Gedenkweg erreicht die Breite der Stadtgesellschaft

„Liebe den Fremdling“

Der vierte gemeinsame „Gedenkweg für die Opfer des Faschismus“ zeigt: Wenigstens einmal im Jahr gibt es in Regensburg mittlerweile einen breiten Konsens in der Stadtgesellschaft, der vom äußersten linken Spektrum bis zur CSU reicht.

An der Spitze des Gedenkwegs: Luise Gutmann (VVN), Vertreter von katholischer und evangelischer Kirche, Jürgen Scholz (IG Metall) Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Hans Simon-Pelanda. Foto: Roth

„Liebe den Fremdling.“ Mehrfach stehe dieser Aufruf in der Tora, sagt Rabbi Josef Chaim Bloch, als er vor der Baustelle für die neue Synagoge zu mehreren hundert Regensburgerinnen und Regensburgern spricht. Wenn man diesem Aufruf folge, dann könne man beweisen, dass man anders gestimmt sei als die Masse der Menschen im Nationalsozialismus. Dann bleibe man vielleicht davon verschont, dass so etwas wieder geschehen könne. Dann könne man die Erinnerung und die Mahnung wachhalten.

Rabbi Josef Chaim Bloch plädiert für die Aufnahme von Flüchtlingen. Foto: Roth

Die Synagoge ist die vierte Station des „Gedenkwegs für die Opfer des Faschismus“, der jedes Jahr am 23. April stattfindet. Jenem Tag, an dem die Gefangenen des KZ-Außenlagers Colosseum zum Todesmarsch getrieben wurden. Jenem Tag, an dem Domprediger Johann Meier, Lagerarbeiter Josef Zirkl und Polizist Michael Lottner hingerichtet wurden, weil sie sich für eine kampflose Übergabe der Stadt eingesetzt hatten.

Von der CSU bis zum Arbeiterbund

Zum vierten Mal in seiner über 40jährigen Geschichte findet der Gedenkweg heuer unter einem gemeinsamen Dach statt. Aus einer Veranstaltung mit starker politischer Ausrichtung, bei der die Stadtspitze wegen ihrer Untätigkeit in Zusammenhang mit dem Colosseum oder dem Andenken an ehemalige Zwangsarbeiter in der Kritik stand, und die von CSU-Seite als Sammelbecken von Radikalen und Kommunisten verunglimpft wurde, ist mittlerweile tatsächlich ein Gedenken geworden, das quer durch die gesamte Stadtgesellschaft reicht. Und die unterschiedlichen Teilnehmer – von der CSU bis zum Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD, von der Katholischen Kirche bis zu den Zeugen Jehovas – die einander sonst Fremdlinge sein mögen, lieben sich zwar vielleicht nicht gerade, haben aber in diesem Rahmen zumindest zu einem gewissen Konsens gefunden.

Das ehemalige KZ-Außenlager war heuer Ausgangspunkt des Gedenkwegs. Foto: Roth

Am Colosseum, dem KZ-Außenlager, das von der Stadt lange unter der Decke gehalten wurde und bei dem sich die Diskussion um ein würdiges Andenken in den zurückliegenden Jahren zu einer mehr als peinlichen Posse entwickelt hatte, hängt mittlerweile eine Gedenktafel, auf der die Fakten klar benannt werden und wo man zumindest zu der Kompromissformel von „mehr als 40 Menschen „ gekommen ist, die dort ums Leben gekommen sind – auf einem Transparent, das den Gedenkweg seit Jahren begleitet, werden die Namen von etwas mehr Opfern genannt.

Eine Schulklasse, die alt geworden ist

Dass es eine Schulklasse, die 11a der Berufsfachschule für Wirtschaft, war, die mit einer preisgekrönten Arbeit das vergessene KZ-Außenlager und seine 400 Gefangenen zurück ins Gedächtnis brachte, wird jedes Jahr erwähnt. Wie lange das schon her ist, 35 Jahre, sieht man daran, dass die Schüler, die Hans Simon-Pelanda für den diesjährigen Gedenkweg zusammengetrommelt hat und die ihren früheren Lehrer vor dem Colosseum umringen, selbst teils schon etwas ergraut oder barhäuptig sind.

