Mehrere tausend Menschen gingen im Vorfeld des NSU-Prozesses am Samstag in München auf die Straße. Verfassungsrichterin und Nebenkläger-Anwältin Angelika Lex fordert Verfahren gegen Verfassungsschutzbehörden wegen „aktiver Unterstützung“ des NSU.„Was? Sie wollen auch zur Demonstration?“ Der Bereitschaftspolizist schaut etwas verdutzt, als ich ihm meinen Rucksack hinhalte. Rundherum werden die größtenteils jungen Leute auf dem Weg zum Stachus von der Polizei gestoppt – Taschen und Rucksäcke müssen geöffnet und ausgeleert werden. Manchmal werden die Personalien aufgenommen. Man nimmt es recht genau. Drei Mal gerate ich in solche Polizeisperren. Doch, wer wie ich Anzug und Hemd trägt ist offenbar nicht verdächtig. Während rundherum Menschen höflich, aber bestimmt zur Kontrolle gebeten werden, will kein Polizist in meinen Rucksack schauen. Anders das Bild bei einem iranischen Asylbewerber, der aus Regensburg angereist ist. Er wird einer intensiven Personenkontrolle unterzogen – es soll Pfefferspray bei ihm gefunden worden sein – und schließlich festgenommen. Nicht wegen des Pfeffersprays, sondern wegen Verstoß gegen die Residenzpflicht. Er dürfte sich nicht in München aufhalten.
Als die Organisatoren der Demonstration mehrfach ankündigen, nicht loszulaufen und die Straßen zu blockieren, „wenn die Polizei glaubt, hier rassistische Sondergesetze vollziehen zu können“, wird der junge Mann schließlich freigelassen. Aus „Gründen der Verhältnismäßigkeit“ heißt es offiziell.
Was sich auf dem kurzen Weg vom Bahnhof zur Auftaktkundgebung abspielt, ist ein kleiner Teilaspekt des Protests, gegen den sich die Demonstration am Samstag richtet. Im Vorfeld des NSU-Prozesses, der in wenigen Tagen beginnen soll, gehen etwa 7.000 Menschen – bei den Zahlen gibt es zunächst erstaunliche Differenzen zwischen den Angaben von Polizei (zwischen 2.500 und 5.000) und Organisatoren (bis zu 10.000) – auch gegen staatlichen Rassismus auf die Straße. Gegen vorurteilsbehaftete Ermittlungen unter den Schlagworten „Döner-Morde“ oder „SOKO Bosporus“. Anstatt den Hinweisen auf rassistische Hintergründe der Morde nachzugehen, wurden die Angehörigen der Opfer, die Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe ermordet haben sollen, unter Druck gesetzt und kriminalisiert.
Eine der Betroffenen steht bei der Auftaktkundgebung am Mikrofon. Es ist Yvonne Boulgarides, deren Mann Theo am 15. Juni 2005 mit drei Schüssen in den Kopf getötet wurde. Der völlig unbescholtene Inhaber eines Schlüsseldienstes war das siebte Opfer des NSU. Die Ermittler unterstellten dem Toten ohne Belege Drogenhandel, Glücksspiel und Prostitution. Seine Töchter wurden intensiv dazu befragt, ob ihr Vater sie sexuell missbraucht habe. Seine Frau, ob sie ihn selbst ermordet oder seinen Tod in Auftrag gegeben habe. Verdeckte Ermittler schnüffeln im privaten Umfeld der Familie. So stigmatisiert – auch von den Medien – verlor Yvonne Boulgarides schließlich ihren Arbeitsplatz.
Am Gewerkschaftshaus wird ein großflächiges Transparent entrollt. Fotos: as
Ihr Gesicht sieht man nicht, als sie am Sonntag spricht. „Nicht allein eine Frage des Rechtsextremismus, sondern vor allem der Rechtsstaatlichkeit“ sei der nun anstehende NSU-Prozess, so Boulgarides. „Ich wünschte, alle autorisierten Stellen würden mit Nachdruck dafür sorgen, dass die zur lückenlosen Wahrheitsfindung benötigten Fakten und Beweise zur Verfügung gestellt werden würden.“ Nur so könne die Arbeit in den Untersuchungsausschüssen erfolgreich abgeschlossen werden. Wichtig sei es vor allem, nie aufzuhören, Fragen zu stellen.
