SOZIALES SCHAUFENSTER

Freudenstein, Schmidl oder Eberwein?

OB-Kandidatur: CSU befragt Mitglieder

Astrid Freudenstein, Jürgen Eberwein oder Dagmar Schmidl – in der CSU haben bei der Suche nach einem geeigneten OB-Kandidaten jetzt die Mitglieder das Wort. Wählen werden allerdings die Delegierten und für diese ist die Befragung nicht bindend.

Dagmar Schmidl, Jürgen Eberwein und Astrid Freudenstein – ein Rennen mit Handicaps um die OB-Kandidatur in der CSU. Fotos: Staudinger

Ein kleiner Etappensieg für Astrid Freudenstein: Die Regensburger CSU wird im Vorfeld der Nominierung ihrer Oberbürgermeisterkandidatin 2020 eine schriftliche Befragung der rund 980 Mitglieder durchführen. Das beschloss der neugewählte Kreisvorstand um den Vorsitzenden Michael Lehner bei seiner ersten Sitzung.

Freudensteins Vorstoß sorgte für Verärgerung

Freudenstein war Mitte April mit dem Vorschlag einer Mitgliederbefragung in einem vielbeachteten Facebook-Post nach vorne geprescht. Sehr zum Unwillen des damaligen Kreisvorsitzenden Franz Rieger, der bei seiner Abschiedsrede als Kreischef der Regensburger CSU Mitte Mai unter anderem davon sprach, dass es in der Partei welche gebe, die „Anzeichen für Unfrieden schaffen“. Wer für die Partei ins Rennen gehe, „sollte intern diskutiert werden und nicht über die Medien“, so Rieger. Eine deutliche Spitze gegen Freudenstein, die sich für ihren Vorstoß zuvor bereits intern einen Rüffel eingefangen hatte.

Neben Freudenstein bewerben sich die Stadträte Dagmar Schmidl und Jürgen Eberwein um die Kandidatur. Nimmt man die Stimmen der Delegierten bei der Wahl des neuen CSU-Vorstands, dann hat aktuell Dagmar Schmidl bei diesen die Nase vorn. Bei der Wahl der Beisitzer erhielt Schmidl von 93 abgegebenen Stimmen 85, knapp gefolgt von Jürgen Eberwein mit 80. Freudenstein kam auf 76 Stimmen. Ob die CSU-Basis das ähnlich sehen wird, bleibt abzuwarten. Selbst Vorstandsmitglieder, die Freudenstein nicht unbedingt wohlwollend gegenüber stehen, räumen zumindest ein, dass sie die bekannteste und damit wohl auch zugkräftigste Kandidatin wäre, um Gertrud Maltz-Schwarzfischer Paroli zu bieten.

CSU wittert Morgenluft

Maltz-Schwarzfischer fungiert seit mittlerweile fast zweieinhalb Jahren als Stadtoberhaupt – in Stellvertretung des suspendierten Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs und geht de facto mit dem Bonus als Amtsinhaberin ins Rennen. Bislang wurde sie zwar nur durch den Parteivorstand als OB-Kandidatin nominiert, doch die Zustimmung der SPD-Delegierten am 21. Juli dürfte lediglich eine Formsache sein.

Dennoch wittert die CSU Morgenluft – einerseits wegen der Ankündigung des Wolbergs-Wahlvereins „Brücke“, bei der Kommunalwahl anzutreten. „Die werden sich gegenseitig die Stimmen wegnehmen“, so ein CSU-Vorstandsmitglied. Auch dass die Suche der Grünen nach einem zugkräftigen Kandidaten bislang erfolglos verlief, nährt die Hoffnung, dass die CSU trotz des desaströsen Wahlergebnisses 2014 und Verwicklungen in die Spenden- und Korruptionsaffäre 2020 Wiederauferstehung feiern könnte.

Öffentliche Vorstellung

Wenn alles nach Plan läuft, wird die Nominierung in der CSU etwas später über die Bühne gehen als in der SPD. Laut CSU-Chef Michael Lehner werden die Unterlagen zur Mitgliederbefragung noch vor Fronleichnam (20. Juni) verschickt. Ende Juni soll es dann noch eine öffentliche Veranstaltung – offen für alle CSU-Mitglieder – geben, bei der sich die drei Kandidaten vorstellen. Insgesamt haben die Parteimitglieder drei Wochen Zeit, um ihr Votum abzugeben. Ende Juli werden die Delegierten dann den OB-Kandidaten oder die -Kandidatin wählen. Die Mitgliederbefragung ist dabei übrigens nicht bindend.

