SOZIALES SCHAUFENSTER

Gedenken

Vor 80 Jahren begann das Unternehmen Barbarossa

Am 22. Juni jährte sich der Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 80. Mal. In Regensburg gedachte die Stadt erstmals mit einer zentralen Feier am Hohen Kreuz. Nahe dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers steht dort seit den 1980er Jahren ein (fast vergessener) Gedenkstein.

Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer gedachte am Dienstag zusammen mit etwa 60 Personen den Millionen Opfern des Krieges gegen Russland. Auch Schülerinnen der Berufsschule waren anwesend. Foto: bm

„Der Krieg gegen Russland ist ein wesentlicher Abschnitt im Daseinskampf des deutschen Volkes. Es ist der alte Kampf der Germanen gegen das Slawentum, die Verteidigung europäischer Kultur gegen moskowitisch-asiatische Überschwemmung, die Abwehr des jüdischen Bolschewismus.“ Mit diesen Worten formulierte Generaloberst Erich Hoepner am 2. Mai 1941 die Zielsetzung der Unternehmung Barbarossa. Nichts weniger als die „Zertrümmerung des heutigen Russland“ und die „erbarmungslose, völlige Vernichtung des Feindes” könne das Ziel sein, so Hoepner. Die Pläne dazu hatte Hitler bereits 1940 ausarbeiten lassen. Für Russland und seine Bevölkerung kam der Angriff am 22. Juni 1941 gegen 12.15 Uhr russischer Zeit hingegen völlig unerwartet.

Es sei „ein sonniger, warmer Sommertag“ gewesen, berichtet die Bonner Historikerin Dr. Ekaterina Makhotina am vergangenen Montagabend etwa 45 Zuhörerinnen und Zuhörern im Runtinger Saal. Anlässlich des 80. Jahrestages des Überfalls der Wehrmacht hat die Stadt zusammen mit dem Evangelischen Bildungswerk eine Veranstaltungsreihe organisiert und hierzu auch Makhotina eingeladen. Seit vielen Jahren beschäftigt sich die gebürtige St. Petersburgerin in ihrer Arbeit mit den „Grenzen der Erinnerung“ – so der Titel ihres Vortrages – und den ideologischen Hintergründen des Krieges gegen Russland.

„In ein Leben davor und danach geteilt“

Der 22. Juni 1941 habe das Leben in ein „davor und danach geteilt“. Jeder Überlebende in Russland habe sich sein Leben lang an diesen Moment erinnern können, als die Nachricht vom Angriff der Wehrmacht über Radio oder Bekannte kam. 27 Millionen Menschen, darunter drei Millionen Kriegsgefangene und 14 Millionen Zivilisten, fielen der Forderung nach „Lebensraum im Osten“ für die „arische Bevölkerung“ zum Opfer.

Der antisemitische und rassistische Vernichtungswahn der Nationalsozialisten sei ebenso Triebfeder des Krieges gegen Russland gewesen wie der Antibolschewismus, so Makhotina.

Bereits 1925 hatte Hitler die Vernichtung des Bolschewismus zu einem politischen Hauptziel des Nationalsozialismus erklärt und den Krieg gen Osten, nach der Eroberung Frankreichs, ab Mitte 1940 sukzessive vorbereitet. Laut Makhotina wurde dabei von Anfang an „ganzen Bevölkerungsgruppen das Leben abgesprochen“. „Die Vertreibung und Vernichtung war ein Teil dieser Lebensraumpolitik.“ Der Vernichtungskrieg sei somit zum „integralen Teil des Nationalsozialismus“ geworden, wie auch Zitate von Personen wie Generaloberst Hoepner zeigen würden.

Mit dem „Hungerplan“ gegen die „Wiege des Bolschewismus“

Triebfeder dabei sei stets der antisemitische und rassistische Vernichtungswahn der Nationalsozialisten gewesen, ebenso der Antibolschewismus. Letzterer fand seinen Ausdruck laut Makhotina insbesondere in der Belagerung Leningrads, dem heutigen St. Petersburg. Die „größte demographische Katastrophe, die eine Stadt jemals erleben musste“. 28 Monate wurde die Stadt eingekesselt. Die „Wiege des Bolschewismus“ sollte aus der Luft vernichtet werden, erklärt die Expertin die Hintergründe. Leningrad wurde auch zum Symbol des sogenannten „Hungerplans“.

