SOZIALES SCHAUFENSTER

Masterarbeit an der OTH

Die Welt der Pfandflaschensammler

Sie gehören inzwischen zum Stadtbild: Pfandflaschensammler und manchmal auch -sammlerinnen. Zwischen 50 bis 100 Menschen sollen es sein, die zumindest phasenweise in Regensburg unterwegs sind. Wer sind diese Menschen? Was bewegt sie? Eine Master-Arbeit an der OTH Regensburg bietet detaillierte Einblicke in ihre Welt.

Ein Gastbeitrag von Otmar Spirk

Nach Pfandflaschen zu suchen ist eine gefährliche Angelegenheit: Glasscherben, scharfe Dosenöffnungen, Spritzen – immer wieder mal verletzten sich die Sammler beim Wühlen in den Abfallkörben. Aniko Ligeti musste diese Erfahrung selbst machen. Für ihre Masterarbeit („Wie gestalten Pfandflaschensammler_innen ihre Lebenswelt in Regensburg“) ist sie im Rahmen von drei Selbstversuchen unter anderem der Frage nachgegangen, ob sich das Flaschensammeln wenigstens irgendwie „rentiert“. Das Ergebnis war – erwartungsgemäß – desaströs. Ein paar wenige Euro für stundenlanges Sammeln. Und eine wirkliche Aussage zur Höhe der Erträge sei schwer zu treffen, schreibt Ligeti.

Diese seien immer abhängig sind vom Gesundheitszustand der SammlerInnen und könnten aufgrund weiterer Faktoren (Wetter, Tageszeit, Jahreszeit, Wochentag) stark variieren.

Sechs von zehn Sammlern sind Rentner

Die Betroffenen selbst haben keine Wahl. Bei nahezu allen Befragten ist der finanzielle Aspekt ausschlaggebend. Sie sind auf die paar Euros angewiesen, wie Ligeti in mehreren Interviews dokumentiert:

„Also, ich hab die Rente. Aber durch die Scheidung ist natürlich die Rente so minimal, dass I da Flaschen sammeln muss. Des is der Grund. Also, I hab mein ganzes Leben lang gearbeitet. 50 Jahre ungefähr. Altersrente. Und des is scho traurig, wenn ma da dann in so a Lage kummt und da dann hilfsbedürftig wird.“

Oder:

„Ja, weil ich damals mein Job verloren hab. Da ich nicht mehr unter so am Arbeitsklima arbeiten kann, mach ich halt des, um ein bisschen an Geld zu kommen.“

Dieser Aussage schließt sich ein obdachloser Betroffener an. Auch er sieht im Sammeln des Pfandguts eine Möglichkeit, um finanziell über die Runden zu kommen.

„Es is einfach a Nebenverdienst. Nebeneinkommen. Und Ende des Monats is immer schwierig, zu wirtschaften.“

Sechs von zehn PfandflaschensammlerInnen, die zu einem Interview bereit waren, sind RentnerInnen, die von Altersarmut betroffen sind.

Flaschensammler: Gering qualifiziert, chronisch krank

Die Autorin merkt an, dass sie auch mehrere männliche Pfandflaschensammler dabei beobachten konnte, wie sie Getränkereste aus Dosen und Flaschen tranken, die sie aus Müllbehältern gefischt hatten.

Die Lebensgeschichten der Regensburger PfandflaschensammlerInnen ähneln sich, was Bildung und Beruf anbelangt: meist ein Abschluss an der Mittelschule (früher Hauptschule) und Arbeit in niedrigqualifizierten Berufen mit entsprechend geringem Verdienst.

Auch die gesundheitlichen Einschränkungen sind ähnlich: Behinderungen und chronische Erkrankungen sind häufig: Diabetes, Neurodermitis, Herzerkrankung und Depression.

Alle Befragten leben allein

Eine weitere Besonderheit, die alle Beteiligten verbindet, ist das Gefühl der Einsamkeit und der fehlenden Tagesstruktur. So leben alle Befragten alleine und sind in keiner festen Partnerschaft, wie mehrere Aussagen belegen:

„Also, I bin alloans.. I hab koane Kinder ned. Weil I bin krank. Seitdem dass i da bin, bin I scho krank. Also, bin ich immer für mich allons.“

Oder:

„I wohn alleine, ja. Des macht ma natürlich koa Freid.“

Das Flaschensammeln habe hier eine wichtige Funktion, so die Autorin. Zwar koste es einerseits Mut, aus der Unsichtbarkeit in die Sichtbarkeit des öffentlichen Raums zu gehen und mit dem Wühlen in Abfallkörben etwas von der eigenen Not zu zeigen. Andererseits sei es ein Weg, um soziale Kontakte und vielleicht sogar soziale Anerkennung zu bekommen.

Eine Betroffene erzählt:

„Erstens a mal is des a Beschäftigung , Und zwoatens a mal, hat man dann mit andre Leitz was zum doa.“

Die Ergebnisse einer Meta-Analyse zum Leben in Armut, in die 148 Studien miteinbezogen wurden, zeigen, dass ein Mangel an sozialen Kontakten das Sterblichkeitsrisiko drastisch erhöht.

