Tag 15 im Wolbergs-Prozess

Bauteam Tretzel: Beschäftigte mit dem „Auftrag zum Spenden“

Am Dienstag bestätigt ein Mitarbeiter, dass auch Volker Tretzel persönlich die Anweisung zum Spenden gegeben habe. Foto: as

Am Dienstag stützen zwei weitere Mitarbeiter des Bauteams Tretzel (BTT) mit ihren Aussagen die These der Staatsanwaltschaft von einem „Strohmann-System“, über das der Bauträger Parteispenden verschleiert haben soll. Übereinstimmend berichten beide davon, dass ihnen die Spenden über „Sonderzahlungen“ rückvergütet wurden. Das System gab es offenbar schon seit mindestens zehn Jahren. Unklar bleibt, ob und inwieweit die „Sonderzahlungen“ später mit dem Gehalt verrechnet wurden – ein möglicherweise wichtiges Detail bei der Frage, ob die Beschäftigten einfach Tretzel-Spenden weitergeleitet haben oder – legal – aus ihrem eigenen Gehalt gespendet haben. Ein Zeuge, fast 30 Jahre bei BTT, spricht davon, dass die Berechnung von Provisionen für ihn und seine Kollegen nicht leicht zu durchschauen war. „Wir haben einfach ein Ergebnis präsentiert bekommen.“

Von Martin Oswald und Stefan Aigner

„Ich hab’s gewusst, jetzt habe ich eine Wette gewonnen“, scherzt die Vorsitzende Richterin Elke Escher zu Beginn des 15. Verhandlungstages. Abermals möchte Franz W.s Verteidiger Markus Birkenmaier Akten eines anderen Verfahrens hinzuziehen, um sich ein besseres Bild machen zu können. Es geht dabei um den Bauträger Ferdinand Schmack, der nächste Woche im Zeugenstand hätte Platz nehmen sollen, nun aber abgeladen werden soll, weil er bereits angekündigt hat von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Auch gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen auffälliger Parteispenden. Einen Wetteinsatz habe es nicht gegeben, so Escher, es gehe „um die Ehre, ums Recht haben.“

Ums Rechthaben geht es auch im Regensburger Korruptionsprozess. Am heutigen Tag steht wieder das finanzielle Innenleben des Bauteam Tretzel (BTT) im Fokus. Der Zeuge Heinz K., Architekt und Vertriebsleiter bei BTT, ist geladen und muss zu ähnlichen Fragen Stellung nehmen, wie tags zuvor bereits andere Tretzel-Mitarbeiter. Die Kernpunkte dabei sind, ob und wie eigentlich die jeweils privat getätigten Spenden an SPD (und CSU) in einer Jahreshöhe von 9.900 Euro mit dem Gehalt verrechnet wurden. Hat Tretzel diese Spenden entschädigt bzw. „rückvergütet“? Wer stand eigentlich initiativ hinter dem auffälligen Spendenmodell?

Parteispenden – rückvergütet oder vom eigenen Gehalt bezahlt?

K. und sechs seiner Kollegen bei BTT gehören zu den wichtigsten Zeugen bei der Frage, wie die Parteispenden Tretzels an den SPD-Ortsverein von Joachim Wolbergs organisiert wurden. Entsprechend langwierig gestaltet sich denn auch die Befragung. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Strohmann-System aus, über das zwischen 2011 und 2016 rund 475.000 Euro an Spende geflossen sein sollen – gestückelt in Beträge knapp unterhalb der Grenze von 10.000 Euro, ab der veröffentlicht werden muss, verteilt auf mehrere Beschäftigte und weitere Personen aus Tretzels Umfeld.

Die Verteidigung von Volker Tretzel vertritt die These, dass die betroffenen Beschäftigten, gegen die zunächst Ermittlungsverfahren wegen Steuerstraftaten und Beihilfe zur Bestechung liefen, keine gesonderten Zahlungen für Spenden erhalten hätten. Das seien ganz normale, von den vertraglichen Regelungen gedeckte Gehaltszahlungen gewesen. Zum Beweis haben Florian Ufer und Kollegen bereits am Montag die Vernehmung eines Sachverständigen – eines Steuerberaters, der in Tretzels Auftrag die Gehälter überprüft hat – beantragt.

