SOZIALES SCHAUFENSTER

"Kulturviertel"

Der Regensburger Osten soll zum Testlabor werden

Bis Ende 2022 sollen auf der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne (PLK) sämtliche Gebäude abgerissen und das Areal für ein neues, modernes Stadtquartier vorbereitet werden. Doch schon jetzt wagt die Stadt auf einem Teilstück ein Experiment, das Vorbildcharakter bekommen könnte.

Ein Gelände voller Möglichkeiten, so sehen es die Mitglieder des neugeschaffenen Vereins „Kulturviertel” die Prinz-Leopold-Kaserne. Foto:bm

Noch sieht es etwas trostlos und eher nach Abrissbirne als nach Kultur und Lebendigkeit aus. Im nördlichsten Eck des Geländes der früheren Prinz-Leopold-Kaserne, in einer Kurve der Dieselstraße im Übergang zur Zeißstraße, soll sich das aber in den kommenden Wochen ändern. Ein neuer Hot Spot für Kreative, Kulturschaffende und alle, die daran Interesse haben soll hier entstehen. Als Zwischennutzung bis Ende 2022. Und die Verantwortung dafür legt die Stadt in die Hände eines Vereins, der sich am Freitag gegründet hat.

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Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, den das Kulturamt zusammen mit dem interdisziplinär aufgestellten Team der Agentur bauwärts wagen möchte. Und noch scheinen in der hiesigen Kultur- und Kreativszene nicht sämtliche Vorbehalte beseitigt. „Ich sehe schon die Gefahr, dass das am Ende doch wieder glattgeschleckt wird, mit wenig Ecken und Kanten“, lautet eine Befürchtung von Mitgliedern von Con_Temporary im Gespräch mit unserer Reaktion. Seit 2014 versucht der gemeinnützige Verein, Raum für junge Kunst und Kultur verfügbar zu machen. Aus ihrer eigenen Erfahrung wissen sie: Raum gerade für „rohe und experimentelle“ Projekte ist bislang in Regensburg kaum vorhanden. Auch sei in der Vergangenheit so manche Hoffnung „oft enttäuscht worden“. Der bisherige Prozess mache „bis jetzt aber einen super Eindruck“, meint Vorsitzender Michael Stahl.

Neue Kulturspitze macht Hoffnung

Unter Kulturreferent Wolfgang Dersch und der ebenfalls neuen Amtsleiterin Maria Lang scheint die Stadt nun mehr zu wagen. Und die vor kurzem beschlossene, selbstorganisierte Zwischennutzung im Erdgeschoss des städtischen Sanierungsfalls Maxstraße 26 soll offenbar kein Einzelfall bleiben (wir berichteten hier). Denn auch auf dem Kasernengelände im inneren Osten setzt die Stadt nun auf eine selbstorganisierte kulturelle Zwischennutzung.

Bereits seit Anfang Mai läuft der Prozess.Unter dem Arbeitstitel PrinzLeoKultur startete zunächst eine dreiteilige digitale Ideenwerkstatt. Maria Lang versprach zum Auftakt, man wolle zu einer „zuhörenden Verwaltung“ werden. Auch deshalb wurden Jan Weber-Ebnet aus München und die Regensburgerin Stephanie Reiterer mit ihrer Architekturagentur bauwärts engagiert. Zuletzt wurde kritisiert, die Stadt setze zu oft auf Beratungsfirmen. In diesem konkreten Fall sieht Reiterer aber einen wichtigen Vorteil. „Wir nehmen eine Vermittlungsrolle ein.“

Stephanie Reiterer und Jan Webner-Ebnet sind Teil des gewählten Vorstandes. Beide Architekten sehen großes Potential in dem Projekt.

