Kein Erbarmen mit der Kunst

Bistum feuert Bambule-Baby

Erst das Kulturreferat, nun das Bistum: Die Künstlerin Anna Valeska Pohl (bambule.babys) wird in Regensburg wegen eines kleinen Videoschnipsels zur persona non grata. Nach der abgesagten Performance in der Ostdeutschen Galerie hat das Bistum Regensburg nun die Zusammenarbeit bei einem Theaterprojekt via Presse für beendet erklärt.

Erst vom Kulturreferat geschasst, jetzt vom Bistum gefeuert: Anna Valeska Pohl.

Die Aufregung um die abgesagte Performance der bambule.babys in der Ostdeutschen Galerie hat weitere Folgen für die Künstlerin Anna Valeska Pohl. Das Bistum Regensburg hat der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) eine weitere Zusammenarbeit mit Pohl untersagt und ein kürzlich angelaufenes und von Zuschauer und Kritik sehr wohlwollend aufgenommenes Schauspielprojekt mit sofortiger Wirkung beendet. Das berichtet die Mittelbayerische Zeitung, deren Anfrage offenbar Auslöser für diese drastische Reaktion war.

Vom Rauswurf aus der Zeitung erfahren

„Die jüngst bekannt gewordenen Einzelheiten ihrer Arbeit schließen eine Kooperation aus“, wird Bistumssprecher Clemens Neck zitiert, der die Trennung von Anna Valeska Pohl am gestrigen Donnerstag verkündet und damit Thomas Albertin, den Leiter der KEB im Landkreis Regensburg, überstimmt hatte. Albertin wollte vor einer Entscheidung eigentlich noch ein Gespräch mit Pohl führen. Doch dazu kam es nicht mehr. Die Künstlerin selbst erfuhr von ihrem Rauswurf aus der Zeitung.

So bewarb die KEB das Theaterprojekt mit Anna Valeska Pohl.

Wie berichtet, hatte das städtische Kulturamt am vergangenen Wochenende eine Performance der bambule.babys in der Ostdeutschen Galerie kurzfristig abgesagt. Auslöser war ein 15 Sekunden langer Videoschnipsel auf Facebook und Instagram, mit dem die Perfomance angekündigt wurde und der eine kaputte Plastikmadonna im Schritt einer jungen Frau zeigt. Das schürte bei den Verantwortlichen offenbar Angst vor Pornographie und Religionsbeleidigung – da halfen auch einordnende Worte von Pohl nichts. Mit den Worten „Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Leben“, teilte das Kulturamt die endgültige Absage schließlich telefonisch mit. Zwischenzeitlich wurden die bambule.babys sogar aufgefordert, den Namen der Ostdeutschen Galerie, der in Zusammenhang mit der abgesagten Performance erwähnt wird, von ihrer Webseite zu entfernen. Nahezu zeitgleich folgte nun die Reaktion des Bistums.

„Keine sexuelle Handlung mit einer Madonna-Figur geplant“

In einer ersten Reaktion bedauert Anna Valeska Pohl das Ende der Zusammenarbeit mit der KEB. Bei dem Projekt unter dem Titel „Von der Finsternis ins Licht“, das bereits zwei Mal an Spielorten im Bistum Regensburg aufgeführt wurde, ging es um die moderne Darstellung von Szene aus dem Alten und Neuen Testament. Berichte in der Mittelbayerischen Zeitung dokumentieren begeisterte Publikumsreaktionen.

Die Arbeit für dieses Projekt sei auch komplett von den bambule.babys getrennt gewesen, betont Pohl. „Diese Gruppe wurde weder erwähnt, noch habe ich in irgendeiner Form dafür Werbung gemacht.“ Und generell werde der inkriminierte Videoschnipsel komplett aus dem Zusammenhang gerissen. „Bei der Performance hätte ich keine sexuellen Handlungen mit einer Madonna-Figur an vollzogen – weder live noch per eingespieltem Video.“

Das Kreuz mit der Kunst

Die aktuellen Vorgänge erinnern ein wenig an die Jahre 2004/ 05 und die famos gescheiterte Bewerbung Regensburgs um den Titel der Kulturhauptstadt. Damals wurde im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung ein Kunstwerk von Martin Kippenberger gezeigt – Name: „Zuerst die Füße“, landläufig bekannt als „Frosch am Kreuz“.