„Die Versorgung der Einheimischen war generell nicht vorgesehen“, erklärt Makhotina in ihrem einstündigen Vortrag das menschenverachtende Vorgehen der Wehrmacht. Die NS-Führung habe Leningrad regelrecht aushungern lassen. Tagebücher aus jener Zeit geben Zeugnis darüber, wie der Hunger zum bestimmenden Thema wurde. Die Rationen seien immer weiter reduziert worden. Schließlich griffen die Menschen nach Hunden, Katzen und Tauben. Selbst Lederwaren und Holzleim wurden gegessen, berichtet Makhotina. „An vielen Stellen muss man feststellen, dass die Menschen ihren eigenen Weg in den Tod festhalten”, sagt sie auf die zahlreichen Tagebücher bezugnehmend. Zunächst noch literarische Passagen seien mit der Zeit immer abgebrochenener geworden, mit falschen Sätzen. Bis irgendwann der Satz komme, dass man sich den Tod herbei wünsche. „Das Leben ist nicht mehr zu ertragen”, schrieb etwa Lazar Mojzhes im Winter 1941. Anfang 1942 wurde er beigesetzt.

In anderen Teilen Russlands seien Menschen zu tausenden hingerichtet, Dörfer und Städte niedergebrannt, Frauen und Kinder ins Deutsche Reich verschleppt worden. „Juden, psychisch Kranke, Sinti und Roma und Partisanen wurden sofort umgebracht.“ Auf Widerstand sei mit aller Härte reagiert worden, schildert Makhotina, die unter anderem auch in Regensburg studiert hat.

Unter anderem Rainer Ehm ist es zu verdanken, dass seit 1988 ein Gedenkstein am Hohen Kreuz steht. Foto: bm

Viehbachers Versprechen

Hier steht die promovierte Osteuropahistorikerin Dienstagmittag dann auch zusammen mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, dem stadtbekannten Historiker Rainer Ehm sowie Daria Kozlova, wissenschaftliche Mitarbeiterin der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg auf einer Wiese im Stadtteil Hohes Kreuz. Dort, wo die Siemensstraße auf die Straubinger Straße trifft steht seit Oktober 1988 ein Gedenkstein (Mehr Informationen dazu hier). Im Beisein von Dr. Tatjana Burowina, sowjetische Botschaftssekretärin aus Berlin, enthüllte der damalige Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher das Denkmal. Den Flossenbürger Granit von zwei Metern Höhe mit zwei stützenden Bronzetafeln entwarf und realisierte der Bildhauer Heinrich Glas.

Viehbacher versprach damals: „In der Erinnerung an eine dunkle Vergangenheit, als Mahnung für uns.“ Zusätzlich forderte Burowina als Vertreterin der UdSSR: „Trotz aller unterschiedlicher politischer Auffassungen dürfen wir das gemeinsame Ziel, den Frieden, nicht aufgeben.“

Auch in Regensburg starben Kriegsgefangene

Bis heute sind der Gedenkstein und dessen Hintergründe allerdings nur wenigen bekannt. In den vergangenen Jahren trafen hier vor allem Vertreter von Gewerkschaften, der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes zur Kranzniederlegung zusammen. Auch die Stadt schien den Stein inmitten der Wiese, an einer dicht befahrenen Hauptstraße und umgeben von Gewerbeflächen jahrelang vergessen zu haben. Dass die Stadt zum 80. Jahrestag nun das Thema aufgreift, ist vor allem den Mitgliedern des Runden Tisches für Erinnerungskultur zu verdanken, wie auch Maltz-Schwarzfischer in ihrer kurzen Rede herausstellt.