Und das tue dem Projekt durchaus gut. Denn die Kommunikation zwischen der freien Kulturszene und der Stadt verlief in den vergangenen Jahren nicht immer harmonisch. Während der digitalen Treffen war das teils deutlich zu spüren. „Wieder nur temporäre Möglichkeiten“, hieß es beispielsweise. Jemand befürchtete zudem: „Zwei Jahre engagiert man sich und dann kriegen IZ oder Schmack oder sonst wer das Areal.“ Zwischen Stadt und Kreativszene gebe es mittlerweile viel Unverständnis und Vorbehalte, sagt auch Reiterer in einem Telefonat mit unserer Redaktion. „Wir haben am Anfang des Prozesses daher gefragt: Wie können wir alle mitnehmen, um das Areal zu entwickeln?“

„Nahbares Kulturreferat“

Reiterer steuert diesen Prozess und kommuniziert in beide Richtungen. Bestenfalls entstehe hier ein „Testballon“, der dann weiterziehen könne. Die Zwischennutzung will die Innenarchitektin ganz klar als „Initialzündung“ und „Brückenschlag“ verstehen. Und bislang sei das sehr fruchtbar gewesen. Auch weil sich innerhalb der Verwaltungsstruktur etwas geändert habe. So ein „nahbares Kulturreferat hatten wir hier noch nie, das ist was ganz tolles.“

Einfach mal ausprobieren, darauf hoffen auch Grünen-Stadtrat Daniel Gaittet und die SPD-Stadträtin Evelyn Kolbe-Stockert. Die ist sich sicher: „Wir brauchen in den nächsten Jahren Räume zum Experimentieren, um neue Themen, Ideen und Projekte voranzubringen.“ Die vergangenen Monate hätten deutlich gemacht, „dass wir vieles noch einmal neu denken müssen“. Sie wolle mehr auf das Engagement der Bürgerinnen und Bürger setzen. Die Zwischennutzung auf dem PLK-Areal könne hier ein positives Zeichen setzen und wieder für Vertrauen sorgen. „Aus den Fehlern lernen wir dann, wie wir es das nächste Mal besser machen können.“ Darin stimmen Kolbe-Stockert und Gaittet überein. Der sieht das Projekt ebenfalls als „Chance für die Stadt.“

Ein Netzwerk unterschiedlicher Akteure

Auch am vergangenen Freitag ist der Gedanke einer Keimzelle und einer Initialzündung, nicht nur für den künftigen Stadtteil vorhanden. Mit den drei Terminen der offiziellen Ideenwerkstatt ist es bereits das sechste Treffen – zum zweiten Mal analog. Rund 40 Personen sitzen auf dem Kasernengelände beisammen. Im Mittelpunkt steht diesmal die Vereinsgründung. Kunstschaffende wie der Kunstverein Graz sind dabei. Auch der Arbeitskreis Film Regensburg e.V. – er organisiert die Kurzfilmwoche – und Transition Town sind vertreten.

Schönes Wetter, ein kaltes Bier und vor sich den Entwurf der Vereinssatzung. Auch so kann man den Sommerbeginn verbringen.

Ebenso sind Daniel Gaittet und sein Stadtratskollege Jakob Friedl (Ribisl) vor Ort. Letzterer wird beinahe in den Vorstand gewählt, zieht seine Kandidatur dann aber zurück. Er wisse nicht, ob das so sinnvoll sei, als Stadtrat eine Position im Verein inne zu haben. Er wolle aber tatkräftig unterstützen und selbst auf dem Gelände aktiv werden, so Friedl.

Eine Vielzahl an Möglichkeiten

Von der Dieselstraße wird es künftig durch das alte Metalltor linker Hand an einem Kubus vorbei gehen – voraussichtlich mit kleiner Gastronomie. Rechts erstreckt sich ein lang gezogenes Gebäude – eine Halle für Ausstellungen. Im hinteren Bereich stehen zudem vorübergehend Räume für Ateliers, Workshops und andere Dinge zur Verfügung. Für all das, wofür bisher in der Stadt eben der Platz gefehlt habe, hört man gelegentlich vor Ort.

Hier sollen bald Ausstellungen und andere Veranstaltungen stattfinden.

Auf der freien Fläche sollen den Sommer über auch Open Air-Veranstaltungen möglich sein. Im rechten Winkel zu dem Gebäudekomplex schließt eine große, halb offene Halle an. Und hier wird am vergangenen Freitag über die Vereinssatzung diskutiert, ein Vorstand gewählt und schließlich noch einmal über den Vereinsnamen diskutiert. Am Ende einigt man sich auf Kulturviertel.