Sorgte zunächst in Regensburg beim Bischof für Ärger („öffentliche Beleidigung des Glaubens“) und spielte anschließend eine tragende Rolle in Schlingensiefs Stück: Kippenbergers Frosch am Kreuz. Foto: Archiv/ as

Es folgten der Bericht eines ob dieser Blasphemie schockierten Reporters in der Mittelbayerischen Zeitung und empörte Reaktionen des Bistums Regensburg. Der damalige Bischof Gerhard Ludwig Müller sprach von „öffentlicher Beleidigung des Glaubens“ und drohte damit, die Domspatzen als Botschafter für die Kulturhauptstadtbewerbung zurückzuziehen. Kulturreferent Klemens Unger – eng mit der katholischen Kirche verbunden und während der Kulturhauptstadtbewerbung vom Oberbürgermeister weitgehend kaltgestellt und durch ein Quintett von außerhalb ersetzt – mahnte, dass man doch „die Würde des Göttlichen wahren“ solle.

Bei einem Stück von Christoph Schlingensief an der Berliner Volksbühne einige Wochen später wurde diese Haltung vor den Augen einer breiten Öffentlichkeit der Lächerlichkeit preisgegeben: Frosch-Kreuzigungen am laufenden Band und ein auf der Bühne krakelender Bischof, auf der Suche nach den „Domspatzen mit ihren kleinen Pimmelchen”. „Regensburg ist nicht krank. Es kann sich nur nicht bewegen“, lautet ein Slogan, den Schlingensief damals prägte.

Die bambule.babys planen nun, ein Video von der abgesagten Performance zu drehen und es zu veröffentlichen, „um damit auch deutlich zu machen, dass die bambule.babys zwar radikal sind, dass es uns aber letztlich um die existentielle Verletzlichkeit des Menschen geht“. 

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Kommentare (39)

  • Hartnäckig

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    wie heisst es doch ?
    Wer zahlt, schafft an !

  • Dieter

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    „Radikal“ und mit Stadt und Bistum kooperieren?
    Der Name Bambule.babys trifft es da ganz gut – mir als Künstler ist das zu naiv oder wahlweise inkonsequent.
    Provinziell von allen Seiten inklusive der Berichterstattung.

  • Barnie Geröllheimer

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    Das war der nicht erfolgreiche Versuch unbefleckt zu empfangen. Öffentlich, weil hätte das funktioniert, wäre Sie morgen geheiligt worden. Schade.

  • Rosalia Genoveva

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    Jetzat hab ich ein Problem.
    Solltat ein Pfarrer Knaben in der Sakristei, wo die gweihten Hostien und die Mostranz nebenbei warn, gschändet haben, wer is dazumal gekündigt worden?

    Der Herr Pfarrer ?
    Die Monstranz?
    Die Hostien?

    Was sagert eingtlich der (Be-)triebsrat dazu, wenn eine Monstranz gekündigt werdn müssert?

    (Mich brauchens nimma kündigen, ich habs schon selba gmacht, bald nachdem mir in einer Woch bei die Exerzitien glei von zwei, vom Pfarrer und von meim vorherigen Professor, ein unanständigs Angebot gmacht worden is. Wortlos. Mit Händ und Füß.

    Da hat ma nur mehr graust vor denen ihra Scheinheiligkeit.

    Ich hätt dazumal meine plötzliche Kirchenferne beichten solln, dann hätt sich alles wieder eingrenkt bei mir.
    Für die Beicht wär der notgeile Professor zuständig gwesn…)

  • Lothgaßler

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    Nun, die Kirche hat die Empörung gerade nötig! Gerade die regen sich künstlich über „missbrauchte“ Gegenstände auf, wo die ihrigen Menschen missbraucht haben (ich hoffe es ist Vergangenheit). Es hilft nur eines: die katholische Kirche hinter sich lassen!
    Ansonsten: Unfassbarer Aufstand! Das kann nur bedeuten, dass in Regensburg weitgehend tote Hose herrscht, und ich doch kein Kulturbanause bin, weil ich zu blöd bin die Kunst zu erkennen.
    Zudem ists ein gutes Indiz dafür, dass jegliches Kulturzentrum ein trauriges Dasein führen würde. Mir graust schon vorm Bayern-Museum.

  • eingeborener

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    Wäre das nichts für rd ,allein oder in Kooperation mit anderen aufmüpfigen Künstlern Innen, die bambule Babys einzuladen ? Oder bleibt Regensbur Mainstream-Kulturerbestadt ?
    Ich bin dabei und bewerbe das gerne !