Dass einige dieser „autorisierten Stellen“ gerade alles tun, um die „lückenlose Wahrheitsfindung“ zu verhindern, stellt – zwei Stunden später – Verfassungsrichterin Angelika Lex klar. Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Yavuz Narin vertritt Lex die Familie Boulgarides als Nebenkläger.
Die Demonstration wird mehrfach komplett abgefilmt.
Die Demonstration ist zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Kilometer quer durch die Münchner Innenstadt gezogen. Ohne irgendwelche Zwischenfälle. Die Polizei – knapp 2.000 Beamte sind offiziellen Angaben zufolge im Einsatz – agiert zurückhaltend. Allerdings wird der komplette Demozug pauschal abgefilmt. Das ist ebenso üblich wie rechtswidrig.
Die Demonstranten sind laut. Die Sprechchöre wütend und entschlossen. Doch auf den Großteil der Passanten wirkst das alles andere als bedrohlich. Die Türen der Geschäfte, an denen die Demo vorbei kommt, stehen offen. Manchmal gibt es von den Passanten Applaus oder unterstützende Rufe. Immer wieder sieht man an den Fenstern große und kleine Transparente. Immer wieder wird lautstark die Abschaffung des Verfassungsschutzes gefordert.
Bei der Zwischenkundgebung vor dem Gerichtsgebäude stimmt Angelika Lex in diesen Tenor mit ein. „Der sogenannte Verfassungsschutz hat in diesem Land keine Daseinsberechtigung.“ Nach wie vor gebe es viel zu wenig Ermittlungsverfahren gegen die Unterstützernetzwerke des NSU und überhaupt keine Verfahren gegen V-Leute des Verfassungsschutzes. „Verfahren gegen Ermittler, gegen Polizeibeamte, gegen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes, gegen Präsidenten und Abteilungsleiter von Verfassungsschutzbehörden fehlen vollständig“, so Lex. Diese Verfahren müssten aber „nicht nur wegen Inkompetenz und Untätigkeit“ geführt werden, „sondern auch wegen aktiver Unterstützung“. Bei der Aufklärung werde man sich nicht allein auf das Gericht verlassen, denn: „Einen Vertrauensvorschuss für diesen Rechtsstaat gibt es von uns nicht.“
Man hat sich darauf geeinigt, sich einigen zu müssen. Und außerdem soll irgendwas passieren – irgendwann. Das ist das Ergebnis der Vorstandssitzung der Regensburger CSU.
Amberg ist nicht nur die „Perle der Oberpfalz“, sondern gilt als Beispiel für das Verharmlosen und Kleinreden von Nazi-Strukturen. Zu diesem Ergebnis kommt die Amadeu-Antonio-Stiftung in einem aktuellen Report. Manche Politiker seien „eher Teil des Problems denn der Lösung“, lautet ein Fazit. Beim Amberger Oberbürgermeister kann man durchaus zu dieser Einschätzung kommen.
Das Gutachten zum Colosseum ist da. Und die Empfehlungen sind mehr als deutlich. Die Experten mahnen bei der Stadt an, sich endlich mit ihrer neueren Geschichte zu beschäftigen. Ein Ort dafür könne das Museum für bayerische Geschichte sein. Die Bodenplatte vor der ehemaligen KZ-Außenstelle in Stadtamhof sei „verschleiernd“ und gehe „in fast grotesker Weise am Kern der Sache vorbei“.
Nächster Akt im Drama um die von der Staatsanwaltschaft zerschlagene S&K-Gruppe: Anfang April haben die Assets Trust AG und die Deutsche Sachwert Emissionshaus AG (DSE) Insolvenz angemeldet. Beide Gesellschaften sind in Regensburg ansässig und mit der S&K-Gruppe eng verbandelt.