K. spendete fast 80.000 Euro

Heinz K., der in den Jahren 2011 bis 2016 sechsmal an die SPD und zweimal an die CSU jeweils 9.900 Euro gespendet hat (insgesamt fast 80.000 Euro), berichtet dagegen, die Spenden stets über Sonderzahlungen erstattet bekommen zu haben, die er zusätzlich zu den bei BTT üblichen Gewinnbeteiligungen erhielt. K. sagt aus, er habe in seinen Gehaltsabrechnungen die Spendenrückvergütungen als solche identifizieren können. Es sei für ihn „nachvollziehbar“ gewesen, dass der jeweilige Spendenbeitrag eingerechnet war. Franz W., der ehemalige Geschäftsführer bei BTT, habe ihn 2011 gebeten und „das hat man dann erledigt“.

K. wirkt in seiner fast zweistündigen Vernehmung gut vorbereitet und weitgehend souverän, hat weniger Erinnerungslücken als andere Zeugen und beantwortet auch persönliche Fragen, etwa nach seinem Gehalt oder seinen Anwaltsgesprächen bereitwillig. Ins Straucheln gerät freilich auch er, als die Tretzel-Anwälte Ufer, Pretsch und Meyer ihn mit konkreten Nachfragen und Details konfrontieren.

Auch gegen K. lief ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Spendentätigkeit (Steuerangelegenheiten, wettbewerbsverzerrende Absprachen u.a.). Die Verfahren seien mittlerweile gegen Auflage eingestellt worden, so K.. Inklusive Anwaltskosten habe ihn das 60.000 Euro gekostet. Er wollte die Sache hinter sich bringen und „den Deckel“ draufmachen.

Zehn Millionen Provision für ein Baugebiet

Weniger freudig reagiert am Nachmittag der zweite Zeuge, als er von Tretzel-Verteidiger Florian Ufer mit seinem Gehalt bei BTT konfrontiert wird. „Das ist ja ganz wichtig, dass Sie diese Beträge nennen. Das ist ja das wichtigste Thema hier. Das freut sicher alle MZ-Leser“, erwidert er auf entsprechende Vorhalte Ufers – hörbar genervt nach mittlerweile eineinhalb Stunden Vernehmung.

Seit bald 30 Jahren arbeitet Rainer S. beim Bauteam Tretzel und hat dort als Bauleiter, wie er selbst sagt, „wirklich viel Geld“ verdient. Das „kleine Grundgehalt“, von 16.000 Euro Jahresfixum ist am Dienstag einmal die Rede, sei mit „extrem hohen“ Gewinnbeteiligungen bei abgeschlossenen Bauvorhaben verrechnet worden. Wie Rechtsanwalt Birkenmaier im Zuge von S.s Befragung erwähnt, habe sich im Fall von „La Serena“, einem Tretzel-Baugebiet im Stadtwesten von Regensburg, das 2014 fertiggestellt wurde, der Gesamtgewinn für das Unternehmen auf 40,6 Millionen Euro belaufen. An Rainer S. und drei weitere BTT-Mitarbeiter wurde seinerzeit eine Provision von rund zehn Millionen Euro ausgeschüttet.

Spenden-Aufträge: erst für Schaidinger, dann für Wolbergs

Er habe im Wahlkampf 2008 das erste Mal gespendet. Damals für den Wahlkampf von CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger, 9.000 Euro im einen, 6.000 im anderen Jahr. Seine letzte Spende, 9.900 Euro an Wolbergs‘ SPD-Ortsverein datiert aus dem Jahr 2016. Geschehen sei dies stets auf Anweisung von oben – zunächst über Geschäftsführer Franz W., später, nach dessen Ausscheiden aus dem Unternehmen, trug der Chef selbst, Volker Tretzel, sein Spendenanliegen an Rainer S. heran. „Ich bekam eine Kontonummer und dann ist der Auftrag erledigt worden.“ Auch die Höhe der Spende sei im Vorfeld kommuniziert worden, verbunden mit der Zusage, dass es mit dem Gehalt eine „Sonderzahlung“ geben werde, aus der die Spende geleistet werden sollte. Bruttobeträge um die 20.000 seien das gewesen, „damit netto die 9.900 rauskommen“.