  • Rosalia Genoveva

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    @eingeborener

    Solchene Vorschläg sollten Sie nicht in der Grippezeit machen!

    Weil wenn der Aigner Barbiepuppen hätt, und die Bambules täten die abschlecken, und nachher täts der Aigner vielleicht, durch die AkteurInnen kulturbefleißigt, abschlecken, könnt er sich anstecken.

    Ma muss die Regensburger Schreiberlinge wie die Bürger vor möglicher Verseuchung schützen!

  • Lothgaßler

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    @eingeborener:
    Das Bürgerfest würde die Bühne bieten für allerlei Performance und sonstige Kunstveranstaltung, um die hiesigen Themen aufzuarbeiten: Korruption/Immobilienhaie/MIethaie, Krematorium, Domspatzen, RKK, … Das Publikum würde es zu schätzen wissen. Es könnt sich kein Kulturreferent wehren und keine Kirche auch nicht. Aber dazu müssten sich wieder einige finden, die das auf die Beine stellen. Ein guter Stand-/Bühnenplatz vorausgesetzt, und es stichelt.

  • doodle

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    @ Hartnäckig.
    Der Auftrag wurde von Frau Pohl voll erfüllt. Die Kirche und Publikum war nahezu begeistert von der Inszenierung der Bibelstellen.
    Der eigentliche Skandall ist doch das Verhalten des Kulturreferats und davon wird jetzt wunderbar abgelenkt.
    Die Kirche soll mal in ihren eigenen Reihen mit solcher Vehemenz gegen Verbrechen durch ihre Mitarbeiter vorgehen. DORT FAND MISSBRAUCH STATT

  • eingeborener

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    @ Lothgassler Man sollte die Suppe essen,solange sie noch heiss istein
    @R.G. Ich bin immer wieder begeistert von Ihren fantasievollen einlassungen ! Grüße aus Regensburg !

  • Mr. T

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    „öffentliche Beleidigung des Glaubens“
    Der Glaube hingegen ist eine öffentliche und fortwährende Beleidigung des Verstands!

  • Joe Kermen

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    @ Lothgaßler:
    Tatsächlich kann ich aus eigener Erfahrung sagen das ein Bürgerfest für offensive Kunst kaum geeignet ist. Der Großteil der Leute will Essen, Trinken (sehr gerne auch Bier) und zur Musik mitschunkeln. Alles was über Refrain mitgröhlen hinausgeht grenzt schon an Belästigung.
    Sinnvoller dafür wäre das Popkulturfestival. Aber auch mit den in der Vergangenheit Verantwortlichen Organisatoren außerhalb des Kulturreferats hat Frau Pohl nach eigener Aussage keine gute Geschäftsbeziehung.

  • Rosalia Genoveva

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    @eingeborener

    Sie haben gmeint
    „Oder bleibt Regensbur Mainstream-Kulturerbestadt ?“

    Ich glaube eher, Regensburg bleibt Kultur stad

    https://de.wiktionary.org/wiki/stad

  • Günther Herzig

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    Liebe Rosalia Genoveva
    Wenn wir beide kirchenfern sind, sind wir uns ganz nahe!!

  • Ex-Regensburgerin

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    Wenn das Kunst und Kultur sein soll – es ist eine Zumutung und Beleidigung, dies als Kunst zu bezeichnen. Schrecklich auch die Einlassungen mancher Foristen, soll das Regensburg als offene Kulturstadt darstellen, wenn -mit Verlaub – solch primitive Darstellungen dazu dienen sollen? Ich würde mich umdrehen und gehen, würde eine Szene wie diese in einem Theaterstück gespielt werden. Nur noch unterste Schublade. Aber ich sehe schon, man kann nichts mehr erwarten …

  • kyner Geist

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    Regensburg bleibt sich treu und liefert – wie immer – termingerecht, avantgardistischen Künstlern und allen anderen, die es glauben zu sein oder werden zu müssen, die nötige PR zum weiteren beruflichen Aufstieg in die Prosecco-Glitzerwelt der Galerien.

    is das eigentlich inzw. ein Geschäftsmodell oder nur ein konditionierter Reflex

    oder etwa gar integraler Bestandteil der akademischen Ausbildung ?

    so in etwa… :

    Station 1 – Ausbildung / Studium ( 2 Semester )

    Kernkompetenzen wie
    • Kippen und Tütendrehen,
    • schonendes Zermörsern von Rocks, Kristallen sowie Wein- und Sektflaschen öffnen
    werden ebenso vermittelt, wie die künstlerische Verarbeitung des tagespolitischen Geschehens und anderen Banalitäten menschlichen Scheiterns.

