welcher Religion oder Gottesvorstellung die Betroffenen angehören. Ob das Melden und Auswerten von Übergriffen, das Sichtbarmachen, allein schon eine Veränderung der Verhältnisse ermöglicht?

    Jene, die mit Herzblut verteidigen, Israel kritisieren zu dürfen/müssen, sollten mal darüber nachdenken, warum ihnen dieser Impuls bei anderen Staaten fehlt – etwa bei Saudi-Arabien, Iran, Jemen, Russland, Türkei, Deutschland, Venezuela, Nicaragua, USA…
    Über die eigenen Ressentiments (so tatsächlich vorhanden) nachzudenken, ist alles andere als einfach – gerade wenn man im Land der Täter, im Land der Witze über Judenvernichtung aufwächst.

  • Roland Hornung

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    @ Maria

    Ich kann Ihnen nur voll zustimmen!

  • Piedro

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    @Maria
    „Die übergroße Mehrzahl der Deutschen (aus dem D-Land, das gerne mal als Musterland dieser Aufklärung angepriesen wird) und ihre abendländischen Helfer wollten ein rassisch-strukturiertes Europa der Herrenvölker aufbauen.“
    Das sehe ich nicht, auch, wenn diese Klientel die meiste Aufmerksam generiert ist eine Minderheit. Andernfalls würde die AfD bei der nächsten Wahl den Kanzler mit absoluter Mehrheit stellen.

    „Ich fände es gut und richtig, wenn es weitere Meldestellen für rassistische Angriffe aller Art gäbe – unabhängig davon, welcher Religion oder Gottesvorstellung die Betroffenen angehören.“
    Und warum weitere, warum nicht eine gemeinsame, die das Problem insgesamt aufgreift und sich nicht auf eine Gruppe beschränkt?

    „Ob das Melden und Auswerten von Übergriffen, das Sichtbarmachen, allein schon eine Veränderung der Verhältnisse ermöglicht?“
    Natürlich nicht. Da ist viel mehr gefragt und gefordert. Zum Beispiel Gegenwind, Zivilcourage wo immer Hetzer, Relativierer, Alltagsrassisten das Maul aufmachen. Ich hatte da letztens ein Erlebnis an der Tankstelle, die gute Frau konnte gar nicht fassen dass ich ihr in die Parade gefahren bin als sie dem kurdischen Kassierer, geboren und aufgewachsen in D-Land, der ihr zu langsam war, fragte ob man arabisch sprechen müsse um verstanden zu werden.

    „Jene, die mit Herzblut verteidigen, Israel kritisieren zu dürfen/müssen, sollten mal darüber nachdenken, warum ihnen dieser Impuls bei anderen Staaten fehlt…“
    Warum unterstellen Sie pauschal, dass dem so ist? Sicher gibt es auch Personen, für die Israel ein rotes Tuch ist, nur weil dieser Staat existiert, aber ich denke die meisten Kritiker der israelischen Politik (von der Wassernutzung bis zur Internierung von Jugendlichen ohne Gerichtsbeschluss) sprechen sich grundsätzlich gegen Regierungen und Regime aus, die totalitär, völkerrechtswidrig und kriegerisch agieren. Von der Kritik ist keines der von Ihnen gelisteten Länder ausgenommen.

  • Piedro

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    @Roland Hornung
    Die Aufklärung hat zur Proklamation der Menschenrechte geführt, das Feudalsystem beendet, die Rechtsstaatlichkeit durchgesetzt. Dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist bestreitet niemand, und das aufgeklärtes Denken aktuell bedroht und angegriffen wird auch nicht. Diese Meldestelle ist eine Konsequenz daraus. Eine unzureichende, wenn es um die Beseitigung des Problems zu erreichen, aber im Sinne der Aufklärung ein weiterer Schritt um der Vernunft Fakten zugänglich zu machen. Weitere Schritte sind nötig und werden gemacht, wenn aufgeklärte, vernünftige Menschen sie mehrheitlich einfordern.

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