Eisiger Filz

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Bemerkenswert! Das war die Verhandlung gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Eisbären am Regensburger Amtsgericht. Markus Schrör musste sich wegen Insolvenzverschleppung bei der 2008 pleite gegangenen Eishockey-GmbH verantworten. Interessant war aber vor allem, warum sich die offizielle Pleite so lange verzögern konnte und wer dabei tatkräftige Unterstützung leistete. Mit über einer Million Euro war der – als sportliches Aushängeschild für Regensburg gedachte – Eishockey-Club verschuldet, als die Pleite schließlich offiziell bekannt wurde.
Zahlungsunfähigkeit lag nach Ansicht des Gerichts bereits 2005 vor: damals lagen die Schulden bei „lediglich” 280.000 Euro. Schrör kam glimpflich davon: Zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, und 3.000 Euro für soziale Zwecke lautete das Urteil des Schöffengerichts unter Vorsitz von Richter Franz Zeitler – ein Kenner der Sportfunktionärsszene. Dass die Strafe nicht höher ausfiel, hat Schrör seinem ausführlichen Geständnis zu verdanken. Demnach scheint die Geldbeschaffung – trotz Schulden – lange Zeit kein Problem gewesen zu sein. Ein exemplarischer Fall, den Schrör am Mittwoch schilderte: Als er selbst wegen eines Darlehens bei der Sparkasse Regensburg angefragt habe, sei ihm eine Absage erteilt worden.
Über die richtige Kanäle scheint sich aber die Bonität der Eisbären für die Sparkasse plötzlich anders dargestellt zu haben. Er habe sich an Eisbären-Gesellschafter Armin Wolf gewandt, so Schrör. Der habe dann bei Oberbürgermeister Hans Schaidinger angerufen, glücklicherweise Verwaltungsrat bei der Sparkasse, und dieser habe wiederum Sparkassen-Vorstand Dr. Rudolf Gingele kontaktiert „und dann kamen die 100.000 Euro”. Eine unkomplizierte Angelegenheit also. Er habe sich „die ganze Zeit über” protegiert und „auf der sicheren Seite gefühlt”, so Schrör (Foto unten).
Folgt man den Einlassungen des 46jährigen hatten eine Menge Leute, allen voran der Oberbürgermeister, ein vitales Interesse daran, aus den Eisbären einen DEL-Club zu machen, ein Renommee-Objekt. So gab es trotz der erheblich angewachsenen Schulden in der Saison 2006/07 Umbaupläne für die Donau-Arena. Die offiziellen Lippenbekenntnisse der Politik stellten die Situation weit positiver dar, als sie eigentlich war. Schrör, der einräumte, dass er sich zunächst kaum um die Bilanzen gekümmert habe („Wenn ich Geld brauchte, war immer welches da.”), wollte hinschmeißen. Spätestens dann wäre das Eisbären-Gebilde geplatzt. Hans Schaidinger habe auf ihn eingeredet, wortwörtlich: „Wir haben am 8. März Wahlen.”
Für diese Wahlen hatte Schaidinger – in einer höchst umstrittenen Aktion – Plakate drucken lassen, die ihn, Stefan Binder vom SSV Jahn und Sven Gerike von den Eisbären in trauter Eintracht mit dem Slogan „Wir kämpfen gemeinsam” zeigen. Fans sind Wähler. Am 17. März gewann Schaidinger die Stichwahl knapp gegen seinen SPD-Konkurrenten Joachim Wolbergs.
In Schrör hatten diejenigen, die Interesse am „Spielzeug Eishockey” gehabt hätten einen „nützlichen Idioten” gefunden, so dessen Rechtsanwalt Dominik Mertl am Mittwoch in seinem Plädoyer. Der glückliche Zufall, dass die Eisbären erst kurz nach der Stichwahl – am 15. April 2008 – Insolvenz anmeldeten dürfte für Schaidinger sicher nützlich gewesen sein.

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Kommentare (17)

  • Besserwisser

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    omei omei omei…

  • jokahl

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    Meine Fresse, bei Euch herrschen ja Zustände. Ist es eigentlich wirklich so wertvoll, Politiker zu werden?

  • Joachim Datko

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    Meine immerwährenden Warnungen vor dem öffentlichen Dienst!

    1) Zitat: „Er habe sich an Eisbären-Gesellschafter Armin Wolf gewandt, so Schrör. Der habe dann bei Oberbürgermeister Hans Schaidinger angerufen, glücklicherweise Verwaltungsrat bei der Sparkasse, und dieser habe wiederum Sparkassen-Vorstand Dr. Rudolf Gingele kontaktiert „und dann kamen die 100.000 Euro”“

    Für mich bleibt die Frage, wer hat die 100.000 Euro geliefert? Ich hoffe, dass die Sparkasse kein Geld in den Profi-Eissport gepumpt hat.