    Station 2 – Vermarktung

    Lerninhalte unter anderem

    • BWL
    • PR
    – Social Media
    – CMS
    – Twitter, Facebook und Co. nutzen
    • Selbstvermarktung vs. Angestelltenverhältnis
    – Theorie
    – Besuch bei bildenden und schaffenden Künstlern in der Grenzregion Bayern / Tschechien.

    Station 3 – Praxiseinsatz + Masterarbeit ( 4 Semester )

    • Begebe dich nach Regensburg
    • gehe nicht über LOS, ziehe nicht 4000 Mark ein
    • erfahre das Leben der low-fi Bohème und provoziere das Establishment
    • als Nachweis des erfolgreichen Bestehens werden

    – Exkommunikation
    – sowie Berichte in den lokalen Printmedien
    – (Bei Todesfällen durch Lnychjustiz genügt eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde)

    von der Prüfungskommision anerkannt und dürfen nach Durchsicht der Vita hinzugefügt werden.

  • altersimpl

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    Über Kunst darf gestritten werden. Und nach wie vor bestimmt der Auftraggeber, was er haben will. Für das Verhalten der Stadtverwaltung gibt es sicher nachvollziehbare Gründe. Das Verhalten der Bistumsverwaltung ist für frömmelnde Menschen stringent. Das Nichteinhalten von Verträgen und die Gleichsetzung von Kunstwerk mit Künstlerin erinnert mich, wie komm ich da blos drauf, an Staaten, in denen das öffentliche Recht und die Verfassung durch das Glaubensrecht (Scharia) ersetzt wird. Sicher sind im Bistum wie in der Stadtverwaltung spitzfindige Juristen beschäftigt die ihre Vertragsverletzung als rechtens darstellen können. In meinen Augen ist es aber nichts anderes als eine Fatwa gegen unbequeme Bürger.

  • Rosalia Genoveva

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    @Ex-Regensburgerin

    Es ist keine Kunst im herkömmlichen Bildleinsinne nicht, sondern prophetisch in Zeichensprach.

    Wie beim Jonas, der was nach Ninive gehn hätt solln, und weil er nicht ghorcht hat, in einem Walmagen Prophetsein lernen hat müssen. Zwischen dem Krill.
    Nachher, wie er wieder rausdürfen hat, in Ninive, haben die Leut gsagt, was ist denn das für eine stinkige Botschaft.
    Von da kommt das Wort Stänkern. Wenn ein Prophet nach Wal riecht.

    Also, er hat alle angstänkert, er hat ihnen gsagt, ganz genau, wie ers bei ihnen gsehn hat, wie verderbt sie seind. Da habens gsagt, er redt ordinäre Sachen, der Saukerl.
    Derweil hat er sich die Schweinereien gar net selba ausdenkt, die was er beschrieben hat. Der Jonas, der war nämlich eingtlich nur ein Spiegel von die Leut, er wollt ihnen sagen, was sie für Saubatteln sind.

    Und die Bambules wollten auch ein Spiegel sein, obwohl sie in keinem Walmagen nicht ihr Prophetischsein gelernt haben. Aber wenns parfümiert sind, riechens vielleicht trotzdem nach Wal, weil in beinah alle teuren Parföms war bis vor neulich noch Wal-Ambra drin.

    Und was die da mit die Barbiepuppen zeigt haben, das hat dem Emmanuelo sein Dogmatiklehrer mit Worte gsagt. Dass die Heilige Kirch die Frauen nur als Sexualhurendings oder als Heilige darstellt, und dass die Marienplastikfigurenverehrung die Kehrseit von der Herabwürdigung der Frauen sei.
    Aber ich sag lieber nix Dogmatischs, sonst heißts noch, ich stänker.

  • Ex-Regensburgerin

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    @ Rosalia Genoveva: Muß man das jetzt verstehen was Sie schreiben ????

    zur Kunstvorführung:
    Ich finde es primitiv und fühle mich als Frau beleidigt. Genügt das? Gestern war Weltfrauentag. Ich gehöre zu den Frauen, die durch ihren Kampf für Emanzipation sich behaupten gelernt haben. Trotzdem finde ich, dass eine Marienfigur nicht opportun für obszöne Handlungen herhalten darf, weil man sich pseudofortschrittlich damit fühlen will.
    Und noch eine kleine Frage sei gestattet: Dürfte man das auch mit der friedliebenden Religion machen? Dann setzen Sie sich doch dafür ein, dass Ditip für die Vorstellung einspringt. Das ist Gleichberechtigung.

