SOZIALES SCHAUFENSTER

Beiträge mit Tag ‘Buchbesprechung’

Die beiden Diplompsychologinnen Ursula Vogt und Christa Eggerdinger haben ein kleines Buch zum Thema Mobbing im Betrieb vorgelegt, das ihre profunden Kenntnisse und Erfahrungen aus Seminaren, Coachings etc. zusammenfasst und einer breiteren Leserschaft verfügbar macht. Mobbing wird dabei definiert als ein Prozess, der über einen normalen Konflikt dadurch hinausgeht, dass er über einen längeren Zeitraum hinweg viele feindliche Handlungen umfasst, die eine Seite zum machtlosen Opfer machen und dabei nicht mehr auf die Lösung des Konflikts, sondern auf die feindlicher Ausgrenzung einer Person abzielen. Die Autorinnen nehmen dabei eine wohltuend ent-psychologisierende Haltung ein, das heißt, sie gehen insbesondere auf die strukturellen Hintergründe von Mobbingprozessen wie personelle bzw. organisatorische Veränderungen oder Führungsmängel ein, und weniger auf die individuellen Bedingungen. Mobbing als feindliche Ausgrenzung und damit als Angriff auf existentielle soziale Bedürfnisse ist eben kein persönliches Problem zwischen Einzelpersonen, auch wenn es oberflächlich betrachtet so aussieht und auch wenn persönliche Dispositionen, Kompetenzen und Ressourcen die Situation natürlich beeinflussen.

Mythos Selbstverschulden

Mobbing entsteht in der Folge tiefliegender struktureller Defizite oder Veränderungen im Betrieb und ist in seinen Auswirkungen zudem derartig belastend, dass es ohne Gegenmaßnahmen früher oder später bei jedem Betroffenen zum Zusammenbruch führen würde. Die Autorinnen wenden sich gegen allzu häufig anzutreffenden Mythos des Selbstverschuldens, zu dem manchmal sicher auch eine individualisierte Psychotherapie beiträgt, der aber nur das Opfer schwächt und der von den strukturellen Ursachen wegführt. Stattdessen zeigen sie sehr gut die Dynamik im ganzen Team und den Zusammenhang zum Führungsverhalten auf. In zweiten Teil des Buches geht es um Gegenmaßnahmen: Was tun als Betroffene, als Kollegen, als Betriebsrat und als Führungskraft? Auch hier behalten die Autorinnen das Gliederungsprinzip der Beantwortung häufig gestellter Fragen bei. Der schmale Band (78 Seiten) ist gut strukturiert, präzise und gut lesbar geschrieben, und der Text wird durch farbige Abbildungen unterstützt. Er vermittelt in kompakter Form wichtige und hilfreiche Einblicke und wird sich sicher für viele Kolleginnen und Kollegen als sehr nützlich erweisen. Angenehm ist die hochwertige Verarbeitung, die es ermöglicht, das Buch vollständig aufzuschlagen und geöffnet liegenzulassen, was längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Ursula Vogt, Christa Eggerdinger (2011): Mobbing. Häufig gestellte Fragen. Regensburg: Walhallanet. Bezug: bestellung@walhallanet.de, 12,90 €.

Banal, schwül, peinlich

„Gero oder Der leichte Sommer“ ist der erste Roman der Lappersdorfer Autorin Angelika Seitz, die sich bisher in anderen literarischen Genres (v.a. Gedichten, aber auch Heimatkundlichem) sowie in anderen Kunstformen wie der Malerei versucht hat. Inhaltlich geht es um eine Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen dem freiheitsliebenden Maler Gero, der schönen, aber allzu abhängigen Elsa und der Ich-Erzählerin […]

Der sachliche Massenmörder

Dem Schweizer Schriftsteller Jürg Amann fielen bei einer Theaterarbeit in Wien die Aufzeichnungen von Rudolf Höß, dem Kommandanten von Auschwitz, in die Hände. Höß hatte in der Krakauer Untersuchungshaft, zwischen seiner Verhaftung durch die britische Militärpolizei und seiner Verurteilung zum Tod, etwa 300 Seiten beschrieben; Amann hat diese strukturiert und verdichtet, ohne Nennenswertes hinzuzufügen. Entstanden […]

Lokalkolorit ohne Tiefgang

Soeben erschien mit „Herzstich“der erste Roman der jungen Regensburger Autorin Sonja Silberhorn. Er gehört zur immer beliebter werdenden Gattung der Heimatkrimis, auf die sich der Kölner Emons-Verlag spezialisiert hat. „Herzstich“ spielt und wurzelt in Regensburg. Dem Charme des Lokalkolorits kann man sich als Regensburger schwer entziehen – ein wichtiger Schauplatz ist zum Beispiel die Ostengasse, […]