Simon-Pelanda mit seiner früheren Schulklasse. Foto: Baumgärtner

Man habe eigentlich gedacht, dass man die Arbeit mit dem anfänglichen Ausgangspunkt „Alltag im Nationalsozialismus“ recht schnell fertig bekommen werde, erzählt der damalige Schüler Helmut Niklas. „Dass uns die Regensburger mit ihren Geschichten die Bude einrennen werden.“ Doch dem war nicht so – im Gegenteil. Erst über eine Zeitungsannonce lernte die 11a schließlich eine Frau kennen, die weinend schilderte, dass sie 37 Jahre darauf gewartet habe, endlich erzählen zu können, was sie jeden Tag von ihrem Fenster ausgesehen habe. Wie die ausgemergelten Gefangenen in aller Früh in ihren Holzpantinen über die Steinerne Brücke zum Bomben räumen an den Bahnhof getrieben wurden und wie sie Abends zurück kamen mit einem Karren, auf dem die Toten des Tages lagen.

Am Anfang standen „Drohungen und massive Behinderungen“

Simon-Pelanda, heute Vorsitzender der ARGE ehemaliges KZ Flossenbürg und damals Betreuer der engagierten Schulklasse, schont Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und die anwesenden Stadträte und Landtagsabgeordneten trotz der mittlerweile gemeinsamen Veranstaltung nicht, als er von den damaligen Widerständen erzählt. Davon, dass das städtische Archiv Akten nicht finden wollte, als die Schülerinnen und Schüler zur Recherche kamen, dass es „Drohungen und massive Behinderungen“ gegeben habe und dass die Stadt, Geld, das die Schüler von ihrem Preisgeld für eine Gedenktafel gestiftet hatten, nach Jahren der Untätigkeit schließlich für andere Zwecke verwendet hatte. Es sei schade, das Überlebende des Colosseum wie Zbigniew Kolakowski und Tadeusz Sobolewicz, die jahrelang für ein gemeinsames Gedenken geworben hatten, zu früh gestorben seien, um den jetzigen Erfolg noch miterleben zu können.

Eine Rose für Wolfgang Waller am Stolperstein im Minoritenweg. Der Zeuge Jehovas starb 1940 im KZ. Foto: Baumgärtner

Denn das sich das sich das Erinnern an einem Übergang befinde, dass nach und nach die letzten Zeitzeugen sterben und man nun ohne sie in der Pflicht stehe, ihr Andenken und ihre Mahnung wach zu halten, darauf weist wenig später am Neupfarrplatz Jürgen Scholz von der IG Metall hin, als er über die „Neupfarrplatzgruppe“ spricht. Jene 49 Menschen unterschiedlichster politischer Couleur, die sich auf dem Platz trafen, um sich auszutauschen, die dort auch das NS-Regime kritisierten und schließlich verhaftet wurden. Neun von ihnen wurden hingerichtet oder im KZ ermordet. Andere kamen gebrochen aus dem Konzentrationslager zurück.

„Es kann legal werden, was nicht legitim ist.“

Der Holocaustüberlebende Ernst Grube: „Nie wieder Menschen in Terror, Elend und Krieg abschieben.“. Foto: Roth

Zwei Überlebende der Konzentrationslager sind in diesem Jahr beim Gedenkweg mit dabei: Ernst Grube und Volodimir Barsky. Ein dritter, Martin Löwenberg, der in der Vergangenheit schon kämpferische Reden in Regensburg gehalten hatte, ist erst vor drei Wochen im Alter von 93 Jahren verstorben. An ihn erinnert auf dem Dachauplatz, der letzten Station, Martin Merkl von der Vereinigten der Verfolgten des Naziregimes. Zum ersten Mal seit langen Jahren spricht hier nicht die Kreisvorsitzende Luise Gutmann, die den Gedenkweg vor über 40 Jahren mitbegründet hat. Und hier, gegen Ende, wird es nun doch noch politisch, aktuell und kritisch, so wie es früher Tradition bei der Veranstaltung war.