  • Lothgaßler

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    @Ex-Regensburgerin und @kyner Geist:
    Ich glaub (als Atheist ein gewagter Spruch), um die Madonnen-Figur (könnte umlackiert auch was anderes sein) gehts nicht wirklich. Die künstlerische Darbietung mit Madonna und Barbie haut mich auch nicht vom Hocker, in meinem Kopfkino wars kein Blockbuster. Großartig frauenfeindliche Handlungen konnte ich dennoch nicht erkennen, die Dame trat solo auf. Sex sells, die Künstlerin ist jung und gutaussehend und vermutlich brauchte sie das Geld.
    Das Bistum hat eine ganz andere Veranstaltung abgesagt, die ja schon am Laufen war. Vorher hat die Dame keinen Sturm im Wasserglas entfacht. Mit anderen Worten: Die kritisierte Künstlerin hat eher wenig dazu beigetragen einen lokalen Skandal zu produzieren und diesen in die lokale Presse zu tragen, um sich bekannt zu machen. Eher haben Stadt und Kirche die Situation genutzt um sich öffentlich „rein zu waschen“, von dieser „schmutzigen Kunst“. Mit einiger Wahrscheinlichkeit geht das ganze auf einige wenige Personen zurück.
    Ich würde sagen, mann/frau darf der Künstlerin sagen, dass man in ihrer Performance wenig Kunst erkennen kann. Wenn andere Kunstinteressenten eine andere Meinung vertreten, dann ists halt so.
    Die Aufregung um das, was in den Videos gezeigt wird, die erscheint mir arg übertrieben. Jeder kann ohne Mühe im Internet Dinge finden, die um Potenzen „schlimmer“ sind. Interessant ist, welche Personen/Institutionen sich nun so entrüstet geben. Gerade die haben in Regensburg einiges aufm Kerbholz, und zwar ohne jeglichen künstlerischen Anspruch (katholische Kirche) bzw. sind eher für die Kooperation mit Brauereien zwecks Wiederaufstellen von schon fast entsorgten Standbildern bekannt (Kulturreferent). Die Argumente dieser Kreise zwecks Beendigung der Zusammenarbeit mit der Künstlerin sind so bemüht und scheinheilig, dass es trotz aller Gewöhnung an diese ehrenwerte und kunstbeflissene Gesellschaft zunehmend abstößt, egal wie gut/schlecht nun eine kritisierte künstlerische Performance sein mag.
    Die Verhackstückung mit anderen Religionen führt in die Irre. Zum Glück, auch der Frauen, hat die katholische Kirche ihre Macht in unserem Land weitgehend eingebüßt. Auch die Toleranz eine nicht gelittene Kunst-Performance auszuhalten ist ein großer gesellschaftlicher Fortschritt. Die „gefällige“ Kunst z.B. in den Gotteshäusern ist häufig bitterböse Propaganda, bitte vergessen Sie das nicht!

  • eingeborener

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    @ExRegensburgerin : gut, dass so eine emanzipierte Frau wie Sie so ein junges Ding zurecht stösst , bevor die noch was schlimmeres anrichtet, als Barbiepuppen abzulecken und unsere Hl. Jungfrau an einem so ungemein anstößigen Ort zu positionieren ! Kunst sollte auf keinen Fall anecken und eine unnötige Beunruhigung des Volks- und Religions-Körpers hervorrufen. Dank unserer Hl Mutter Kirche und des H-Unger-Kultursicherheitsamts konnte jeglicher Schaden daran abgewendet werden !

  • R.G.

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    @Ex-Regensburgerin
    „Trotzdem finde ich, dass eine Marienfigur nicht opportun für obszöne Handlungen herhalten darf, weil man sich pseudofortschrittlich damit fühlen will.“

    Das ist eben mit allen Konsequenzen zu durchdenken, was wir fühlen sollten.

    Wollen wir einen Staat, der sich zum Handlanger der beleidigten Gefühle jeder Religion und Sekte, und derer der Atheisten macht?
    Einen, der Menschen wegen Rassismus ins Gefängnis schickt, weil sie einen Schweinskopf auf dem Parkplatz VOR, und NICHT IN einer Moschee ablegten? Keine Frage, IN ihren heiligen Gebetsorten soll den Andersgläubigen ein besonderer Schutz gegeben sein!

