SOZIALES SCHAUFENSTER

Beschluss mit einer Gegenstimme

Stadt baut langfristige Container-Unterkunft für Flüchtlinge

Bis September soll in Regensburg eine Container-Unterkunft für 100 Flüchtlinge entstehen. Gegen die Stimme von Piratin Tina Lorenz genehmigte der Verwaltungs- und Finanzausschuss am Mittwoch die dafür notwendigen Mittel in Höhe von 2,1 Millionen Euro.

Blick in einen Container. 13,6 Quadratmeter für zwei Personen. Foto: Archiv/ as

Blick in einen Container. 13,6 Quadratmeter für zwei Personen. Foto: Archiv/ as

Bereits im Dezember 2014 war der Grundsatzbeschluss für eine solche Unterkunft gefallen. Die Linken und Piratin Tina Lorenz, aber auch den Sozialen Initiativen hatten sich gegen diese Maßnahme ausgesprochen. Insbesondere die Unterbringung der Flüchtlinge auf engstem Raum ohne Privatsphäre – zwei Menschen leben zusammen in einem Container einer Fläche von 13,6 Quadratmeter – war ein Hauptkritikpunkt.

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Koalitions-Logik: Kritik = „Zündelei“

Doch mit ihren Argumenten, Linken-Stadtrat Richard Spieß etwa stellte einen Änderungsantrag, zumindest jedem Flüchtling einen Container inklusive eigener Nasszelle zur Verfügung zu stellen, blitzten sie samt und sonders ab. Insbesondere Lorenz musste sich von ihren Koalitionskollegen Einiges anhören. „Twitter-Experten sollten sich nicht zu Containern äußern“, ätzte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs in Richtung der Piratin. Margit Kunc (Grüne) bezichtigte Lorenz der „Zündelei“. Quer durch die Bank erklärten die Koalitionäre damals, dass es doch nur

Margit Kunc im Dezember 2014: „Alles andere als vorübergehende Unterbringung würden wir ablehnen“

Margit Kunc im Dezember 2014: „Alles andere als vorübergehende Unterbringung würden wir ablehnen“

um eine „kurzfristige“ bzw. „vorübergehende“ Unterbringung gehe. Alles andere würden die Grünen auch ablehnen, so Margit Kunc damals.

Tatsächlich war die Beschlussvorlage im Dezember 2014 mit der Begründung vorgelegt worden, dass man Vorbereitungen für eine solche Unterkunft treffen müsse, um gegebenenfalls auf den „Winternotfallplan“ der Bayerischen Staatsregierung reagieren zu können.

Dieser sah in einer zweiten von insgesamt drei Stufe vor, bis zu 200 Personen für fünf bis sechs Monate unterbringen zu können. Darauf müsse man sich vorbereiten, dass die Unterkunft dann tatsächlich komme, sei gar nicht sicher, aber für den Fall, dass man sie bauen müsse, werde man sie anschließend als Gemeinschaftsunterkunft für fünf Jahre an die Regierung vermieten, so der Oberbürgermeister im Dezember. Sein Versprechen: Es werde in jedem Fall intensive Betreuung geben.

Kein Notfallplan – gebaut wird trotzdem

Richard Spieß: „So viel Pragmatismus muss sein.“ Foto: Archiv/ Staudinger

Richard Spieß: „So viel Pragmatismus muss sein.“ Foto: Archiv/ Staudinger

Der Notfallplan kam nie zum Tragen. Gebaut werden soll die Container-Unterkunft aber dennoch.

„Die Maßnahme soll bis zum September 2015 fertiggestellt und zu diesem Zeitpunkt der Regierung der Oberpfalz als künftiger Mieterin übergeben werden“, heißt es in der Beschlussvorlage vom Mittwoch. Ein Vergabeverfahren sei bereits in die Wege geleitet worden, um den Zeitplan einhalten zu können. Stehen bleiben wird die Unterkunft dann mindestens fünf Jahre. Die durchschnittliche Verweildauer von Flüchtlingen in solchen Sammelunterkünften lag in Bayern in der Vergangenheit bei drei Jahren.

