SOZIALES SCHAUFENSTER

"Leider ohne Rücksprache"

Inklusion ist mehr als ein paar Schilder

„Leider ohne Rücksprache mit (…) den zuständigen Ansprechpartnern“ wurden drei Parkplätze auf dem Domplatz in Behindertenstellplätze umdeklariert und mit Fahrradständern flankiert. Doch so ein Umdeklarieren ist mehr als nur Schilder auswechseln, wie man bei der Stadt nun nach „nach Abstimmung“ zwischen dem Inklusionsbeauftragten und allen beteiligten Ämtern festgestellt hat.

Die „Umdeklarierung“ der Behindertenparkplätze am Domplatz ist „in die Wege geleitet“. Foto: as

Aus drei mach zwei: Vergangene Woche hat die Stadt Regensburg die Ummarkierung der Behindertenparkplätze vor der ehemaligen Dompost „in die Wege geleitet“. So lautet eine Auskunft der städtischen Pressestelle von vergangener Woche. Wie berichtet, wurden dort zunächst im Oktober 2019 mehrere Fahrradbügel angebracht – so knapp neben dem äußersten Parkplatz, dass ein Aussteigen aus dem Auto selbst für Menschen ohne Handicap eine Herausforderung dargestellt hätte.

Betroffener moniert Problem via Facebook

Ein Fehler der ausführenden Baufirma sei das gewesen, so die Stadt. Man habe reklamiert. Ende März seien die Ständer abmontiert und zwei Monate so angebracht worden „wie ursprünglich geplant“. Das Problem: Leider ließen die Ständer nach wie vor zu wenig Platz, um als Rollstuhlfahrer seitlich aus dem Fahrzeug zu kommen.

Aufgefallen ist diese Bügel-Posse dem CSU-Stadtratskandidaten Matthias Krieger. Er sitzt selbst im Rollstuhl und hat die Genese der Fahrradständerversetzung auf seiner Facebook-Seite dokumentiert. Mehrfach wandet sich der 34jährige an den Inklusionsbeauftragten Frank Reinel, der wiederum bei den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung interveniert hat. Und wie sich nun herausstellt, sind das Problem nicht die Fahrrradbügel, zumindest nicht die neu montierten, es ist die Breite der Parkplätze.

Inklusion und Kommunikation

Ursprünglich waren an besagter Stelle drei „normale“ Parkplätze vorgesehen. Als Mitte Februar dann im Stadtrat beschlossen wurde, den Domplatz für den Durchgangsverkehr zu sperren, erfolgte kurzerhand deren „Umdeklarierung“ zu Behindertenstellplätzen. „Leider ohne Rücksprache mit Herrn Reinel oder den zuständigen Ansprechpartnern in Sachen Fahrradbügel“, so die Pressestelle. Denn eine solche Umdeklarierung ist mehr als nur Schilder auswechseln.

Matthias Krieger hat mehrfach beim Inklusionsbeauftragten interveniert. Foto: Facebookseite von Matthias Krieger

Der Inklusionsbeauftragte, heißt es weiter, „hätte bereits zu diesem Zeitpunkt unterstützend beraten und darauf hinweisen können, dass die vorgeschriebenen Breiten der Behindertenstellplätze nicht eingehalten wurden“. Während ein Parkplatz lediglich zwei Meter breit sein muss, beträgt die Mindestbreite eines Behindertenstellplatzes fast das Doppelte – 3,5 Meter.

Umwandeln dauert

Doch nun, „nach Abstimmung zwischen Herrn Reinel und allen beteiligten Ämtern“, namentlich das Stadtplanungsamt, das Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr und das Gartenamt, nähert sich das Problem einer Lösung. Die drei zu schmalen Behindertenparkplätze sollen nun „ in zwei normgerechte Stellplätze umgewandelt“ werden.