    Wollen wir, wenn eine als Künstlerin bezeichnete Frau, eine aus dem katholischen Kontext bekannte Plastik- Billigfigur für Sekunden an ihre Unterwäsche hält, daraus aufgebracht eine Beleidigung des katholischen Glaubens konstruieren? Ja glauben wir Christen denn an Plastikgötzen aus einem Polyvinylchlorid-Himmel?

    Wollen wir diese aggressive Beleidigtheits-Bannmeile des eigenen Glaubens und fremder Religionen in die ganze Gesellschaft hineinziehen, es verbieten, dass jemand etwas peripher zu unserer oder deren religiöser Art Gehörendes im allgemeinen Raum anders als die Insider nutzt, und dadurch den ganzen gesellschaftlichen Bereich so radikalisieren, wie in den Ländern, aus denen die verzweifelten Flüchtlinge kommen?

    Wollen wir den logisch auf verbale Radikalisierung folgenden Krieg?

    Der Glaubensabfall der katholischen Gläubigen passierte bei allen mir Bekannten nicht wegen blasphemischen oder freizügigen Handlungen irgendwelcher Menschen draußen in der Welt, sondern wegen der Abartigkeit und Perversion zu vieler Geistlicher oder Ordensfrauen aus den eigenen Reihen, gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern und Erwachsenen. Und wegen der materiellen Bereicherung der Kirche auf Kosten der Armen.

    Verletzte Gefühle ob des Videos sind mir verständllich (mir war dabei dagegen langweilig).
    Gefordert ist dann die Disziplin des Gläubigen, zu achten, wie er auf vermeintliche und echte Provokationen antwortet.

    Als Zornteufel, der gleich nach Drehen an den Gesetzesschrauben ruft, oder als durch Außenreize in seinem religiösen oder areligiösen Empfinden nicht so schnell Erschütterbarer?

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „Ex-Regensburgerin“ – Ich danke Ihnen herzlich für
    Ihren Beitrag. Bei manchen Leuten ist schon das „hohe
    Kunst,“ wenn Kirche und Religion lächerlich gemacht
    werden. Und jetzt haben wieder alle Oberwasser, die
    nichts Besseres zu tun haben, als über die rückständige
    Kirche herzuziehen. Das sollte man an anderen Themen
    festmachen.

  • Schwalbe

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    @Ex-Regensburgerin
    „Ich würde mich umdrehen und gehen, würde eine Szene wie diese in einem Theaterstück gespielt werden“
    Genau das ist der springende Punkt: selbstverständlich ist es Ihr gutes Recht etwas zu mögen oder nicht, etwas anzuschauen oder nicht – aber dazu muss dieses „etwas“ erst mal zustande kommen. Wenn „es“ schon von vornherein verhindert oder verboten wird, dann treffen andere (Kulturreferent, Bistum etc.) für Sie die Entscheidung, was Sie anschauen und mögen dürfen. Ist es wirklich das, was Sie anstreben?
    Auch den wunderbaren Beitrag von Rosalia Genoveva müssen Sie weder mögen noch verstehen; aber er könnte Ihnen einige lustvolle Minuten bereiten, wenn Sie sich darauf einlassen trauen würden; und es wäre jammerschade, wenn so etwas verboten wäre.

  • Lothgaßler

    |

    @Mathilde Vietze:
    Womit wurden den hier (Performance der Künstlerin oder Beiträge in diesem Forum) „Kirche und Religion lächerlich gemacht“?
    Einerseits ist Religion nicht auf Katholizismus zu begrenzen, und da gab und gibt es Religionen, welche der Sexualität huldigten/noch huldigen, z.B. in kultischer Verehrung des Phallus (der Kult wird heute nicht allein von Männern betrieben, also von wegen frauenfeindlich). Und dann ist der Hinweis auf die Verfehlungen der katholischen Kirche derselbst hier zu Regensburg kein „lächerlich machen“, sondern Verweis auf bittere Realität! Die katholische Kirche hat wenig Skrupel beim Missbrauch von Menschen wegzusehen, dafür schreit sie um so lauter, wenn Gegenstände missbraucht werden. Da ist es völlig wurscht, ob der Gegenstand eine Madonnen-Figur sein könnte (übrigens ohne Heiligenschein und ohne Jesus-Kind im Arm, dann wars wohl die von der katholischen Kirche ungeliebte Maria Magdalena), oder ob Kerzen zweckentfremdet werden (was ja wohl häufiger vorkommt).
    Lächerlich ist, dass einige wenige Personen darüber bestimmen wollen, was an Kunst gezeigt werden darf. Das ist wenig souverän und passt nicht mehr in die Zeit.