Einige Befragte äußern auch Umweltschutzgedanken, zum Beispiel:

„Also, I hab des am Anfang a für blöd gfundn. Dann hab I mir denkt: Schau her, so dumm is die Situation gar ned. Erstens machst fürd Umwelt was, und, es warad natürlich ned schlecht, wenn mehra auf Glasflaschen, Blechbüchsen a Pfand drauf wär. Des is ja alles a Wertstoff. Des san ja Aluminiumbleche. Des kann man ja wieder verwerten. Also, des liegt rum..“

Geld für Grundbedürfnisse

Wofür wird das Pfandgeld verwendet ? Die befragten PfandflaschensammlerInnen gaben zum Teil mehrere Verwendungszwecke an, jedoch war an erster Stelle der Kauf von Nahrungsmitteln und Getränken elementar:

„Mehr Lebensmittel kauf I. Was I halt so brauch.“

Oder:

„Ja, da tu ich mir dann Schuhe kaufen. Oder mal was zum Anziehen kaufen.“

Hierfür müsse allerdings länger gespart werden. Ebenso bildet tatsächlich der Bereich „Sparen“ einen weiteren Verwendungszweck:

„I hob ma a bissl was aufd Seiten gspart.“

„.I woaß ja ned, was auf uns zukummt.“

Weiter wird medizinischer Eigenbedarf angegeben:

„Also für Medikamente praktisch ; ich nehm halt da, a Salbe für Schuppenflechte.Des muss ich selber finanzieren.“

Und eine anderer Pfandflaschensammlers sagt:

„Ich kauf mir Essen, Trinken für mich. Essen, Trinken für meine Katze. Äh, und Drogen.“

Nur „theoretischer Natur“?

Was sagen die Sozialbehörden zum Flaschensammeln?

Seitens der Agentur für Arbeit teilte man der Autorin für den Bereich des Arbeitslosengeldes I (SGB III) folgendes mit:

„Das Flaschensammeln stellt keine Beschäftigung im Sinne des SGB III dar.“

Das Amt für Soziales gab folgende Auskunft:

„Beim Amt für Soziales sind keine Bezieher von Sozialleistungen bekannt, die Einkommen über die Sammlung von Pfandflaschen erzielen. Insofern sind die gestellten Fragen zumindest für Regensburg nur theoretischer Natur. Die Pfanderlöse wären allerdings als Einkommen grundsätzlich anzurechnen.“

Mülleimer und Pfandringe

Bekommen die Betroffenen Unterstützung durch die Stadtverwaltung?

Ein Mitarbeiter des Regensburger Fuhrparks teilte der Autorin mit, dass „… bei zwei Abfalleimern ein Testbetrieb durchgeführt [wurde]. Die Maßnahme (weitere Pfandringe) wurde aber dann nicht weiter umgesetzt.“

Diese zwei Pfandhalterungen, die es in Regensburg gibt, sind am Obermünsterplatz und in Stadtamhof.

Die bundesweite Initiative ,,Pfand gehört daneben“, die auch mit entsprechenden Aufklebern aktiv ist, begrüßt die Systeme von Pfandhalterungen, sagt aber auch:

„Unser Verbesserungsvorschlag gegen das menschenunwürdige Wühlen liegt ganz einfach im Danebenstellen des Pfands. Generell sprechen wir uns auch für eine wirksame Unterstützung von armen Menschen aus und präventiven Maßnahmen, die verhindern, dass Menschen gar nicht erst in die Notsituation kommen, ihren Lebensunterhalt mit Pfandgut zu verbessern.“

Der Autorin sind verschiedene Müllbehälter in Regensburg aufgefallen. Neben den frei zugängigen Eimern und Behälterboxen auch solche, die abgeschlossen sind. Dadurch fehlt den Betroffenen zum einen die Möglichkeit eines zusätzlichen Verdienstes, zum anderen können Pfandflaschen und Pfanddosen, die in diesen abgeschlossenen Behältern sind, nicht dem Pfandsystem zugeführt werden.

Am Bahnhof ist „Wühlen“ verboten

Wie ist die Rechtslage beim Flaschensammeln? Nach § 856 BGB „Beendigung des Besitzes“ gilt:

„Der Besitz wird dadurch beendigt, dass der Besitzer die tatsächliche Gewalt über die Sache aufgibt oder in anderer Weise verliert.“

Aber natürlich gilt in geschlossenen, öffentlichen, staatlichen, privaten und gewerblichen Räumen, wie Einkaufszentren, Bahnhöfen, Krankenhäusern oder Hochschulen das Hausrecht des Eigentümers. Dieser gibt die Regeln beziehungsweise die Hausordnung vor und kann bestimmen, was in seinem Gebäude mit abgestellten Dingen passiert.

Manche Institutionen, wie etwa die OTH Regensburg, gewähren FlaschensammlerInnen freien Zugang und haben zudem auch extra Tonnen für soziale Projekte aufgestellt.

Andere, wie die Deutsche Bundesbahn, wollen das nicht. In der Hausordnung des Regensburger Bahnhofes ist festgehalten, dass das „Durchsuchen von Abfallbehältern“ untersagt ist.

„Diebstahl“ aus dem Glascontainer

Auch Gerichte waren mit der Frage, ob „herrenlos“ oder Diebstahl schon beschäftigt. In München hatte ein Rentnerehepaar vor drei Jahren aus einem Altglascontainer mithilfe einer Greifzange 18 Pfandflaschen im Pfandwert von 1,44 EUR entnommen. Anwohner hatten dies gemeldet und die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin Strafbefehl wegen Diebstahls.

Der Münchner Amtsrichter lehnte eine Verurteilung ab, da kein Wert für die Höhe des Diebstahl feststellbar sei. Die Staatsanwaltschaft ging dagegen in Berufung, die aber vom Landgericht abgelehnt wurde.

