SOZIALES SCHAUFENSTER

Domdult schließt

Oans, zwoa, zamgsuffa!

Nach Kritik, schlechtem Wetter und roten Zahlen: Der „Biergarten am Dom“ macht nach anderthalb Monaten schon zu. Damit stirbt auch ein kleines Stück bayerische Tradition. Eine Hommage.

Ein Stück bayerische Heimat stirbt. Foto: om

Die Nachricht bricht zahlreiche Lebkuchenherzen. Das liebevoll dekorierte Gehege für Dult-Fans am Domplatz wird geschlossen. Das teilten die Veranstalter der Domdult Alfred Glöckl (der regensburger), Peter Artmann und Otto Maier am Dienstag via Pressemitteilung mit.

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Zu den Gründen heißt es, dass der „Erwartungsdruck der Gäste hinsichtlich einer ausgelassenen Volksfest-Stimmung“ nicht zu erfüllen gewesen sei. Zicke Zacke, Zicke Zacke; hoch die Röcke, rein die Pflöcke – die Domdult musste ohne traditionelles Liedgut auskommen. Außerdem wollen sich die Betreiber „der Kritik an Platzierung, Aufbau und Gestaltung“ von verschiedenen Seiten „nicht länger aussetzen“.

Schaschlik mit Pommes frites – eine bayerische Spezialität

Aus und vorbei ist es mit Gemütlichkeit, Griabigkeit und Zünftigkeit. Erst vor knapp einem Monat haben „die drei Traditionsunternehmen“ in traditioneller Traditionstracht die Fässer von gleich drei traditionellen Regensburger Brauereien anzapfen lassen. Samt drei Mal dreißig Liter Freibier. Sichtschutztransparente am Bauzaun verhießen auf aufgemalten Lebkuchenherzeln „Da samma dabei“, „fesche Burschen, schicke Madeln“ und „a Riesen Gaudi!“ in diesem Refugium bayerischer Lebensart.

Fortan werden hier keine „bayerischen Spezialitäten“ mehr serviert. Foto: om

Der Biergarten oder einfach „Dult am Dom“ oder einfach nur „Dom“ wie ihn die „Drei vom Dom“ nennen, wartete unter anderem mit Bier, Wein, Brotzeitbrettl und „bayerische[n] Spezialitäten nach traditionellen Hausrezepten“ wie „Ochsenfetzen vom Rib Eye“ oder „Schaschlik mit Pommes frites“ auf. Mehr Tradition geht kaum.

Alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft = ein Spiel

Auch „ALLE Spiele“ der (deutschen) Nationalmannschaft sollten ab dem Gruppenfinale der EM gezeigt werden. „Kommt also vorbei und genießt ein Stück bayerischer Tradition und die Spiele unserer National11 im Schatten des Doms,“ heißt es auf Facebookseite der Betreiber. Dass der Dom seinen Schatten freilich nur allzu selten auf seine Südseite wirft, ist dabei nur eine physikalische Nebensache, die der Symbolkraft des zünftigen Brauchtums allerdings noch nie etwas anhaben konnte.

Schlimmer ist, dass der Fußballgott nicht mitspielte und letztlich nur ein Spiel (Deutschland gegen Ungarn) gezeigt werden konnte. Das Achtelfinale England gegen Deutschland fiel ins Wasser. Der kleine Fleck unserer weiß-blauen Heimat musste wetterbedingt schließen. Ja, auch der traditionelle bayerische „Wettergott“ (die Drei vom Dom) spielte teilweise mehrere Tage in Folge nicht mit.

Es hat letztlich nicht sollen sein. Statt am 3. Oktober macht das Bier-Gehege schon jetzt dicht. Die erhoffte Festsstimmung stellte sich nicht ein. Die heilige Dultdreifaltigkeit aus Besoffenen, Erbrochenem und Schlägereien blieb diesen paar Quadratmetern Bayerland direkt an der Regensburger Kathedrale leider fern. Ebenso schwarze Zahlen, wie Fischbrater Maier gegenüber der MZ verriet.

„Kopfschüttelnd-ratlos“ über „Verhau“

Dompost, Domdult, Domplatz, Dom. Der Kini hat alles im Blick. Foto: om

Gerade die namensgebende Domnähe brachte schon bald Nörgler auf den Plan. Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak etwa schimpft in einem Offenen Brief an die Oberbürgermeisterin: „Hier wurde ohne jegliche Sensibilität für den Kern unseres Welterbes ein Verhau an Containern, Toilettenhäuschen, Versorgungseinrichtungen, grellen mannshohen Sichtwänden mit Werbeaufdrucken aufgerichtet.“ Der Blick „auf das Hauptobjekt des Welterbes“ (der Dom) von der Südseite des Platzes werde von den Dreien vom Dom „völlig beeinträchtigt,“ so Chrobak. Die Statue von König Ludwig I. sei zudem unwürdig verstellt.