„Widerstand war für Martin Löwenberg eine Lebensaufgabe“, so Merkl, der einen zentralen Ausspruch des Holocaustüberlebenden zitiert: „Es kann legitim sein, was nicht legal ist.“ Diese Losung gelte aber nicht immer und für jeden, so Merkl. Für das geplante Polizeiaufgabengesetz gelte der Satz nämlich ins Gegenteil verkehrt: „Es kann legal werden, was nicht legitim ist.“

Die da noch anwesenden CSU-Teilnehmer nehmen diese Worte, verbunden mit dem Aufruf zum Widerstand und Demonstration gegen das von der bayerischen Staatsregierung geplante Gesetz mit nicht unbedingt wohlwollendem Stutzen zur Kenntnis. Als aber zum Schluss, wie jedes Jahr, das Lied der Moorsoldaten gesungen und der Gedenkweg beschlossen wird, sind auch sie noch anwesend und wahren die Form. Am 23. April ist man sich die Regensburger Stadtgesellschaft eben nicht mehr ganz so fremd wie früher.

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Kommentare (27)

  • joey

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    „Liebe den Fremdling“
    Die Opfer des NS hier in Regensburg waren keine „Fremden“, sondern einheimische Nachbarn.
    Es ist sicher nicht sinnvoll, Gedenkveranstaltungen für aktuelle politische Diskussionen zu besetzen. Dafür ist ja nun – tagsdrauf – wieder Zeit, so lange der Mod…

  • mkv

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    Der Holocaustüberlebende Ernst Grube:
    „Nie wieder Menschen in Terror, Elend und Krieg abschieben.“

    Heute, 24. April 2018: Aus Bayern wird abgeschoben!

    https://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/protest-in-muenchen-gegen-abschiebeflug-in-duesseldorf-100.html

    Anlässlich des nächsten Abschiebefluges nach Afghanistan, der voraussichtlich am kommenden Dienstag, den 24.4. stattfinden soll, ist eine große Banneraktion in München geplant. Dabei werden alle politischen und zivilen Organisationen, Vereine und Privatpersonen dazu aufgerufen, am Tag der Abschiebung ein großes Banner aufzuhängen und damit Stellung gegen die menschenunwürdige Praxis zu beziehen. Bereits 28 Organisationen und Personen beteiligen sich an der Aktion.
    http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/

    Zitat:
    Die monatelangen Drohungen der Bundesregierung verstärkt nach Afghanistan abschieben zu wollen, wurden nach jahrelangem faktischen Abschiebestopp in die Tat umgesetzt. Bereits seit Dezember 2016 gehen fast monatlich Abschiebecharter von Deutschland nach Afghanistan. Ein Großteil der abgeschobenen Afghanen kamen aus Bayern. Bei vielen Personen konnten die Abschiebungen durch Verwaltungsgerichte ausgesetzt werden. Viele der betroffenen Personen leben seit vielen Jahren in Deutschland, hatten eine feste Arbeit oder eine Ausbildung in Aussicht.
    Zitat Ende

    Es iss aus mit der CSU-geführten Staatsregierung-gar iss!

  • erich

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    „Rabbi Josef Chaim Bloch plädiert für die Aufnahme von Flüchtlingen“
    ob das in Zusammenhang mit dieser kürzlich zu lesenden Meldung steht:

    „Afrikanische Migranten, 40.000 Abschiebungen bis März: Israel geht jetzt gnadenlos gegen Flüchtlinge vor“

    das Ziel dürfte klar sein, spd cdu csu können endlich ihr Babylon der Neuzeit in Deutschland errichten und festigen. Das man die Flüchtlingsfrage mit historischen Ereignissen verknüpft sprich für sich und ist in anderen Ländern wohl undenkbar.