Rainer S. spricht mehrfach von einen „Auftrag zum Spenden“, den er immer „in gleicher Art und Weise“ erhalten habe, verbunden mit der erwähnten „Sonderzahlung“. Diese Sonderzahlungen an ihn und andere hätten, so seine Einschätzung, freilich den Gewinnanteil für ihn und seine Kollegen insgesamt verringert. „Der Gesamtgewinn des Unternehmens wurde ja dadurch geschmälert“, entsprechend auch die Provision. Eine komplette Anrechnung der „Sonderzahlung“ auf spätere Gewinnausschüttungen habe er aber so nicht wahrgenommen. Er habe sich aber auch nicht genauer damit beschäftigt. Wie diese Gewinnbeteiligung genau berechnet wurde, das wisse er denn auch nicht.

Tretzel-Mail bestätigt Rückvergütung

Ihm und seinen Kollegen sei im Zuge fertiggestellter Bauvorhaben von Firmeninhaber Volker Tretzel stets „ein Ergebnis präsentiert“ worden. „Wenn der Chef gut drauf war, gab es eine höhere Zahlung, wenn er nicht so gut drauf war, eine niedrigere.“ Und dazu, ob die für Spenden gedachten Sonderzahlungen nun auf die Provision angerechnet werden würden, habe es unterschiedliche Aussagen gegeben.

In einer Mail von Volker Tretzel an Franz W. bemängelt dieser zwar, dass sein finanzielles Engagement beim SSV Jahn und Spenden an Parteien nicht nur sein „Privatvergnügen“ sein könne, bekräftigt aber gleichzeitig, dass die Rückvergütung geleistete Spenden durch Mitarbeiter „in Ordnung“ gehe, „weil ich es versprochen habe“. Manchmal habe es aber auch geheißen, dass die Spenden von den eigenen Gehältern geleistet werden sollten. Manchmal seien Zahlungen an Mitarbeiter „mit lockerer Hand geleistet“ worden. „Eine konkrete Richtung war nicht klar“, so S..

Auch das Ermittlungsverfahren gegen S. wurde gegen Zahlung einer Geldauflage nach §153a eingestellt. 35.000 Euro seien das bei ihm gewesen. Ob er sich schuldig fühle, will Rechtsanwalt Ufer wissen. Nein, erwidert der Zeuge. Warum er dann gezahlt habe? „Aus wirtschaftlichen Gründen“, erwidert S, und ergänzt in Richtung Ufer: „Und weil Sie es meinem Anwalt geraten haben.“ Der Tretzel-Verteidiger nimmt diesen Einwurf etwas konsterniert zur Kenntnis. Er habe mit der Entscheidung des Anwalts von Rainer S. sicher nichts zu tun gehabt, sagt Ufer noch und beendet die Befragung.

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Kommentare (29)

  • Lol

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    Realsatire vom feinsten.
    Der Anwalt von s als Weisungsempfaenger des anwalts von t. Die kosten von 35k sollten dann aber auch von t übernommen werden (gerne auch als 80k brutto Sonderzahlung

  • Zuschauer

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    Mich erstaunt ja schon, dass die Spendenstückeleien so derart primitiv und durchschaubar ausgeführt wurden. Ich will jetzt keine Tipps geben, aber es wäre so einfach, die Glaubhaftigkeit vor Gericht zu erhöhen. Für mich bräuchte es alleine auf Grund der Zahlen gar keine „Zeugenaussagen“ mehr. Hier sprechen die Zahlen für sich.

    Und schön auch, dass die Richterin ihren Humor behält.

  • Jonas Wihr

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    Regensburg plant und baut! Pfui Deibel. 10 Mio für vier Tretzel-Mitarbeiter.und für diese schäbigen Hütten! Und ich weiß nicht, wie ich die dritte Mieterhöhung in den letzten 12 Jahren stemmen soll.

  • Kan nit verstand

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    ..Bauträger Ferdinand Schmack..nun aber abgeladen werden soll..

