SOZIALES SCHAUFENSTER

70 Jahre "Die Sünderin"

Diesen Film verbiete ich mir!

Siebzig Jahre „Die Sünderin“: Am 22. Februar 1951 war die Stunde Null des freien Kinos in Regensburg. Demonstranten trotzten den Mullahs von der Freiwilligen Selbstkontrolle.

„Schießen Sie, schießen Sie“, hatte der Zitzler Schorsch (OB Georg Zitzler, Anm.d.Red.) in seiner Erregung befohlen. An diesem Tag, als die Menge auf dem Alten Kornmarkt wogte, ist noch einmal alles gutgegangen. Das liberale Regensburg hat sich gegen blindwütigen Eifer behauptet. Wolf Peter Schnetz: Jugendsünden, Regensburg 1996, S.98

Von Paul Casimir Marcinkus

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„Das verbiete ich mir!“ Es ist der Klassiker der unfreiwilligen Komik des erbosten Leserbriefschreibers (vorzugsweise männlich, pensionierter Oberregierungsrat). Der Mann will eigentlich sagen: „Das verbitte ich mir!“ Doch er scheitert an seiner Muttersprache und offenbart wider Willen, was wirklich Sache ist. Nachdem es keinen Kaiser und keinen Führer mehr gibt, der täglich strengste und strikteste Maßregeln erlässt, nimmt sich der Mann selbst an die Kandare, er steht unter seiner eigenen Fuchtel. Denn ein Leben ohne exakte Verhaltensvorschriften und vor allem ohne Verbote kann sich der deutsche Mann nicht vorstellen.

Wo immer ich hinkam, brüllte es: „Die Sünderin!“ Sie pöbelten und spuckten, und der Film wanderte von Richtertisch zu Richtertisch. Hildegard Knef, 1999, drei Jahre vor ihrem Tod

Sich selbst etwas zu verbieten, das gibt es aber natürlich nicht nur als Freudsche Fehlleistung, sondern auch als bewusste und explizite Ansage. Und das gibt es nicht nur individuell, sondern auch kollektiv. Ein geradezu massenhaftes Selbstverbot ergriff unser deutsches Vaterland (West) vor genau siebzig Jahren. Und Regensburg, wen wundert‘s, spielte dabei eine maßgebliche Rolle.

Eineinhalb Millionen Katholiken wurden 1951/52 auf Geheiß ihrer Bischöfe Mitglied der „Film-Liga“. Damit verpflichteten sie sich, nur dann ins Kino zu gehen, wenn ein Film lief, der vom „Film-Dienst“ mit den Noten 1 oder 2 bewertet worden war. Der „Film-Dienst“ war eine in den Nachkriegsjahren etablierte katholische Filmbewertungsstelle, die ihre Schäfchen vor allem vor dem verderblichen Einfluss unkatholischer und anderer lästerlicher Filme zu bewahren suchte. Und eineinhalb Millionen Schäfchen blökten also 1951/52 im Chor: Jawohl! Das verbiete ich mir!

Der Bereitschaftszug mit Stahlhelm, Karabiner und Gummiknüppel wartete nur noch auf das Zeichen zur „Offensive“. Punkt 18.30 Uhr begannen am Donnerstag, den 22. Februar, somit die Demonstrationen. Münchner Merkur Nr.136, 7.6.1951

Dass es so weit kam, lag vor allem an dem Film „Die Sünderin“ mit Hildegard Knef und Gustav Fröhlich in den Hauptrollen, der von den Kirchen bereits angegriffen wurde, noch bevor er im Januar 1951 in die Kinos kam. Die katholische Filmkommission schrie schon während der Produktion des Films Zeter und Mordio und prophezeite Unruhen in der Bevölkerung – die sich dann prompt einstellten.

In Regensburg sah das so aus: „Die Sünderin“ lief im Bavaria in der Speichergasse. Da organisierte die katholische Aktion eine Demonstration gegen den Film:

„Schulkinder im Alter von 13 bis 15 Jahren, Frauen, Geistliche und neugierige Bürger erschienen vor dem Alten Rathaus, wo der katholische Studentenseelsorger die unverzügliche Absetzung des Filmes verlangte“, wie der Münchner Merkur berichtete.

