SOZIALES SCHAUFENSTER

„Pilotprojekt“

Ein Luxusklo von der Stange

Noch läuft erst das Genehmigungsverfahren für das Klohäuschen im Umfeld der Jahninsel. Die europaweite Ausschreibung für das „Pilotprojekt“ steht noch an. Ein Hersteller könnte aber durchaus gute Chancen haben. Bei ihm gibt es exakt das von der Stange, was die Verwaltung den Stadträten in der Beschlussvorlage präsentiert hat.

“Kein Luxus-Dixie” fordern Anwohner der geplanten Toilettenanlage. Tatsächlich kann von Dixie keine Rede sein… Foto: Archiv

In einem sind sich wohl alle einig: Nicht nur im Umfeld der Jahninsel braucht Regensburg mehr öffentliche Toiletten. Nicht umsonst hat die Koalition im April die Verwaltung mit einer Bestandsaufnahme in Sachen Klos beauftragt, ebenso soll geprüft werden, wo zusätzliche Toiletten notwendig sein könnten. Bereits zwei Monate vorher, Ende Februar, wurde zudem beschlossen, dass das lange geforderte Klohäuschen im Umfeld der Jahninsel noch bis zum Ende dieses Jahres Realität werden soll (unser Bericht). Trotz Protesten von Anwohnern gegen den Standort an der Ecke Lieblstraße/Müllerstraße. Trotz Unverständnis darüber, dass es eine Bezahltoilette werden soll. Und trotz Kritik an den hohen Kosten insgesamt. Unter anderem die Brücke-Fraktion sprach von einem Luxusklo.

Tatsächlich sind die bislang veranschlagten Kosten durchaus stolz: 330.000 Euro für den Bau plus 4.000 Euro monatlich für den Unterhalt. Zudem soll die Maßnahme „als Pilotprojekt für etwaige weitere bereitzustellende WC-Anlagen im Stadtgebiet dienen“. Teure Bezahlklos überall also?

Wenzenbachs Klo kostete deutlich weniger

Vergleichszahlen sind nur schwer zu bekommen. Hersteller, bei denen unsere Redaktion anfragt, halten sich bedeckt. Ohne genaue Pläne könne man nichts sagen, nicht einmal eine Hausnummer nennen, heißt es. Als wir auf einen Vorentwurf verweisen, den das Amt für Gebäudeservice dem Stadtrat anlässlich des Beschlusses vorgelegt hat und wo der Standort, die Kubatur und die technischen Anforderungen beschrieben werden, konkretisiert ein Hersteller: „Dazu sagen wir gar nichts. Vielleicht beteiligen wir uns ja an der Ausschreibung.“

Eine Landkreisgemeinde, die sich erst kürzlich, vor knapp vier Jahren, ein neues öffentliches Klo geleistet hat, ist Wenzenbach. Auf 110.000 Euro beziffert die Gemeinde die Kosten für das Toilettenhäuschen, das in der Nähe des Sportheims des SV Wenzenbach errichtet wurde. Die Dimensionen sind durchaus vergleichbar. Auch hier handelt es sich um eine sogenannte Zwei-Raum-Anlage, behindertengerecht, mit Alarm- und Notrufsystem. Auch vandalismussicher musste das Ganze gestaltet werden.

Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung sei das 2017 der günstigste Preis gewesen, erläutert Bürgermeister Sebastian Koch auf Nachfrage. Die monatlichen Unterhaltskosten beziffert er auf einen dreistelligen Betrag, der je nachdem, ob etwas erneuert werden oder gesondert gereinigt müsse, etwa weil es eben doch zu Vandalismus komme, zwischen 300 und 600 Euro liege.

Wartung und Reingung wird extern vergeben

Freilich hat Regensburg für sein Klohäuschen – eine Fertigtoilettenanlage – noch etwas mehr geplant. Eine hochwassersichere Bauweise ist an dem Standort vonnöten, selbstreinigend soll die Anlage sein und zudem soll das Häuschen mit einer technisch aufwändigen Bezahlfunktion ausgestattet werden. Im Gegensatz zu Wenzenbach will Regensburg die Wartungs- und Reinigungsarbeiten im Rahmen des Pilotprojekts zunächst für zwei Jahre extern vergeben.

Die 4.000 Euro monatlicher Unterhalt verteilen sich laut Auskunft der städtischen Pressestelle auf folgende Posten:

  • Technische Wartung, Datenübertragung/Störungsmeldung, Störungsbeseitigung durch einen auszuschreibenden Dienstleister
  • Unterhaltsreinigung durch eine auszuschreibende Reinigungsfirma
  • Verbrauchskosten zu Wasser, Abwasser, Strom, Datenanschluss und Gebäudeversicherung etc. durch die Stadt Regensburg
  • allgemeiner Bauunterhalt, Reparaturen am Gebäude, Beseitigung von Vandalismusschäden etc. durch das Amt für Gebäudeservice

Namhafter Hersteller mit Rundum-Service

Ein namhafter Hersteller solcher Toilettenanlagen, wie Regensburg sie sich vorstellt, ist das Unternehmen Hering. Hier gibt es nicht nur besagte Fertigtoilettenanlagen inklusive Bezahlsystem, sondern auch einen 24/7-Wartungsservice. „Neben der Planung und dem Bau von öffentlichen WC-Anlagen bietet die HERING Sanikonzept GmbH auch maßgeschneiderte Serviceleistungen an“, heißt es auf der Firmenhomepage. „Egal, ob Wartung, Reinigung, Reparatur oder Finanzierung. Gerne stellen wir Ihnen ein passendes Service-Paket zusammen.“

Auch dort will man uns keinerlei Fragen zu ungefähren Kosten eines Klohäuschens und den damit verbundenen Serviceleistungen machen.