    ‚abgeladen‘
    Eine fürchterliche Spreche, ein Beispiel wie weit weg die Schreibe
    ist.

  • Lothgaßler

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    Die Stimmung zwischen Tretzel und einigen (ehemaligen) Mitarbeitern scheint gereizt zu sein, trotz Sonderzahlungen. Hat er hier bei der „Landschaftspflege“ gespart?
    Insgesamt ein schöner Einblick in die gelebte Wirklichkeit der Parteispenden: Freiwillig nach Aufforderung durch den Chef und nach Zusage, dass die Spende über Gehaltszulage erstattet wird.
    Richter und Staatsanwälte sollten sich mit dem Begriff „Spende“ auseinander setzen (Quelle z.B. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/spenden-46096)
    1. Spenden sind freiwillig = freier Wille (ob überhaupt, wann, an wen und wieviel)
    2. Spenden an Parteien sind nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig (§ 4 VI EStG) (obige Quelle Pkt. 8).
    => Wäre es nicht sinnvoll generell in Frage zu stellen, ob überhaupt gespendet wurde? Ich plädiere für eine strenge Auslegung, mit ggf. überraschendem Ergebnis: Die Zahlungen waren keine Spenden! Weder die „Spender“ wollten freiwillig spenden, noch das Unternehmen wollte spenden. Diese Geldzuwendungen wurden als Gehaltszulagen getarnt bzw. gewaschen, um so steuerliche Vorteile zu erringen (auch auf Seiten des Unternehmens). Wer kann im Prozess ein entsprechendes Gutachten anfordern?

  • Jürgen

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    @Zuschauer: In der Tat. Es zeigt wohl, wie sicher sich alle Beteiligten gefühlt haben. Wer sich sicher fühlt, wird dreist.
    @Lothgaßler: Da sehe ich auch so. Wie das Finanzamt die Zahlungen (Spenden?) noch beurteilt wird spannend. Die Parteien, die vom Staat zur gespendeten Summe die selbe Höhe nochmals bekommen haben, müssen auch zurückerstatten und Strafe zahlen.
    Letztlich sind doch die Wohnungssuchenden die Betrogenen. Jene, die sich keine Wohnung in der Stadt mehr leisten können.
    @ Joey: Man sieht an den Millionengewinnen der Bauträger in zweistelliger Höhe, warum Immobilien in Regensburg so teuer geworden sind.

  • mkv

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    Zur Bedeutung des Wortes „Vergütung“.

    Im zweiten Satz ist die Rede davon, dass den Mitarbeitern/Zeugen die fraglichen „Spenden über ´Sonderzahlungen` rückvergütet“ worden seien.

    Was „Vergütung“ meint ist hier nachzulesen, also „Lohn; Bezahlung für eine Arbeit“.
    https://www.wortbedeutung.info/Verg%C3%BCtung/

    Was meint dann „Rückvergütung“ in diesem Zusammenhang?

    Von Interesse wäre insoweit das Wortprotokoll der Verteidigung in Bezug auf jeden einzelnen Zeugen: Was hat jeder einzelne der Zeugen in diesem Zusammenhang wörtlich gesagt, um den wohl zeitnahen ungefähren AUSGLEICH DES BANKKONTOS zu schildern?

    Als eine beweisliche Grundlage zur Beantwortung der Frage, ob die „Sonderzahlung“ eine vorgezogene Teil-Provisionszahlung (Vergütung, Gehalt für geleistete Arbeit) war, die bei der späteren Jahres-Provisions-Abrechnung angerechnet wurde?

    So lautet unterm Strich der entsprechende Beweisantrag der Verteidigung (Gutachten). Zurecht weist die Redaktion darauf hin, dass an dieser Stelle eine Weg-Markierung des Strafverfarhrens festzustellen ist und es bleibt abzuwarten, WIE das Gericht über diesen ANTRAG entscheidet (mit evt. Folgen für eine erfolgreiche Revision der Verteidigung, die immer mitzudenken ist).

  • altstadtkid

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    @Lothgassler
    Gewinnabzugsfähig ist nur das Modell das andere Spendenempfänger anscheinend gewählt haben. Nämlich die Spenden über Zwischen-Strohfirmen laufen zu lassen.
    Oder liege ich da falsch?