Unweit des ehemaligen „Russenlagers“ wo während der NS-Zeit mehrere hundert russische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit untergebracht waren – viele von ihnen fanden dort den Tod – mahnen Maltz-Schwarzfischer und Makhotina, die sowjetischen Opfer stärker in das kollektive Gedenken miteinzubeziehen. Bereits am Abend zuvor sprach die Wissenschaftlerin von den noch immer zahlreichen „stummen Zeugen der Geschichte“ in Deutschland und auch den ehemaligen Ostblockstaaten. Viele Orte, an denen Menschen misshandelt, ermordet oder – wie im Bereich des Regensburger Stadtteil Hohes Kreuz – in Gefangenenlagern zur Arbeit gezwungen wurden, seien bis heute unbekannt oder zu wenig erforscht.

Steinmeier: Eine „mörderische Barbarei“

Nur allmählich breche das Schweigen und komme durch neue Erkenntnisse auch das Interesse der Bevölkerung. „Es liegt an uns, diese Orte als Fremdkörper herauszuholen und ihre Bedeutung zu entschlüsseln“, so die Bonner Historikerin. Eine Forderung, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am vergangenen Freitag vorwegnahm: „Vom ersten Tage an war der deutsche Feldzug getrieben von Hass, von Antisemitismus und Antibolschewismus, von Rassenwahn gegen die slawischen und asiatischen Völker der Sowjetunion.“ Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion sei eine „mörderische Barbarei“ gewesen.

Für Makhotina sind solche Aussagen wichtige und überfällige Schritte. Einen Schlussstrich wie er früher immer wieder gefordert worden sei, dürfe es auch für diesen Teil der Geschichte nicht geben. Es müsse intensiv weiter geforscht und das Wissen in das kollektive Gedächtnis Einzug halten, auch in den ehemaligen Ostblockstaaten.

Politik vs Gedenken

Dort werde das Thema nicht selten von der Zeit der UdSSR überlagert und komme auch im Baltikum, in Ungarn oder der Ukraine nur nach und nach mehr zur Sprache. Nicht selten stünden auch politische Differenzen einer gemeinsamen Erinnerungskultur im Weg. Das zeigte sich erst vergangenen Freitag in Berlin. Der Rede des Bundespräsidenten blieb der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk fern.

Dass die zentrale Gedenkrede des Bundespräsidenten im Deutsch-Russischen Museum stattfinde, sei für die Ukrainer ein „Affront“, berichtete der Tagesspiegel. Melnyk kritisierte zudem eine Gleichsetzung von sowjetischen und russischen Opfern. Wladimir Putin seinerseits sprach in einem Gastbeitrag davon, dass Europa einen „bewaffneten verfassungswidrigen Staatsstreich” in der Ukraine unterstützt habe. Den tatsächlichen Opfern des „Großen Vaterländischen Kriegs“ wie er in Russland genannt wird, werde man so jedoch nicht gerecht, sagt Makhotina am Montagabend.

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Kommentare (17)

  • Sigi

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    Danke für diesen Artikel.
    Ich möchte gerne einen weiteren bisher fast untergegangenen Aspekt einbringen, der in folgendem Telepolisartikel gut beschrieben ist.
    https://www.heise.de/tp/features/Germanen-versus-Slawen-6113363.html
    Der Krieg im Osten unterschied sich bereits mit dem Überfall auf Polen deutlich von den Kriegen im Westen. Es handelte sich eigentlich im Osten um eine antislawische Vernichtungskriegsführung, die in die Ermordung von ca. 3 Mio. sowjetischen Kriegsgefangenen und die Tötung von über 25 Mio Menschen nur in der UdSSR führte.

  • Mr. T.

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    Überfall? Ich hab immer gedacht, das war proaktive Selbstverteidigung.

    Wir dürfen sowas nie vergessen. Mittlerweile gibt es wieder einen zweistelligen Prozentsatz der Bevölkerung, die bereit sind, solch faschistische Barbaren wieder zu wählen.

  • R.G.

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    Zu Leningrad.
    Eine Frau von der russischen anthroposophischen Gemeinschaft lernte ich persönlich kennen. Sie hatte eine Schrumpfniere, seit sie bei der Belagerung von Leningrad aus Hunger, weil nichts mehr an Essbarem da war, Leim aß. Als Hungerfolge litt sie stets unter vielerlei schmerzhaften Verdauungsbeschwerden .
    Es berührt mich daher, nun hier offiziell davon zu lesen.