Zurecht, so das Fazit von Ligeti. Menschen zu bestrafen, die eine Lösung gefunden haben, um ihre Not zu mildern und die versuchen, eigenständig ihren Alltag zu meistern, das dürfe nicht sein.

Kommentar: Schämen sollten sich andere

Die PfandflaschensammlerInnen haben meinen Respekt.

Sie überwinden die Scham, von unwissenden Menschen schräg angeschaut zu werden, weil sie im Mülleimer herumwühlen. Sie tun etwas für ihren Lebensunterhalt und sie leisten einen ökologischen Beitrag in einer umweltzerstörenden Gesellschaftskultur.

Die Stadtverwaltung, die Bundesbahn usw., sie alle täten gut daran, sich von der OTH Regensburg ein Stück abzuschneiden und das Pfandflaschensammeln zu erleichtern bzw. zu ermöglichen. Und: Schämen sollten sich die Politiker und Wirtschaftsbosse, die für die Armut verantwortlich sind – in einem reichen Land, nicht etwa die PfandflaschensammlerInnen.

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Kommentare (30)

  • Lothgaßler

    |

    Ich sehe einige Flaschensammler (nur Männer, keine Rentner aber erkennbar mit Migrationshintergrund), die Tüten voller Flaschen anschleppen. Sogar das dürfte sich kaum lohnen, und die Masse an Pfandflaschen gibts nur während des Hochsommers. Im Grund ein Irrweg, auch für die Sammlerinnen und Sammler. Diese Arbeit ist zwar frei (von Kontrolle, Steuern, Abgaben), aber sie verschlingt die Zeit um bessere Lösungen zu suchen.
    Ich kenne auch Studierte, die gelegentlich Flaschen sammeln. Ich sehe zur Hochsaison sogar Leute mit PkW anfahren, um an Hotspots (wie z.B. Bismarckplatz nach Festen) Flaschen zu sammeln (kaum zu glauben, ist aber so).
    Was helfen würde? Für jene, die nur einige Euro dazu brauchen: Einige Stunden Arbeit für den Mindestlohn. Doch wo sind diese Gelegenheitsjobs für die Alten, Schamhaften, Ausgesonderten und Freiheitsliebenden geblieben?

  • Joachim Datko

    |

    Der Laden muss am Laufen gehalten werden!

    Zitat: „Und: Schämen sollten sich die Politiker und Wirtschaftsbosse, die für die Armut verantwortlich sind – in einem reichen Land, nicht etwa die PfandflaschensammlerInnen.“

    Immerhin brummt bei uns die Wirtschaft. Viele der Flaschensammler erhalten Leistungen nach Hartz IV. Man rechnet in Deutschland fast 1000 Milliarden pro Jahr den Sozialausgaben zu, nicht schlecht. Wobei z. B. Renten auch dazugehören.

    Auch wenn die Politiker und Wirtschaftsbosse den Rahm abschöpfen, man denke an die Ambitionen von Gabriel (SPD), kommen doch viele Menschen aus aller Welt, um hier ein viel besseres Auskommen zu haben, als zuhause.

    Wir brauchen auch die Wirtschaftsbosse und Politiker, damit der Laden läuft und die Sozialleistungen erwirtschaftet werden.

  • Piedro

    |

    @Lothgaßler
    „Ich sehe einige Flaschensammler (nur Männer, keine Rentner aber erkennbar mit Migrationshintergrund), die Tüten voller Flaschen anschleppen.“
    Mir ist in Regensburg eine alte (um nicht zu sagen: sehr alte) Frau aufgefallen, die erfolglos von einem Mistkübel zum nächsten ist. Ich sprach sie an und gab ihr mein Kleingeld. Sie wusste wohl nicht, ob die Peinlichkeit oder die Dankbarkeit überwog.

    „…aber sie verschlingt die Zeit um bessere Lösungen zu suchen.“
    Für viele gibt es gar keine Lösung. Nicht erwerbsfähig, auf dem Arbeitsmarkt wertlos. Es geht dabei darum, das Elend zu mindern, nicht die Armut aufzulösen.

  • Piedro

    |

    „Das Amt für Soziales gab folgende Auskunft:

    „Beim Amt für Soziales sind keine Bezieher von Sozialleistungen bekannt, die Einkommen über die Sammlung von Pfandflaschen erzielen. Insofern sind die gestellten Fragen zumindest für Regensburg nur theoretischer Natur. Die Pfanderlöse wären allerdings als Einkommen grundsätzlich anzurechnen.“ “
    Es wäre sogar zu 100% anzurechnen, da es sich nicht um Erwerbsarbeit handelt. Also jeden Monat die Erträge mitteilen, Bewilligungsbescheide könnten nur noch vorläufig ausgestellt werden, nach der Anrechnung müsste ein endgültiger Bescheid erstellt werden.

    Allerdings gibt es auch Gerichte, die das anders sehen. Kommt immer drauf an…

    In Düsseldorf hat das JC aus dem Sammeln eine „selbstständige Tätigkeit“ gemacht und den Alg2-Antrag deshalb abgelehnt. Das Hartz-System ist nun mal ein bürokratischer Wahnsinn, der Willkür fördert, nicht die Leistungsberechtigten.

    Das SG Düsseldorf hat für die Klägerin entschieden. Die Kosten dafür trägt die Allgemeinheit. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es ist möglich, dass die nächste Instanz bemüht wird. Eine Staatsanwaltschaft hat auch schon mal Revision beantragt, weil das Gericht nicht wegen des Diebstahls von Pfandflaschen im Wert von ca. 1.40 aus einem Glascontainer verurteilen wollte. Wurde von der 2. Instanz abgelehnt.