  • Weichserer

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    Frage an die Redaktion: Wart ihr auch tatsächlich selber im Gerichtssaal?

    Laut dem Protokoll der MZ sagte Zeuge K.: „2015 und 2016 sei Wolbergs sehr regelmäßig im Unternehmen gewesen, oft einmal im Monat. Wolbergs habe sich erkundigt, ob er bei irgendetwas im Umgang mit der Verwaltung behilflich sein könne im Zusammenhang mit Bauvorhaben.“

  • Flipper

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    40,6 Millionen Euro Gesamtgewinn für das Bauteam Tretzel beim Baugebiet „La Serena“ mit ca. 400 Wohneinheiten. Die Größenordnung des Gewinns liegt im Bereich der Gesamtkosten (!) eines Großbauprojektes wie der neuen Continentalarena (52.7 Millionen Euro laut Wikipedia). Naiv gerechnet mussten bei „La Serena“ im Schnitt ca. 100.000 Euro Anteil beim Verkaufspreis jeder Wohneinheit nur für die Gewinnmarge von Bauteam Tretzel einfließen. Für Aufwendungen zur „Pflege“ der Beziehungen zu hilfsbereiten Politikern wurden offensichtlich vergleichsweise bescheidene Anteile des zu erwartenden Gewinns eingesetzt. Ermöglichte die Dominanz des Regensburger Marktes für große Wohnungsbauprojekte durch wenige lokale und vernetzte Spieler die Durchsetzung entsprechender Gewinnmargen? Unabhängig vom Ausgang des Prozesses und der juristischen Bewertung bin ich Staatsanwaltschaft, Richtern, Zeugen, Verteidigern (!) und Medien dankbar dafür, dass hier zur Transparenz der Vorgänge beigetragen wird.

  • Bertl

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    Zur Bauqualität von BTT:
    Als ich vor ca. 20 Jahren eine Markise an meinem Haus (nicht von BTT) durch eine renomierte Firma anbringen ließ, sagte mir der Handwerker, dass sie an die Tretzel-Penthauswohnungen keine Markise mehr anbringen, da die Wände zu dünn seien und sie deshalb für nichts garantieren könnten.
    Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber irgendwoher muss ja das viele Geld zum Verteilen herkommen!

  • Weichserer

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    Meine Meinung: Ich bin mir nicht sicher, ob die Damen der Staatsanwaltschaft und Richterschaft diesem Verfahren tatsächlich gewachsen sind. Das Ganze wäre vielleicht bei einer Wirtschaftsstrafkammer und Personen, die sich im Immo-Business auskennen, fast besser aufgehoben. Dort gibt es Fachleute die diese Zahlenwerke und Hintergründe des Immobiliengeschäfts verstehen und knallharte Fragen an die Zeugen stellen könnten.

    Aber zurück zu den Aussagen. Es ist doch für jeden halbwegs logisch denkenden Zuhörer klar geworden, dass der Ausgleich für diese Spenden zusätzlich zu Gehalt oder Provision zu sehen ist. Keiner dieser Spender hätte ohne diese Aufforderung zum Spenden nur einen Cent an irgendeine Partei gespendet. Fachleute die seit Jahren im Regensburger Immobilienmarkt tätig sind haben bereits vor Bekanntwerden dieser Korruptionsaffäre über den jahrzehntelangen Zusammenhang und die Nähe zur Politik und den Wünschen bestimmter Bauträger Bescheid gewusst. Und nun sitzen ebensolche millionenschwere Fachleute mit langjähriger Tätigkeit im Business als Zeugen vor Gericht und haben keinen Schimmer und faseln von politischer Landschaftspflege, das hätte keinen Zusammenhang zu irgendwelchen Grundstücken. Nee, natürlich nicht. Das Vergessen ist groß im Saal und E-Mails (immerhin schriftliche Dokumente) haben sich scheinbar von selbst verfasst oder waren es böse Hacker?

