SOZIALES SCHAUFENSTER

"Mit sofortiger Wirkung"

Auch Hermann Vanino verlässt die CSU

War seit 1981 Mitglied der CSU: Hermann Vanino. Foto: Archiv/ Staudinger

Der frühere Fraktionschef reagiert damit auf seine Nichtberücksichtigung bei der nächsten Kommunalwahl. Er wirft den Führungspersonen der Regensburger CSU „Charakter- und Stillosigkeit“ vor.

Zwei Tage nach der Nominierungsversammlung der Regensburger CSU folgt am heutigen Montag der zweite Austritt aus Partei und Fraktion. Vor eineinhalb Wochen hatte bereits Brigitte Schlee nach über 40 Jahre Mitgliedschaft die CSU verlassen und war zu den Freien Wählern gewechselt. Nun hat Stadtrat Hermann Vanino nachgezogen. Beide reagieren damit darauf, dass sie für die kommende Stadtratswahl nicht als Kandidaten berücksichtigt würden.

Vanino saß mit Unterbrechung knapp 30 Jahre im Stadtrat, davon knapp acht Jahre als Fraktionsvorsitzender. Sein Austritt aus Partei und Fraktion „mit sofortiger Wirkung“ sei eine Reaktion darauf, dass er „entgegen meinem ausdrücklichen Willen“ nicht auf der Stadtratsliste berücksichtigt worden sei, heißt es in seinem Austrittsschreiben, das unserer Redaktion vorliegt.

Nichtberücksichtigung ist keine Überraschung

Als „besonders charakter- und stillos“ empfinde er es, dass im Vorfeld keiner der Exponenten der CSU mit ihm gesprochen habe – namentlich nennt Vanino Parteichef Michael Lehner, Fraktionschef Josef Zimmermann, OB-Kandidatin Astrid Freudenstein und den JU-Vorsitzenden Tim Helmes. Angesichts der „Erneuerung“ der CSU, die Freudenstein zur Bedingung ihrer Kandidatur gemacht hatte, ist die Nichtberücksichtigung von Vanino aber nicht wirklich eine Überraschung.

Bereits dass er bei der Kommunalwahl 2008 erneut berücksichtigt worden war und 2014 sogar erneut Fraktionschef wurde, hatte verschiedentlich für Kritik gesorgt. Bereits von 1996 bis 2001 hatte Vanino diesen Posten inne und musste diesen räumen, weil er in seinem Hauptberuf als Staatsanwalt mehrere Verfahren über Monate liegen gelassen hatte – mit teils drastischen Folgen (Mehr darüber.). Bei der letzten Wahl 2014 war der 67jährige denn auch kein Stimmenbringer für seine Partei – auf der Stadtratsliste fiel er damals um fünf Plätze zurück.

Was machen Jobst, Gugau und Troidl?

Armin Gugau musste schon mehrfach über die Klinge springen. Foto: Archiv/Staudinger

Unklar ist bislang noch, wie die weiteren Stadträte reagieren, die auf der neuen Liste keinen Platz gefunden haben. Betont gelassen hatte sich lediglich Hans Renter gegeben. Schlegl und Rieger haben angesichts der Ermittlungen gegen sich freiwillig ihren Rückzug erklärt.

Markus Jobst, der nach der parteilosen Tina Lorenz, Juba Akili und Tobias Hammerl zu den jüngeren Mitgliedern im Stadtrat zählt, hatte gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung ebenfalls mit dem Gedanken gespielt, zumindest die Fraktion zu verlassen. Jobst galt insbesondere dem früheren Parteichef Franz Rieger und dem einstigen OB-Kandidaten Christian Schlegl wegen seines Verhaltens in der Spendenaffäre als Feindbild und hatte, nachdem er eine Mitteilung an den CSU-Landesvorstand gemacht hatte, immer wieder mit internen Attacken zu kämpfen.

Verärgert dürfte auch Armin Gugau sein, der in der Vergangenheit – als die seit 2008 schwelenden CSU-internen Auseinandersetzungen sich auf ihrem Höhepunkt befanden – sogar kurzzeitig Parteichef war und später von Franz Rieger abserviert wurde. Bislang war Gugau für unsere Redaktion nicht zu erreichen. Ebenfalls nicht mehr im Stadtrat vertreten sein wird Josef Troidl.

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Kommentare (13)

  • kaliber 8

    |

    sollte man mal bei der CSU Fracktion anrufen und/oder bei Herrn Lehner und bei Zimmerman :-)

  • Riafan

    |

    Endlich haut Deutschlands faulster Staatsanwalt ab.
    Dieser sogenannte Politiker ist der Grund warum ich ( und viele meiner Freunde) bei der letzten Wahl nicht CSU gewählt haben.

  • GSH

    |

    Will sich die CSU erneuern, dann ist das genau der richtige Schritt. Entäuscht wegen Nichtberücksichtigung? Dann möge doch der Herr Stadtrat auf seine Leistung (und wofür er gewählt wurde) schauen. Mit welchem Anspruchdenken sind solche Volksvertreter gesegnet? Es geht nicht um den Posten, es geht um das Wohl der Stadt.