    Auch Bettlern wurde schon das Alg2 versagt, oder ein „fiktives Einkommen“ angerechnet. Gerichte haben das korrigiert. Auf Kosten der Allgemeinheit. So geschehen etwa in Essen und Dortmund.

    Es ist eine Schande für die Republik, wenn Menschen aufs Flaschensammeln oder Betteln angewiesen sind. Oder ohne die Tafeln nicht mehr satt werden können. Dabei sind die „Sozialdemokraten“ fast ununterbrochen an den Regierungen beteiligt. Für die ist das schon nach hinten los gegangen. Es ist eine Frage der Zeit, wann diese Entwicklung für die Gesellschaft richtig kritisch wird. Das Sozialsystem versagt bereits jetzt, zu horrenden Kosten.

  • Piedro

    |

    @Joachim Datko
    Sie haben sich wieder mal selbst übertroffen, so viel Schmarrn in so wenigen Sätzen, muss man erst mal hinkriegen.

    „Viele der Flaschensammler erhalten Leistungen nach Hartz IV.“
    Dem Artikel nach sind es meist Rentner und Kranke, die erwerbsunfähig sein dürften. Beide Gruppen erhalten kein „Hartz IV“. Das, nebenbei, Alg2 heißt. Hartz IV ist das bürokratische System dieser Reform.

    Bereinigen Sie doch mal den Betrag um die Renten und Zahlungen der Krankenversicherungen, die machen 53,2% dieser Rechnung aus. Zzgl. 7,8% für Pensionen und Beihilfen, 2,7% für die betriebliche Altersvorsorge, 5,2% für Entgeldfortzahlung.
    Die Grundsicherung für Arbeitsuchende kostete in 2018 45,0 Mrd. € = 4,5 %. Jugend- u. Sozialhilfe: 86,4 Mrd. € = 8,4 %. Kindergeld/Familienleistungsausgleich: 46,2 Mrd. € = 4,5 % (Kindergeld steht Beziehern von Transferleistungen nicht zu/wird angerechnet).

    13.14 Mrd gehen an Erwerbslose, Erwerbsunfähige u.ä. Bedrüftige. Von Ihren 1000 Milliarden.

    http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Finanzierung/Datensammlung/PDF-Dateien/abbII2.pdf

    Die Kosten für die Bürokratie lassen sich nicht so leicht verifizieren, aus verschiedenen Gründen. Einer ist, dass sie zunehmend mit Geldern aus dem Vermittlungsbudget bestritten werden. Ein anderer, dass zwischen Optionskommungen und AA-JCs unterschieden werden muss. Die Kosten für das Segment Sozialgerichtsbarkeit sind ein Staatsgeheimnis. Was bekannt ist: Die Verwaltungsausgaben für die Sozialleistungen in Deutschland haben sich von 1970 bis 2018 um fast 1.180 Prozent erhöht. Das BIP ist um 839,6% gestiegen.

    Seit 2002 sind die Gesamtausgaben der Bundesagentur für Arbeit um mehr als 41 Prozent gesunken, während die Verwaltungsausgaben um 81 Prozent gestiegen sind.

    https://www.iwd.de/artikel/etwas-zu-viel-des-guten-448583/

    So schaut’s aus, Herr Philosoph.

  • Franzi

    |

    +Sie tun etwas für ihren Lebensunterhalt und sie leisten einen ökologischen Beitrag in einer umweltzerstörenden Gesellschaftskultur.+
    Ich grüble vor mich hin und überlege gäbe es etwa nicht effektivere ökologische Beiträge?
    Heureka.

  • Peter Kern

    |

    Wie immer hat Lothgaßler einen für mich lesenswerten Beitrag geschrieben. Danke dafür!

    Ansonsten erschließt sich mir der Wert der Arbeit in der dargestellten Form nicht wirklich. Die Tatsache ist bekannt, die Untiefen scheinen mir zu fehlen. Eine wurde mir mal im Winter von einem Sammler erzählt: von Banden, die Kranke und Alte von den „guten“ Plätzen mit Prügeldrohungen verjagen. Selbst dieser „Markt“ ist hart umkämpft und wird unter den Stärkeren aufgeteilt.

    Das JC sollte Flaschensammler belohnen, nicht bestrafen. Sie ergeben sich immerhin nicht in ihr Schicksal, sie tun, was sie können, und das gehört belohnt. Am allerbesten natürlich mit einer sinnvollen Unterstützung. Ein, zwei Stunden Tätigkeit am Tag für 10 Euro würden schon soviel Leid lindern können.
    Es wäre so einfach, stünden da keine Menschen im Weg, die mehr Freude am Niederdrücken haben, als am vielbeschworenen „Fördern“.

  • Giesinger

    |

    „In München hatte ein Rentnerehepaar vor drei Jahren aus einem Altglascontainer mithilfe einer Greifzange 18 Pfandflaschen im Pfandwert von 1,44 EUR entnommen. Anwohner hatten dies gemeldet und die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin Strafbefehl wegen Diebstahls.“
    ——————————–
    Auch in Müchen gibt es ekelhafte Leute (die Anwohner).

    Es ist dort (zumindest in Alt-Giesing) schon lange Usus, daß man seine Pfandflaschen nicht in den Container, sondern neben diesen abstellt. Mitunter auch mal einen ganzen Kasten. Lange stehen die nicht herum. Man sieht die vielen Sammler ja den ganzen Tag und weiß wo sie sich tagsüber und nachts aufhalten. Sie gehören zum Stadtbild einen authentischen Stadt. Die Obdachlosen unter der Wittelsbacher Brücke haben es vor vielen Jahren sogar zu einer Kunstausstellung unter ihrer Brücke gebracht.
    Für Touristen-Kitsch-Regensburg ist zuviel Lebenswirklichkeit nicht angesagt.

