SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 14. Juli 2009

Gloria von Thurn und Taxis in erlauchtem Kreis beim Regensburger Domforum 2008. Foto: Archiv/ Staudinger

Am Sonntag ist eine mit Spannung beobachtete Auktion zu Ende gegangen: Im Vorfeld der Schlossfestspiele zu Regensburg hat sich Fürstin Gloria zugunsten so genannter „Lebensschützer” online versteigern lassen (wir berichteten). Die Resonanz blieb trotz Verbreitung via Pressemitteilung („Charity-Auktion für den guten Zweck”) eher gering. Für die „Juristenvereinigung Lebensrecht” (JVL), einen männerdominierten Club juristisch bewanderter Abtreibungsgegner, kamen satte 200 Euro zusammen. Der Höchstbietende darf sich nun über einen Besuch bei den Schlossfestspielen nebst exklusivem Fototermin mit der Fürstin freuen.

Durchlaucht war schon mal mehr wert! Im vergangenen Jahr ging die Fürstin für 280 Euro über den Auktionstisch. Damals für die „Stiftung Ja zum Leben”, ebenfalls ein „Lebensschützer-Club”. In dieser Szene ist Durchlaucht gut vernetzt. Gern hört man dort abstruse Thesen (nicht nur) aus Promi-Mund. Dass die Pille „eine Form der Abtreibung” und damit „Mord” ist, dass Sex („schnackseln”) nur dazu da ist, um Kinder zu kriegen und dergleichen mehr, dürfte auch bei der JVL auf positive Resonanz stoßen.

Als juristische Speerspitze der „Lebensrechtbewegung” verwendet die JVL unter anderem viel Zeit darauf, Einrichtungen der Familien- und Sexualberatung, wie z.B. pro familia, die Legitimität ihrer Arbeit abzusprechen. Dazu führt man Prozesse oder startet – angesichts guter Kontakte – Kampagnen gegen Aufklärungsbroschüren. Beste Kontakte pflegt man naturgemäß zur katholischen Kirche. 2005 empfing Papst Benedikt unter anderem den JVL-Vorsitzenden Bernward Büchner und seinen Stellvertreter Christian Hillgruber zu einer Generalaudienz. Wen wundert es da noch, dass der Völkerrechtler Hillgruber die Auffassung vertritt, dass die Mutter eine Rechtspflicht zum Austragen und Gebären treffe.

Während Christian Hillgruber sich vehement für die Rechte des „Ungeborenen” einsetzt, ist es mit den Rechten bereits Geborener nicht so weit her. 2002 führte Hillgruber ein Interview mit der Wochenzeitung Jungen Freiheit zum damals diskutierten Zuwanderungsgesetz. Dabei vertrat er unter anderem die Auffassung, dass humanitäre Bleiberechte, etwa nach der Genfer Flüchtlingskonvention, in ihrer Reichweite „zum Teil einfach deutlich überzeichnet” würden. Hillgruber wandte sich insbesondere gegen eine gesetzliche Verbesserung für die Opfer nicht-staatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung. Die Bundesrepublik sei in erster Linie ein Staat „des deutschen Volkes”.

"Charity-Auktion": 200 Euro gibt es dank Gloria für die fragwürdigen juristisch bewanderten Lebensrechtler.

Die „Junge Freiheit“ tauchte regelmäßig in Berichten von Landesverfassungsschutzämtern unter der Rubrik Rechtsextremismus auf. „Typisch für die Junge Freiheit ist das geschickte Agieren in einem Grenzbereich von demokratischem Konservativismus, Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus“, wird noch 2004 im NRW-Verfassungsschutzbericht ausgeführt. (Passage verändert am 15.07.09, Anm. d. Red.).

Erst 2005 wurde das mit Hinweis auf die im Grundgesetz garantierte Pressefreiheit verboten. Von alledem habe er seinerzeit nichts gewusst, behauptet Jurist Hillgruber heute.

Mit der Distanz zu braunem Gedankengut scheint es bei der JVL aber dennoch nicht besonders weit her zu sein. Ein Mitglied der ersten Stunden, Professor Willi Geiger, wirkte als NS-Staatsanwalt an mehreren Todesurteilen maßgeblich mit.

Der Rechtsanwalt Wolfgang Philipp, Mitbegründer der JVL, ließ bereits in diversen Publikationen keinen Zweifel an seiner Geisteshaltung (unter anderem in der Jungen Freiheit). Zum Thema Ausländer und Asylrecht meinte er laut einem Bericht der taz etwa: „Wie Troja von den Griechen wird unser Land von Millionen belagert.” Den Deutschen seien bereits riesige Siedlungsgebiete verloren gegangen. Nun werde „das Kernland und seine Bevölkerung endgültig preisgegeben”.

Einem weithin wohlgelittenem „Lebensschützer”, Dr. Siegfried Ernst, attestierte das Amtsgericht Köln 1993, dass „seine Äußerungen derart rassistische Züge haben, dass sich bei jedem unbefangenem Betrachter sofort der Vergleich mit der Ideologie des Dritten Reichs aufdrängt”. Ernst erregte sich unter anderem über die „Bastardisierung der Rassen”.

Ungeachtet dessen gehört er für den JVL-Vorsitzenden Büchner bis heute zu den Persönlichkeiten, die ihn „besonders beeindruckt” haben. Hier ist er in guter Gesellschaft. Der mittlerweile verstorbene Ernst wurde zu Lebzeiten mehrfach vom Papst empfangen. Ein Privileg, das Siegfried Ernst mit Fürstin Gloria teilt, deren Preisverfall nur zu begrüßen ist.

 

Kraftwerk am Wehr: Der Widerstand wächst

Die Pläne für ein mögliches Wasserkraftwerk am Wehr in Pielmühle (Markt Lappersdorf) finden ihren Weg an die Öffentlichkeit. Anfang Mai hatte die Donau-Naab-Regen-Allianz (DoNaReA) Alarm geschlagen: Ein potentieller Kraftwerksbetreiber hatte entsprechende Unterlagen beim Landratsamt Regensburg zur Vorprüfung eingereicht. In diesem Stadium ist eine Information der Öffentlichkeit noch nicht vorgeschrieben. Die DoNaReA – ein Zusammenschluss aus […]

Todesschüsse: LKA-Gutachten erneut verzögert

Zweieinhalb Monate nach den tödlichen Schüssen auf den Studenten Tennessee Eisenberg liegt weiter kein Ermittlungsergebnis der Regensburger Staatsanwaltschaft vor. Am 30. April wurde der 24jährige bei einem Polizeieinsatz in Steinweg erschossen. Seitdem wartet die Öffentlichkeit auf Aufklärung über die Umstände des Polizeieinsatzes. Bislang vergeblich. Für spätestens diese Woche hatte der leitende Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel das […]

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01