Print Friendly, PDF & Email

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (14)

  • Klaus

    |

    Servus Regensburg,
    auch hier gilt wie bei der SPD neue Köpfe bringen keinen neuen Schwung, wenn die Basis nur auf ein „weiter so“ hin arbeitet und so ist das. Auch die CSU hat die wichtigen Inhalte von REZO nicht verstanden. Die hat noch nie der Bürger interessiert siehe Anhörung in Lappersdorf Aurelium: https://www.mittelbayerische.de/region/regensburg-land-nachrichten/hitzige-debatte-um-bauflaechen-21364-art1772442.html
    wo der Gutachter des CSU-regierten Marktgemeinderates zugibt, das bei seiner Planung er nie vorort war….schlimmer gehts immer. Die Gemeinde tat so als wenn Sie ein offenes Ohr hätte oder einfach haben muss schon wegen dem Image–> was waren die Endworte?
    Der Bürger kann viel sagen, entscheiden tut der Marktgemeinderat und das im geheimen und basta! Das nenn ich doch bürgernah. So wirds auch bleiben und der CSU wird es kurz oder lang genau wie der SPD gehen und das ist gut so! Vielleicht dauerts ein bischen länger….aber es passiert und schade ist es um diese CSU-Basis nicht.
    LG
    Klaus
    „jetzt reichts“

  • Matthias Beth

    |

    Interessant, dass die CSU Regensburg Stadt eine Mitgliederbefragung durchführt, die es gemäß CSU-Satzung nicht gibt und für die gewählten Delegierten der Ortsverbände selbstversändlich nicht bindend ist! Was passier wenn die CSU-Mitglider Kandidatenin oder Kandidaten 1 bevorzugne und in der Delegiertenversammlung der Kandidatin oder Kandidat 3 die Mehrheit haben sollte?
    Ist die Mitgliderbefragung zukünftig auch das Mittel der Wahl, einen neuen CSU-Kreisvorstand, zu wählen?

  • Lotte E.

    |

    Lustig ist er schon der Franzl. Erst jagt er den CSU Laden 2007 mit seinem Putsch buchstäblich in die Luft, sichert sich damit das Landtagsmandat und fährt ein katastrophalers Ergebnis nach dem anderen für die CSU ein und jetzt beschwert er sich über angeblichen Unfrieden in der Partei, der Friedensengel.
    Eine Befragung der Mitglieder ist sicher ein guter Schritt für diese Partei, bei der immer nur Funktionäre sich Posten zuschieben. Ob sie das wählbar macht, weiß ich nicht.

  • mkv

    |

    Besser: Gemeinsamer OB-Kandidat jenseits von SPD und CSU

    Blickt man nach Berlin und auf das von Union und SPD [gegen die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen* (ASJ) *] verabschiedete jüngste Gesetz („Geordnete-Rückkehr-Gesetz“), das in „AfD-Fashion“ darherkommt (**), so sollte sich auch der kommunale Wähler fragen, ob mit diesen Parteien noch „Staat“ zu machen ist. Denn der „Geist“, der aus der GroKo und den sie tragenden Parteien strömt, macht er nicht auch deren Funtionäre auf der Ebene der Kommunen schlicht unwählbar?

    Mir erschiene es daher für das weitere Fortkommen der Domstadt zielführender, wenn sich die kleineren Parteien, statt sich mit je einem eigenen OB-Kandidaten jede Chance auf ein Stadtoberhaupt zu vergeben, auf einen – gemeinsamen – Kandidaten verständigten, der

    zum einen

    den aufgrund der Klimakrise notwendigen schrittweisen aber beständigen Umbau unseres Gemeinwesens wie

    zum anderen

    die in unser aller Interesse unverzichtbare Integration der zu uns Geflüchteten

    glaubwürdig verkörpern würde.

    —–

    *
    ASJ mit heftiger Kritik
    https://asj.spd.de/aktuelles/aktuelles/news/das-sog-geordnete-rueckkehr-gesetz-eine-kurze-migrationsrechtliche-bewertung/05/06/2019/

    ——–

    **
    Große Koalition in AfD-Fashion
    von Wolf Wetzel
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=52437

  • gustl

    |

    Momentan haben die braunen Vögel in der CSU die besten Chancen die dicksten Eier zu legen.

  • xy

    |

    Nun haben wir seit 70 Jahren eine indirekte parlamentarische Demokratie und trotzdem haben unsere Parteien nichts besseres zu tun, als ständig in populistischer Manier die „Basis“ direkt zu befragen. Und das vermutlich nicht deshalb, weil die Basis eine klügere Entscheidung treffen würde, als die Mandatsträger, sondern nur deshalb, um die Schuld auf die Basis abzuwälzen, wenn es wieder einmal schief geht: „Ihr habt es doch so gewollt…“.