Viele der Anwesenden wohnen selbst in der näheren Umgebung, wollen Leben in den Stadtteil bringen. Schon im Laufe der drei Online-Termine hatte etwa der ehemalige Stadtplaner Joachim Buck die Devise formuliert: „Jetzt ausprobieren und dann bestenfalls in das neue Stadtquartier hineinwachsen.“ Denn dort wird – zumindest laut den Plänen der Stadt – im Erdgeschoßbereich der künftigen Wohngebäude auch dauerhaft viel Kultur und soziales Leben stattfinden. Die Zwischennutzung soll hierfür als Experimentierfeld und Versuchslabor dienen.

Der Verein entscheidet

Positiv blickt deshalb auch CSU-Stadträtin Bernadette Dechant auf das Projekt. Der Regensburger Osten sei „über Jahrzehnte seitens der Stadtplanung sträflich vernachlässigt“ worden, sagt sie. Jetzt könne die Stadt mehr Räume, „in welchem sich Kunst und Kultur unbürokratisch und vor allem ohne großen finanziellen Aufwand bewegen kann“ schaffen und zugleich die Bewohner „aus ihrer sozialen Blase“ herausholen, so die Hoffnung der Politikerin. Jedenfalls dann, „wenn die Akteure, die sich dort engagieren, nicht wieder ausgebremst werden“.

Mittlerweile hat die Stadt für die temporäre Nutzung die notwendige Infrastruktur zugesichert. Wasser, Strom und dergleichen befinden sich derzeit im Genehmigungsprozess. „Wenn das hoffentlich bald alles durch die Ämter durchgegangen ist, dann können wir starten und im kommenden Jahr steht dann bereits ein komplettes Konzept“, hofft Reiterer.

Die studierte Innenarchitektin und ihr Kollege Weber-Ebnet werden beide in den Vorstand gewählt. Der Fotograf Philip, der Filmemacher Hubertus und die Kunststudentin Luisa komplettieren das Gremium. Wie das Gelände genutzt werden wird, das wird ausschließlich der Verein entscheiden. Ebenso wolle man aber alle Interessierten einladen, selbst Projekte vorzuschlagen.

Dass die Stadt Regensburg einen Teil des demnächst startenden Kultursommerprogramms auf dem Zwischennutzungsareal realisieren will, wird zwar zunächst etwas kritisch gesehen, aber  Reiterer stellt klar: Ohne den Verein wird hier nichts laufen. Der entscheide. „Sonst würde das ganze Projekt ja gar keinen Sinn mehr ergeben.“

Testballon für andere  Stadtteile?

Nach 2022, dem Ende der Zwischennutzung, soll der Kulturviertel-Verein auch an anderen Orten aktiv werden. „Es ist allgemein noch immer zu sehr auf die Altstadt konzentriert“, meint eine Teilnehmerin. Von der Prinz-Leopold-Kaserne könne „ja vielleicht ein wichtiger Anstoß ausgehen“, für andere bislang vernachlässigte und nicht selten auch unterschätzte Orte.

Der Kubus soll bis 2022 noch einmal genutzt werden. Für was genau, das ist noch nicht klar.

Durchaus denkbar, dass sich im Laufe des weiteren Prozesses und insbesondere am Ende der Zwischennutzung der Verein noch einmal aufteilen wird. Dass sich die einen weiterhin aktiv vor Ort einbringen und andere gemeinsam an anderen Regensburger Orten aufschlagen werden. Auch das soll Teil dieses Prozesses sein. Ob über das Jahr 2022 hinaus manche der jetzt geplanten Projekte einen festen Platz im neuen Quartier finden, hängt laut den Mitglieder von Con_Temporary vor allem von einem Faktor ab: „Am Ende entscheiden die Anwohnerinnen über ihr Konsumverhalten, was sie da langfristig haben wollen.“

Wenn es nach Reiterer geht, wird es künftig öfter solche Versuchslabore geben. „Die klassischen Nutzungen werden so in den Städten nicht mehr funktionieren“, ist sie überzeugt. Städte müssten auf neue Partner und strategische Kooperationen setzen und so neue hybride Nutzungen zwischen Wohnen, Wirtschaft und Kultur in den Städten ermöglichen. Das aktuelle Projekt müsse hier als Blaupause verstanden werden.

