SOZIALES SCHAUFENSTER

Stadt prüft andere RTK-Erweiterungsorte

Vorsichtiges Aufatmen am Weinweg

Nach einigem Protest gibt es ein erstes deutliches Entgegenkommen der Stadt Regensburg in der Causa Weinweg. Am Freitag trafen sich Nutzergruppen der städtischen Sportanlage mit Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein, für die ein Abtreten des bisher angedachten Platz 4 zugunsten des Regensburger Tennis-Klubs (RTK) und zulasten des jetzigen Sportgeländes nicht realistisch umsetzbar sei. Die Stadt prüfe nun anderweitige Erweiterungsflächen für den Tennisverein im Umgriff des Weinwegs. Das sorgt für Aufatmen.

Die Sportanlage aus der Luft. Die bisher geplante Tennis-Erweiterungsfläche ist rot markiert. Bild: Stadt Regensburg, Markierung: om

Es war Anfang Juni als sich mehrere Nutzergruppen der Sportanlage am Weinweg mit dem Gerücht an die Stadt wandten, dass das Gelände zugunsten des Regensburger Tennis-Klubs (RTK) um einen Platz verkleinert werden sollte. Zumindest das Gerücht wurde durch die Oberbürgermeisterin bestätigt, nähere Auskunft gab es auf Antrag der Grünen-Fraktion am 21. Juli in der Sitzung des Sportausschusses. Laut Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein habe es seitens ihres Ressort-Vorgängers Hermann Hage die Zusage an den RTK gegeben, Erweiterungsmöglichkeiten zu prüfen. Entsprechende Pläne gebe es jedoch nicht.

Kommunikationskanal endlich hergestellt

Amtsleiter Johann Nuber präsentierte in der Sitzung die Überlegung den halben Platz 4 für drei Tennisplätze des RTK abzutreten. Voraussetzung dafür sei jedoch die Fertigstellung von Ausweich-Fußballplätzen in Prüfening und Burgweinting. Die mögliche Schrumpfung der Weinweg-Anlage führte jedoch zu Befürchtungen betroffener Vereine und Verbände, es könnte zu Kapazitätsengpässen auf dem begehrten Gelände führen. Schlimmstenfalls fürchteten manche sogar um ihr Fortbestehen. Mit einem Abtreten von Platz 4 wollen sich viele jedenfalls nicht abfinden.

Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Am letzten Freitag trafen sich Vertreter der Gruppen am Weinweg mit Bürgermeisterin Freudenstein, um die Situation zu besprechen. Zuvor war von den Weinwegnutzern kritisiert worden, dass die Stadt über ihre Köpfe hinweg Pläne schmiede und entscheide. Es habe keinerlei Kommunikation gegeben. Am 7. August gab es daraufhin ein erstes Treffen mit Sportamtsleiter Nuber und Jürgen Brandl (Sportförderung), nun das Treffen mit Freudenstein (und Brandl). Für Oktober sei eine weitere Zusammenkunft geplant.

Abtretung von Platz 4 vom Tisch?

Die Bürgermeisterin habe bei dem Gespräch am Freitag vermittelt, dass Platz 4 der Sportanlage nicht an den RTK abtreten werden solle, wie Anwesende schildern. Freudenstein bestätigt das gegenüber unserer Redaktion. Sie halte diese Variante für nicht realistisch umsetzbar und habe deshalb die Verwaltung beauftragt „Optionen auszuloten“, ob und welche alternativen Standorte für Tennisplätze des RTK infrage kommen.

Zankapfel: Platz 4 (hinten) am Weinweg. Foto: om

Für die Nutzergruppen am Weinweg ist das Thema damit aber noch nicht vom Tisch. Die „Konfliktstellung“ werde bestehen bleiben, sollte die Stadt keine geeigneten Erweiterungsflächen für den Tennis-Klub finden, so Ulrich Miethaner vom Fußballverein FK Phönix. Man werde das „ganz genau beobachten“. Doch insgesamt stimme ihn das Gespräch mit Freudenstein „vorsichtig optimistisch.“

„Die Angst erstmal genommen.“

Claudia Bernhard, Vorständin der Bunten Liga, die ihre Saisonspiele (in der Regel) auf zwei Plätzen am Weinweg austrägt, hat den Eindruck, dass man seitens der Stadt „offen und ehrlich“ gewesen sei und „in aller Sinne“ nach Alternativen recherchieren und nicht das Sportgelände am Weinweg verkleinern wolle. Ihr persönlich sei „die Angst erstmal genommen worden“.