Oberbürgermeister Georg Zitzler (CSU) erklärte, er könne gegen den Film nur einschreiten, „wenn es zu ernsten Bedrohungen von Leben und Sachwerten komme“. Doch das war nur eine Steilvorlage: „Die spontane Gegenäußerung aus der Menge war: ‚Gut, dann haumer s‘Theater zamm!‘“ (Mit „Theater“ war natürlich das Lichtspieltheater, also das Kino gemeint.)

Ja, das hat mich sehr verletzt. Ich kam in ein Lokal und konnte schwören, dass irgendeine Frauenstimme sagt: „Fritz, wir gehen!“ Und plötzlich leerte sich das gesamte Restaurant. Mit so jemandem wie mir saß man nicht am Nebentisch. Hildegard Knef in einem Interview zu ihrem 75. Geburtstag, SZ 28.12.2000, S.16

In der Richtung war man in vielen Städten bereits tätig geworden. Man versuchte, die Aufführung der „Sünderin“ mit Gewalt zu verhindern. In Duisburg hatten christliche Fundamentalisten Mäuse im Kino ausgesetzt, in Frankfurt setzte man Niespulver und Reizgas ein, in Düsseldorf und Aschaffenburg Stinkbomben, in Düsseldorf zettelten 30 bis 40 Angehörige einer katholischen Jungmänner-Bewegung unter Anführung eines Pfarrers und eines Kaplans eine Schlägerei mit Kinogängern an, an mehreren Orten mauerte man den Kinoeingang zu, usw.

Nun war der „Bürgerkrieg“ ausgebrochen. Trambahnwagen wurden aufgehalten, Autos beschädigt und Fensterscheiben eingeworfen. Alles recht unerfreuliche Dinge, aber Dinge, die, wie MdL Schier erklärt, von der Polizei geradezu provoziert worden sind. Münchner Merkur Nr.136, 7.6.1951

Allein das Auftreten von Demonstranten, die für die weitere Aufführung des Films eintraten, genügte dem Regensburger OB Zitzler schon dafür, Gefahr im Verzug festzustellen. Er verbot den Film und ließ die Polizei auf die Pro-„Sünderin“-Demonstranten los.

„Auf sirenenheulenden Lastkraftwagen jagten Polizeieinheiten heran und gingen, ohne sich über die Lage zu orientieren, gegen die Herumstehenden vor.“

Fotos zeigen städtische Polizeibeamte mit Stahlhelm, Knüppel, Pistole und Gewehr, die auf Demonstranten losgehen. Doch vom eigentlichen Gewaltausbruch gibt es, wie fast immer in solchen Fällen, keine Fotos. So richtig prügelten die Polizeibeamten erst auf die Festgenommenen ein, als sie sie im Alten Rathaus in die damals dort befindliche Polizeiwache trieben.

Doch die Verteidiger des Kinos ließen sich auch durch die Polizeigewalt nicht einschüchtern und gaben nicht klein bei. Man hatte es einfach satt, erst bei irgendwelchen Mullahs um Erlaubnis zu fragen, bevor man ins Kino gehen durfte.

Wenn es geheißen hatte, „Die Sünderin“ sei ein Machwerk ohne ernsthaften Anspruch auf Kunst, nahm ich die vorgegebene Meinung gehorsam hin. Meine bürgerliche Erziehung verbot mir den Widerspruch. Ich suchte mich selbst zu finden in einer fremden Haut. Wolf Peter Schnetz: Jugendsünden, Regensburg 1996, S.95

Und wozu das alles? Nur wegen der jungen, schönen Hildegard Knef! Die der Legende nach in der „Sünderin“ für einige Sekunden nackt zu sehen ist. – Naja, da spielt die Phantasie derjenigen, die den Film so vehement ablehnten, ihn aber natürlich nicht gesehen hatten, eine tragende Rolle.

