In Narrhalla

narren1Am Sonntag ist der Regensburger Sozialbürgermeister in die Fußstapfen von Hildegard Anke getreten. Ein nicht zu unterschätzendes Amt hat ihm die CSU-Altbürgermeisterin überantwortet. Direkt am Donaumarkt, im Kolpinghaus. Und neben Orden und Anerkennung birgt die Schirmherrschaft bei der Prunksitzung für Seniorinnen und Senioren einiges mehr. „Ein reichhaltiges Programm für die ältere Generation” wollen die Faschingsgesellschaften Lusticania und Saturnalia heute präsentieren. Unter anderem das Grußwort des Sozialbürgermeisters gehört dazu, in dessen Büro man Karten erwerben konnte. Hier – im Kolpinghaus – haben sich in jüngerer Vergangenheit CSU-Größen von Beckstein bis Seehofer die Klinke in die Hand gegeben, aber auch Gregor Gysi und Oskar Lafontaine von den Linken waren schon hier. Heute soll Politik außen vor bleiben. Heute ist die Reihe am alljährlich wiederkehrenden Humor. Büttenreden, Show-Einlagen und Schunkelrunden stehen auf dem sorgfältig durchstrukturiertem Programm. Nicht umsonst lautet der Wahlspruch der Lusticania: „Freude und Scherz erfülle jedes Herz.” Vor der Tür drängeln sich die Gäste. Alles erfahrene Faschingsveteranen. Geduldig werden Federboas zurecht gezupft, das Herzchen auf der Wange mit dem Lippenstift nachgezogen, die Matrosenhaube noch einmal zurecht gerückt. Mit Orden und Abzeichen behängte Kappenträger in Lusticania-Purpur wuseln nervös herum, beruhigen die Wartenden. Noch gibt es Probleme mit den Tischnummern, die gerade behoben werden. An Platz für die vielleicht 200 Gäste mangelt es Gott sei Dank nicht. narren-4Der Kolpingverband Regensburg, unter dessen Dach die Lusticania ihr fröhliches Treiben organisiert, hat über 3.000 Mitglieder. Welche Stellenwert sie geniest, macht das „Faschingsjournal” deutlich, das für die heurige „Session” herausgegeben wurde. Dort finden sich Grußworte von Regierungspräsidentin Brigitta Brunner und Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Die beiden Bürgermeister Weber und Wolbergs haben das ihre beigesteuert – und nicht zuletzt Alfred „Jet” Hofmaier, einst Gaudi-Fünferl im Stadtrat, heute CSU-Ehrensenator mit „Schwarzer Runde” im Hofbräuhaus und immer noch inoffizieller Fest-Bürgermeister zu Regensburg. Kaum erklingt die Hammond-Orgel, gibt es im großen Kolpingsaal kein Halten mehr. Mehrere Paare schwingen zu „Amore” und „Sag mir Quando” auf der überdimensionierten Tanzfläche das Bein. Bevor die Stimmung aber allzu ausgelassen wird, beginnt auch schon der in drei Teile gegliederte offizielle Teil. „Behalten Sie all das, was Sie heute genießen in Erinnerung”, wird Altbürgermeisterin Hildegard Anke später sagen. „Immer wenn der Alltag trist wird, immer wenn Sie traurig sind, können Sie an die Faschingszeit zurück denken.” Erinnernswert ist die Faschingszeit in Regensburg allemal. Just zum Kommunalwahlkampf 2008 gab es einen großen Umzug der Faschingsgesellschaften Narragonia und Lusticania. Für diesen „Gaudiwurm” – der zunächst am Holocaustgedenktag stattfinden sollte und erst nach längerem Hin und Her noch verschoben wurde – zogen sich Oberbürgermeister Hans Schaidinger und seine Ratsherren selbst die Narrenkappe auf und beteiligten sich, kostümiert, unter „Radi, Radi”-Rufen und in Begleitung des offiziellen „Wählt Schaidinger”-BMW am Gaudiwurm. Brot und Spiele.narren2 Heute bleibt die Kostümierung dezent. Hildegard Anke erscheint in klassischer Schwarz-Weiß-Kombination, Joachim Wolbergs ist beim schlichten Sozialbürgermeister-Outfit geblieben. „Fesch schaugt er aus”, freut sich eine ältere Dame mit Silberbrosche im Haar, während Wolbergs und Anke zur Bühne geleitet werden: Ordensverleihung und Abnahme der Grußworte stehen an. Joachim Wolbergs freut sich. Über das „ganz tolle Programm”. Darüber, dass hier „so viel für Seniorinnen und Senioren getan wird” und darüber, dass hier alles „so richtig gut, so richtig fröhlich, so richtig schön ist”, darüber dass Lusticania und Saturnalia „Freude in den tristen Alltag bringen”. Nach der Ordensübergabe und diversen Fotos werden Wolbergs und Hildegard Anke zu ihren Ehrenplätzen zurückgebracht. Begleitet vom Narrhalla-Marsch, einem Musikstück mit reicher Tradition – zumindest bei der Mainzer Fastnacht. Dort sitzt Wolbergs noch lange, applaudiert mit veträumtem Blick als Seniorenclown Charly eine erste Büttenrede hält, das Prinzenpaar mit seinem Walzer den Show-Reigen eröffnet und bei der „Mystery-Tour” der Faschingsgesellschaften ein „Kampf zwischen heißen Teufeln und sexy Vampiren” präsentiert wird. Im Kampf um Wählerstimmen hat Wolbergs am Sonntag gepunktet. Neben dem großen Potential der Seniorinnen und Senioren, das er seit geraumer Zeit beackert, hat der designierte OB-Kandidat für 2014 sich heute ein weiteres erschlossen – das der Narren.narren3