Richard Spieß, der in der Vergangenheit noch gegen die Container-Unterkunft war, stimmte am Mittwoch für die Mittelgenehmigung. „Ich bin kein Fan von Containern, aber etwas Besseres bekomme ich in der momentanen Konstellation nicht“, so der Linken-Stadtrat gegenüber unserer Redaktion. „So viel Pragmatismus muss sein.“

Piratin hätte leerstehende Gebäude nutzen wollen

"Ein paar Blechkisten auf der grünen Wiese". Piratin Tina Lorenz. Foto: Archiv/ Staudinger

„Ein paar Blechkisten auf der grünen Wiese“. Piratin Tina Lorenz. Foto: Archiv/ Staudinger

Tina Lorenz hingegen blieb bei ihrer Ablehnung. Auf Nachfrage schreibt sie unserer Redaktion: „Mittlerweile wird nicht einmal mehr geleugnet, dass wir diese Einrichtung längerfristig an die Regierung vermieten werden. Damit haben wir keine Kontrolle mehr darüber, wie lange Flüchtlinge dort auf engstem Raum bleiben müssen.“ Betrachte man die momentane bayerische Politik, könne man mit einigen Jahren rechnen, so Lorenz weiter. „Und das macht krank.“

Die Stadträtin plädiert für die Nutzung vorhandener leerstehender Gebäude: „Es gibt Bestandsgebäude, die für die menschenwürdige Unterbringung von Flüchtenden in Frage kommen, wie beispielsweise das leerwerdende Michelstift, das leerwerdende evangelische Krankenhaus oder andere innerstädtische Gebäude, die die Stadt für eine spätere Nutzung erworben hat. Für den Preis der Containererrichtung und der zu erwartenden Mietzahlung der Regierung der Oberpfalz ließen sich viele Gebäude zur menschenwürdigen Unterbringung von Flüchtenden herrichten, ohne dass wir sie in Blechkisten auf die grüne Wiese verbannen müssten.“

Bunte Beengtheit: Der Entwurf für die Container-Unterkunft. Grafik: Stadt Regensburg

Bunte Beengtheit: Der Entwurf für die Container-Unterkunft. Grafik: Stadt Regensburg

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Kommentare (21)

  • semmeldieb

    |

    der vorschlag von frau lorenz ist vielleicht – bei aller sympathie für piraten – etwas, äh…unsensibel:

    jetzt haben wir die alten noch nicht einmal aus dem heim gepaukt, aber wenn das das dann demnächst erledigt wäre, dann könnt´ ma gleich mal die flüchtlinge menschenwürdig dort unterbringen…..

    so hört sich das an.

    also, in der sache an sich ist das sicherlich nicht verwerflich.
    flüchtlinge sind ja in der regel keine liegenden oder senilen pflegefälle und können somit wohl gefahrlos dort bei den brandschutzbestimmungen, die für das altenheim nicht mehr ausreichen, wohnen.

    aber…also manchmal, nur manchmal hat man das gefühl, als wollte man all jenen noch so richtige böller in den ofen kippen, die mit der tatsache, dass es nunmal enorme flüchtlingsströme gibt und weiter geben wird, nicht so ganz zurechtkommen.

    sehr viele menschen in regensburg verstehen das ganze mit dem michelstift so derartig überhaupt nicht. und was macht frau lorenz da? – sie bringt sowas und wundert sich dann vielleicht später, wenn irgendwann mal eine „regida“ (hoffentlich nicht) entsteht.

    mensch, ihr verantwortlichen dort im rathaus! erklärt den leuten mal endlich mit einfachen worten, was ihr wollt oder warum dies oder jenes so und so gehandhabt werden muss.

    und frau lorenz: sie sollten schleunigst klarstellen, dass sie es gut gemeint haben, aber einfach in dem moment nicht soweit gedacht haben, dass ihr vorschlag mit dem michelsstift eine von den vielen kleinen minen werden könnte, die ihre politikerkollegen aller couleur tagtäglich in form kurzsichtiger, und oft auch unverständlicher äusserungen über die ganze republik regnen lassen.

    würde mich nicht wundern, wenn das morgen bei pi-news wieder einmal einen propaganda-artikel auslöst.