In Wahrheit ist es so, dass Marina, die junge Frau, die von Hildegard Knef gespielt wird, am Ende dem Maler, dem sie verfallen ist (Gustav Fröhlich), für ein Aktbild Modell sitzt bzw. liegt. Nur sieht ein etwaiger lüsterner Zuschauer so gut wie nichts von ihr, so geschickt versteht es Willi Forst, der Regisseur des achso skandalträchtigen Streifens, die nackte 24jährige per Lichttechnik und Kamerawinkel unsichtbar zu machen. Gerade mal das Aktgemälde wird von der Kamera kurz in Augenschein genommen, das war‘s auch schon in Sachen Sittenverfall. (Man bedenke! Ein Aktgemälde! Auf der Kinoleinwand!)

„Die Polizei hat nichts zu verbergen“, sagt Polizeidirektor Heiß. „Es ist richtig, daß einzelne Polizeibeamte sich Übergriffe haben zu schulden kommen lassen. Aber das kommt immer wieder vor. Auch ich bin dafür, daß die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.“ Münchner Merkur Nr.136, 7.6.1951

Die Christen, denen ihr leicht durchgeknallter Aufmarsch gegen die „Sünderin“ damals heute verständlicherweise peinlich ist, reden sich freilich standhaft darauf hinaus, nicht die tatsächliche oder vermeintliche Nacktszene sei der Grund ihrer Attacke gegen den Film gewesen. Sondern selbstredend etwas viel Ernsthafteres, Gravierenderes. (Klaro, wer hätte denn 1951 was gegen Nacktheit gehabt! In dieser freizügigen Zeit! Die Christen ganz bestimmt nicht!)

Das Gerücht hält sich hartnäckig, bis zum heutigen Tag, der Feldzug der beiden Kirchen gegen die „Sünderin“ habe sich dagegen gerichtet, dass der Film „die Euthanasie-Debatte scheinbar widerstandslos bejahte“. So heißt es im wikipedia-Artikel über Hildegard Knef:

„Der katholische Protest entzündete sich vor allem an der Tötung auf Verlangen, die in der Schlussszene gezeigt wurde und die an die Euthanasiepropaganda des ‚Dritten Reiches‘ in dem Film ‚Ich klage an‘ von Wolfgang Liebeneiner erinnerte.“

Nun, die Christen haben zweitausend Jahre Übung im Märchenerzählen. Und sie kommen eigentlich immer durch mit ihrem Schmäh. Wenn „Die Sünderin“ an einen NS-Propagandafilm erinnert, dann hat der päpstliche Ostersegen Urbi et Orbi eine frappierende Ähnlichkeit mit Goebbels‘ Rede im Berliner Sportpalast. Oder sagen wir mal, dann kreist die Sonne um den Mond.

Wer den Busen gesehen hatte, mußte beichten. Das Gerücht kursierte, wer die „Sünderin“ sähe, würde exkommuniziert. Das war gar nicht so abwegig. Lernten wir doch in der Religionsstunde […], welche Bücher und Schriften auf dem Index standen. Wolf Peter Schnetz: Jugendsünden, Regensburg 1996, S.95

Wer „Die Sünderin“ jemals selbst gesehen hat, weiß: Jede einzelne der 83 Minuten des Films liefert Gründe, dass ein treuer Katholik des Jahres 1951 bei diesem Film Symptome zeigte, die man eigentlich eher bei einem Horrorfilm erwarten würde. Nur haben diese Gründe nicht das geringste mit dem als „Euthanasie“ bezeichneten Massenmord an den Insassen von Heil- und Pflegeanstalten in der NS-Zeit zu tun.

Bereits die Eingangsszene, in der ein Betrunkener in eine Münchner Tanzbar torkelt und von der ehrenwerten Wir-sind-wieder-wer-Gesellschaft wie ein räudiger Hund behandelt wird, zeigt das Problem, das ein ehrbarer Christ mit der „Sünderin“ hatte. Dieser Film geißelt die Barbarei der Goldenen Fünfziger, als sie noch gar nicht zur Blüte gekommen ist. Die einzige, der die demonstrativ unmenschliche Behandlung des Mannes missfällt, ist die Prostituierte Marina – d a s war das Anstößige an der „Sünderin“. Später dann, Heiligemariamuttergottes!, sieht man die Türme der Münchner Frauenkirche, bildfüllend, aber schräg nach rechts gekippt! Fünf quälende Sekunden lang! Welch verwerflicher Anschlag auf die sittlichen Grundlagen des deutschen Volkes!