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Kommentare (9)

  • Mr. T.

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    Das hört sich recht interessant an. Ich hoffe, es wird dort auch so wenig wie möglich eingegriffen und die Schwellen bleiben so tief es geht. Nur dann kann sich etwas organisch entwickeln. Sämtliche Ideen, wie es einmal werden könnte oder sollte, sind tabu. An ein paar Stellen, scheint sich die Stadt ganz langsam zum Besseren gedreht zu haben.

  • Schütze A..

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    „Der Kubus soll bis 2022 noch einmal genutzt werden. Für was genau, das ist noch nicht klar.“
    Die Verantwortlichen sollten sich schnell überlegen ob der Kubus für Kultur geeignet ist. Ein sofortiger Abriss wäre sicher richtig.
    M.E.n. wurden in diesem Etablissement die Gasmasken mit den Wehrpflichtigen getestet!
    Den Nickname wird der eine oder andere noch kennen…
    Die Beschulten waren in jeder Beziehung nicht begeistert.

  • Uli

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    @Schütze : den Kubus könnte man ja bsw. In der Art weiter nutzen, dass er für VJs als Mapping-Objekt fungiert. ( Da wär ich dann auch interessiert.. )

    Oder als Garderobe – bei der Vorgeschichte sicher ohne dass man danach Kleidermotten mit heim zieht.. ;-)

  • Pesi

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    @Schütze: Das “Zitat” (weil ja in Anführungszeichen) „Der Kubus soll bis 2022 noch einmal genutzt werden. Für was genau, das ist noch nicht klar.“ – wo stammt das her? – ich habe den Text jetzt noch 2x gelesen, finde das aber dort nicht…

    Im Text steht “an einem Kubus vorbei gehen – voraussichtlich mit kleiner Gastronomie.” – und das ist auch so zu finden im Konzept: http://bauwaerts.de/prinzleokultur/ – dort als “cafè” (sic!) bezeichnet…

    Zu “Dass die Stadt Regensburg einen Teil des demnächst startenden Kultursommerprogramms auf dem Zwischennutzungsareal realisieren will, wird zwar zunächst etwas kritisch gesehen, ” – das stimmt so nicht! – Das war ich, der einfach nur aus Neugier nachgefragt hatte, wie das ablaufen soll, da ja hier auf Regensburg-Digital berichtet wurde (ich bin gut informiert! :-D), dass das Programm auf diesen Kultursommer-Bühnen durch eine “Jury” gestaltet wird – und sich das ja dann irgendwie beissen würde, wenn der Verein das Gelände bespielen soll, aber dann (was ja nun wohl nicht der Fall sein wird?) jemand anders das Programm auf dieser Bühne bestimmt.

    Dagegen (Kultursommer-Bühne in der PLK) habe ich absolut nichts, ich habe diesen Ort sogar selbst beim Kulturamt vorgeschlagen (da gab’s ja so einen Aufruf, Vorschläge einzureichen)!

    Vielleicht habe ich “Und die vor kurzem beschlossene, selbstorganisierte Zwischennutzung im Erdgeschoss des städtischen Sanierungsfalls Maxstraße 26 soll offenbar kein Einzelfall bleiben” falsch verstanden, aber das klingt für mich nach falscher zeitlicher Reihenfolge… die PLK-Sache ist ja schon seit Monaten beschlossen, und es wurde auch darüber berichtet… Maxstraße 26 kam (zumindest öffentlich) erst danach…

    lG, Pesi (con_Temporary e.V. / Scants of Grace e.V.)

  • Richard

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    @Pesi
    Guten Morgen. Einfach Augen 8-) auf beim Lesen: Text letztes Bild.

  • peter sturm

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    der “kulturreferent” des stadtostens ist für mich eindeutig klaus rudnick vom verein drehmoment ( https://www.kultur-und-medienprojekt.de ).
    was er in der dieselstraße –weitgehend ohne zuschüsse oder unterstützung– auf die beine gestellt hat ist für uns ostler schon lange recht wichtig. insbesondere seine kinderprojekte beeindrucken.
    ich hoffe er und der verein werden miteinbezogen.