    2) Welche Organisationen, bei denen die Stadt beteiligt ist, haben Geld in den Profi-Eissport gepumpt?

    Hoffentlich nicht die Stadt selbst und hoffentlich auch nicht die REWAG. Mich hat die REWAG verklagt, weil ich nicht bereit war, die massiven Preiserhöhungen bei Erdgas zu zahlen. Mittlerweile hat der BGH die selbstherrlichen Preisgleitklauseln der Erdgasversorger für ungültig erklärt.
    ( http://www.monopole.de/Erdgas-Gas-BGB-315-BGH-Preis-Urteile.html ).

  • Jochen schweizer

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    Ja .während des Wahlkampfes macht es ich schlecht, wenn der mit dem man gemeinsam kämpft, dem Eishockey GmbH des EVR Regensburg Konkurs macht!
    Da wird schnell die Sparkasse angerufen und es fliesen die benötigten Geldmittel.
    Ein Durchschnittsbürger und Kunde der Sparkasse muss sich eine Bonitätsprüfung unterziehen und am besten noch Eltern und Großeltern als Bürgen aufbieten.

  • turandot

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    Man stelle sich vor, ein Sachbearbeiter der Sparkasse vergibt nach negativer Bonitätsprüfung trotzdem – aus nicht sachgerechten Erwägungen (Einflußnahme von Seiten eines Dritten) – einen Kredit und es es tritt der – lt. Bonitätsprüfung absehbare – Fall ein, dass der Kredit vom Kreditnehmer nicht mehr bedient werden kann, z.B. weil er in die Insolvenz geht und die Kreditsumme für den Kreditgeber zu großen Teilen verloren geht. Liegt dann nicht ein Fall des § 266 StGB vor?

    § 266 StGB – Untreue
    (1) Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    Macht sich der einflußnehmende Dritte nicht der Anstiftung strafbar?

    Kann sich einer der hier regelmäßig mit diskutierenden Rechtanwälte dazu mal in diesem Forum äußern?

  • otto reicher

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    Sportliches Vergnügen:
    Heute dürfen wir lesen, dass der Jahn irre Probleme hat. Dank Schaidinger? Jetzt muss noch der Schlegl, ein hervorragender Mediator, helfen. Na ja, das geht dann schneller den Bach hinunter.
    Dann hört man so Stimmen aus der Planung, dass was mit der Zimmermannarena in Schwabelweis nicht in Ordung gehen soll. Baurecht oder so? Gibt es da Behörden, die ihre Einwände nicht ausgeräumt sehen?

    Was lernen wir Regensburger daraus: Wo Hansi sich einmischt, gibt es nur Chaos!

  • Aktenzeichen XY

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    Kommt Untreue seitens Sparkassenvorstand und -verwaltungsrat in Betracht , falls der Sparkasse durch den faulen Kredit Schaden entstand? Wird das zumindest im Verwaltungsrat geprüft in Hinsicht auf Eignung der internen Regeln?

  • gifthaferl

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    Wird nicht unentwegt alles mögliche geprüft, ohne dass man auch nur den Eindruck hat, es würde ernsthaft der Versuch unternommen Politiker aber auch andere tatsächlich persönlich zur Verantwortung ziehen wollen?

  • blauer Tintenklecks

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    Gifthaferl ist zuzustimmen. Politiker, so der Eindruck, haben das Strafrecht nicht zu fürchten.

    Nach der Aussage des Herrn Schrör müsste die Staatsanwaltschaft meines Erachtens von sich aus gegen die Verantwortlichen der Sparkasse und deren Verwaltungschef Schaidinger ein Ermittlungverfahren wegen des Verdachts der Untreue (bzw. der Anstiftung hierzu) eingeleitet werden. Auch könnte der Straftatbestand der Anstiftung zur Insolvenzverschleppung in Betracht kommen. Wird aber sicher nicht passieren.

    Interessant wäre, mit welcher Begründung ein entsprechendes Verfahren eingestellt werden würde, falls sich jemand aufmacht, Anzeige zu erstatten.