  • hf

    |

    Spieß sagt wie es ist. Respekt.

    Und: Es gibt durchaus Bedarf an kurzzeitigen Unterkünften, etwa wenn Asylanträge von vornherein geringe Chnacen haben. Entsprechend haben sich die Kommunen im Landkreis bereits geäußert, sie hätten lieber nur Gäste in ihren dezentralen Unterkünften, die auch längerfristig bleiben und sich im Ort engagieren können. Die Stadt kann hiermit in mehrfacher Hinsicht wertvolle Hilfe leisten. Und das wird sie auch tun.

    Das Michelstift/Josefskrankenhaus als Asylbewerberheim? Das ist ja fast so sinnfrei wie Schleckerfrauen als Erzieherinnen…

  • peter

    |

    @hf

    Das Michelstift/Josefskrankenhaus als Asylbewerberheim? Das ist ja fast so sinnfrei wie Schleckerfrauen als Erzieherinnen…

    bitte mal erlkaerbaer…

    denn wenn ich eine aeusserung sinnfrei finde, dann diese

  • hf

    |

    @peter: langfristig wären die gebäude vielleicht verwendbar, gelegen wären sie sogar nicht mal schlecht, bedenkt man, dass die refugees nicht irgendwo an den stadtrand abgeschoben werden sollten.

    aber für den akuten bedarf, der besteht und unter einer kosten-nutzen-abwägung (die diskussion „die alten müssen raus und die asylanten dürfen rein“ mag ich mir gar nicht ausmalen) ist ein container sicher die bessere lösung.

    in welchem zeitfenster will frau lorenz das denn verwirklichen? sind die gebäude auch nach allen rechtlichen standards zu nutzen? was sagt der denkmalschutz? sind alle anderen blöd, nur die eine stadträtin nicht?

    unterm strich ist es billiger populismus. und daher sinnfrei.

  • hf

    |

    ah, sehs grad, hab josefs- geschrieben und evangelisch gemeint. trotzdem blöd.

  • Marion Puhle

    |

    Die Containerlösung ist die denkbar Schlechteste. Sie ist über Jahre hinweg der Lebensmittelpunkt der Flüchtlinge. Ist das zumutbar?
    Wie spartanisch diese Container eingerichtet sind, kann z.Zt. in Berlin-Buch besichtigt werden. 2 Betten, ein Kühlschrank, Schränke
    werden noch nachgeliefert und ein kleiner Tisch mit 2 Stühlen.
    Marion Puhle

  • peter

    |

    @hf
    du meist das echt ernst
    chapeau
    soviel realitaetsverweigerung auf einen haufen….
    wir haben auf den gelaende einer ehemahligen kaserne seit jahren wohnraum der leersteht.
    die bundesvermoegens(dingenskirchentrallalla) amberg weigert sich, das an normalsterbliche zu vermieten.
    der platz ist da, und als ehemals wehrdienstleistender stellt sich mir die frage, warum es damals ok war das leute so wohnen, aber jetzt das nicht geht, und das es besser ist, wenn die leute in containern hausen.