  • Pesi

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    @Richard: Danke! – Die Bildunterschriften habe ich tatsächlich irgendwie komplett übersehen! :-D

  • Jakob Friedl

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    Die Bebauung auf der PLK soll sich in vielerlei Hinsicht innovativ, inspirierend, sozial durchlässig und zukunftsweisend entwickeln. Kunst und Kultur spielen für die Gestaltung eines zukünftigen Zusammenlebens im Sanierungsgebiet „Sozialer Zusammenhalt“ eine entscheidende Rolle.

    Hier nun meine Idee für ein gemeinschaftliches Kunstprojekt im „Kulturviertel“, das dazu beitragen kann die Gemeinschaftsunterkunft in der Dieselstraße in das entstehende Stadtviertel von Anfang an zu integrieren: Eine Brücke über den alten Stacheldraht-Kasernen-Zaun der GU verbindet die Zuständigkeitsbereiche der Regierung und der Stadt. https://ribisl.org/projektskizze-fuer-die-plk-zwischennutzung/
    Bauwärts hat hier sinniger Weise eine behutsame Vorgehensweise empfohlen: Zunächst schmücken wir gemeinsam den Zaun bis zum Haupteingang, mähen und beseitigen den Müll. Das ist eine geeignete Vorarbeit, mit der auch die Idee transportiert werden kann, später den Zaun selbst zu überwinden. Letzteres stellt als Langzeitprojekt sicherlich nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine bürokratische Herausforderung dar. Wer Lust hat dieses verbinde Projekt mit auf den Weg zu bringen, kann sich bei mir, KulturViertel e.V. oder Campus Asyl melden.

    Die Brücke über den Zaun hat sowohl praktischen Nutzen als auch spektakuläres Potenzial und könnte symbolhaft dazu beitragen der Stadtgesellschaft an einem bisher wenig beachteten Ort neue verbindende Wege aufzuzeigen.

  • Jakob Friedl

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    Auf der PLK und im besten Fall auch auf den angrenzenden Arealen kann ein in vielerlei Hinsicht innovatives Stadtviertel entstehen. Die Stadtbau sieht vier Meter hohe Erdgeschosszonen für Geschäfte und auch für soziale und kulturelle Zwecke vor. Die Oberbürgermeisterin hat sogar schon angedeutet, dass über ein Haus für Vereine nachgedacht werden kann. Mit der Zwischennutzung auf der PLK werden hierzu und zum gesamten Sanierungsgebiet „Sozialer Zusammenhalt“ wichtige Impulse und Anschauungsbeispiele sichtbar. Hier die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs, die nun eine Grundlage für die Entwicklung der Bebauungspläne sind: https://ribisl.org/vollstaendige-kenntnisnahme-ideenwettbewerb-nachfolgenutzung-prinz-leopold-pionier-kaserne-und-angrenzende-areale/

    Die Umsetzung des ersten Bauabschnitts auf der PLK mit 600 Wohnungen steht unter einem enormen Zeitdruck. Um Nachzahlungen im Rahmen der sog. Verbilligungsrichtlinie zu vermeiden müssen 360 Wohnungen bis Ende 2024 fertiggestellt sein.
    Weiterhin unklar ist, in welcher Geschwindigkeit sich die PLK und die angrenzenden Areale von Investoren (Sachsenwerk und Einhauser Straße) und Stadt (Pionierkaserne) hoffentlich in vergleichbarer Qualität “entwickeln” werden. ÖDP und die Grünen regen an hier einen Expertenrat einzusetzen, um z.B. das zukunftsweisende Energiekonzept und das Verkehrskonzept der Bebauung auf städtischem Gebiet auch in den Bebauungsplänen der Investoren zu verankern und diese bei der Umsetzung zu beraten. Eine sinnvolle Forderung, die hoffentlich allen Fraktionen einleuchtet.