  • Riepl Günther

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    Netzwerke sind super

    Wie man sieht, der OB hat eben den „heißesten Draht“ im Netzwerk seiner CSU bis hinein in die kleinen abhängigen örtlichen Einrichtungen wie Sparkasse,REWAG,SWR etc.
    Das dient dem kleinen laufenden politischenTagesgeschäft ( siehe Wahlplakat des Artikels). Die größeren Dinge laufen außerhalb der Tagesordnung, wie z.B. die der Landesbank und deren Schuldnern, wo ja auch von denen viel in Schieflage bzw.abgetaucht oder verschwunden sind. Der OB ist ja bekanntlich jetzt dabei zur „Aufklärung “ der dortigen Mißstände kräftig beitragen zu wollen in seiner Funktion als noch verbliebener Verwaltungsrat. Die anderen Verwaltungsräte sind schon zurückgetreten worden mit entsprechendem Abstand. Schau ma mal, was dabei rauskommt wenn er jetzt aufklärt.
    Aber zuerst sollte er das im eigenen Haus Regensburg tun (ggf. auch als Zeuge) weil er doch als einziger alles weiß, wie man weiß.

  • harakatun barakatun

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    Da könnten 200 Zeugen vor Gericht beeiden, dass Schaidinger sie zur Untreue angestiftet hat – da passiert nichts.

  • CSU-Mitglied

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    Die Geschichte Eisbären GmbH, OB Schaidinger und weitere Personen erinnert mich an ein subversives Netzwerk, und sollte ebenfalls von Gerichten und dem CSU-Bezirksvorstand untersuchte werden.

  • Omnibusfahrer

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    Verehrtes @CSU Mitglied:
    Sie haben ja so Recht. Da müßte aber noch mehr untersucht werden, wie da wären: Königswiesenzentrum (Volkshochschule), alle Schmackigeschäfte, Schobersgemütlicherladen usw. usw…….

  • Veits M.

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    Zu turandot unterstellter „negativer Bonitätsprüfung“ bei „Eisiger Filz“

    “ Eisiges – kaltes – heißes Ding“

    „Wir wissen immer noch nicht, woher der Trieb zur Wahrheit stammt: denn bis jetzt haben wir nur von der Verpflichtung gehört, die die Gesellschaft, um zu existieren, stellt: wahrhaft zu sein, das heißt die usuellen Metaphern zu brauchen, also moralisch ausgedrückt: von der Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen, herdenweise in einem für alle verbindlichen Stile zu lügen. Nun vergißt freilich der Mensch, daß es so mit ihm steht; er lügt also in der bezeichneten Weise unbewußt und nach hundertjährigen Gewöhnungen – und kommt eben durch diese Unbewußtheit, eben durch dies Vergessen zum Gefühl der Wahrheit. An dem Gefühl verpflichtet zu sein, ein Ding als „rot“, ein anderes als „kalt“, ein drittes als „stumm“ zu bezeichnen, erwacht eine moralische auf Wahrheit sich beziehende Regung: aus dem Gegensatz des Lügners, dem niemand traut, den alle ausschließen, demonstriert sich der Mensch das Ehrwürdige, Zutrauliche und Nützliche der Wahrheit.“

    Zitat aus
    Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne
    Friedrich Nietzsche
    http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1940&kapitel=1#gb_found

    Welcher Zustand ( eisig – kalt – treu – untreu …) dem Geschilderten gerecht wird, bedarf – wie immer – der Faktenprüfung.

    War der Verein kreditwürdig?

    Eine Frage, die durch Auswertung der Bücher gutachtlich beantwortet werden kann. Das sollte eine Aufgabe des Aufsichtsgremiums sein mit seinen bekannten kommunalen Vertretern. Oder auch des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands.

    Falls nein: Welche ursächliche Rolle spielte die angebliche Intervention von OB Schaidinger bei der Kreditvergabe?
    Wer hat im einzelnen über Vermögenswerte verfügt, in welcher – vertraglichen, gesetzlichen – Rolle und in welcher Höhe?

    Vom Schachspielen kennt man das Bauernopfer, um den Gegner auf eine falsche Fährte zu locken, das Mittelfeld zu erobern und letztendlich den König schachmatt zu setzen.

    Doch wer hat welche Rolle in diesem post-demokratischen Spiel?

  • Iris soumer

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    Kein Wunder wenn alle Städte kein Geld mehr haben als für ihre Wirtshausbrüder.

  • altstadtkid

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    Die Zeichen waren da, aber Keiner wollte sie sehen!
    Eine „Knacker mit Allem“ Republik auf kommunaler Ebene

  • Tretzel-Kredit: Sondersitzung ohne Schlegl » Regensburg Digital

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    […] Vor Gericht erläuterte der Geschäftsführer, er habe sich an Eisbären-Gesellschafter Armin Wolf g… Der habe dann bei Oberbürgermeister und Sparkassen-Verwaltungsratschef Hans Schaidinger angerufen, dieser habe wiederum Sparkassen-Vorstand Dr. Rudolf Gingele kontaktiert „und dann kamen die 100.000 Euro“. […]

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