Auch Professor Peter Morsbach und Professor Achim Hubel vom Vorstand der Altstadtfreunde lässt die Domdult „kopfschüttelnd-ratlos“ zurück. Sie beklagen einen „wahren Verhau aus Bänken, Theken, Toiletten, Leitungen, Beleuchtungsmasten, grell-bunter Werbebanner und Containern, die sich dicht um das Reiterstandbild drängen.“ Der Domplatz, der Dom und andere Bauwerke würden „völlig“ missachtet. Der „Pseudo-Biergarten“ sei eine „fortwährende Zumutung für die Menschen in Regensburg“. Einer Welterbestadt sei „dies völlig unangemessen!“

Der Kini bewacht die Lagerbestände

Das stimmt so natürlich nicht. Kirchenschiff und das Baugerüst am Südturm sind trotz des eingezäunten Mini-Bayern deutlich sichtbar. Auch der mittlerweile schon selbst Welterbe gewordene Blech- und Holzverschlag unter dem Domturm kann durch Gitter, Container, Schirme, Zelte, Holzzaunattrappen und kleine Buchsbaum-Stämmchen hindurch gelegentlich erspäht werden. Außerdem ist der Dom eh teilweise auch auf den „grell-bunten Werbebannern“ der Drei vom Dom abgebildet. Ohne Gerüst.

Dom ist auf Werbebanner schöner als im Original. Foto: om

Was die Integrierung des Reiterstandbildes in dieses bayerische Kleinod angeht, so muss man den Kritikern vehement widersprechen. Der Monarch steht prunkvoll inmitten der aber zugleich über den Seinen. Leo Klenze könnte das nicht stilsicherer inszenieren.

Wie bei seiner Versetzung im Jahr 2010 ist der Kini wieder umgeben von Bierwerbung und Tracht. Er bewacht stolz die Lagerbestände, den Vorrat an „Donautaler Stangerln“ und den reibungslosen Betrieb der Klospülung. Der Pöbel darf sich unter dem mächtigen Hinterteil des königlichen Gauls „Original Dultschmakerl“ und eine Halbe Knei für vier fuchzig schmecken lassen. Welch schöneren Ort könnte es in Bayern geben?

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Kommentare (17)

  • Mr. T.

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    Man meint fast, man könne die Trauer des Autors über dieses abrupte Aus zwischen jeder Zeile lesen 👍😂

  • KW

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    Kommentar gelöscht. Bitte keine Unterstellungen.

  • R.G.

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    ” Das liebevoll dekorierte Gehege für Dult-Fans am Domplatz wird geschlossen.”
    Habe mich über den ganzen Text zerbröselt.
    :))
    Es hat sich wirtschaftlich nicht rechnen können.
    Weil sie keine Umkleidekabinen geplant haben, wo man sich in Dirndl und Lederhose werfen hätte können, bevor man hinter den Verschlag geht.

  • R.G.

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    Mein Hinterkopf sagte mir die ganze Zeit, ich habe schon mal kommerzielle Verschläge für Menschen gesehen, allerdings ohne Top Design Plakate außendrauf.

    Wie hießen die bloß?
    Achja, Verrichtungsboxen.
    Fazit, es kann nichts so gut sein, dass es sich nicht für hohe Zwecke neben den Dom hindenken ließe.

  • Piedro

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    Uns das mitten im Kultursommer. Eine Schande ist das!

  • Native

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    Alles mit Maß und Ziel
    Das vorzeitige Aus für die Domplatz-Dult durch die Betreiber ist die richtige Entscheidung. (Selbsterkenntnis ist der beste Weg zur Besserung). Die sensible Lage (Vorhof des Doms) und UNESCO-Weltkulturerbe eignet sich nicht als zusätzliche Fressmeile. Die lokal etablierte Gastronomie wird die Entscheidung ebenfalls begrüßen. Die Versorgungs – und Entsorgungscontainer (WC) vewehren den freien Blick auf den Dom aus angemessener Entfernung und erinnern eher an eine Baustelleneinrichtung. Bei aller Liebe für lukullische bayerische Genüsse („Sechs in the City“) es gibt in Regensburg besser geeignete Plätze für einen dauerhaften Viktualienmarkt mit Freisitzfläche in der Innenstadt, z.B. am Neupfarrplatz, Haidplatz oder am Kornmarkt. Als Volksfestmeile (bayerischer Ballermann) eignet sich der Domplatz ohnehin nicht und sollte weiter am Dultplatz bleiben. Den Dom als Festplatz gibt es nur in Hamburg auf dem Heiligengeistfeld.

  • BS

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    Ochsenfetzen im Biergehege. Ich werd mir ewig in den A. beißen, dass das an mir vorbei ging….

  • Lustig

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    Wunderbar süffiger Beitrag, der für mehr Spaß gesorgt haben dürfte als die betroffene Biertankstelle.

  • Regine Wörle

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    Das einzig Gute an der ganzen Sache waren die verstellten Parkplätze. Und erstaunlicherweise hat niemand gejammert, dass hier keiner parken kann.
    Das zeigt doch ganz deutlich, dass auf die Parkplätze am Domplatz ohne weiters auch in Zukunft verzichtet werden kann.

  • aucheinpapa

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    Ich jammere hiermit stellvertretend für zu wenig Parkplätze.