Am 8. Juni wurde dies laut Auskunft der Pressestelle „in die Wege geleitet“. Vollzug konnte am heutigen Dienstag zwar noch nicht gemeldet werden, derzeit wird der mittlere von immer noch drei Behindertenparkplätzen von zwei E-Rollern blockiert. Matthias Krieger nimmt die Sache mit Humor. „Ich glaube, die Stadt braucht einfach noch etwas Zeit. Geben wir sie ihr.“

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Kommentare (6)

  • R.G.

    |

    Bitte helft mir Mathematikungenie:
    “Ursprünglich waren an besagter Stelle drei „normale“ Parkplätze vorgesehen. Als Mitte Februar dann im Stadtrat beschlossen wurde, den Domplatz für den Durchgangsverkehr zu sperren, erfolgte kurzerhand deren „Umdeklarierung“ zu Behindertenstellplätzen. ”

    Wie breit ist ein normaler Parkplatz? AAH, hier steht es:
    ” Während ein Parkplatz lediglich zwei Meter breit sein muss,……..”
    Ich rechne also tatsächlich 3×2=6?
    Oder ist doch ein anderer Rechenweg angesagt, wenn am Schluss 7 rauskommen muss?
    Z.B. 2+2+2= beinahe 7!

    “. Die drei zu schmalen Behindertenparkplätze”
    die mal 3 normale Parplätze zu 2 Meter gewesen wären???
    ” sollen nun „ in zwei normgerechte Stellplätze umgewandelt“ werden.”
    In normgerechte zwei Behinderten-Parkplätze zu je mindestens 3,5 Meter Breite?

  • Mr. T.

    |

    R.G., die zwei Meter sind Mindestmaße. Das bedeutet nicht, dass die vorhandenen Normalparkplätze nur zwei Meter breit sind. Sind sie z.B. zweieinhalb Meter breit, bleiben zwei ausreichend große Behindertenparkplätze von dreidreiviertel Meter übrig.

    Alles in allem scheint das eine Verkettung unglücklicher Umstände gewesen zu sein, die zu dem Mist geführt hat. Nicht der Rede wert wenn es geheilt wird. Da gibt’s schlimmere Mißstände in Regensburg.

  • R.G.

    |

    @Mr.T.
    Wissen Sie, wie breit die derzeitigen Normalstellplätze, die lediglich zu Behindertenparkplätzen umgetauft worden waren, wirklich sind?
    Kann es jemand mit Mundschutz nachmessen?
    Nicht dass das Maßband infiziert wird.

  • Tina

    |

    -Leider ohne Rücksprache mit (…)-
    So wird in vielen Gemeinden geplant und ausgeführt. Es ist z.B. auch in R nicht außergewöhnlich. Aber leider werden vielleicht diese Vorgaben von den Gewählten und Amtsvorständen gefördert , in der Hoffnung das passt scho. Die Kosten sind wurscht, wir wurschteln weiter! Wir wollen nur keine kritische Medien.

  • RS

    |

    Die Breite von 2m gilt nur für Parkplätze in Längsrichtung, bei Senkrechtparkplätzen sind das zwischen 2,50m und 2,90m (je nachdem ob seitlich Hindernisse sind) lt EAR 05.

  • Joachim Datko

    |

    Ich schätze die Regensburger Verwaltung!

    Zu Tina 22:31 – “So wird in vielen Gemeinden geplant und ausgeführt. […] Die Kosten sind wurscht, wir wurschteln weiter! Wir wollen nur keine kritische Medien.”

    Mir fällt öfter etwas auf, was geändert werden sollte. Es reicht in der Regel eine kurze E-Mail mit einem Smartphone-Foto von der Problemstelle an das Bürgerbüro, um die Verwaltung zu aktivieren. Man braucht da keinerlei Medien.

    Mir gelingt auch nicht alles auf Anhieb. Machen Sie keine Fehler?

    Ein paar Tausend Euro sind beim städtischen Haushalt eine Lappalie. Außerdem kommt ein Großteil davon, wie bei einem Bumerang, wieder in den öffentlichen Haushalten an. Dafür gibt es das Finanzamt.

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