Oder, in den eindringlichen Worten des Kölner Erzbischofs Josef Frings:

„Ein Christ, der trotzdem diesen Film besucht, auch wenn er glaubt, es ohne unmittelbare Gefahr für seine persönliche Unversehrtheit tun zu können, gibt Ärgernis und macht sich mitschuldig an einer unverantwortlichen Verherrlichung des Bösen…“

In Wahrheit ist „Die Sünderin“ nichts anderes als ein eindringliches Plädoyer für Menschlichkeit und Freiheit, das man 70 Jahre danach stellenweise als pathetisch und kitschig empfinden mag. Doch es war dieses Plädoyer für Menschlichkeit und Freiheit, gegen das die Christen auf die Barrikaden gingen. „Die Sünderin“ fordert die von den Nazis einkassierten und noch nicht wieder zurückgegebenen Freiheitsrechte ein: Die Freiheit des Individuums, nicht von der Zwangsmoral der Volksgemeinschaft eingeschränkt, belästigt und terrorisiert zu werden, die Freiheit der Kunst, einfach malen zu dürfen, ohne sich von Kunstwarten und Zensoren dreinreden lassen zu müssen, die Freiheit der Privatsphäre, in die niemand, kein Staat und keine Nachbarn, hineinzuschnüffeln haben.

Das haben die Regensburger Kinofreunde im Februar 1951 kapiert, deshalb wichen sie vor den Polizeigewehren nicht zurück. Schließlich, am dritten Tag der Auseinandersetzungen, nahm der Stadtrat seinen ganzen Mut zusammen und beschloss mit einer Stimme Mehrheit, das Verbot der „Sünderin“ wieder aufzuheben. Am 23. Februar 1951 ist Regensburg im 20. Jahrhundert angekommen. Aus der altehrwürdig-vermoderten Bischofsstadt wurde an diesem Tag eine halbwegs moderne, in manchen Momenten gar hell erleuchtete Lichtspielstadt.

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Kommentare (18)

  • Mr. T.

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    Guter Beitrag! Sehr interessant der Rückblick. Zum Glück hat das Christentum mittlerweile so weit an Bedeutung verloren, dass es jetzt nur noch selbst von Skandal zu Skandal gejagt wird.

    Aber ich sehe immer noch irgendwelche diffuse Parallelen zum Jetzt.

  • Rosi

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    Da war halt die Welt der ‚altehrwürdig-vermoderten Bischofsstadt‘ noch in Ordnung.
    Der Stadtrat hatte noch die Stadtpolizei und mancher Oldie erkennt auf den Bildern vielleicht noch seinen Schutzmann. Wichtige Honoratioren hatten noch nicht viel zu befürchten.

  • Wilfred

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    Sehr gut geschrieben und für mich als Regensburger Filmenthusiasten eine völlig neue Geschichte. Vielen Dank für die Recherche!

    @Mr. T.: Die Parallelen zum Jetzt sind gar nicht so diffus wie man meint:
    https://www.regensburg-digital.de/madonnen-schaendung-befuerchtet-kulturamt-sagt-kunst-performance-ab/06032018/
    https://www.regensburg-digital.de/frosch-am-kreuz-kein-erbarmen-mit-der-kunst-zensur-bistum-feuert-bambule-baby/09032018/

    Ob die Bambule-Performance die Klasse einer “Sünderin” gehabt hätte, sei dahingestellt und über Geschmack lässt sich eh nicht streiten. Aber der Reflex, mit dem auf sogenannte Tabubrüche oder Provokationen reagiert wird, unterscheidet sich nur wenig von dem im Artikel von Herrn Marcinkus beschriebenen. Und das war vor 70 (!) Jahren – unfassbar.