    Die deutschen Soldaten hinterließen auf dem Weg nach Leningrad viel Leid. Ein Verwandter eines Offiziers spielte mir, nach dessen völlig unerklärlichem Suizid, seine handschriftlichen Kriegserinnerungen zu, er beschrieb die angeordneten Vergewaltigungen als “Hunger nach Mädchen”, der niemals geendet habe. Er habe der Mutter seines Vorgesetzten – er hatte sich in der Schändung von Frauen besonders hervorgetan – in der Heimat die Botschaft überbringen müssen, jener sei als großer Held am Schlachtfeld gestorben.

  • joey

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    In Polen ist auch noch gut bekannt, daß die Sowjetunion ebenso einmarschiert ist und “bourgoise Elemente”, Offiziere und Intelligenzia sofort umbringen ließ.
    Ob die Deutschen in der Ukraine als Befreier begrüßt wurden… aber zumindest als das geringere Übel, denn der Holodomor ist dort auch schwer in die Geschichte eingebrannt.
    Meine väterliche Familie kam wegen ihrer Multikulturalität in genau diesen Zwiespalt. Durch Zwang kamen sie auf die deutsche Seite, kollaborierten da (freiwillig?) und bekamen bei Kriegsende mit einer kurzen Lüge einen deutschen Paß – der sie vor dem wohl tödlichen Rücktransport in den Kommunismus rettete.

    So ist schwer zu sagen, wer nun Opfer-, Kollaborations- oder Tätervolk ist. Ich bin ein Mischling! Na, dann kann ich mir einen Opferstatus aussuchen, umringt von Nazi Nachfahren? Das lehne ich ab, es gibt schon zu viele billige “nach 45 Widerstandskämpfer”.

  • Robert

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    Völlig unerwarteter Angriff?
    Nach und trotz dem Hitler-Stalin-Pakt gab es auf sowjetischer Seite durchaus Zweifel gegenüber dem Deutschen Reich. In einem aktuellen interessanten DLF-Interview sagt der russische Historiker Oleg Budnizkij: „Faktisch hat man schon am 21. Juni mancherorts angefangen, Truppen in Kampfbereitschaft zu versetzen.“

    https://www.deutschlandfunk.de/ueberfall-auf-die-sowjetunion-politik-des-kremls-zielt.694.de.html?dram:article_id=499142

    Im deutschen Kontext wird nicht zwischen sowjetisch und russisch unterschieden, obwohl die Problematik von Bedeutung ist. Im Text wird dies von Bothner zuletzt leider nur kurz angedeutet. Auch wird im Text nicht auf den Hitler-Stalin-Pakt und die Zerschlagung Polens Bezug genommen. Dies gehört dazu.

    Das Erinnern an den Vernichtungskrieg und seine Opfer wird in meinen Augen wertlos, um nicht zu sagen verlogen, wenn nicht betont und verurteilt wird, dass der deutsche Angriff auf die Sowjetunion von den christlichen Kirchen bis zuletzt (mit) getragen wurde. Besonders vom Regensburger Bischof Buchberger, der für einen deutschen Sieg gegen den Bolschewismus sogar die hier viel und gerne bemühte Mutter Gottes anrief.

    @Joey Danke für den Hinweis auf ihre persönlichen Verstrickungen. Die Sachlage wird gedanklich etwas einfacher, wenn man nicht in den Kategorien von „Volk“ denkt und handelt. Auch mit der Rede von Opfer-, Kollaborations- oder Tätervolk wird man der historischen/gesellschaftlichen Realität nicht gerecht. Die staatlich verordnete Vergangenheitspolitik (nur Opfer des Dt. Reichs) in Polen, der Ukraine und in Russland ist auch deshalb fadenscheinig und abstoßend.