  • Piedro

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    @ joey

    Es ist nicht nur sinnvoll beim Gedenken auf die Gegenwart zu schauen, es ist absolut notwendig. Gerade wenn es Parallelen gibt, und die sind leider nicht von der Hand zu weisen. Der Rabbi weiß schon wovon er spricht, auch, wenn Ihnen das nicht so gefällt. Heute wurden wieder Menschen dahin geschickt, wo der Tod auf sie wartet. Die Polizeibefugnis wird in Bayern Richtung SS ausgeweitet, das bayrische Psychiatriegesetz entrechtet kranke Menschen auf einem Niveau, dass es seit 1945 nicht mehr gab. Der Fremdenhass grassiert wie nie zuvor, der Rassistenschoß ist nach wie vor fruchtbar. Und nicht zuletzt eignet sich der Staat ein religiöses Symbol an, um es zu entfremden. Dereinst die Swastika, aktuell das Christenkreuz, dass in jeder bayrischen Behörde hängen muss, aber nach Söder kein Glaubenssymbol sein soll, sondern bla bla * (auch wenn es, wie sein Exemplar in der Staatskanzlei, geweiht wurde).

    *https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-04/markus-soeder-csu-kreuz-christentum-behoerden-bayern

  • Mathilde Vietze

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    Es soll nicht vergessen werden zu erwähnen, daß es Herr Stadtdekan Roman Gerl
    war, der den unseligen Einzel-Gedenk-Veranstaltungen ein Ende machte und eine
    Gedenkveranstaltung über alle Konfessions- und Parteigrenzen hinweg durch-
    setzte. Und so soll es bleiben!

  • joey

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    @Piedro
    Wenn Sie aber nochmal genau lesen, plädiere ich dafür, solche Diskussionen eben nicht auf der Gedenkveranstaltung auszutragen.

    Die historischen Opfer waren nicht alles „Kommunisten“, sondern die meisten davon „irgendwelche“ Leute, die zufällig irgendeine Abstammung hatten oder in Polen einen Universitätsabschluß hatten.

    Sie (oder ein orthodoxer Rabbi) dürfen nicht Ihre politische Meinung anderen Leuten unterstellen, die sich nicht mehr äußern können. Das Gedenken gehört nicht Ihnen, sondern den Opfern.

  • Mathilde Vietze

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    Kommunisten sind keine Kriminellen; mit denen muß man sich
    i n h a l t l i c h auseinandersetzen.

  • Piedro

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    @joey

    Ich habe gelesen was Sie geschrieben haben. Sonst hätte ich wohl eher nicht geantwortet.

    Erst wurde in Regensburg das Gedenken, sogar die Erinnerung verhindert und unterdrückt. Nun findet es statt. Und auf dieser Veranstaltung sagte der Rabbi: „Wenn man diesem Aufruf folge, dann könne man beweisen, dass man anders gestimmt sei als die Masse der Menschen im Nationalsozialismus. Dann bleibe man vielleicht davon verschont, dass so etwas wieder geschehen könne. Dann könne man die Erinnerung und die Mahnung wachhalten.“

    Was ist daran falsch? Das Gedenken dient nicht nur der Erinnerung, die Erinnerung soll verhindern, dass sich die Dinge wiederholen. Sie tun es trotzdem, wie aktuellles Geschehen zeigt, wenn auch längst (noch) nicht im vergangenen Ausmaß.