    fun fact am rande
    es gab in reegnsburg mal den jugendtreff container (ihrler hoehe)
    einer der dort arbeitenten hatte es klargemacht, das fachfirmen die jugendlichen anleiten um mit (ebenso klargemachten) geschenkten material ein richtiges jugendzentrum (also eben ohne container) bauen zu koennen. das war stadtseitig ueberhaupt nicht gewuenscht.
    lieber hat man, nachdem es reinregnente noch ein extra-metalldach daruebergesetzt
    wer wohl die container aufstellt???
    es wird doch nicht eine fachfirma fuer container aus reegnsburg sein, deren schwarze objekte auch immer das buergerfest so sehr verschoenern

    zur musikalischen untermalung empfehle ich

  • Marion Puhle

    |

    Willkommenskultur?
    Die Lösung, Flüchtlinge in Containern am Rand der Stadt unterzubringen, ist die denkbar Schlechteste.
    Jahrelanges Ausharren im Container, Warten auf den Bescheid des Bundesamtes, räumliche Enge und keine Privatsphäre, Langeweile und Perspektivlosigkeit, ist offensichtlich die neue Willkommenskultur.
    Weit gefehlt!!!!!!!!!!
    Hinzu kommt, dass sich die Container im Sommer richtig aufheizen und im Winter zu kalt sind.
    Unterkünfte sind auch in Bayern immer wieder ein Anschlagsziel, von Rechten.
    Massenunterkünfte und Containerdörfer dienen der Abschreckung und sind ein Teil der restriktiven
    Asylpolitik in Deutschland und Europa.
    Willkommenskultur ade ?
    Marion Puhle

  • hf

    |

    @Frau Puhle: Ihre Polarisierung hilft in diesem Fall niemandem und ist obendrein unsachlich. Konkret leutete die Frage Unterbringung im Container oder im Michlstift/Evang-Krankenhaus. Da letzteres zumindest Mittelfristig nicht möglich ist, sollten Sie (wenn Sie ehrlich wären) Frau Lorenz vorwerfen, dass sie die Unterbringung verhindert und ihre Wilkommenskultur hinterfragen, statt meine.
    Ähnliches gilt auch für die Kasernen, deren Eigentümer allesamt nach ihrem Bedarf planen und verwalten, wie sie es für richtig halten. Natürlich kann man im einzelnen fragen, warum man die beinahe zentral gelegenen Bundesimmobilien nicht einfach ankauft und stattdessen billige Container auf abgelegenem städtischem Grund abstellt. Und dann wird die Antwort wohl lauten: weil diese Grundstücke unglaublich wertvoll sind.
    Und warum sind sie so wertvoll? Weil buchstäblich jeder Depp in die Stadt ziehen will – mich eingeschlossen. Wenn irgendjemand effektiv etwas gegen Mietwucher und Probleme bei der Unterbringung der Menschen tun will, dann sollte er damit anfangen, den Mythos Stadt zu entzaubern. Dass hier alles so viel cooler wäre. Im gegenteil; Städte sind eine einezige Ökologische Katatstrophe und erzeugen auf vielfältige Art und Weise erst die krasse soziale Ungleichheit; die Klassen und den Kampf.
    Natürlich utopisch, da jetzt auf dei Schnelle was ändern zu wollen, aber der eigenen logik-hygiene zuliebe bitte ich zu bedenken, dass wir alle im selben Boot sitzen und dass jeder auf seine Art mitschuld an allem ist.

    @Peter: in meiner Stube (25qm) hausten sechs Mann zwei Monate lang. Gemeinschaftstoiletten, Arbeitspflicht, Weckzeit 6.45 Uhr. Ihnen zufolge ein Modell für die Flüchtlingsunterbringung?

    Dann doch lieber Container. Gemeinschaftsräume und Sozialpädagogen, die werden wichtig sein.

  • pars altera

    |

    Wer diesen Stadtrat wählte, darf jetzt die Früchte seiner Wahl ernten.

  • hf

    |

    @pars altera: mit leibniz kann und muss man sagen: es ist der beste von allen, die wir haben. nicht auszudenken, was wäre, wenn wir in dieser zeit keine bunte koalition hätten.