Bis ins Detail derselbe Grundriss

Allerdings könnte Hering bei der noch durchzuführenden Ausschreibung für das Klohäuschen (derzeit läuft noch das Genehmigungsverfahren) ganz gute Chancen haben. Zumindest ist der Grundriss, den das Amt für Gebäudeservice den Stadträtinnen und Stadträten anlässlich des Beschlusses vorgelegt hat bis ins Detail identisch mit jenem, den das Unternehmen in einer Informationsbroschüre zu ihren Toilettenanlagen abgedruckt hat. Lediglich anstelle der Beschriftung mit „Herren“ bzw. „Damen“ bei Hering hat die Stadt Regensburg für beide Räume „Unisex“ gewählt. Abgesehen davon handelt es sich um dieselbe Planzeichnung.

Rechts: Der Vorentwurf des Klohäuschens, der den Stadträten im Februar vorgestellt wurde, links: der Grundriss einer Toilettenanlage aus der Hering-Broschüre.

Das ist laut städtischer Pressestelle aber nichts Ungewöhnliches. Es solle ja eine Fertigtoilettenanlage beschafft werden, heißt es. „Bei der Konzeptionierung wurden entsprechende, marktgängige Lösungen berücksichtigt.“ Der Plan als solcher werde der Ausschreibung auch nicht beigelegt. „Das heißt es können im Rahmen des Anforderungskatalogs und unter Einhaltung des Gestaltungskonzepts Anlagen von verschiedenen Herstellern angeboten werden.“ Aber ein Glück ist es sicher, dass es das, was da an die Ecke Lieblstraße/Müllerstraße als „Pilotprojekt“ gebaut und gewartet werden soll, genau so von der Stange gibt wie man es den Stadträten vorgestellt hat.

Mobile Lösungen gibt es nur manchmal

Im Rahmen des Kultursommers wird es übrigens für einige Wochen mobile Toiletten auf der Jahninsel geben. Nach Auskunft der städtischen Pressestelle werden diese aber ausdrücklich nur während entsprechender Veranstaltungen offen sein. „Eine Nutzung außerhalb der Spielzeiten ist nicht vorgesehen.“

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Kommentare (8)

  • Mr. T.

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    Man könnte diese Artikelserie mit “Neues aus Schilda” überschreiben (das hab ich früher irgendwo mal gelesen).
    Wie schon öfter geschrieben wurde, ist das mit der Bezahlfunktion wohl so teuer, dass dadurch wohl niemals deren Kosten gedeckt werden.
    Der Betriebskostenvergleich mt Wenzenbach ist schön entlarvend. Da hat der Verwaltung wohl wieder jemand eingeflüstert, wie man kommunales Geld schön entsorgen kann. Und gleich dazu noch eine Visitenkarte von jemand dort gelassen, der sich gerne günstig um diese Entsorgung kümmert.

  • Madame

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    In einen anderen Bericht hat ein schreiber mobile clos zur Sprache gebracht . Das wäre die Lösung für die jahninsel im Sommer. Auch der grieser steg wäre okay. Die Hinterlassenschaften der Herrschaften sollte denen eingebleut werden , wieder mitzunehmen. Diese kostbaren Plätze zum feiern sind keine müllhalden

  • Mr. T.

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    Mobile Toiletten wären schon ne Lösung. Die bräuchte man nicht mal auspumpen und sauber machen. Für das Geld kann man zweimal die Woche neue hinstellen.

  • Jakob Friedl

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    Einmal abgesehen davon, wie unterschiedlich die Kostenberechnungen für öffentliche Toilettenanlagen ausfallen können, lohnt es sich vielleicht einmal den Weg zur Realisierung ganz anders zu denken: Als kooproduktiven und partizipativen Prozess, ganz im Sinne des städtebaulichen Förderprogramms “Sozialer Zusammenhalt”.

    Unsere ausführlichen Beschreibungen der Idee eines soziokulturellen Plan-& Bau-Projekts, das sich an den Bedürfnissen des Gartenamts und der zukünftigen Nutzer*innen orientiert, alle Anforderungen an ein von der Stadt zu übernehmendes öffentlich genutztes Gebäude berücksichtigt und diese als interessante Aufgabe und Herausforderung begreift, sind sehr lesenswert: https://ribisl.org/projektidee-gemeinschaftshaus-ostpark-mit-angegliederter-oeffentlicher-toilette/

    Vor, während und nach der Lektüre empfiehlt sich ein Besuch des Ostparks zu den Spielzeiten des Stadttheaters. Begleitend zu den 20 Vorführungen des Stadttheaters im Ostpark werde ich die Projektidee “Gemeinschaftshaus Ostpark mit angegliederter öffentlicher Toilette” mit Lichtinstallationen und Flyern bewerben.

