Archiv für 22. Oktober 2018

Hätte Joachim Wolbergs ein Darlehen an seinen Ortsverein ordnungsgemäß an die SPD-Landesleitung gemeldet, wären die Ermittlungen gegen ihn wohl nie in Gang gekommen. „Anders hätte ich mir das wahrscheinlich nie angesehen“, sagt Landesschatzmeister Thomas Goger, der am Montag als Zeuge geladen war. Goger hatte Anfang 2016 Rechenschaftsberichte von Wolbergs‘ Ortsverein durchgesehen und war über mehrere Auffälligkeiten gestolpert, die bei ihm „die Alarmglocken schrillen“ ließen. Nach einem Vergleich mit zwei anderen bayerischen Großstädten sagt er: „So etwas ist mir sonst nirgendwo untergekommen.“ Er hätte in jedem Fall Anzeige erstattet. „Das Regensburger Problem sollte ein Regensburger Problem bleiben.“

„Wenn es dieses Kreditproblem nicht gegeben hätte, hätte ich mir das nie genauer angesehen.“ SPD-Landesschatzmeister Thomas Goger brachte mit seiner dienstlichen Erklärung eine Lawine ins Rollen. Foto: as

Die Zeugin kämpft mit den Tränen. „Das hat er eigentlich nicht verdient“, sagt Margit R. über Joachim Wolbergs. „Regensburg ist seine Stadt und er hat alles für Regensburg getan, nach bestem Wissen und Gewissen.“ Die 65jährige ist SPD-Mitglied in Oberisling, jenem 20köpfigen Ortsverein, über den Wolbergs seinen OB-Wahlkampf abwickelte und der zwischen 2011 und 2016 insgesamt fast 480.000 Euro an Spenden von dem Bauträger Volker Tretzel erhalten haben soll. Verteilt über Strohmänner, die ihre Spenden über das Gehalt rückvergütet bekommen haben sollen, gestückelt in Tranchen knapp unterhalb von 10.000 Euro, jener Grenze, ab der Parteispenden veröffentlicht werden müssen.