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Kommentare (7)

  • Roter Oktober

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    Es gab, zur Überraschung vieler, keine Kartoffelsuppe. Alfred, der Hofmaier, bekam Freibier.
    Helau!

  • Joachim Datko

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    Hütchen nicht nur für Narren?

    Wenn ein Narr sich besonders fein rausputzen will, trägt er eine prächtige Mütze!

    Was macht man aber außerhalb des Faschings, wenn man seine Bedeutung herausstreichen will?

    Klar, man trägt einen prächtigen Kopfschmuck, das macht beim Volk Eindruck!

    Beispiel:
    http://www.kfunigraz.ac.at/communication/unizeit/archiv/1999/heft4/images/bischof.jpg

  • Blauer Tintenklecks

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    Herr Datko, auch wenn ich befürchte, dass mein Appell – wie schon so viele – ungehört verhallt:
    Könnten Sie bitte aufhören, ständig andere Gruppen zu diffamieren?! Ich weiß ja, in Ihren Augen sind die Kirche, die Schornsteinfeder und die Beamten an allem Übel der Welt schuld.
    Aber wäre es nicht möglich, Ihre Meinung auf einem etwas höheren Niveau zu äußern und dabei eventuell Beleidigungen wegzulassen?
    Bitte bedenken Sie, dass die Freiheit eine Meinung zu haben, aber auch die Freiheit zu glauben oder einen bestimmten Beruf zu ergreifen, maßgebliche Errungenschaften unserer Demokratie sind. Indem Sie – statt zu diskutieren – ständig nur andere diskredittieren, versündigen Sie sich an all denen, die für uns dieses demokratische System erkämpft haben.
    Um es nochmals deutlich zu machen: Ich will Ihnen nicht Ihre Meinung nehmen, hierauf haben Sie ein Recht, unabhängig für wie diffus ich diese Meinung halte. Aber verletzen Sie bitte nicht ständig die Würde Dritter und diskutieren Sie bitte mit Niveau. Danke.

  • Der Besserwisser

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    Wie wärs, wenn man diesen Troll namens Datko zukünftig einfach allumfassend ignoriert? Ich kann es bis heute nicht fassen, dass dieser Mann einen akademischen Titel hat und trotzdem soviel Schwachsinn verzapft.

  • grace

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    Hier hat Herrn Datko schon recht.

  • Altstadtfreund

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    Darf man über den Frackschmuck von Orchestermusikern spötteln?
    Und über den Kopfschmuck mancher Köche?

    Selbstverständlich gibt es gegensätzliche Meinungen zu Bischofshüten.
    Aber grotesk ist es, wegen ein bischen Spott gleich „Beleidigte Leberwurst“ zu spielen oder „Wollt Ihr den Totalen Boykott?“ zu schreiben.
    .
    Vielleicht aber braucht es mancher Held auch nur, sich beim „Schwarzes Schaf“-Spiel einmal stark zu fühlen …

  • Jens

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    Würde Blauer Tintenklecks sich so nennen,
    wenn er nicht gern Humor hätte?
    Seinetwegen erfüllten Narrenkappen wie -uniformen
    für einen flüchtigen Moment ihren ursprünglichen Sinn.
    Die übermächtige Obrigkeit soll „in ihrer Würde verletzt“,
    soll derbleckt werden:
    Einst gekrönte Häupter, Bischöfe und deren Soldaten, …..
    Weil das Narren so selten noch gelingt, weil im Gegenteil
    Narrentracht als eigene Würde ernst genommen wird,
    hat das Spiel den Witz verloren:
    Fasching verdreht alles Gewohnte – Traditionspflege ist ANTIfasching
    oder „Der Fasching frisst seine Kinder“

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