  • Mr. T.

    |

    Würde mich nicht wundern, wenn bald der erste Flaschensammler Einkommensteuer zahlen und sich selbst versichern muss. Und alles was man bei den Tafeln mitnimmt, wird einem als geldwerter Vorteil angerechnet und von den Leistungen abgezogen.

    Ich hoffe bloß, ich habe das Jobcenter jetzt nicht auf eine Idee gebracht. Eine Schande ist das! Zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig – das ist Armut in Deutschland!

  • xy

    |

    In Regensburg kommt man auch wegen Hausfriedensbruchs ins Gefängnis, wenn man am Bahnhof Flaschen sammelt, standardmäßig ein Hausverbot bekommt und trotzdem weiter sammelt.

  • Piedro

    |

    @Giesinger
    „Auch in Müchen gibt es ekelhafte Leute (die Anwohner).“

    Und eine Staatsanwaltschaft die Beschwerde einlegte, weil die Täter nicht verurteilt wurden.

    Es war auch in München, wo eine Flaschensammlerin verurteilt wurde, weil sie trotz Verbots eine Flasche aus dem Mistkübel griff. Hausfriedensbruch – 2000 Euro Strafe für eine Obdachlose.
    https://www.stern.de/wirtschaft/geld/flaschensammeln-im-bahnhof–rentnerin-soll-2000-euro-strafe-zahlen-7629940.html

  • Otmar Spirk

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    @ ×y , diese Geschichte ,Gefängnis wegen hartnäckigem Pfandflaschensammeln im HBF ‚ würde mich interessieren. Vielleicht mögen Sie ,hier oder mir persönlich , mehr darüber erzählen ?

  • Joachim Datko

    |

    Zu Piedro 18:53 „Bereinigen Sie doch mal den Betrag um die Renten und Zahlungen der Krankenversicherungen, die machen 53,2% dieser Rechnung aus.“

    Sie haben recht, im Detail betrachtet sieht man, dass ein Großteil der Sozialausgaben (2018 – 996 Milliarden) den Sozialversicherungen zuzurechnen ist.

    Aber auch diese Kaufkraft wird jedes Jahr „erwirtschaftet“. Ohne den gut laufenden Staat und die Unternehmer wäre dies nicht möglich. Viele haben die letzte Wirtschaftskrise schon vergessen, als die Regierung Schröder (SPD und Grüne) die Sozialausgaben runtergefahren hat.

    Ein beträchtlicher Teil der Sozialausgaben wird aus dem Bundeshaushalt gedeckt. So wird 2020 der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung ungefähr 100 Milliarden Euro betragen, eine respektable Größe. Das können wir uns nur mit einer florierenden Wirtschaft leisten.

    Ich gehöre nicht zu denen, die unser Wirtschaftssystem schlecht reden wollen.

  • XYZ

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    Das war ein Fall der bei allen Münchner Zeitungen und darüberhinaus für furore sorgte, näher u.a. focus money online, 21.09.2017 und de.wikinews.org : eine (nicht obdachlose) Rentnerin wurde (im Wiederholungsfall) zu 2000 € wegen Hausfriedensbruch verurteilt. Argument der DB: beim Wühlen in Abfallkörben gehe eine Menge daneben. Auf die Idee eigene Sammelbehälter aufzustellen kam anscheinend niemand.

  • Piedro

    |

    @Joachim Datko
    „Ich gehöre nicht zu denen, die unser Wirtschaftssystem schlecht reden wollen.“
    Es wundert Sie vielleicht, aber ich auch nicht. Ich gehöre aber auch nicht zu denen, die Mängel schön reden, oder die, wenn es um Themen wie dieses geht, über dieses System fabulieren. Sicher muss alles erst erwirtschaftet werden, Glückwunsch zu dieser Erkenntnis. Hier geht es allerdings um etwas anderes, nämlich die Tatsache, das viele Menschen, vornehmlich Rentner und Kranke in der Grundsicherung, auf erbärmliche Weise gezwungen sind, ihr Auskommen halbwegs durch das Wühlen in Mistkübeln zu sichern. Das liegt nicht daran, dass zu wenig erwirtschaftet wird, oder der Staat ihnen kein auskömmliches Existenzminimum sichern könnte, was nicht weniger als ein Verfassungsauftrag ist. Den Blick auf diese Tatsache mit Ausführungen zum Wirtschaftssystem zu trüben dient dem Thema nicht. Ich bin auf Ihren Beitrag nur eingegangen, weil er geeignet war – und wohl auch sein sollte – zu suggerieren, dass der Staat bereits übermäßig in die Grundsicherung aller investiert. Darum habe ich Ihre Aussage anhand der Fakten relativiert.

    „Ein beträchtlicher Teil der Sozialausgaben wird aus dem Bundeshaushalt gedeckt. So wird 2020 der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung ungefähr 100 Milliarden Euro betragen, eine respektable Größe.“
    Vermutliche wissen Sie warum das nötig ist. Wenn nicht… lässt sich herausfinden. Aber was wollen Sie damit sagen? Dass es in Ordnung ist, wenn Rentner und Erwerbsunfähige aufs Flaschensammeln angewiesen sind? Oder, dass sie es nicht sind, und das nur aus Jux tun, da der Staat die Rente eh bezuschusst? Oder stehen Flaschensammler dem Florieren der Wirtschaft im Weg? Oder täten das eine auskömmliche Grundsicherung? Wenn es da einen Themenbezug gibt, erklären Sie den bitte. Wenn nicht hat sich’s erledigt.