    Es wurde auf der Veranstaltung auch nicht diskutiert, Herr joey, es wurden Reden gehalten, es wurde erinnert und ermahnt. Nichts davon war falsch. Und Sie müssen mich nicht belehren, dass nicht alle Opfer des NS-Regimes Kommunisten waren, das ist mir durchaus bekannt. Seitens der CSU wurde von einem Sammelbecken von Radikalen und Kommunisten gesprochen, die dieses Gedenken durchsetzen wollten. Vielleicht lesen Sie den Artikel abermals? Es waren auch nicht alles Juden, aber sehr viele waren jüdischer Abstammung oder jüdischen Glaubens. Deshalb hat der Rabbi gesprochen, deshalb hat er an die Tora erinnert, die den Christen als Altes Testament eine Glaubensgrundlage ist.

    Auch hat der Rabbi keine politische Meinung geäußert. Andere haben es getan, weil die politische Entwicklung in Richtung Entrechtung und unkontrollierte Polizeigewalt gehen. Das ist leider ein Fakt, und darauf hinzuweisen ist durchaus legitim, auch und gerade auf einer Gedenkveranstaltung für die Opfer von Entrechtung und staatlicher Willkür.

    Das mag Sie stören, bitte sehr, Ihre Sache. Aber es ist nichts falsches daran darauf hinzuweisen, dass es ähnliche Tendenzen gibt wie in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Absolut gar nichts ist falsch daran. Und das ist keinen politische Meinung, Herr Joey, so wie es keine politische Meinung ist zu sagen, man solle“nur“ der Opfer als solche Gedenken, nicht die Gegennwart reflektieren. Das ist lediglich eine Ansichtssache, der ich mich eben nicht anschließe.

  • R.G.

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    @Joe
    schreibt:
    „Sie (oder ein orthodoxer Rabbi) dürfen nicht Ihre politische Meinung anderen Leuten unterstellen, die sich nicht mehr äußern können. Das Gedenken gehört nicht Ihnen, sondern den Opfern.“

    Gedenkredner wollen sich nicht immer auf das wirkliche Thema, die traurige Lage von Umgekommenen, ordentlich vorbereiten, und haben eventuell im Elternhaus nicht gelernt, welche Haltung bei ehrendem Andenken passend ist, also füllen sie ihre Reden leichthin oder bitterschwer mit Allgemeinplätzen zur Gegenwartssituation.

    Zu häufig hört sich das Ergebnis wie beklatschtes Üben eines Gedenkveranstaltungsaufmerksamkeitsdefizitsyndroms an.

  • mkv

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    „Entrechtung und unkontrollierte Polizeigewalt“

    Zukunft braucht Erinnerung – und den Blick auf die aktuelle Realität

    Zwei Beispiele:

    1.
    20. Januar 1942, der Tag der Wannseekonferenz
    Am 20. Januar 1942 kamen in einer Villa am Berliner Wannsee 15 hochrangige Vertreter der NS Regierung und der NS Behörden zusammen, um den Holocaust im Detail zu planen.
    Einzelheiten:
    http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/wannsee-konferenz-20-januar-1942-der-dunkelste-tag-der-deutschen-geschichte/

    2.
    Kommentar
    Wir gehören nicht zur selben Menschenrasse
    Geblendet in Gaza
    Von Uri Avnery
    Zitat:
    Keine Massendemonstrationen. Keine großen Proteste. Nichts. Darum sind auch wir schuld an dem, was geschieht. Und vielleicht mehr als andere. Bitte notieren Sie: Ich bin schuldig!
    Zitat Ende
    Quelle
    Neue Rheinische Zeitung
    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24767

    P.S.
    Demo, heute Mittwoch, NoPAG, Beginn 17.30 Dachauplatz in R.

  • mkv

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    Zu von Martin Merkel angesprochenem „Wechsel-Spiel“ zwischen Legitimität und Legalität

    Ein aktuelles Beispiel zum völkerrechtswidrigen Angriff auf Syrien samt Äußerung der deutschen Verteidigungsministerin.