  • pars altera

    |

    @ hf 24.04.2015, 12:57h

    Diesen Keks mag ich auch, aber nicht mit Schokoladeüberzug; allenfalls mit weißer Schokolade, die schmeckt einfach leckerer.

  • Lothgaßler

    |

    Die Lösung spricht für sich. Diese Unterbringung wurde als Notmaßnahme konzipiert, und nur als solche ist sie tragbar. Die Lösung ist weder preiswert, noch gut. Diese Container erinnern stark an Gefängniszellen.
    Die Räumung des Michlstifts geht nicht auf die Stadträtin Lorenz zurück. Diese Räumung scheint sehr fix über die Bühne zu gehen (bzw. gehen zu müssen), und dort wäre eine schritt- und übergangsweise Folgenutzung schon denkbar. Die Containersiedlung muss auch erst errichtet werden.
    Der Stadt geht es aber primär gar nicht darum Platz für 100 Asylbewerber zu schaffen, sondern darum der Regierung 100 Plätze zu vermieten. Da will sich die Stadt die eigenen Optionen nicht kaputt machen, und deshalb gibts die Container.

  • hf

    |

    ja, die container sind explizit als notlösung gedacht! das wurde nie verheimlicht.

    die weitaus meisten flüchtlinge werden im landkreis dezentral untergebracht und dort ehrenamtlich betreut. bei der freiwilligenagentur des landkreises wurde mehrfach kritik laut, dass die regierung auch antragsteller zuweist, deren verfahren keine erfolgsaussichten haben und die nach wenigen monaten wieder ausziehen müssen. auch psychisch kranke bewerber, die regelmäßig in behandlung müssen, sind auf dem land eher fehl am platz. die ehrenamtlichen helfer im landkreis wünschen sich langfristige beziehungen zu den flüchtlingen. das landratsamt macht diesbezüglich auch in eigenregie stimmung:
    http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/asyl-chaos-ueberlastete-erstaufnahme-sedlaczek-100.html

    die containerunterbringung ist dafür und als puffer bei engpässen gedacht. an skandalen wegen schlechter humanitärer bedingungen haben die stadt und die regierung selbst nicht das geringste interesse. die politik des freistaats ist unabhängig davon zu verurteilen.

    nochmal zum michelstift: die zeitnahe „räumung“ kann ich mir so nicht vorstellen. wie man die auflösung des heimes bewerkstelligen will, ist offiziell noch gar nicht zu beantworten. klar ist, dass man nicht überstürzen wird und dass man auch rücksicht auf die bewohner und angestellen nehmen wird. fazit: so schnell wird das nix. aktuell werden online sogar noch plätze angeboten.
    der beschreibung nach ist das gebäude kaum geeignet (unesco welterbe, eigene kapelle, pflegebad in jedem zimmer = denkmalschutz und kaum nutzbarer platz), außerdem entfällt es dann für eine andere, ebenfalls wichtige nutzung, etwa als tagespflegeeinrichtung oder kurzzeitpflegeheim; http://www.michlstift-regensburg.de/html/Beschreibung.php.

    und bis das evangelische krankenhaus als flüchtlingsheim zur verfügung steht, können wohl wirklich nur CSU-fanatiker warten…

    der container wird bewusst schlechter geredet als er ist, von leuten, denen es nicht um zusätzliche unterbringungsmöglichkeiten geht (städtische gebäude kann man ja immer umnutzen!), sondern um selbstdarstellung. auch das ist irgendwo chauvinistisch, wo es doch auf pragmatische lösungen ankommt.