  • highwayfloh

    |

    @Joachim Datko:

    Zitat:

    „Aber auch diese Kaufkraft wird jedes Jahr „erwirtschaftet“. Ohne den gut laufenden Staat und die Unternehmer wäre dies nicht möglich. Viele haben die letzte Wirtschaftskrise schon vergessen, als die Regierung Schröder (SPD und Grüne) die Sozialausgaben runtergefahren hat.“

    Hier haben Schröder und die SPD gewaltigen Mist gebaut mit der Einführung von ALGII, besser bekannt als „Harz-IV“. Man darf aber auch nicht vergessen, dass viele Grundlagen dafür von der Vorgängerregierung übernommen werden. Man kann in der Politik nicht einfach sagen: „Interessiert uns jetzt nicht, was die anderen gemacht und vereinbart haben, wir fangen wieder von vorne an.“ Somit ist es sehr gefährlich, alles nur einer bestimmten Regierung zuzuschreiben, was vielleicht 10 / 15 Jahre gedauert hat, bis es zur „Beschlussreife“ gelangt ist.

    Zitat:

    „Ein beträchtlicher Teil der Sozialausgaben wird aus dem Bundeshaushalt gedeckt. So wird 2020 der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung ungefähr 100 Milliarden Euro betragen, eine respektable Größe. Das können wir uns nur mit einer florierenden Wirtschaft leisten.“

    Hierbei darf man nicht vergessen, dass gerade unter den schwarz-gelben Koalitionen die Rentenkassen geplündert und die entsprechenden Reserven zweckentfremdet wurden.“

    Hier muss ich Ihnen entgegnen, dass diese pauschale Lobpreisung völlig fehl am Platze ist. Befassen Sie sich doch bitte mal im Detail mit entsprechenden Arbeitszeit- und Arbeitsvertragsmodellen diverser Branchen und dies „neutral“. Es werden sich Ihnen die Haare zu Berge stellen, wenn Sie den Maßstab anlegen, dass es ein sozialverträgliches und gesundes „Miteinander“ sein soll, was die Arbeitsbedingungen anbelangt.

    Langfristig werden die Unternehmer (egal ob Industriekonzern, Mittelständler oder Kleinunternehmer) erkennen müssen, dass es eine Symbiose ist und sie sich sonst ihre erhofften Umsätze / Reingewinne und Renditen sonst wo hin stecken können, wenn Sie niemanden mehr haben, der für Sie ob der herrschenden Bedingungen, die Arbeitsleistung für Ihre Produkte erbringen will.

    Derzeit ist eine Extremkonfrontation beider Seiten zu beobachten, sowohl von Arbeitgeber- als auch von Arbeitnehmer-Seite aus. Hier ist es dringend geboten, wieder zu einem vernünftigen Kontext in der Mitte zurück zu finden, wobei endlich öffentlich klar gestellt werden muss – auch von Seiten des Gesetzgebers (Stichwort: Mindestlohn), dass der Gesetzgeber und die Arbeitgeber offenbar immer das „Arbeitgeber-Brutto“ als Bezugsgröße zu Grunde legen, die Gewerkschaften jedoch das „Arbeitnehmer-Brutto“! Dies sorgt für zusätzliche Diskrepanz in der Bevölkerung, das der Unterschied zwischen diesen beiden Bruttos den wenigsten bekannt sein dürfte.

    Es bleibt aber Festzuhalten, dass de facto – egal ob großer Industriebetrieb, Mittelständler, Handwerker – viele Arbeitgeber das ganze so gestalten, dass aus ihrem Produktionsfaktor und der Kostenstelle „Mitarbeiter“, das Maximum an möglichem regelrecht heraus gepresst wird und wenn es dann nicht mehr erfolgsversprechend ist, das jeweilige Arbeitsverhältnis, da sprichwörtlich „ausglaugt / ausgelutscht“, kommt die Kündigung. Das kann es auch nicht sein.

    Arbeitgeber haben sich ihre sozialen Verantwortung der Gesellschaft im Allgemeinen ebenso bewusst zu sein und danach zu handeln, auch im sinne des gesamtgesellschaftlichen Sozialaspektes und nicht rein nach Rendite-Kriterien zu handeln und zu entscheiden.

    Und nein, ich bin kein Gewerkschaftler. Dies ist rein meine persönliche Sichtweise der Dinge.

  • Piedro

    |

    @Otmar Spirk
    Neben der Presse wurde auch im TV darüber berichtet.

  • erich

    |

    Kürzlich war zu lesen: Nur noch 47 Prozent der Beschäftigten mit Tarifvertrag: „Gesellschaftlicher Skandal“.
    Ich bin immer wieder erstaunt, wie es diese Leute schaffen, ohne rot zu werden von der Entwicklung des Renten-Niveaus zu reden, als hätte die Politik nichts damit zu tun.
    Nochmals: Die Zerstörung der umlagefinanzierten Rente geschah vorsätzlich.
    Aufgrund der Politik der letzten Jahre insbesondere die Agenda 2010 bzw. die Hartz-Reformen ( z.B. Streichung von Rentenbeiträgen im Zuge des Haushaltsbegleitgesetzes 2011 für Arbeitslosengeld-II-Bezieher und Arbeitslose) ist in Zukunft mit einem Zunami an Altersarmut zu rechnen! Was die verantwortlichen Politiker nicht mehr interessieren wird, da sie sich mit königlich, kaiserlich feudalen Altersversorgungen in den Ruhestand schon verabschiedet haben bzw. verabschieden werden.