    Die deutschen Vergangenheitsbewältigungsweltmeister mit ihrer identitätsstiftenden Ideologie finde ich aber auch nicht besser, nicht zuletzt, weil die Rolle und Beteiligung der christlichen Kirchen am NS-Regime klein oder weggeredet wird.
    Tatsächlich ist ein nicht geringer Teil der deutschen Bevölkerung immer noch dabei, die militärische Niederlage und die nicht ganz geglückte Vernichtung von Juden, Slawen, Kommunisten, … zu „bewältigen“ und den zuletzt doch nicht eroberten Osten (Stichwort „Lebensraum“) zu betrauern.
    Ein Beispiel aus meiner biodeutschen Familie: Mitte der 1990er zeigte mir mein 10jähriger Neffe im Weltatlas voller Stolz „WO WIR SCHON WAREN“ und sprach von „Russland“. Solcherlei bekam er von seinem Opa (kein Kriegsteilnehmer) eingetrichtert. Sein anderer Opa (auch kein Kriegsteilnehmer) hat sein Wohnzimmer mit seinen sechs „in Russland gefallenen“ Brüdern und Schwagern verziert.

  • Madame

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    Jedes Volk ist einmal tätervolk und einmal Opfervolk. Die deutschen waren im 2.weltkrieg das tätervolk. Im 1.weltkrieg wurden die deutschen auch als tätervolk beschuldigt,weil sie mit österreich in Allianz standen. Die darausfolgenden konsequenzen wurden wieder dem Volk durch grausame Reparaturen von den alliierten zugemutet. Aus diesem geschehen entstand hitler und Co. Juden Zigeuner Russen Polen und sonstige wurden opfer
    durch nazideutschland.. Das unternehmen barbarossa sollte mehr Land im Osten bringen. Da waren die Russen wieder Opfer. So geht es weiter,bis zum heutigen Tag. Daran zu erinnern, ist zwar sinnvoll, aber kein Volk lernt auch nach 80 Jahren nichts.

  • Politische Bildung am BSZ Regensburger Land – Staatliches BSZ Regensburger Land

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    […] Am 22. Juni 1941, ein sonniger, warmer Sommertag, überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion. Es folgte ein beispielloser Vernichtungskrieg. 27 Millionen Menschen, darunter 14 Millionen Zivilisten, fielen ihm zum Opfer. Vergangenen Dienstag zum 80. Jahrestag erinnerte die Stadt Regensburg an diesen oft vergessenen Teil des Zweiten Weltkrieges.* […]

  • Hthik

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    @Robert 24. Juni 2021 um 10:57

    Das ist ungefähr so aussagekräftig, wie dass amerikanische Geheimdienste die Bundesregierung ausspionieren, obwohl wir doch Verbündete sind.

    Glücklicherweise ist auch nicht jeder zehnjährige Modellkriegstechniksammler ein faschistischer Welteneroberer. Das ist lediglich eines der Einfallstore, wie etwa auch die bei den Querdenkern schon angesprochene Esoterik, mit denen man am Besten ruhig uns sachlich umgeht. Die Brücke ist FSK12. Das Einzige, was ich am Ende der Wehrpflicht bedauere ist, die vielen, die dort erkannt haben, dass militärischer Drill mitnichten die offensichtliche Lösung für viele gesellschaftliche Probleme ist.

  • Günther Herzig

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    Jeder weiß etwas anderes, keiner weiß genug. Ich bin sehr erfreut, dass dieses Kapitel deutscher Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Ich habe in den Jahren einiges über den Krieg, vor allem auch im Osten, gelesen. Seitdem ich mein Wissen immer etwas mehr erweitern konnte, ganz gewiss nicht ausreichend, bin ich umso mehr überrascht, dass Russen und natürlich auch andere Kriegsopfer und selbstverständlich Juden überhaupt imstande sind mit Deutschen überhaupt Worte zu wechseln. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das könnte.

  • Sigi

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    Ohne Zweifel gibt es immer Opfer und Täter. Möglicherweise gibt es am Beginn eines Krieges sogar Gut und Böse.
    Das Thema scheint aber vielmehr zu sein, dass ein Krieg IMMER alle Beteiligten korrumpiert. Im Verlauf eines Krieges verwischen alle Grenzen.
    Vor diesem Hintergrund ist für mich klar, dass wir keinerlei Verantwortung für Vergangenes haben, aber natürlich für Zukünftiges.
    Vor diesem Hintergrund gilt für mich eindeutig “nie wieder Krieg” und damit auch keine Beteiligung der Bundeswehr an den Einsätzen, die gerade betrieben werden. Das ist unsere Verantwortung und meine Lehre aus der Vergangenheit!