  • Frieda

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    @Regine Wörle
    Die Parkplätze wurden entlang St Ulrich großzügig ersatzweise angeordnet. Gejammert wurde zwar schon, aber angesichts der Verschandelung des Platzes nicht so wahrgenommen.

  • Hthik

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    “Außerdem wollen sich die Betreiber „der Kritik an Platzierung, Aufbau und Gestaltung“ von verschiedenen Seiten „nicht länger aussetzen“.”

    Empfindliche Schneeflöckchen. Der wahre Geschäftsmann hätte hier die Chance gesehen, einen bayuwarischen Hipstertempel zu kreieren, in dem man sich ironisch besaufen kann. Das drängt sich doch geradezu auf. Der Herr Oswald hats vorgezeichnet. Wenn das der Kini wüsste.

  • Günther Herzig

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    Nur Lustig kann diese Geschichte lustig finden. Statt süffig, eher abgestandenes Dünnbier!

  • Jakob Friedl

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    Wie ich 2015 in Erfahrung bringen konnte, ist der Luftraum des denkmalgeschützten König Ludwig I Reiterstandbilds von der untersten Stufe des Sockels senkrecht nach oben zu denken und z.B. für künstlerische Interventionen oder politische Veranstaltungen ohne denkmalpflegerische Erlaubnis durch die Eigentümern -vertreten durch die Stadtspitze- tabu. Alternativ zu einer enganliegenden Verhüllung wurde mir nahegelgt, das komplette Reiterstandbild einfach hinter einem entsprechend hohen Holzverschlag verschwinden zu lassen.

    Eine Prüfung der detailliert begründeten Antrage auf denkmalpflegerische Erlaubnis zur geplanten textilen Modelierung von Herrschersockel und berittenem Zündhölzelträger durch die untere Denkmalschutzbehörde hätte 2015 einer Einwilligung des Oberbürgermeisters und 2017 der kommisarischen Oberbürgermeisterin bedurft. So konnte der Inhalt unserer technisch und kunstgeschichtlich begründeten Anträge weitestgehend ignoriert und mit fadenscheinigen Argumenten durch die Eigentümerin versagt werden: Die geplante Verhüllung des Reiterstandbilds käme einer “damnatio memoriae” gleich. Die Absicht der Kunstaktion war es jedoch einen Impuls zu setzen um eine Auseinandersetzung mit Form, Inhalt und Aussage des Herrscher-Denkmals anzustoßen. http://europabrunnendeckel.de/?p=5150

    Unsere Ausweichinstallation, die unerlaubt in den Luftraum des Reiterstandbilds eingriff und gleichzeitig dessen Bedeutungshorizont erweiterte sicherten wir dann mit einer 20 000 V Stromlitze.

    Das Reiterstandbild von 1904 bedarf bedarf einer kunstgeschichtlichen Einordnung und Erklärung. Das Denkmal steht z.B. in Form und Inhalt näher am 1. WK als an der Regentschaft und dem Leben und Wirken von LUDWIG 1. Wünschenswert wären also Anhaltspunkte, die allen Freunden und Besucher*innen der Regensburger Altstadt vielschichtigere Interpretationen des Denkmals ermöglichen. Auch der freigeräumte Domplatz selbst sollte vor Ort thematisiert werden…

    Martin Oswald schreibt treffend: “Was die Integrierung des Reiterstandbildes in dieses bayerische Kleinod angeht, so muss man den Kritikern vehement widersprechen. Der Monarch steht prunkvoll inmitten der aber zugleich über den Seinen. Leo Klenze könnte das nicht stilsicherer inszenieren.” Ich denke auch, dass die Stadtverwaltung wirklich alles richtig gemacht hat als sie die Dult zum Kini brachte. Eine Strategie der Profanisierung von vergiftetem Kulturerbe hat sich die vergangenen Jahrzehnte schon am Reichsparteitagsgelände in Nürnberg bewährt.

  • Mathlkde -Vietze

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    Gott sei Dank ist der Mist weg! Wenn da Leute aus Norddeutschland kommen
    und das sehen, sagen sie zu Recht “so wat jibt’s ja nur in Bayern.”

  • Hthik

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    Jakob Friedl 16. Juli 2021 um 14:41

    “Die geplante Verhüllung des Reiterstandbilds käme einer “damnatio memoriae” gleich.”

    Najaaa. Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist das schon. Nur eben eine unverständlich. Eine Verhüllung ist keine “damnatio memoriae” und welchem heutigen rechtlichen Argument soll das überhaupt entsprechen? Persönlichkeitsrecht des Reiters?

    Der Fehler ist hier überhaupt, dass man mit dem Sieg der Bajuwaren nicht gleich die Stadt in sowas wie Stadtamhof oder Ludwigshafen umbenannt hat, um diese unnötigen Assoziationen an eine freie Reichsstadt mal endlich wegzubringen.

    Es ist doch gerade der Zweck eines DenkMals den Bürger zur Auseinandersetzen damit anzuregen, wenn er dann aber wollen tät, kann man es ihm nicht erlauben dürfen.

  • Lupus

    |

    Bin direkt stolz drauf dass ich von dieser Einrichtung nichts mitbekommen habe.

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drin