  • aucheinehemaliger

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    Jehova! Jehova!

  • Verwundert

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    Rückblickend kann man froh über die Entwicklung unserer Freiheit sein.
    Aber wahrscheinlich entwickeln wir uns wieder zurück.
    Hass und Gewalt gegen andere Meinungen nehmen zu.
    Das Zuhören und Diskutieren wird weniger – Verleumdung und Manipulation nehmen zu.
    Eine sehr traurige Entwicklung. :-(

  • Piedro

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    Zensierende Kritik können die Papisten noch heute. Zuletzt arbeiteten sie sich warnend an “Verteidiger des Glaubens” ab. Bei “Passion Christi” von Gibson haben Katholen und Evangelikale sogar gemeinsam vor den Kinos randaliert. In Österreich wollten Gesellschaften “für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland” die TV-Ausstrahlung zu Ostern verhindern. Die evangelische Prälatin Gabriele Arnold konnte verhindern, dass “Das Leben des Brian” in Stuttgart zu Karfreitag gezeigt wurde.

  • Volker Kindl

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    Sehr schöner Blick in die Vergangenheit der damals noch jungen Bundesrepublik. Vor allem der Opener, bei dem sich der erboste Leserbriefschreiber in den Fallstricken der deutschen Sprache verheddert und sich gleichsam damit selbst entlarvt.
    Allerdings glaube ich, dass der Autor die Befürworter einer Aufführungserlaubnis der “Sünderin” zu sehr überhöht als Wegbereiter einer Presse- und Kunstfreiheit, die es freilich damals durchaus schwer gehabt hat.
    Vielmehr denke ich, war das Publikum einfach scharf auf einen, wenn auch noch so kleinen Busenblitzer und damit ging wohl auch die Strategie der Verleihfirma auf, denn umsomehr Publicity erhielt der Film wohl.
    Sicher galt auch damals schon, dass bei Kinoproduktionen in erster Linie auch das Einspielergebnis vorrangig war.
    Gleichwohl zeigt die Sache doch die widerliche Doppelmoral, welche damals herrschte und die Schwarz-Weiß Bilder der damaligen Polizeieinsätze mit Stahlhelm und Karabiner 98 muten aus heutiger Sicht schon sehr gruselig an.

  • KW

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    @Verwundert
    Ich bin da anderer Meinung. Ein Großteil der Menschen ist schon immer so Scheixxe drauf, durch das Smartphone und der damit verbundenen ständigen Verfügbarkeit jedes Depp*In auf asoziale Medien wird es nur potenziert. Leider.

  • xy

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    Diese sexualfeindliche Zeit wird demnächst wieder kommen. Frühere Filme von David Hamilton, mit Brooke Shields oder “Emanuelle“ wären schon heute wieder unmöglich und völlig unvorstellbar und alle möglichen GruppInnen würden aufschreien und das ohne dass die Kirche mitmacht. Heute sind wir unsere eigenen Grenzen und bewachen uns selbst.

  • XYZ

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    Das ist im Grunde ein altes biblisches Thema: Maria Magdalena, die Sünderin. Soldaten vieler Nationen hatten überall sei es in Polen oder Ostpreussen oder sonstwo Frauen missbraucht, das musste – mal psychoanalytisch gesehen – aufgearbeitet werden. Die katholische Kirche war darin auch etwas verstrickt, wenn auch weniger als die evangelische.

  • R.G.

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    Auf Bild 4 wird ein Mann in einem teuren Mantel aus Perlon oder Nylon verhaftet, mir ist das Gesicht als das eines Schauspielers bekannt.
    Wie heißt er?

  • R.G.

