Leise ist sch…

Eine neue Kampagne hat das Bündnis „Fair Feiern” im Alten Rathaus zu Regensburg präsentiert. Das Bündnis aus Stadt, Polizei, Gastronomen und Altstadtbewohnern will auf diesem Weg für ein besseres Miteinander zwischen Besuchern und Bewohnern in der Regensburger Altstadt sorgen. Harte Maßnahmen wie Sperrzeitverlängerung oder drakonische Strafen wolle man derzeit vermeiden, heißt es von Seiten der Stadt. „Nur Verbote bringen nichts”, sagt Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Man setze auf „Köpfchen”. Zu diesem Behufe hat man eine Agentur engagiert, die einen pfiffigen Slogan entwickeln sollte. Am Donnerstag wurde das neue Motto nun stolz präsentiert: „Leise ist sch …” heißt es demnächst auf Plakaten, Bierdeckeln und Buttons. Auch eine Homepage (www.leise-ist-sch.de) ist bereits am Start, um die Kampagne in die weite Welt zu tragen. Man habe sich „bewusst für einen frechen Slogan” entschieden, sagt Schöpfer Ludwig Faust. Das Risiko, dass mancher nicht „Leise ist schön” ergänze oder „leise ist sch …” nebst „Ruhe bitte”-Geste verwende, sondern sich auf die „Vulgärsprache” beschränke, gehe man gerne ein. „Wir haben ein Motto, dass man auch verhunzen kann”, sagt schaidinger freimütig. Schließlich wolle man junge Leute erreichen. Das ist auch gut so. Denn die jungen Leute haben das Motto schon verhunzt, bevor es überhaupt existiert hat. Spätestens im vergangenen Jahr hat sich der Slogan „Leise is scheise – laut is leiwand” in Regensburg verbreitet. Die Regensburger Bands Zarate, Sick Sick Sick und Use to Abuse haben damit schon ihre gemeinsamen Konzerte beworben. Auch in der lokalen und überregionalen Punkband-Szene ist dieser „freche Slogan” sehr beliebt. Und – es ist kaum zu glauben: Es gibt sogar – Buttons, Aufkleber und Plakate (allerdings noch keine Bierdeckel). Sicher haben die Macher auch nichts dagegen, wenn ihr Motto verhunzt wird. Zumal zu einem so guten Zweck und exponierter Stelle. Und wer weiß: Vielleicht schafft es der städtische Slogan damit auch aufs eine oder andere Konzert. Köpfchen, eben.

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Kommentare (7)

  • Matthias Beth

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    Für welchen Blödsinn, werden denn noch Steuergelder in Regensburg verschwendet?

  • Max Hutzler

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    Erstklassige Leistung! Welch entscheidend verbessernden Einfluss auf die Situation der leidgeprüften Altstadtbewohner dieser geistige „Dünnsch…?“ haben wird, kann man jetzt schon vorhersagen. Wieder mal ein leuchtendes Beispiel dafür, wie man der überbordenenden Marketing- und PR-Gilde, die sich ins Fäustchen lachen kann, Geld nachschmeist, statt politische Entscheidungen zu treffen. Nur keine „Schikanen“ gegen Autofahrer, pöbelnde und krakelende Radaubrüder und -schwestern und vor allem nicht gegen den gottähnlichen Kommerz! Der macht unsere Gegenwart und Zukunft ja so richtig sinnerfüllt und lebenswert.

  • domiNo

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    Frei nach Pumuckel: Oh, das reimt sich ja und was sich reimt ist gut.
    Wenn man sogar mit Gestik und Mimik erklären muss, wie der Slogan gemeint ist, wäre es besser gewesen, einen anderen zu wählen… Lärmen ist Silber, Reden ist Gold…

  • BBDO Düsseldorf

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    O sancta simpicitas. Regensburg blamiert sich, wo es kann. Holt schon mal die Altpapiercontainer für all die Bierdeckel und Plakate, denn man kann sich damit nicht einmal den Allerwertesten auswischen, dafür ist das Papier leider nicht geeignet. Was kommt als nächstes? „Besucht Regensburg, den A…. der Welt?“ Das ist auch frech!

  • Barbara Junghans

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    Einspruch @ BBDO Düsseldorf

    Regensburg ist nicht direkt der A… der Welt – aber von hier aus kann man ihn schon sehr gut sehen.

    Apropos blamieren – ich denke noch an die Aktionen unserer städtischen geistigen Vorturner anläßlich der Bewerbung zur Kulturauptstadt. Da war die Blamage ebenfalls gigantisch, was Herr Schlingensief (den ich ansonsten nicht so sehr mag) denn auch weidlich ausgenützt hat.

  • Obermeier

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    Wenn zur WM nicht auf öffentlichen Plätzen gefeiert werden darf dann finde ich das SCHEIßE!

    Wer in die Altstadt zieht muss doch vorher wissen dass es da nicht so leise ist wie auf einem kleinem Bauerndorf!

    Zuerst wandern die ganzen kleinen Geschäfte wegen den Einkaufszentren aus der Innenstadt ab, als nächstes kommen dann die Kneipen und dann …

    Viel Spaß

  • grace

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    @obermeier
    vielleicht ändert sich das, wenn der Löw nachträglich einen Jahn-Spieler nominiert…(statt Kuranyi)

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