  • Herold Hintergruber

    |

    Ja gell, so ein richtiger Traumstadtrat ist der Vanino nicht. Aber wenn ich mich richtig erinnere ist bei der Wahl 2014 niemand weiter nach hinten gewählt worden als Flaggen-Lehni. Und der ist heute Parteichef.

    HA HA HA

  • Julian86

    |

    „Nicht den Leyen überlassen!“ – das sollte gelten nicht nur für die EU, sondern auch für die bayerischen Gemeinden.

    Städtische Partei-Kompetenz, zurückgewiesene, mag sich höchstvorsorglich bei der EU als Kommissar/In bewerben. Nach Sonneborn (MdEUP) könnten dort Posten weiterhin vakant bleiben.
    Im Übrigen könnte ein Kandidaten-Überprüfungsverfahren á la EU-Parlament auch für die Kommunen bedenkenswert sein.

    Video Martin Sonneborn

  • Mr. T.

    |

    Um den Vanino ist es im Stadtrat genauso wenig schade wie um den Gugau. Die können ruhig wegen erwiesener Unfähigkeit aussortiert werden. Jobst hingegen wurde wegen zu viel Aufrichtigkeit aussortiert. Andere eher aus taktischen Gründen. Schlimm ist aber die intransparente und undemokratische Vorgehensweise im Hinterzimmer.

    Der offizielle „Burgfrieden“ zwischen Dossier-Mitprotagonisten Lehner und Dossier-Mitautorin Freudenberg ist auch mehr als lustig. Die hassen sich doch wie Pest!

  • joey

    |

    Die CSU reinigt sich (ein wenig). Anders geht es wohl auch nicht mehr weiter.
    Ach ja Demokratie lebt vom Wechsel. Jetzt hat er mehr Freizeit, die kann er doch nutzen mit Wohltaten auf anderen Feldern.

  • Lol

    |

    Geh mit Gott aber geh ;)

  • Mr. B.

    |

    Das hat aber sehr lange gedauert, bis dann festgestellt wird, in welcher Partei man so lange tätig war! In unserem System kann man gerne auch so lange gewählt werden, wie man bereit ist, sich um die Anliegen aller Bürger zu kümmern und nicht nur ums große Geld, dass dieses bei einigen wenigen noch mehr werde!!!!!
    Wenn man die Mietpreise anschaut, hat man diese über viele, viele Jahre bewusst in die Höhe getrieben und den sozialen Wohnungsbau fast zum Erliegen gebracht!
    Man wird sich wahrscheinlich in dieser Stadt noch wundern!! Aber, da sind viele dieser ehemals führenden und für das Gemeinwohl verantwortlichen Politiker, gleich welcher Partei, nicht mehr im Amt!

    Es ist dringend eine Umkehr zu einer halbwegs sauberen Politik nötig, weg von der absoluten Spezl-/ und Freunderlwirtschaft, ansonsten will ich von Demokratie nichts mehr hören!!!!!

  • Ex Regensburger

    |

    Wo Mr. B. Recht hat – hat er Recht: „Wenn man die Mietpreise anschaut, hat man diese über viele, viele Jahre bewusst in die Höhe getrieben und den sozialen Wohnungsbau fast zum Erliegen gebracht!“
    Wirklich eine Sauerei.
    Und was sagen die regierenden SPD’ler u. die mitregierenden GRÜNEN dazu?? Die san doch imma so sozial – mit der Goschn.

  • lotte3

    |

    In Regensburg gibt es viele langjährige ältere Stadträte die nicht wissen wann Schluss ist und in ihrem Sessel fest kleben. Bitte verstehen sie mich nicht falsch, aber altmodische angestaubte Ansichten und ebenso Stadträte die sich nicht oder nicht mehr zum Wohle der Bürger einsetzen, gehören bei Listenaufstellungen ihrer Parteien nicht mehr berücksichtigt.
    Bei der CSU war es in der Vergangenheit ganz schlimm!

    Für eine wirkliche Erneuerung, wie von Frau Freudenstein in der Presse geschrieben wurde, fehlt noch etwas.
    Es müssten noch ein paar mehr in den politischen Ruhestand befördert werden. Lehner Michael dem es nur darum geht Macht zu bekommen, Ortsvorsitzende und Delegierte so gesteuert einzusetzen und zu wählen, damit er seine Mehrheiten hat.
    Josef Zimmermann der seine privaten Flächen mit Bebauungspläne Hafen zu Sondergebiet umwidmen und vergolden möchte. Sowie die letzten Jahre viele Themen nicht bearbeitet oder blockiert hat.
    Es müssen Taten folgen, sie sollen ihre politischen Ehrenämter abgeben und für eine wahre Erneuerung 2020 nicht mehr für die CSU antreten.

  • Mathilde Vietze

    |

    Egal, wie die Partei heißt, es werden überall die gleichen Fehler gemacht. Entweder
    man läßt hoffnungsvolle Junge nicht hin, weil die Alten nicht loslassen können oder
    man „verjüngt“ eine Liste dergestalt, daß man alle Alten „aussortiert.‘
    Nur eine altersmäßig gut durchmischte Liste brngt Erfolg.

  • Politiker-Beobachter

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    Jetzt hauen die sich nach einer Pause wieder medienwirksam bei der CSU die Köpfe gegenseitig ein. Einfach heeeeeerrlich.

    Super, dann gibt es bestimmt wieder oft etwas zu lesen -:).

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