  • Markus Frowein

    |

    @ Mathilde Vietze (10. März 2018 um 16:37)

    Vielleicht hätte Frau Pohl sich einen sechsjährigen Jungen zwischen die Beine stecken
    sollen, damit Sie verstehen, was Herr Müller und Herr Fuchs niemals verstehen wollen.
    Es geht hier nicht um „Lächerlichmachen“, sondern um ernstzunehmende Mißstände.

  • Mr. T

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    Wenn Frau Vietze recht hat und es bei manchen Leuten schon „hohe
    Kunst“ ist, wenn Kirche und Religion lächerlich gemacht werden, dann müssen ja der Papst und seine Bischöfe und Kardinäle die größten Künstler auf unserem schönen Planet sein.

    Ansonsten geht ein „Daumen hoch“ an die letzten Kommentare von Schwalbe, Lothgassler und Markus Frowein!

  • joey

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    Ob das Kunst ist oder nicht… selbst wenn bambuledingsda nur billiger Spott oder Pornografie mit Kunstverkleidung, gewollter Skandal zur eigenen Berühmtmachung… ist: Auf jeden Fall ist es erlaubt. Das ist auch richtig so.

    Frau Pohl wird nur nicht von der Stadt und dem Bistum finanziert.
    Das ist deren gutes Recht. Und vermutlich deren politische Pflicht, denn die Madonnen Sache war dem Förderungshintergrund nicht angemessen. Wären die Gäste aus Pilzen entrüstet abgereist etc. dann wäre der Schaden riesig für die Städtepartnerschaft.

    Daß Frau Pohl nun komplett von der Kirche abgesetzt wird, würde ihr bei einer Gewerkschaft oder Partei ebenso geschehen.

    Sie kann weiterhin ihre Arbeit zeigen, nur muß sie sich frei finanzieren. Fans hat sie ja genügend hier. Zahlt ihr Eintritt oder spendet was. Dann hat jeder sein Recht behalten und alles ist gut.

  • Mathilde Vietze

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    Ich finde auch manche religiöse (also von der
    Kirche geförderte) Kunst so abstrakt, daß ich
    sie mir nicht anschauen will. Muß ich auch
    nicht!

  • Bistum feuert Bambule-Baby - Ein Blog (nicht nur) über Varel und Meer

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    […] Kein Erbarmen mit der Kunst Erst das Kulturreferat, nun das Bistum: Die Künstlerin Anna Valeska Pohl (bambule.babys) wird in Regensburg wegen eines kleinen Videoschnipsels zur persona non grata. Nach der abgesagten Performance in der Ostdeutschen Galerie hat das Bistum Regensburg nun die Zusammenarbeit bei einem Theaterprojekt via Presse für beendet erklärt. https://www.regensburg-digital.de/frosch-am-kreuz-kein-erbarmen-mit-der-kunst-zensur-bistum-feuert-b… […]

  • altstadtkid

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    Es wird wieder mal alles unternommen um aus einer Provinzposse einen bundesweiten
    Kunstskandal zu fabrizieren

  • altersimple

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    Danke für den Link: da hat die Bistumsbürokratie wirklich Susanna mit dem Bad ausgeschüttet.
    Übrigens finde ich, dass Künstler gezwungen sind, sich um ihre eigene Vermarktung zu kümmern – ansonsten wären es nur Hungerkünstler. Frau Pohl dies hier vorzuwerfen ist einfach unfair. Aber nicht ganz so unfair wie der von Seiten der Stadt und Kirche begangene Vertragsbruch.

  • hf

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    Natürlich darf nur ein Gustave Courbet den Ursprung der Welt malen, nicht so ein dahergelaufenes Provinzmädel. ;-)

    Zu dem hat es sich aber jetzt selbst gemacht – man kann zumindest schon mal grob recherchieren, ob man auch die Compliance liefern kann, zu der man im Sinne einer gedeihlichen Kundenbeziehung fähig sein sollte. Ja, Kundenbeziehung. Bambule.baby wollte was verkaufen und was die Ästhetik eines Produkts oder die Fertigungsbedingungen angeht, da sind Künstler und Kunde zumindest im Urteil gleichberechtigt – was den weiteren Verhandlungsprozess über das gemeinsame entstehen-lassen erst ermöglicht. Die Kirche hat zu allen Zeiten ein bisschen Skandalnudelei in den für sie gefertigten Auftragsarbeiten geduldet. Mal die Sixtina besuchen und drüber reflektieren… Warum performt die Truppe nicht umsonst auf der Steinernen Brücke, wenns so künstlerisch wertvoll ist?