    Zahlung Spende inkl. Steueranteil, erhöhte Bruttoeinnahme: Dies war am ersten Tag der Anhörung der Tretzel-Zeugen B. und auch der Buchhalterin deutlich so zu verstehen. Die millionenschweren Zeugen sind so wie ich es verstanden habe, mit zwei Ausnahmen, in gehobener Position des Unternehmens Tretzel tätig und immer noch in unmittelbarer wirtschaftlicher Abhängigkeit. Es scheint doch schon so, als ob die gesamte Vorgehensweise ihrer Aussagen eng mit den Anwälten Tretzels abgestimmt worden ist. Kaltschnäuzig und gleichzeitig spielerisch harmlose Naivität zeigend, eine fast perfekte Strategie, wenn sie auf nicht ebenso mathematisch vorgehende Staatsanwälte oder Richter trifft.
    Zu ausgebufft für die Damen, um das Spiel der Zahlen zu durchschauen?
    Ich denke schon.

  • Brenner

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    Interessant ist die Aussage von Reiner S. Demnach haben die Spenden den Gesamtgewinn des Unternehmens und damit nur indirekt den Provisionsanspruch gemindert. Das heißt, dass bei BTT die Spenden – auch wenn sie von den Mitarbeitern „privat“ geleistet wurden – also doch als Gemeinkosten lfd. Projekten zugeordnet wurden. Das deckt sich ja auch mit der Aussage von Hr. Tretzel, die Spenden seien nicht sein Privatvergnügen. Im Grunde betrachtet er die Spenden damit als ganz normale Gestehungskosten für die Projekte. Vergleichbar z.B. mit einer evtl. Maklerprovision aus dem Grundstücksankauf.

    Da ist natürlich ein ganz anderer Sachverhalt, als das, was die Verteidigung jetzt behauptet, weil die Spenden damit wirtschaftlich eben doch vom Unternehmen und nicht von den Angestellten privat getragen wurden.

  • Dominik Müller

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    @Weichserer:
    „Es ist doch für jeden halbwegs logisch denkenden Zuhörer klar geworden, dass der Ausgleich für diese Spenden zusätzlich zu Gehalt oder Provision zu sehen ist. “
    Genau das ist z.B. mir noch nicht klar, wenn die Provision dadurch in ähnlichem Umfang geschrumpft ist. Ihre Vereinfachung ist insofern unverschämt, weil Sie anderen unterstellen, nicht einmal halbwegs logisch zu denken.

    „Das Ganze wäre vielleicht bei einer Wirtschaftsstrafkammer […] fast besser aufgehoben. “
    Ach was. Welche Kammer führt denn Ihrer Meinung nach die Verhandlung, wenn nicht die Wirtschaftsstrafkammer?
    https://www.regensburg-digital.de/landgericht-regensburg-laesst-anklage-geaendert-zu-und-hebt-haftbefehle-auf/01032018/

    Und welche harten Fragen an die Zeugen vermissen Sie? Bei einem Strohmann kommt es m.E. nicht darauf an, dass er den Zweck der Spenden kannte.

  • Ex-Regensburgerin

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    Es kann einem nur schlecht werden, wenn man von den Reingewinn-Zahlen, den Gewinnmargen, den Bonuszahlungen an Mitarbeiter und und und hört. Hatte ich doch recht mit den Wohnungspreisen? Es ist unfaßbar, wie man die Menschen ausgenommen hat, (wie wurde ich belehrt, dass ich einfach besser verhandeln hätte müssen?) Nein, diese Tatsachen hauen dem Faß (der Wohnungspolitik in Regensburg und Umgebung mit der Stadt/OB) den Boden raus. Vielleicht bildet sich bald eine Bürgerinitiative?

  • Auch a Regensburger

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    Tretzel hat die Projektausschreibungen nur gewinnen können, da er das beste Konzept abgegeben hat.

    Dies schafft er und erzielt zusätzlich eine unverschämt hohe Gewinnmarge.

    Danke dem unermüdlichen Einsatzes der Politik und der Stadtverwaltung für Ihre wichtigen Unternehmer/Arbeitgeber. Bestimmt war der OB auch jeden Monat bei den Chefs von MR, Conti, Siemens etc…

    Und trotz einer zum Teil sehr naiven/blauäigigen Belegschaft bei Tetzel. Man konnte sich ja wirklich keinen Schmuh dabei denken.

