SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 30. Juli 2009

Zur Diskussion um das bunte Haus veröffentlichen wir an dieser Stelle einen Kommentar von Dieter Baldauf, Stadtdirektor a. D.. Das Gebäude in Kumpfmühl. Foto: privat

Der Streit um das sogenannte Rebl-Haus zeigt einmal mehr die Richtigkeit des schon von den alten Römern geprägten Satzes: De gustibus non est disputandum – über Geschmacksfragen lässt sich nicht vernünftig streiten. Den einen gefällt das Haus mit seiner die Monotonie von Allerweltsbauten auflockernden fröhlichen Farbigkeit – z. B. auch mir -, anderen gefällt es nicht. Diese anderen sind, wenn man den Leserzuschriften an die MZ glauben will, wohl in einer deutlichen Minderheit.

Nun hat die Stadt Regensburg, deren maßgebliche Beamten offenbar zu dieser Minderheit gehören, als Alibiveranstaltung ihren Gestaltungsbeirat eingeschaltet. Zu dieser – gesetzlich keineswegs vorgeschriebenen – Einrichtung habe ich schon im Jahre 2003 in einer längeren Abhandlung Stellung genommen.

Die MZ hat dazu 2004 ein Interview mit mir und dem Leiter des städtischen Bauordnungsamtes, Rechtsdirektor Maximilian Raab, veröffentlicht. Ich war damals zu folgenden Ergebnissen gekommen: Durch die städtische Praxis, sich bei der Erteilung von Baugenehmigungen an die Empfehlungen des Gestaltungsbeirates zu halten, wird der Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung missachtet.

Der Gestaltungsbeirat ist eine Alibiveranstaltung, mit der die Verwaltung der Stadt aus der sie treffenden Verantwortung flüchtet. Die Bauherren werden erpresst und die Architekten werden herabgewürdigt. Die angestrebte hohe gestalterische Qualität ist nicht garantiert. Daran halte ich in vollem Umfang fest.

Ergänzend ist anzumerken, dass die Schaffung und ständige Einschaltung des Gestaltungsbeirates eine dauernde Verschwendung von Steuergeldern darstellt. Es wäre sehr erfreulich, wenn Herr Rebl sich durch Unnachgiebigkeit gegenüber der Geschmacksdiktatur der Stadt und ihres Gestaltungsbeirates dies alles verwaltungsgerichtlich bestätigen ließe.

Der Turm am Herrenplatz. Foto: privatZu welchen Ergebnissen diese Geschmacksdiktatur führen kann, lässt sich an zwei Beispielen zeigen, für die ich gerne Fotos beifügen würde, wenn das möglich wäre: Ein extrem hässlicher Turmbau am Herrenplatz, also in der Regensburger Altstadt, ist vom Gestaltungsbeirat und der Stadt abgesegnet worden. Neuerdings befindet sich an der Kumfmühlerstraße, gegenüber dem altehrwürdigen Justizgebäude, auf dem Areal der Englischen Fräulein, ein ebenso extrem hässlicher, gefängnisartiger Neubau.

Er ist zumindest von der Stadt Regensburg und annahmsweise auch vom Gestaltungsbeirat genehmigt worden Im Jahre 2002 schrieb der damalige städtische Planungs- und Baureferent in einer von der Stadt herausgegebenen Broschüre, in der auch der Turm am Herrenplatz abgebildet war:

„Ich hoffe, allen Lesern wird ersichtlich, welcher Gewinn für die städtebauliche und architektonische Entwicklung Regensburgs die Einrichtung dieses unabhängigen Gremiums aus erfahrenen und angesehenen Architekten darstellt.“

Ich meinerseits hoffe, dass allen Lesern nun endgültig die Geschmacksdiktatur der Stadt Regensburg mit ihren manchmal das Stadtbild geradezu verunstaltenden Ergebnissen deutlich wird.

Dieter Baldauf, Stadtdirektor a. D.

„Freiburg ist nicht Regensburg”

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Mannheim ficht weder Oberbürgermeister Hans Schaidinger noch die CSU an. Die Richter hatten am Donnerstag das Alkoholverbot für Teile der Freiburger Innenstadt gekippt und für rechtswidrig erklärt. Für Regensburg habe das keine Auswirkungen, glaubt der hiesige Oberbürgermeister. Verbote seien zulässig, wo eine konkrete Gefährdung vorliege, interpretiert Schaidinger das Mannheimer Urteil. „Wir […]

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