    Ich hab jetzt aber das Video nicht gesehn. Eine Madonna als Dildo benutzt, sagen die Leute? Crazy shit, muss ich nicht sehen. Und ich kann gut verstehen, dass man da jetzt Abstand von nimmt. Ich meine, ich mag ja jetzt auch keine Filme von Kevin Spacey mehr, obwohl er ein super Schauspieler ist.

    Natürlich sagt die Muttergottes nicht #metoo, und etliche Leute werden den Vergleich schon lächerlich finden, ist doch ein Madonnenbild nur tote Materie, nur mittel zum Zweck, nur etwas, das man benutzen und kaputtmachen kann, wie den Rest der Welt…

    Hätte jetzt natürlich die Aussage der Performance sein können; aber ich gehe eher mit der Theorie, dass man sich da vielleicht doch schon mit der Option der totalen Eskalation im Hinterkopf eingeschlichen hat. Immerhin ist es um ein vielfaches bessere Publicity, als ein paar wohlwollende Lokalzeitungsberichte. Ich meine DAS Bistum Regensbug, mit dem Skandal-Kardinal und dem Skandal-Gymnasium und dem Skandal-Flüchtlingsbischof und dem… also, erste Adresse für sowas halt in den verschiedensten Feeds…

    und schließlich kommt jetzt noch die gesamte catholics-hater-posse und macht die künstler zu märtyrern, die armen, armen und die bösen, bösen… ui, was sind wir wieder differenziert und kultiviert. lass uns doch wieder tote schweine fressen an karfreitag, und dazu beten wir die muschi-donna an.

  • altersimpl

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    #HF
    mensch kann schon viel in irgend etwas hinein interpretieren, ich wäre da vorsichtiger. Unterstellungen gehen meist an der Sache vorbei. Es ist wohl eher eine Frage der Toleranz, ob jemand in der Lage ist, möglicherweise provokante Aussagen differenziert wahrzunehmen. Ich möchte nicht auf der katholischen Kirche herum hacken, ich persönlich halte die Reaktion für absolut überzogen. Bedenklicher finde ich die Aktion des Kulturamtes. Schließlich sind die Beamten den Bürgern verpflichtet und nicht den Vorschriften eines patriarchalischen Glaubensverwaltungssystems.

  • hf

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    @altersimpl: das Kulturamt ist mit nichten verpflichtet, sowas zu fördern. Stellen wir uns statt der Madonna einen siebenarmigen Leuchter vor… Das wäre auch ein „patriarchalisches Glaubensverwaltjngssystem“ und dem sind wir alle defintiv verpflichtet.

  • altersimpl

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    @hf: ich habe nicht von einer Förderverpflichtung gesprochen, sondern allenfalls von den Förderrichtlinien. Abgesehen davon geht es im vorliegenden Fall ja nicht um eine Förderung, sondern um die Bezahlung eines bestellten Produkts. Dass man mit solch einer Begründung reklamieren kann, das ist das Bemerkenswerte. „Jo mei, Sie miassan mi scho verstea – des ganze is ma hoid a weng zu horizontal!“

  • hf

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    @altersimpl:
    Von Verträgen kann man zurücktreten, wenn handfeste Gründe vorliegen. Ob sie das tun ist unsere Streitfrage. Ich sage ja, Sie sagen nein. You say hello and I say goodbye.

  • hutzelwutzel

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    Schade! Einmal versuchen die erzkonservativen, Bischof zentrierten Kreise Regensburgs sich liberaler und weltoffener, ja fast schon laiizistisch wie in Tschechien darzustellen, schon wird deren Markenzeichen das Kreuz verhohnepipelt.

    Dabei ist doch klar Weder das Kreuz(symbol), noch die Tötungsart der Kreuzigung „gehören“ der Röm.-Kath. Kirche.

    Scheinmarken werden eben immer wieder mal plagiert oder karikiert. Damit sollte die Diözese Regensburg langsam umzugehen lernen, wenn schon der Papst scheinbar immer wieder fluchen soll, wenn er nur den Namen Regensburg hört.

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