Auch die Grünen-Fraktion, die das Thema nach Gesprächen mit Gruppen am Weinweg in der Sportausschusssitzung vom Juli an die Öffentlichkeit gebracht hat, zeigt sich zufrieden mit der neuesten Entwicklung. Es freue ihn, wenn „jetzt auch andere Orte für die Erweiterung gesucht werden“, so Stadtrat Daniel Gaittet. Die Bürgermeisterin folge damit dem Vorschlag der Grünen. Sportausschussmitglied Yasmin Hopp ergänzt, dass jetzt nur noch ein Ort gefunden werden müsse, „wo der Regensburger Tennis-Klub wachsen“ könne.

Mögliche Erweiterungsoptionen für den RTK

Welche RTK-Erweiterungsflächen aktuell im Fokus stehen, möchte Astrid Freudenstein unserer Redaktion nicht mitteilen. Sie verweist darauf, dass die Flächen teilweise nicht in städtischer Hand seien und sie zunächst auch mit dem RTK reden möchte. Nach unseren Informationen sind zunächst drei Möglichkeiten in die nähere Auswahl gerückt. Zwei verwaiste Bolzplätze wenige hundert Meter weiter östlich in Richtung Autobahn seien dabei ebenso im Gespräch wie zwei bereits bestehende Kunstrasen-Tennisplätze des Regensburger Hockey- und Tennisclubs (RHTC) südlich des Stadions am Weinweg, die der RTK bereits nutzt. Letztere müssten für einen möglichen Spielbetrieb allerdings in Nord-Süd-Richtung um 90 Grad gedreht werden. Für eine Erweiterung wären auch Baumfällungen unumgänglich – im Landschaftsschutzgebiet.

Möglicher Erweiterungsort? In die Jahre gekommene RHTC-Plätze in ungeeigneter Ost-West-Richtung. Foto: om

Eine dritte Option könnte das Gelände der Gemeinschaftsunterkunft am Weinweg sein. Das dortige Gebäude grenzt direkt an den RTK und wurde von der Stadt im Jahr 2015 in Modulbauweise errichtet und wird seitdem an die Regierung der Oberpfalz vermietet. Es entstand im Zuge höherer Flüchtlingszahlen auf dem ehemaligen Platz 6 der städtischen Sportanlage. Hier müsste sich die Stadt Regensburg mit dem Freistaat Bayern über eine künftige Nutzung verständigen.

Für den RTK selbst sei zum Thema Weinweg „aktuell alles ausgiebig diskutiert und besprochen worden“, so Vereinsvorstand Andreas Pindl. Nun solle man gemeinsam abwarten. Freudenstein ist auch der Meinung, dass die Erweiterungs- und Umsiedlungsdiskussion keine Eile habe. „Wir haben keinen Zeitdruck.“

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Kommentare (7)

  • Anna

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    Wenn das alles mit dem angeblichen Mitgliederwachstum stimmt warum machen die beim RTK dann nicht einfach einen Aufnahmestopp? Die ganzen Tennisvereine denen man in den letzten Jahren keine 1A Grundstücke und auch keine Tennishallen in Naturschutzgebieten ermöglicht hat könnten sich dadurch wieder erholen und die verlorenen Mitglieder zurückgewinnen. Ich finde diese aggressive Verdrängungsstrategie gegenüber anderen Tennisvereinen und den Freizeitmannschaften am Weinweg unmöglich.