    Zum Hintergrund und unserer Herangehensweise:
    Die Stadtverwaltung befragte mehrfach die Bürger*innen zu gewünschten Verbesserungen im Ostpark. Das Gartenamt entwickelte eine Idee für das Raumprogramm eines “Gemeinschaftshauses Ostpark mit angegliederter öffentlicher Toilette”, die in der Sitzung des Umweltausschusses am 29. April 2021 mündlich erläutert wurde, aber auf unabsehbare Zeit aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht umgesetzt werden kann.
    Wir befragen nun die Stadtverwaltung nach ihren gewünschten Vorstellungen um in Eigeninitiative und koproduktiv selbst eine sehr kostengünstige und qualitativ hochwertige Planung und förderfähige ehrenamtliche Realisierung auf den Weg zu bringen. Am Ende des beispielhaften Prozesses steht ein funktionierender sozialer Organismus, der dem Ort und der Realisierbarkeit zukünftiger Projekte gut tut.

    Um der Stadtverwaltung einen guten Vorschlag machen zu können, wünschen wir uns einen Ortstermin mit den an der Planung und Vermittlung beteiligten Akteuren und mit entsprechenden Vertreter*innen der Stadtverwaltung. Um im August eine fundierte Planung für ein partizipatives Bauprojekt erarbeiten zu können, wollen wir in einem weiteren Besprechungstermin genauer erfahren und protokollieren, welches Raumprogramm und welche Anforderungen die Stadtverwaltung an ein gemeinsam genutztes Gebäude stellt.

    Die Realisierung unserer Projektidee wird für sehr viel weniger Geld umsetzbar sein als über die übliche Herangehensweise. Wir erwarten hier zudem eine höhere Bauqualität und positive und vor allem nachhaltigere Effekte auf den Park im Sinne des Förderprogramms “Sozialer Zusammenhalt”.

    Wir hoffen, dass sich Teile der Stadtverwaltung, dieser nicht nur völlig ungefährlichen, sondern auch in besonderem Maße zukunftsweisenden Idee nicht verweigern, sondern vor Freude in die Luft springen.

  • Jakob Friedl

    |

    @Mr.T.: Eine Dixiklokabine kostet die Stadt coronabedingt nicht mehr 1000 €, sondern 1600 € / Monat. Es stünde der Stadt gut an hier bessere Lösungen zu finden, z.B. mobile Klowägen und mobile Komposttoiletten in eigenem Besitz, betreut durch bezahltes Personal – vermutlich alles schöner und billiger. Schön beim Burgweintinger Grünabfall: https://www.youtube.com/watch?v=E9He5jZ5IjU , schön im Neuen Kunstverein: https://ribisl.org/malkampfbuero-im-neuen-kunstverein/ und unentbehrlich im Museum: https://ribisl.org/ribisl-im-museum/

  • KW

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    “Gemeinschaftshaus Ostpark”
    Mal wieder eine Idee und Aktion von Jakob Friedl und ribisl die einen fast sprachlos macht ob ihrer Genialität!
    Ich bin am 18. Juni bei einer Openair-Veranstaltung des Theaters und werde mir das anschauen.
    Bezüglich des berechtigten Wunsches, dass Teile der Stadtverwaltung vor Freude in die Luft springen, schwant mir allerdings das Gegenteil. Aber man soll ja positiv denken, bei allem Hang zum Sarkasmus :-)

  • Jürgen

    |

    @Jakob Friedl:
    Ein Dixi-Klo mit Handwaschbecken ohne Toilettenpapier und ohne Seife, bei wöchentlicher Reinigung, kostet pro Monat 142,80 €, macht also 285,60 € für beide Geschlechter.
    Wenn man solche Klos optisch und hygienisch annehmbar fände, wäre das bestimmt in Ordnung. Ich bin jedoch der festen Überzeugung dass diese Toiletten, mangels Hygiene, nicht angenommen werden.
    Büsche sind genügend vorhanden.
    Billiger geht aber immer.

    Den Ideenansatz zur Projektentwicklung finde ich hingegen sehr gut.

  • Jakob Friedl

    |

    @Jürgen, ich muß mich korrigieren:
    Eine Dixiklokabine kostet die Stadt derzeit 1000€/Monat, davon coronabedingt 600€ gesteigertes Hygieneaufkommen. Es werden immer mindestens zwei Kabinen benötigt…

    Vergl. z.B. Bericht der Verwaltung in der oeffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen Natur und Klimaschutz vom 29.4.2021 – Ö5 – VO/21/17765/67
    Nachhörbar hier bei 27:20 min:
    https://www.regensburg.de/rathaus/stadtpolitik/stadtrat/aufzeichnungen-der-stadtratssitzungen/oeffentliche-sitzung-des-ausschusses-fuer-umweltfragen-natur-und-klimaschutz-vom-29-4-2021

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