  • Sigi

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    @Günther Herzig
    Auch ich habe mich viel beschäftigt. Wer Reiseberichte aus Russland liest wird unweigerlich feststellen, dass es keine Resentiments gegen Deutsche gibt.
    Die Russen und ehemaligen Sowjets scheinen ein unglaublich grossherziges Volk zu sein, denn wer hätte es ihnen verdenken können, wenn die die Deutschen einfach platt gemacht hätten. Ich möchte auch an die Grossherzigkeit eines Michail Gorbatschow erinnern. Alle Versprechungen an ihn wurden gebrochen und nun steht die NATO an der russischen Grenze. Ich hoffe, dass solche Artikel immer die Erinnerung daran wach halten, was Deutsche dort eigentlich anstellten.

  • joey

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    @Günther Herzig
    Da ich öfters mit “Russen” und Juden aus USA Worte wechsle… die meisten wissen, daß die Deutschen von heute ihre Geburt nicht ausgesucht haben und daher grundsätzlich unschuldig wie alle anderen Nachgeborenen sind.

    Wobei… wie schon öfters berichtet, bedauern manche Russen, daß die damaligen Deutschen nicht “alle Juden geschafft” haben.
    Kriege mit dem Ziel von Vertreibung bis hin zu Vernichtung gibt es ja immer wieder (Jesiden, Ruanda, Nigeria…). Keine Relativierung, sondern mein Hinweis, daß das Thema leider noch aktuell ist.

  • Günther Herzig

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    Jeder Krieg ist fürchterlich, aber kein Krieg kann auch fürchterlich sein. Damit will ich ausdrücken, dass der reine Pazifismus weder Lösung sein kann noch risikolos ist.
    Ich habe Dienst bei der Bundeswehr geleistet von 01.10.1963 bis 30.09.1965.

  • semmeldieb

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    herr herzig, können sie mir das erklären?

    “Jeder Krieg ist fürchterlich, aber kein Krieg kann auch fürchterlich sein”

    ich verstehe diese aussage nicht, zumindest nicht als alleinstehenden satz und auch nicht im zusammenhang mit dem folgesatz bzgl. pazifismus.

  • R.G.

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    @In den Jugendjahren Günther Herzigs tauchte als Modeerscheinung die Idee der völligen Abschaffung des staatlichen Militärs auf, das Land solle sich nicht mal mehr selbst schützen dürfen, die Haltung müsse “Peace” sein, so werde ein,
    “Nie wieder Krieg !”, verwirklicht.

    “Make Love not War!”
    Eine Parole mit der Folge ganz eigener Brutalitäten, von Drogenmissbrauch bis sexueller Ausbeutung reichend. Ein Boden für unterdrückerische Sekten.

  • Günther Herzig

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    @semmeldieb
    Ich habe an einen Staat gedacht, der auch für die Abwehr eines Angriffs wehrunfähig ist.
    Auf diesem Weg werden wir sein, wenn Parteien die Wahl gewinnen, die nicht einmal bereit sind Verpflichtungen aus dem Bündnissystem zu erfüllen. Damit schwächen wir nicht nur uns, sondern auch die Bündnispartner, deren Sicherheit ebenso auf dem Spiel steht und die sich auch auf uns verlassen. Sollte es Mehrheiten geben aus der Nato auszutreten, müsste wenigstens ein rein europäisches Bündnis der EU-Staaten bereits funktionsfähig bestehen, mit freundschaftlicher Anbindung an eine weiter existierende Nato, falls die USA dann überhaupt noch interessiert sind im Notfall für uns Europäer einzutreten.

  • Piedro

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    Bis in die 80er verlief die Nato-Verteidungslinie linksrheinisch. Der Größte Teil der Bundesrepublik war eh als Schlachtfeld verloren. Ich habe Zweifel, dass die aktuelle Strategie viel sinnvoller ist. Wenn es zu einem Angriffskrieg kommt ist der Keks eh gegessen, gleich wie wehrfähig die einzelnen Nationen sein mögen.

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