  • Marion Puhle

    |

    @hf
    „bei der freiwilligenagentur des landkreises wurde mehrfach kritik laut, dass die regierung auch antragsteller zuweist, deren verfahren keine erfolgsaussichten haben und die nach wenigen monaten wieder ausziehen müssen.“
    Auch diese Menschen sind unterzubringen, ob in Landkreis oder Stadt.
    Dieser Satz sagt aber noch etwas Anderes aus. Hier sind vor allem Flüchtlinge aus den Balkanstaaten gemeint, deren Asylantrag oft als unbegründet abgelehnt wird. Diese Asylanträge werden im Schnellverfahren geprüft und abgelehnt.
    Im Landkreis will man die ehrenamtlichen Helferinnen nicht vor den Kopf stoßen, wenn Menschen von der Polizei zur Abschiebung abgeholt werden. D.h. man hat Angst, dass die Helfer/innen ihr Engagement einstellen, und nur deshalb wird das kritisiert.
    Wieso geht man überhaupt davon aus, dass die Menschen aus den Balkanstaaten keine Chance haben. Hier muss zunächst der Asylantrag ordentlich geprüft werden, ob es Anhaltspunkte gibt, die ein inlandsbezogenes Abschiebehindernis u.o. zielstaatsbezogenes Abschiebehindernis begründen.
    Und das genau passiert viel zu wenig, wie einige Fälle aus Regensburg beweisen.
    Marion Puhle

  • hf

    |

    @frau puhle: wir sind ja inhaltlich wenig auseinander;

    letztlich sind die von ihnen kritisierten punkte fragen der gesetzgebung. und die wird von der csu gemacht. als regensburger darf man froh sein, dass es eine spd gibt, die kompromisse sucht.
    der container wird ein kompromiss sein. ich habe vor kurzem selbst eine unterkunft besucht und gesehen, wie da paare mit einem oder zwei kindern in einem hotelzimmer leben. pro person die quadratmeter? was für eine kleinliche idee.

    die ehrenamtlichen im landkreis wiederum dürfen auf keinen fall über ihr einverständnis hinaus gefordert werden. das ist ja die krux. mir ist egal was sie aus sätzen herauslesen wollen, aber genug unterkünfte können wir wohl kaum haben.

    bedenkt man, welche not unsere (kriegs)wirtschaft in der subsahara und im mittleren osten anrichtet, von der ukraine ganz zu schweigen. überfischung, landgrabbing, erzabbau, das rächt sich. haben sie eine ahnung wie viele tonnen erzschutt und schlacke und kubikmeter abwasser übrig bleiben, wenn man eine tonne stahl produziert? und neuerdings wiegen die autos ja schon zwei tonnen!

    ich habe eine ukrainerin kennengelernt, deren mann ist russe und sollte eingezogen werden. wo sollen die hin? sie lernt deutsch und weil sie schon türkisch kann, vermittelt sie für die anderen bewohner beim betreiber der unterkunft, einem jungen türken, der großartiges leistet, da in wörth.

    viele menschen wollen helfen, der container ist eine (wenn auch nicht die beste) hilfe, warum dagegen angehen?

    über die verwendung von michlstift und evangelischem krankenhaus solte man in aller ruhe weiter nachdenken.

  • Marion Puhle

    |

    @hf
    Das schlimmste für die Flüchtlinge ist räumliche Enge. Ein Entspannen von den Strapazen ist nicht denkbar. Über Jahre hinweg sein Dasein in einem Container ohne Privatsphäre fristen, dass zermürbt erst richtig.
    Viele der Flüchtlinge sind traumatisiert und brauchen unbedingt Ruhe. Ich kann nicht erkennen, dass Flüchtlinge, die auf engstem Raum wohnen müssen, je zur Ruhe kommen. Mehr gibt es zu diesem Thema nicht zu sagen.
    Ich stimme Ihnen freilich zu, dass wir mehr Unterkünfte für Flüchtlinge brauchen, weil der Zustrom anhalten wird und die Flüchtlinge unterzubringen sind.
    Aber warum müssen es Container und die schlimmen Massenunterkünfte sein?
    Ich würde es sehr begrüßen, wenn andere Möglichkeiten gefunden werden, Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen.
    Marion Puhle