    Noch ein paar Worte zum Zeithorizont für Zwischennutzung und Baufeldfreimachung und zur Nachbarschaft:
    Aufgrund der angenommenen städtebaulichen Neuordnung ist ein Abbruch der stehenden Gebäude auf der PLK bis zum ! 31.12.2023 ! vorgesehen. Andernfalls drohen der Stadt für die nicht abgebrochenen Gebäude einmalig Nachzahlungen an die BImA in Höhe der für die betreffenden Gebäude angenommen Abbruchkosten und des geringen Restgebäudewerts, der bereits beim Kauf eingepreist wurde – also in überschaubarer Höhe. Kosten für die Entsorgung von Altlasten aus der militärischen Nutzung Bodenveränderungen betreffend können noch bis ins nächste Jahrzehnt hinein abgerechnet werden. Vgl.: https://ribisl.org/fragenkatalog-zur-plk-baufeldfreimachung-gebaeudebestand-planung-weitere-auskuenfte/

    Erstaunlich finde ich, dass es bezüglich der noch ausstehenden Baugenehmigung für die kulturelle Zwischennutzung anscheinend auch Bedenken bezüglich der Lärmemissionen der Bahnlinien und des zukünftigen Baulärms gibt, das Immobilienzentrum seit 2017 allerdings zwei Asylbewerberheime in die Gewerbegebiete an der Guericke- und die Dieselstraße bauen und an die Regierung vermieten konnte. In der GU Dieselstraße lebten zeitweise weit über 300 Menschen in einer in verschiedener Hinsicht eigentlich baurechtlich nicht genehmigungsfähigen Wohnanlage, die sich wie ein Schalltrichter zur Bahnlinie hin öffnet. Der Schrottplatz hat noch acht Jahre Bestandschutz und ist nur 3m von der Gemeinschaftsunterkunft entfernt – die Neubebauung der PLK mit Wohnhäusern muss aus Lärmschutzgründen im ersten Bauabschnitt jedoch ca. 100m vom Schrottplatz abrücken, möglicherweise sind hier zudem weitere Lärmschutzmaßnahmen notwendig. ( https://ribisl.org/zwischennutzung-plk-prinz-leopold-kaserne/#Laerm …falls der Anker nicht funktioniert einfach etwas herunterscrallen bis zur Lärmkartierung) Ich frage mich also, wie der Bau der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße vom städtischen Bauordnungsamt genehmigt werden konnte. Eine besondere Eile war hier eigentlich nicht geboten, denn die Regierung hatte 2014 auf dem damals noch staatlichen PLK-Gelände drei Gebäude für die erwartete Flüchtlingswelle komplett renoviert. Seitdem stehen diese ungenutzt leer und werden nun, sieben Jahre später, letztlich abgebrochen. Das großzügige Raumangebot eines der drei Gebäude wurde lediglich vergangenen Sommer als Corona-Ausweichquartier für die städtische Obdachlosenunterkunft UFO genutzt. Letztendlich wurde also von der Regierung in der Vergangenheit Geld verbraten um diese Gebäude zu renovieren, sie ungenutzt leerstehen zu lassen und statt dessen dem Immobilienzentrum auf einem benachbarten Grundstück gute Geschäfte mit zu ermöglichen. So etwas soll in Zukunft bitte nie wieder vorkommen! (vgl. https://ribisl.org/antrag-von-05-06-2020-unterbringung-von-gefluechteten-in-der-prinz-leopold-kaserne/ )

    Qualitätvoller und bezahlbarer Wohnraum für Menschen in Notlagen sollte in sozial gemischten Gebieten geschaffen werden. Hoffentlich gelingt dies auf der PLK. Dazu gehört im Übrigen auch das viel zitierte Wohnen und Arbeiten im Viertel. Das Immobilienzentrum spekuliert allerdings darauf an der Bahnlinie sogenannte Werkswohnungen bauen zu dürfen, da wo es eigentlich zu laut zum Wohnen ist, und an einer Stelle, an der sich entsprechend der städteplanerischen Entwürfe eigentlich Handwerksbetriebe ansiedeln sollen. Wohnen ist kein reines Geschäftsmodell. Wohnen ist ein Menschenrecht. Wohnen soll in dafür geeigneten Gebieten stattfinden.

    Zuletzt: Der Schrottplatz ist ein interessanter Ort!

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