  • Dominik Müller

    |

    @Klaus Wer soll Rezo sein, dass Sie ihn so hochstilisieren?
    Betrachten Sie z.B. auf Wahlrecht.de die Umfragewerte der Parteien zur Europawahl in Deutschland und den Veröffentlichungstermin seines Videos, so muss auch Ihnen auffallen, dass zwar – wie so oft in unserer Zeit – sehr viel darüber geschrieben wurde, es jedoch keinen Einfluss auf die Wahlen hatte. Sowohl die CDU/CSU als auch die SPD hatten schon vor dem Video sogar noch schlechtere Umfragewerte.
    Rezo eignet sich also nicht, um beim Nennen seines Namens allein schon Ehrfurcht zu erhalten. Ihr Namedropping soll wohl die Auseinandersetzung mit Inhalten verdrängen.

  • Pro Fet

    |

    Der alte hat und der neue Kreisvorsitzende wird nochmal die Regensburger CSU spalten: in seinen braunen und in einen wählbaren Teil.

  • Simson

    |

    Ja der Franz Rieger,

    sein erter Auftritt vor Jahren hilflos beim Aufstellen seiner Liste, der größte Feind von Schaidinger und seinem Höllenhund Schlegl, versprach dem Michael Lehner grosses wenn er hilft die CSU zu befrieden und sich hinter Schlegel zu vereinen. Jürgen Linhardt war aus dem Rennen. Schlegel wurde nominiert. Und Franz Rieger schob alle Schuld auf Thomas Fürst.
    Der damalige Gegenkandidat war Janele. Aber Rieger wurde kein Staatssekretär.
    Aber vielleicht darf er nochmal nach München dank Michael Lehner.
    Eine Hand wäscht die andere.
    Kreisverband Regensburg Stadt: Michael Lehner 1 Jahr Ämterverbot wegen rechter Umtriebe. Der Umgang mit ihm wurde Thomas Fürst zum Verhängnis, dem wurde vorgeworfen Umgang mit Rechtslastigen zu haben. Richtig wo hing denn die ominöse Reichskriegsflagge ? richtig bei Michael Lehner im Kinderzimmer.
    Was macht Lehner angesprochen auf sein Ämterverbot? Lügen und leugnen.
    Lustig wirds nur, wenn Astrid Freudenstein gewinnt, dann muss Lehner wohl gehen.

    Feind Todfeind Parteifreund

    über die Kanditaten gibts einiges nachzulesen bei RD
    danke hierfür

  • Pro Fet

    |

    Frei nach Goethes Farbenlehre: Nicht noch mehr Braun hilft gegen Grün, sondern ein helles und sympathisches Schwarz.

  • Mr. T.

    |

    Ja, Simson, das wundert ich gerade bei Lehner auch immer wieder. Der kann von Glück reden, dass es keine Entnazifizierung mehr gibt. Wobei er da wohl auch als Minderbelastet durchgegangen wäre. Ich habe ihn und seine Bundesgenossen nach der Veröffentlichung des Dossiers schon über den Vatikan auf dem Weg nach Südamerika gesehen ;-)
    Und was wird aus ihm wenn er unter Freudenstein abgesägt würde? Die NSAfD wird ihn wohl nicht nehmen solange Bananen-Nolte die Unvereinbarkeitsliste nicht kippen kann :-)

  • Jörg Uhlig

    |

    @ Klaus, ich weiß nicht von welchem Lappersdorf Sie reden – wenn es das ist in dem ich wohne bedürfen Ihre Aussagen einer Korrektur:
    seit den vergangenen Kommunalwahlen stellen
    1) die Freien Wähler den Bürgermeister
    2) entscheidet im Marktrat seitdem eine „Gestaltungsmehrheit“ bestehend aus SPD, FW, Grünen und Bürgerliste – kurz: alles außer und gegen die CSU .
    Sollte die Verabschiedung des Flächennutzungsplans nicht in nichtöffentlicher Sitzung erfolgen – beim ersten Anlauf wurde in öffentlicher Sitzung debattiert – was sollte daran geheim sein?
    Grüße aus Lappersdorf!

  • Klaus

    |

    Kommentar gelöscht. Bleiben Sie bitte beim Thema.

  • Taxifahrer

    |

    Not gegen Elend gegen Pest gegen Cholera.

Kommentare sind deaktiviert

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01