  • hf

    |

    das schlimmste für die Flüchtlinge ist – nach den Gesprächen die Ich geführt habe – Untätigkeit und das Gefühl, nirgends anzukommen. die wollen nicht entspannen, im Sinne von im bademantel daliegen, fernsehen und Eis essen oder was…, die wollen das Beste aus ihrer Lage machen. arbeiten, neue Freunde finden.

    wenn das Umfeld einer Container-Unterkunft Kontakte in die Gesellschaft bietet, Deutschunterricht, Veranstaltungen, eventuell medizinische Betreuung, dann ist ein Quadratmeter hin oder her wohl nicht das Problem. sicher noch Welten besser als ein Zelt an der türkischen Grenze.

    nochmal: Ich wünschte mir Ja auch, dass die 30-quadratmeter-appartments nur so vom Himmel regnen. aber weils grad nicht danach aussieht, täte etwas Realismus ganz gut.

  • Marion Puhle

    |

    Und wer gibt ihnen Arbeit? Hier sind sehr große Hürden zu überwinden, ehe ein Flüchtling eine Arbeit aufnehmen kann bzw. darf.
    Richtig ist, dass Flüchtlinge arbeiten wollen, um sich eine eigene Existenz aufzubauen, aber dank der restriktiven Asylpolitik in Deutschland und Europa wird ihnen das Leben sehr sehr schwer gemacht. Ich darf Ihnen aus meiner langjährigen Flüchtlingsarbeit berichten: Dass es Flüchtlinge auch in Regensburg gibt, die seit 15 Jahren und länger im Lager leben, aber was machen da schon ein paar Quadratmeter aus, die sich der Flüchtling dann auch noch teilen muss? Ich nenne so etwas Zermürbungstaktik. Im Übrigen gibt es mittlerweile Studien, die belegen, dass Lagerleben psychisch krank macht. Sie sollten sich den Realitäten stellen, anstatt hier Werbung für Container zu machen. Das Lagersystem ist und bleibt ein Teil der restriktiven Asylpolitik, die auf Abschreckung setzt. In der Donaupost ist zu lesen, dass die Container für 200 Flüchtlinge gebaut werden sollen. Also wieder eine Massenunterkunft, weil es der Politik an vernünftigen Ideen fehlt.
    Marion Puhle

  • Herr Gesangsverein

    |

    Ich finde wir tun ganz schön was um den Flüchtlingen zu helfen. Nun mögen die Container nicht das Hilton sein aber welche Lösung und Finanzierung stellen sich den die Willkommenskulturler denn vor?
    Fordern kann man viel, nur umsetzen muss man es auch können.
    In dieser Stadt schlafen Studenten in Turnhallen, Alleinverdiener ziehen in muffige und überteuerte Wohnklos, erwachsene Söhne und Töchter müssen nach dem Studium bis zum ersten Job wieder bei den Eltern einziehen….
    Ich vertrete den Strandpunkt das die wenigsten Flüchtlinge sprachlich und intelektuell geeignet sind sich hier eine Existenz aufzubauen. Sie landen in der Leiharbeit oder bei Burgerbrätern und senken dann nochmals kräftig das Lohnniveau. Wir tun ihnen keinen Gefallen den Teppich auszurollen. Wir helfen ihnen temporär bis in ihren Ländern sich die Lage beruhigt hat und bringen ihnen bei ihre Länder wieder aufzubauen. Dazu haben wir recht gute Möglichkeiten. Nebenbei ist dann auch eine Tagesstruktur gesichert. Ich käme niemals auf die Idee die Leute mit aller Gewalt, weils en vogue ist, einzubürgern. Offene Arme und helfende Hände, gerne. Ich wage auch mal die Behauptung das so ein Container das sauberste und modernste ist was diese Menschen je sahen. Ich hatte einst mal mit Obdachlosigkeit zu kämpfen und ich wäre froh um nur ein Bett in so einem Container für eine Zeit zu haben.

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