    Durchschnittshöhen der Altersbezüge 2012
    Altersversorgung in Deutschland (brutto)
    Euro/Monat

    Rente
    West
    Männer 985
    Frauen 484
    Witwer 223
    Witwen 579
    Ost
    Männer 1079
    Frauen 715
    Witwer 268
    Witwen 616

    Beamten-Pensionen
    Bund
    Ruhegehalt 2750
    Witwengehalt 1580
    Länder
    Ruhegehalt 2940
    Witwengehalt 1690
    Gemeinden
    Ruhegehalt 2840
    Witwengehalt 1060
    Bahn
    Ruhegehalt 1930
    Witwengehalt 1060
    Post
    Ruhegehalt 1900
    Witwengehalt 1050

    Abgeordneten-Pensionen
    Bundestag
    Pensionäre 3011
    Witwen 1996

    Minister-Pensionen
    Bund
    Pensionäre 5673
    Witwen 3369
    Quelle: Alterssicherungsbericht des Bundessozialministeriums

    ps. mittlerweile werden aktuellere und genauere Zahlen schon gar nicht mehr veröffentlicht, weil es den Politikern von SPD CDU CSU Grüne FDP die Schamesröte ins Gesicht treibt.

  • Lieber Kein Name

    |

    Ja, auch ich sammele Flaschen.

    Nicht gezielt und regelmäßig. Aber wenn ich an einem Abfalleimer vorbeikomme, dann schaue ich da rein, ob was Verwertbares drin ist. Auch wenn es meiner jetzigen Frau peinlich ist.

    Ich stamme aus einfachsten Verhältnissen, bin mit 19 Vater geworden und habe immer geschaut, dass ich meine Familie schuldenfrei über die Runden bekomme. Das war manchmal eng mit 5 DM Tagessold, meiner damaligen, stets arbeitslosen Frau und einem Baby.

    Da ist mir das Pfandflaschen-Sammeln ebenso wie das Sparen und das Reparieren, das Flicken von Kleidung und das Mitnehmen herumliegender Äste als Brennholz für den Winter wohl in Fleisch und Blut übergegangen.

    Ich bin inzwischen Millionär. Ich müsste das alles also nicht mehr tun, zumindest nicht aus finanziellen Gründen. Aber ich denke mir dann, „Das hat sich bewährt, das hat – so wie meine Arbeit auch – ebenfalls ein Scherflein zu meiner finanziellen Basis beigetragen: Warum sollte ich das jetzt plötzlich aufhören?“

  • Tobias

    |

    Am Anfang des Textes wird erwähnt, dass nur sehr wenig Ertrag durch das Sammeln entstand – impliziert also wenig Müll. Am Ende wiederum wird so getan, als würden überall Berge von achtlos weggeworfenen Getränkebehältnissen herumliegen. Was denn nun?

    Das Anrechnen von Pfand ist wirklich lächerlich. Muss ich das jetzt in der Steuererklärung als „Selbstständige Tätigkeit“ einsetzen, wenn ich das Pfand aus meinem Pausenraum entsorge, da es sich schon stapelt (der „Besitz wurde ja aufgegeben“)? Geht’s noch?

    Ansonsten fehlen hier wieder viele Informationen, warum diese Leute das tun. z.B. „Habe ich ein Leben lang gearbeitet“. Aber anscheinend ja nix aufgebaut, alles verprasst – oder einfach nur Teilzeit „gearbeitet“? Gerade „damals“ war das so viel einfacher; was soll ich (Baujahr 1990) sagen?! Ich zahle gerade meine Eigentumswohnung ab, als Kaufmann im Einzelhandel, in Zeiten von Leiharbeit und massiver Staatsquote.

    Viele wollen etwas „dazuverdienen“. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie arm sind. Es gibt zig Rentner, die sitzen 24/7 im Café im Alex-Center herum. Und dann gibt es welche, die „etwas“ machen wollen. Viele Rentner sind vielleicht noch die Nachkriegszeit gewohnt und haben kein Problem damit, sich zu bücken oder in Müllcontainer zu wühlen – ich auch nicht. Aber eine Salbe für Schuppenflechte z.B. kostet ca. 12 EUR. Wie viele von den Sammlern rauchen oder trinken und haben dann „kein Geld“ mehr? Der eine Interviewte kaufe davon „mehr“ Lebensmittel. Das kann man so und so auslegen. Ein anderer „des sei a beschäftigung, da hod ma wos zum doa“. Auch dieser ist möglicherweise nicht arm.

    „Weil ich damals meinen Job (nicht Beruf!) verloren habe und unter dem Arbeitsklima nicht arbeiten kann“. Die/Eine Stelle aufgegeben und schon Hartz-IV-Flaschensammler für Tränendrüsenstories? Sorry, das ist doch lächerlich.

    Ich wünschte, dass diese „Studie“ oder was das hier genau sein soll, sich mehr ins Detail gehen würde, was im Hintergrund abgeht. Flaschensammeln ist doch wirklich kein Thema zum Schämen. Ich sehe eher positive Gesten, z.B. hat jemand noch schnell sein Getränk an der Albertstraße geleert als ein Pfandsammler seine Runde machte. Ich bin mir sicher, dass bei einer Befragung über 90% positive Rückmeldungen über Flaschensammler kommt.