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    XYZ
    Danke für die Erwähnung der Rolle der Kirche im Krieg. Ich hatte es mir verkniffen.
    Als ein Beispiel das KZ Lager Jasenovac. Im Kapitel “Lagerpersonal und Strafverfolgung” ist die Rolle von Priestern als führende Menschenschlächter nachzulesen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Jasenovac

    Unter den Donauschwaben hatten zwangsweise zur SS Verpflichtete am Balkan keine andere Wahl gehabt, als bei Gräueln mitzumachen oder hingerichtet zu werden.
    Nur in der ersten Zeit der Auswanderung nach dem Krieg wurden sie in die USA noch eingelassen, später galt die fehlende Freiwilligkeit nicht mehr entschuldigendes Kriterium. Naturgemäß war unter den schließlich in Bayern, Hessen und Österreich verbliebenen Donauschwaben der Anteil ehemaliger SS dadurch durchschnittlich höher. Ich habe Memoiren von Männern der Division Prinz Eugen bzw. Totenkopfbrigade gelesen, und mit ehemaligen Feldgendarmen und Waffen-SSlern noch persönlich gesprochen.
    Aus allen Schilderungen war zu erkennen, jede (Massen-)Vergewaltigung durch Soldaten an Frauen und Kindern wurde durch Verleumdung vorbereitet, z.B. Ostfrauen, Juden, Sinti und Roma wären unmoralischer, genetischer minderwertiger.
    Sofern spricht die Nachkriegsempörung über den Film “Die Sünderin” keine andere Sprache als die vor einer als Soldat begangenen Gewalttat angewandte.
    Heute kann man das Verhalten bei Männern immer noch bebachten, beispielsweise haben Konsumenten von Prostituierten keine Scheu, nachdem sie sich entluden, sich selbst als moralisch zu sehen, die ihnen zur Verfügung gestanden habende Frau aber als verwerflich, in Kirchensprache als Sünderin.

  • Heinz

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    Es ist vermutlich gut für uns, dass die Kirchen heute nicht mehr so viel Einfluss auf unsere Gelesllschaft haben.
    Wir müssen aber vorsichtig sein, in Krisenzeiten, nicht wieder diffusen utopischen Erlösungsversprechen zu erliegen. Gerade sieht man ja wie sich die Menschen mit “Zero Covid” oder “Fridays for Future” wieder Ersatzreligionen bauen, die via Repression und Verboten, im Austausch für Freiheit und Grundrechte “Erlösung von dem Bösen” versprechen.

  • Günther Herzig

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    @Heinz
    Es gibt immer noch mehr Einfluss der Kirchen auf die Gesellschaft als es scheint.
    Wenn die Kirche, welche ist egal, nicht mehr weiter weiß, dann wird Blasphemie behauptet. Besonders unverfroren der Islam pakistanischer, aber auch türkischer Prägung.

  • Piedro

    |

    @Heinz
    Fridays for Future ist eine Bewegung, die auf Fakten basiert, und zwar auf Fakten, die schon seit Jahrzehnten bekannt sind, aber ignoriert wurden. Das ist weder diffus, noch utopisch, und bestimmt kein Erlösungsversprechen, denn es geht um Schadenminimierung. Eine “Erlösung” gibt es nicht, die Gletscher sind schon weitgehend weg, das Poleis schmilzt, Stürme und Fluten werden weiter zunehmen. Ersatzreligion? Pft.

  • Nathilde Vietze

    |

    Vor Jahrzehnten erlebte ich wie Bischof Graber gefragt wurde: “Exzellenz, im
    Kammer läuft ein unkeuscher Film. Warum unternehmen Sie denn da nichts
    dagegen.” Erwiderte Graber “Der Film ist ein Schmarr’n, in den eh keiner
    reingeht, aber wenn ich etwas dagegen unternehme, rennen alle rein. Ich
    mach’ doch für so einen Unsinn nicht auch noch Reklame.”

  • Mr. T.

    |

    Frau Vietze, für die Erklärung des Streisand-Effekts hätten Sie keinen Antisemiten und völkischen Hassprediger zitierten müssen. War wohl nur etwas unbedarft für eine aufrechte Sozialdemokratin.

  • Mathilde Vietze

    |

    Mr.T. Ich war nie ein Fan von Bischof Graber und ich habe auch das Erlebte
    nur kommentarlos wiedergegeben. Aber, manche Leute laufen tatsächlich
    dann ineinen miserablen Fiilm, wenn die Kirche dagegen ist. Ich würde das
    n i e tun.

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