  • Magdalena

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    Alleine die Tatsache, dass um diesen Platz nun so verzweifelt gekämpft werden muss, zeigt doch mehr als deutlich, dass in Regensburg nach wie vor ordentlich was falsch läuft! Wie kommt es überhaupt dazu, dass der RTK sich hinstellt und damit prahlt diesen Platz zu bekommen?! Wie kommt es, dass Frau Sportbürgermeisterin nicht in der Lage oder gewilllt ist, diese Zahlen selbst zu prüfen und zu verifizieren?! Wieso vergehen Monate, in denen es Treffen mit dem RTK gab aber nicht mit den betroffenen Sportlern?! Man hört doch jetzt aus allen Ecken, was wirklich hinter dem ominösen Zuwachs des RTKs steckt. Erst jetzt sich herab zu begeben, weil man Angst um seinen Ruf hat ist zu spät! Schon längst hätte es eine klare Absage an den RTK und eine offizielle Entschuldigung für diese miserable Kommunikation geben müssen, bei der fast (oder wer weiß welche Mauscheleien doch noch zum Erfolg des RTKs führen) eine solch grandiose Gemeinschaft hintergangen worden wäre und vor dem Nichts gestanden wäre.

  • XYZ

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    Finde dazu: Es ist allmählich an der Zeit Freiflächen namentlich an der Donau allgemein zugänglich zu machen – vom Grieser Spitz mal abgesehen, wo es Anwohner und Lärmstörungen gibt – und nicht nur für Vereine, Zugang ohne Mitgliedsausweis nicht erlaubt – wo sind wir denn da? Darf man da nicht joggen oder wandern ? Alles umzäunt.

  • XYZ

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    Die Arenen seien es Tennis in Wimbledon oder der Allianz-Arena in M sind nunmehr alle geschlossen, dank Corona, damals ging das römische Reich zu Grunde, ein Menetekel.

  • Günther Herzig

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    @XYZ:
    Brillante Analyse und hier so hilfreich!

  • X.Y.Z.

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    @Magdalena: Was hört man so aus allen Ecken?
    Mehr Mitglieder-mehr Zuschüsse von der Stadt Regensburg und BLSV (Steuergelder!) D.h. mehr “Kunden” für die kommerziell betriebene Tennis-Schule, der gemeinnützige Verein hat seinen ideellen Bereich (Training/Jugendarbeit) und den Zweckbetrieb de facto an die Tennisschule abgegeben. Sehr merkwürdige Interpretation der Gemeinnützigkeit seitens RTK. Rechnungen fürs Training bekommen die Mitglieder von der Tennisschule GmbH und nicht vom gemeinnützigen Verein.
    Die RTK Tennishalle wurde mit 108.000€ von BLSV (Bauzuschuss) gefördert.
    Lt. BLSV Sportförderrichtlinien (Bauzuschuss) darf aber die Tennishalle kommerziell nicht genutzt werden. (s.Punkt 2.4.6)
    https://www.blsv.de/fileadmin/user_upload/pdf/sportstaettenbau/Auszug_Sportfoerderrichtlin_Bayern_2017_zstz2019.pdf

  • SiLa

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    @Anna einen Aufnahmestopp? Ja, wurde so in der Sportausschusssitzung gesagt. Aber wenn man genauer auf die Homepage schaut, werben die RTKler aktiv neue Mitglieder an. Auch die Belegungszeiten von den Hausplätzen sind dort zu sehen. Wenn ich morgen oder übermorgen spielen will, bekomme ich auch was!! Da stimmt doch was nicht! Im Moment hat der Tennisklub eigentlich über 20 Plätze zum Spielen, wollen aber keine 10 Meter von ihrem Vereinsheim weg. Darum sollten andere den Platz räumen. Es spricht sich auch rum, dass der RTK Kinder und Trainer von anderen Vereinen aggressiv abwirbt. Das bringt natürlich eine Menge Kohle für die GmbH ein. Und mehr Förderung für die nächste Traglufthalle? Wer bekommt eigentlich die ganze Kohle aus den Tennisstunden der GmbH? Weiß das jemand? Bereichern sich da einzelne Personen? Mir wird jetzt langsam klar, warum die Fr. Freudenstein alles unternimmt, um diesem Verein zu helfen. Geld regiert die Welt und leider auch Regensburg! Und wenn die Stadt „nur“ wegen dem RTK das Flüchtlingsheim versetzt, ist nochmal eine ganz andere Nummer! Das wäre ja Wahnsinn!

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