Bösartiger Tumor beflügelt die Wissenschaft

Im Jahr 1951 starb im Johns Hopkins Hospital in Baltimore, Maryland, USA, eine schwarze Frau mit nur 31 Jahren an einem bösartigen Tumor des Gebärmutterhalses. Sie stammte aus sehr einfachen Verhältnissen und hatte mit 14 Jahren das erste der fünf Kinder bekommen, die sie hinterließ. Im Januar des Jahres 1951 war sie ins Krankenhaus gekommen, […]

„Wie das Leben wiederaufersteht“

Für Ilse Danziger vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde ist es ein „wichtiger Baustein in der traditionellen langen Geschichte der Juden in Regensburg“, die bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht. Das Buch, das Dr. Roman P. Smolorz am Donnerstag vorstellte, behandelt dagegen einen vergleichsweise kurzen, aber bislang kaum erforschten Zeitabschnitt: „Juden auf der Durchreise. Die Regensburger Jewish […]

Deutsch-türkische Familiengeschichten

Lale Akgün ist nicht nur Türkin und Psychotherapeutin, sondern zudem politisch aktiv – ein Umstand, der bei beiden Bevölkerungsgruppen eher selten vorkommt. Akgün war sogar von 2002 bis 2009 für die SPD im Bundestag. Ihre Erfahrungen in der SPD-Bundestagsfraktion, noch mehr aber die mit ihrer Familie verarbeitet sie in heiteren, manchmal boshaften Geschichten. Schon 2008 […]

Integrationsunwillige Muslime?

In der aktuellen Debatte um die Integration insbesondere der muslimischen Zuwanderer in Deutschland, die Thilo Sarrazin mit seinen rassistischen Aussagen erneut angeheizt hat, sind empirische Daten und differenzierte Informationen dringend vonnöten, um den weitverbreiteten Vorurteilen und Missverständnissen zu begegnen. Ein Bericht wie der von Ahmet Toprak („Integrationsunwillige Muslime?“), der für sich in Anspruch nimmt, die […]

Ein Geist mit Lokalkolorit

Spannendes Lesefutter für junge Leserinnen und Leser liefert die freischaffende Redakteurin Rebecca Sollfrank-Grossmann aus Kallmünz mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans „Ole und das Urnenmädchen“. Ole aus Hamburg verbringt mit seinem Vater ziemlich langweilige Ferien auf dem Campingplatz Kallmünz, als bei einer archäologischen Grabung ein Skelett aus der Urnenfelderzeit freigelegt wird. Durch einen Blitzeinschlag materialisiert […]

Regensburg bitterböse

„Die geheime Liebe des Boris B.“ ist eine größtenteils sehr gelungene, wenn auch bitterböse Satire auf Personen und Ereignisse in Regensburg. Mit spitzer Feder und teilweise nur leicht verfremdet nimmt der Autor Regensburger Persönlichkeiten wie den Bürgermeister, die Fürstin oder den Bischof aufs Korn. Die Rahmenhandlung – der einer Regensburger Patrizierfamilie entstammende Boris Beluga ist […]

Buchbesprechung: Brief an mein Leben

Das Thema Burnout betrifft derzeit viele Menschen: von der Angestellten im öffentlichen Dienst über den Lokführer und die Krankenschwester bis zum Manager. Und eben auch die Professorin für Kommunikationswissenschaft Miriam Meckel, die ihre Erfahrungen in einem Buch verarbeitet. Wer sich aber erhofft hat, in diesem Buch von einer gescheiten, belesenen und intellektuellen Frau neue Erkenntnisse […]

Buchbesprechung: Schindlerjüdin

Mit „Schindlerjüdin“ hat Raimund Mader seinen zweiten Kriminalroman mit dem Regensburger Kommissar Adolf Bichlmaier vorgelegt. Wie schon im ersten Band „Glasberg“ (fast alle Titel des Gmeiner Verlagsprogramms bestehen aus einem einzigen Wort und werden auf der Homepage in alphabetischer Reihenfolge präsentiert) liegt die Lösung für die aktuellen Verbrechen weit in der Vergangenheit. In „Schindlerjüdin“ wird […]

„Aronia – Unentdeckte Heilpflanze“

Der kleine, aber feine Regensburger Verlag „edition buntehunde“ (Veröffentlichungen u.a.: „Begegnungen mit ehemaligen ZwangsarbeiterInnen“, Hg. Pax Christi u.a., „Der Wurstkuchlhund“ von Helmut Hoehn oder auch „Lisa … und dann kam ich ins Heim“, Hg. Thomas-Wiser-Haus) hat sich auf kleine Projekte mit regionalem Bezug und abseits des Mainstreams spezialisiert. Mit dem soeben in zweiter Auflage erschienenen […]

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