Dass es keine Hexen und Zauberer gibt, darüber besteht heute Einigkeit – weitgehend. Dennoch sind zahlreiche Opfer der mittelalterlichen Hexenverfolgung bis heute nicht rehabilitiert. Ein herausragendes Beispiel dafür: das Bistum Eichstätt.
Ausgerechnet Müller? Der ehemalige Bischof von Regensburg ist bekanntermaßen als Chef der Glaubenskongregation gen Rom gezogen. Am Freitagmorgen hat Papst Franziskus Herrn Müller nun seine erste Audienz gewährt und aufgefordert, „mit Entschiedenheit“ gegen sexuellen Missbrauch zu handeln. Damit beauftragt der Papst also Gerhard Ludwig Müller. Eine gute Entscheidung.
Porno-Pranger: Unter diesem Stichwort machte im letzten Sommer Urmann + Collegen, eine berühmt-berüchtigte Regensburger Abmahn-Kanzlei, bundesweit Schlagzeilen. Jetzt ermittelt die Regensburger Staatsanwaltschaft wegen versuchten Betrugs gegen den Rechtsanwalt Thomas Urmann. Gegen die Kanzlei läuft eine Regressklage.
Eine „unechte“ Urkunde, Schlampereien im Gerichtsurteil und eine unglaubwürdige Belastungszeugin: Auf 152 Seiten begründet die Regensburger Staatsanwaltschaft ihren Wiederaufnahmeantrag im Fall Gustl Mollath. Mittlerweile wurde das Dokument vollständig im Internet veröffentlicht.
Kurz nach ihrem 88. Geburtstag kommt Christa Meves nach Donaustauf. In konservativen und nach rechts offenen Kreisen ist die Psychagogin fast so etwas wie ein Popstar.
Störungsfrei ging die Nominierung der Stadtratskandidaten der SPD am Sonntag über die Bühne. Lediglich zwei Delegierte verweigerten dem einen oder anderem Kandidaten die Zustimmung.
In seiner letzten Sitzung hat der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats eine Rüge gegen die Mittelbayerische Zeitung ausgesprochen. Der inkriminierte Artikel ist nach wie vor unverändert im Internet abrufbar.
Genossenschaftliches Bauen führt in Regensburg noch ein Mauerblümchendasein. Das wurde bei einem Pressegespräch im Vorfeld des „Zweiten Regensburger Wohnprojekttages“ am vergangenen Wochenende deutlich.
„Abgekartetes Spiel“. „Undemokratisch“. „Gemein.“ Woran denkt der politisch interessierte Mensch, wenn er solche Aussagen hört? Genau: An die Regensburger CSU. Die hat wieder einmal eine Ortsvereinswahl hinter sich gebracht.Die SPD hat noch eine Wahl vor sich. Zumindest rein formal.
Edlham/Brake. Ein Lebensmittelskandal folgt dem nächsten: Nach Pferdefleisch in Fertiggerichten und falsch deklarierten Bio-Eiern haben Futtermittelhersteller nun Mais verarbeitet, der mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 verseucht war. Der Schimmelpilz kam mit einer Schiffsladung Mais von Serbien nach Deutschland und war über einen Hamburger Importeur an den niedersächsischen Hafen Brake geliefert worden. Davon gelangten 10.000 […]
Ein kurdischer Geschäftsmann will die mutmaßliche Mörderin Beate Zschäpe mehrfach in seinem Imbiss gesehen haben. Die Bundesanwaltschaft will die seit langem bekannten Hinweise nicht bewerten. Die Untersuchungsausschüsse in Bundes- und Landtag erfuhren davon erst vergangene Woche.
Hier die bösen Anlagebetrüger, dort die mutigen Aufklärer? Seit der Razzia gegen die S&K-Gruppe, die auch Ausläufer in Regensburg hatte, feiert sich ein Finanzportal namens „GoMoPa“ fast täglich selbst. Doch den selbsternannten Aufklärern scheint es weniger um das Geld der Anleger als um das eigene Bankkonto zu gehen.
Bei einer großangelegten Razzia gegen Rockerclubs am Mittwoch stellte die Polizei insgesamt 86 Schusswaffen und mehrere Kilogramm Marihuana sicher. Ein Erfolg?