    Dann ein OB der immer noch nicht kapiert, dass Allein die Summen die der SPD (und auch CSU) gespendet wurden schon absolut verwerflich sind (OB wahlkampfkosten 1-2 euro pro einwohner wäre normal).

    Tretzel hat angeblich (wenn ichich korrekt errinere) gesagt er wende 40% des Gewinnes für den Jahn auf. Das waren 12 Mio. Circa 30Mio abzüglich der Provisionen sind ja nur bei obig genannten Projekt erzielt worden. D.h. in allen Anderen Projekten hat Tretzel nichst verdient.

    Was für eine Schauspiel. Traurig nur um welche Summen es geht.

    Egal welche Strafen später wie ausgesprochen werden, hoffe ich vor allem das daraus seine Lehren gezogen werden. In der Statd gehört aufgeräumt und sichergestellt, dass in Zukunft für den Bürger gebaut wird.

  • Musonius

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    Weichserer: die zuständige Strafkammer ist eine Wirtschaftsstrafkammer

  • RG

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    Und wie sieht es mit der Steuer der Spender aus? Haben diese die Parteienspende in ihren Erklärungen abgeben und dadurch eine Steuerminderung erhalten und gleichzeitig eine Rückvergütung vom Arbeitgeber?

  • Krösus

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    Wenn man annimmt dass die durchschnittliche Wohnungsgröße 75 m² beträgt und 460 Wohnungen gebaut wurden, ergibt sich eine gesamte Wohnfläche von 34.500m².
    Somit ergibt sich pro m2 Wohnfläche ein Gewinn von ca. 1.160€/m².
    Bei einem (geschätzten) Verkaufspreis im Jahr 2014 von 4.500€/m² ergibt sich eine Umsatzrendite von 25%.
    Als alter Kapitalist sage ich: Well played
    Als Käufer von einer Bude: not so much

  • Dieter

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    Es gab immer noch Leute, die ernsthaft gefragt haben, wo bei dem Spenden-Skandal der Schaden für die Bürger wäre.
    Diese Löhne nebst Provisionen (die sich wunderbar eignen die Spendenrückzahlungen zu vertuschen) übertreffen die kühnsten Vorstellungen.

    Das ist eben Kapitalismus in Reinform: Des einen Gewinn ist des anderen Verlust.
    Man muss sich nicht wundern, warum die Immobilien-Preise so sind wie sie sind und Deutschland was Eigenheime angeht, in Europe eher Schlusslicht ist.

    Hier wird halbwegs deutlich, wie hoch die Gewinne in der Immobilienbranche tatsächlich sind.
    Wolbergs Spenden oder Schaidingers Beratervertrag sind leicht aus der Portokasse zu zahlen. Eigentlich haben diese, falls schuldig, sich und uns alle zu billig verkauft.

    Das Argument der Zeugen, dass die eventuellen Spenden-Rückzahlungen ja letztendlich durch geringere Provisionen, da geringer Firmenumsätze, da Rückzahlungen halbwegs abgegolten wären, ist aberwitzig.

  • R.G.

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    Das Bestbieterprinzip fordert bisher keine Vergleichbarkeit der Sozial- und Ethikstandards der Betriebe, z.B.
    ob ordentliche Gehälter bezahlt werden an die Arbeiter am Bau, und wie sehr diese hier sozial abgesichert sind;
    ob Mitarbeiter der Bauträger fixe Gehälter und nur moderate Provisionen erhalten, oder ob einem mickrigen Grundgehalt vergleichsweise sehr hohe Erfolgsprovisionen gegenüberstehen….

  • Tom

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    Bei diesen Gewinnmargen müsste doch jedem Käufer einer Einheit in diesen Wohnsilos Angst und Bange werden! Erst wenn sie diese kalkulierten Gewinnmargen vollständig von Ihrem überteuerten Kaufpreis abziehen kommen sie in die wahren Regionen des Wertes Ihrer Immobilie. Wenn man jetzt noch die definitiv im Immobilienbereich vorhandene Inflation abzieht wird’s ganz schön düster………

  • Simplicissimus2018

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    Ich war in den 90er-Jahren einige Jahre Geschäftsführer einer kleinen Bauträgerfirma aus dem familiären Umfeld. Was im Bauträgerbereich lief (und anscheinend immer noch läuft, wenn ich den Artikel lese), war damals schon bei manchen Bauträgern oft eine Unverschämtheit den Käufern gegenüber.