  • erik

    |

    der eine sammelt Flaschen der andere hat ein Parteibuch
    z.B.
    die Deutsche Bank bezahlt 643 Gehaltsmillionäre in ihren Kreisen, aufgerundet wäre das schon mal eine Milliarde für Manager, die 5 Milliarden Verlust verursacht haben.
    Sigmar Gabriel wird Aufsichtsrat, wohl als Fürsprecher bei der Politik.
    Die Verluste holt man durch Negativzinsen locker wieder rein.
    Die Bank zahlt dadurch nichts in den Steuersäckel, und wo und ob die Millionäre ihre Moneten versteuern, ist unbekannt. Eine Einkommensquellensteuer wie in den USA haben Leute wie Sigmar Gabriel in der BRD zu verhindern gewußt. Bananenrepublik der übelsten und scheußlichsten Sorte halt.

  • Günther Herzig

    |

    Bitte mal alle Millionäre melden. damit “ lieber kein Name“ das statistisch erfassen kann,

  • Hthik

    |

    @Tobias 30. Januar 2020 um 11:01 | #

    „Am Anfang des Textes wird erwähnt, dass nur sehr wenig Ertrag durch das Sammeln entstand – impliziert also wenig Müll. Am Ende wiederum wird so getan, als würden überall Berge von achtlos weggeworfenen Getränkebehältnissen herumliegen. Was denn nun?“

    Der Gewinn ist nicht gleich dem Umsatz.

    „Ansonsten fehlen hier wieder viele Informationen, warum diese Leute das tun.“

    Der Artikel referiert eine OTH-Studie, angereichert mit Daten aus der Kenntnis des Autors. Wer Interesse an zusätzlichen Informationen hat, darf diese ja recherchieren.

    „Aber anscheinend ja nix aufgebaut, alles verprasst – oder einfach nur Teilzeit „gearbeitet“?“

    Vielleicht. Oder auch nicht. Derzeit ist es aber noch Konsens, Menschen in Not nach ihrem Bedarf für ein menschenwürdiges Leben zu fragen, nicht nach ihrer Vergangenheit. Diesen Konsens stütze ich.

    „Ich zahle gerade meine Eigentumswohnung ab, als Kaufmann im Einzelhandel, in Zeiten von Leiharbeit und massiver Staatsquote.“

    Das erklärt den Reflex, bei Armen die Schuld zu suchen. dass man sich für so wenig so furchtbar anstrengen muss, sehr gut, aber an dieser Situation sind nicht die Armen Schuld.

    „Reicht Hartz IV zum Leben?

    Spahn: Die gesetzliche Grundsicherung wird mit ­großem Aufwand genau bemessen und regelmäßig angepasst. Hartz IV bedeutet nicht Armut, sondern ist die Antwort unserer Solidargemeinschaft auf Armut.“

    https://www.waz.de/politik/jens-spahn-die-tafeln-erfuellen-eine-wichtige-aufgabe-id213677285.html

    Das ist richtig. Es wird „mit ­großem Aufwand genau bemessen und regelmäßig angepasst“.

    Allerdings

    „Jürgen Borchert, Richter Landessozialgericht Hessen a. D.: „Dann kann man sagen, wir lassen den Quatsch mit dem statistischen Ermitteln, weil wir halten uns sowieso nicht dran. Da wird ein großer Hokuspokus veranstaltet, den sowieso kaum jemand versteht, weil diese Rechnungen sehr kompliziert sind, aber sie sind relativ genau. Und wenn man sich dann hinterher nicht dran hält, dann soll man das Ganze offen auf den … in den Abfalleimer schmeißen.““

    https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/hartz-vier-114.html

    „Aber eine Salbe für Schuppenflechte z.B. kostet ca. 12 EUR.“

    Siehe hierzu https://lexetius.com/2012,2149

  • Hthik

    |

    @Joachim Datko 28. Januar 2020 um 12:22

    „Aber auch diese Kaufkraft wird jedes Jahr „erwirtschaftet“. “

    Welche Kaufkraft ist hier gemeint https://de.wikipedia.org/wiki/Kaufkraft und was bedeutet das „erwirtschaftet“ inklusive der Anführungszeichen?

  • Hthik

    |

    @Piedro 27. Januar 2020 um 18:23

    Ich kenne nur den Beschluss des Amtsgerichts München https://openjur.de/u/963109.html Ist die Entscheidung des Landgerichts ebenfalls veröffentlicht?

  • Hthik

    |

    @Joachim Datko 27. Januar 2020 um 17:48

    Das Zitat ist vollkommen korrekt, nur scheint bei der Interpretation die eingehende Auseinandersetzung mit dem Nebensatz „… die für die Armut verantwortlich sind … “ etwas aus dem Blick geraten zu sein. Rein grammatikalisch könnte dieser zwar bedeuten, dass alle Vorgenannten hiermit beschrieben sind, also etwa ausnahmslose alle Politiker für die Armut verantwortlich sind, ich neige aber eher der Ansicht zu, dass durch den Nebensatz eine Teilmenge der Vorgenannten beschrieben werden sollte, die der Autor hier adressieren wollte.

  • Piedro

    |

    @Hthik
    Das Landgericht hat die Beschwerde per Beschluss abgelehnt.
    Ist doch schon abscheulich genug, das Urteil in dieser Sache nicht zu akzeptieren. Als hätten diese Ermittler nichts anderes zu tun.

  • Piedro

    |

    @Hthik
    Die Beschwerde wurde abgelehnt. Da gibt es keine Urteil.

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