Toter Student: Ungereimtheiten um
Pfefferspray und Schlagstockeinsatz

Im Fall des getöteten Studenten Tennessee Eisenberg wird das erste rechtsmedizinische Gutachten auf Initiative der Anwälte von Eisenbergs Familie, Thomas Tesseraux und Helmut von Kietzell, einer erneuten Prüfung unterzogen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung am Wochenende. Derzeit prüfen Sachverständige des rechtsmedizinischen Instituts der Universität Münster das erste amtliche Gutachten eines Erlangener Rechtsmediziners. Darin sind – entgegen den bisherigen Verlautbarungen – weder Spuren von Pfefferspray noch des Schlagstockeinsatzes erwähnt. „Es kann natürlich sein, dass der Gutachter nicht speziell danach gesucht hat“, so Thomas Tesseraux gegenüber unserer Redaktion. „Eigentlich hätte so etwas aber auffallen müssen.“ Ebenso gebe es Ungereimtheiten bei den beschriebenen Schusskanälen. Um „mehr Sicherheit zu haben“ haben Tesseraux und sein Kollege Helmut von Kietzell nun ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Ob eine erneute Obduktion von Tennessee Eisenberg notwendig sein wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Eisenberg war bei einem Polizeieinsatz am 30. April getötet worden. Er soll zunächst seinen Mitbewohner, dann die herbeigerufenen Polizeibeamten mit einem Messer bedroht haben. Ersten Erklärungen der Staatsanwaltschaft sei Eisenberg weder verbal zu beruhigen, noch durch den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstock zu stoppen gewesen. Schließlich fielen 16 Schüsse, mindestens zwölf davon trafen den 24jährigen. Der Rechtsmediziner aus Erlangen kam in dem ersten amtlichen Gutachten zu dem Schluss, dass Eisenberg dennoch kurzfristig handlungsfähig gewesen sein soll, selbst nach einem Herzschuss. Ein ballistisches Gutachten des Landeskriminalamts lässt weiter auf sich warten. Wie die SZ am Wochenende berichtete, sind aufgrund der schwierigen Untersuchung mittlerweile auch Techniker des Bundeskriminalamts eingeschaltet.

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Kommentare (4)

  • GuPoSa

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    Die Darstellung der Fürsprecher „Notwehr oder Notstand“ scheint immer brüchiger zu werden. Gesetzt den Fall, dass weder Pfefferspray noch Schlagstock einsetzt worden ist, wer hat dann dieses Gerücht in Umlauf gebracht?
    Ich finde es löblich von den Herren Anwälten das sie zur Klarheit und zur Findung der Wahrheit ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben haben und auch, dass sie zunächst einmal die Möglichkeit „dass der Gutachter nicht speziell danach gesucht hat“ in Erwägung gezogen haben. Höchstwahrscheinlich haben sich die Herren Gutachter gerade in der heutig medialen Zeit mit externen Informationen, wie zum Beispiel hier, der MZ, SZ usw. versorgt. Nicht nur eigentlich hätte so etwas aber auffallen müssen, sondern zwingend wie ich glaube.
    Herr Günther Ruckdäschel es wird immer enger. Vielleicht kommen doch noch weitere Verfahrensfehler oder im schlimmsten Falle Motive ans Tageslicht.

  • deejay12345

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    Ich sehe in dem Bericht nichts weiter als spekulativ Journalismus. Es ist nach wie vor nichts geklärt. Das ist was da drin steht. Nicht mehr und nicht weniger. Es steht weder pro Notwehr noch irgendwas dagegen. Es prallen hier zwei Parteien aufeinander: diejenigen die den Einsatz richtig finden, die anderen die sagen es war alles falsch. Daher dauert wohl auch der Bericht länger, da lückenlos der gesamte Ablauf geklärt werden soll (da offensichtlich öffentliches Interesse herrscht). Das finde ich zumindest schon mal gut. Da Anwälte aber grundsätzlich in so einem Fall ein weiteres Gutachten in Auftrag geben (was ihr volles Recht und meiner Meinung nach auch richtig ist!!!) sehe ich keine neuen Fakten. Ich wäre dafür, dass man für einen Bericht grundsätzlich seine Quellen offenlegen muss. Dann hört dieses spekulieren endlich auf. Ich muss nämlich gestehen das die pro oder anti Einstellung mir langsam auf die Nerven geht. Nachdem an so einer Sache immer etliche Stellen arbeiten um einen Lückenlosen Bericht zu erstellen, dauert es einfach bis dieser Vorliegt. Da können wir hier noch so viel schreiben, vermuten oder uns anfeinden. Jemand der wirklich an der Wahrheit interessiert ist kann warten und sich nach dem Bericht ein Bild machen. Man kann es dann glauben oder auch nicht. Ich für meinen Teil vergesse nicht und bin auch nicht an Sensationsjournalismus interessiert. Mich interessiert der Bericht und nach diesem werde ich eventuell wieder was dazu schreiben. Was durch spekulieren alles angerichtet werden kann sehen wir an unseren Börsen…

  • Sternenfee

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    An GuPoSa
    Ich denke, daß Du die Berichte gut interpretierst: Viele Erklärungen, für etwas, was nicht zu akzeptieren ist. Massive Schußabgabe, bei vielen Polizisten gegen einen. Auch ich denke, daß Ruckdäschel bald seine Pension beziehen darf.

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