    Leider hatten aber auch viele Kapitalanleger Dollarzeichen in den Augen und haben den Versprechungen bzw. völlig unrealistischen Kalkulationen der Banken oder Darlehensvermittler blind geglaubt. Typisch waren Aussagen wie „Die Wohnung finanziert sich allein schon aus Mietgarantie und Abschreibung.“
    Dass die (überhöhte) Mietgarantie von einer Dritt-GmbH abgegeben wurde, die dann (leider, leider) nach kurzer Zeit insolvent wurde, hat damals anscheinend keine Staatsanwaltschaft interessiert.

    Meine Erlebnisse von damals wären eigentlich ein Buch wert gewesen. Spontan fallen mir Kapitel-Überschriften wie Ost-Immobilien, xxxx-Bank ein. Mir sagte damals ein Profi in diesem Bereich: „Du bist zu wenig Ganove für die Bauträgerbranche!“ Er hatte Recht und ich bin vor 20 Jahren raus aus diesem Geschäft.

  • Bertl

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    Zu den in den überhöhten Kaufpreisen eingerechneten Spenden und Provisionen hätte ich zum Schutz der kleinen Investoren folgenden Vorschlag:
    1. Grund- und Boden bleibt im Eigentum der öffentlichen Hand und darf an Bauträger nur noch über Erbbaurecht vergeben. Damit kann mit Baugrund nicht mehr spekuliert werden.
    2. Ein sog. Festpreis für den qm Wohnfläche mit mehreren Stufen in verschiedenen Qualitäten, die nach DIN zu definieren sind (Festpreis geht doch auch bei Arnzeimitteln, warum nicht auch bei Wohnraum?).
    Das würde den Sumpf der von Kriminalität durchdrungenen Branchen trocken legen, einschließlich der beteiligten Banken.

  • Barnie Geröllheimer

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    @Bertl:
    Guter Vorschlag. Hätte die Stadt die Grundstücke der evangelischen Wohltätigkeitsstiftung übertragen, wären die Einnahmen aus der Verpachtung auch noch einem guten Zweck zugeführt.
    Festpreis, das wurde in Burgweinting, dort wo die Stadt die gesamten Neubaugrundstücke an eines der betroffenen Unternehmen verkauft hat meines Wissens schon praktiziert. Es ist zu bedenken, dass bei Deckelung der VK-Preise nichts mehr für Parteienfinanzierung übrig bleibt. Da weiß ich nicht, ob das so gewünscht ist…

  • Burgweintinger

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    @Barnie Geröllheimer

    bitte keine Unwahrheiten verbreiten. In Burgweinting wurden seit 1994 alle Einfamilienhäuser und Kettenhäuser nicht an Bauträger verkauft, sondern an Private Menschen wie du und ich…

  • Barnie Geröllheimer

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    @Burgweintinger
    Danke. Ich sprach von Grundstücken und nicht von Häusern. Ich bin bei Ihnen, dass ein Bauträger keine (neuen) Häuser kauft. Im Bereich zwischen F-J-S-Straße und Kirchfeldallee war meines Wissen alles IZ und bei den ETW ein Preisdeckel drauf.

  • Burgweintinger

    |

    Herr Geröllheimer,

    Ich meinte Grundstücke. Ja sie haben Recht in dem Bereich, wo die Reihenhäuser entstanden sind, wurden die Grundstücke von der Stadt an Bauträger verkauft, der Rest (und das ist die wesentliche größere Fläche) hat die Stadt die Grundstücksflächen an Privatleute verkauft. Das gilt auch bereits für den Bauabschnitt I (Beginn 1994)

  • Bertl

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    Weiß jemand, wie die offiziellen Vergaberichtlinien für die Einfamilien/Reihenhausgrundstücke in Königswiesen gelautet haben? Wie war der Anteil der Erwerber von städt. Bediensteten, Rewag, Eon?

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