    Im bei German Foreign Policy am Montag erschienenen Artikel
    „Die Ära der Repressalien“ ist zu lesen:

    Bei dem Angriff >> handle sich um eine „Repressalie“ nach dem Muster militärischer Interventionen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, heißt es in einem Gutachten der Parlamentsjuristen; begründet werde diese nicht durch Legalität, sondern durch eine – subjektive – politisch-moralische Legitimität. Unter Berufung auf „Legitimität“ könnten auch andere Staaten militärische Aggressionen starten, warnen Experten; lasse man sich auf einen solchen Paradigmenwechsel ein, dann verursache man „nicht weniger, sondern mehr menschliches Leid“. <<

    Lesenswert der ganze Beitrag zur "Carte blanche für Gewalt".

    [Mit dem weiteren Hinweis auf "strukturelle Gewalt" (Johan Galtung), die die Menschen auch hierzulande immer mehr erniedrigt, ja, herabwürdigen soll, damit sie stillhalten. Wollen wir zurück in den "Obrigkeitsstaat"?]

    Quelle:
    https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7586/

  • Markus R.

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    Wenn man bedenkt, dass der Staat den Neubau der Synagoge mit der einen Hand zurecht finanziell unterstützt, aber mit der anderen Hand auf subtile Art schändet. Ist es nicht weit her mit dem Frieden. Aber diese Schmach wird Wohl erst den kommenden Generationen so richtig bewusst werden. Verantwortungslosigkeit und Gier sind vorerst wichtiger.

  • stadtosten

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    Unter einem OB Schaidinger hätte es eine gemeinsame Veranstaltung mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes nicht gegeben. Simon Pelanda war lange Zeit im Alten Rathaus persona non grata. Mancher der damals eine agressive Aversion gegen ihn hegte sitzt heute an einer Topposition, habe ich gehört. Es ist schön, dass sich Simon Pelanda mit seiner Beharrlichkeit durchgesetzt hat. Hut ab vor ihm und seinen MitstreiterInnen.

  • eingeborener

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    @ Es ehrt die wenigen CSUler, die hier teilgenommen haben.Ansonsten würde ich mit einer Partei, die den Religionshass predigt (,Der Islam gehört nicht zu Deutschland‘- Seehofer und Söder) und die das Christentum als Kampfansage gegen alle Andersgläubigen und Andersdenkenden einsetzt (demonstratives Aufhängen von Kreuzen in allen Behörden-Eingängen ) nicht mehr gemeinsam demonstrieren wollen. Die CSU ist für mich nur noch eine in Teilen demokratische Partei. Wer da noch Demokrat ist, verlässt eine solche Partei

  • Joachim Datko

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    Kommentar gelöscht. Bleiben Sie beim Thema.

  • mkv

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    Zum Statement von @Eingeborener, der Demokratie-Zweifel bei der CSU hegt, ein kleiner Hinweis:

    Der Verstoß gegen die Verfassung im Verhältnis Staat/Kirchen, mMn auch was „Söder auf Kreuzzug“ angeht, ist hervorragend und grundlegend dokumentiert beim

    Forum Offene Religionspolitik e.V. (FOR)
    Sven W. Speer, Vorsitzender

    http://offene-religionspolitik.de/steht-die-trennung-von-staat-und-kirche-im-grundgesetz/

    Das angeordnete Anbringen von Kreuzen verstieße auch wegen der damit verbundenen Ausgrenzung der Anders- bzw. Nichtgläubigen gegen den Gleichheitssatz (Willkürverbot, Artikel 3 GG). Ein „omnipräsenter Mehrheitsglaube im öffentlichen Raum“ missachtete das Neutralitätsgebot des Freistaats. Die CSU maßt sich an, das christliche Identitäts-, Glaubens- und Erlösungssymbol schlechthin sich ihrer weltlichen Herrschaft „einzuverleiben“.

    Prantl hat diese Pläne der CSU jüngst als „ketzerisch“ qualifiziert.
    Ja, der Missbrauch liegt auf der Hand.

    Wir groß muss die Angst vor der Landtagswahl liegen?!
    Wie lange noch lassen sich die Bayern hinter die schwarze Fichte führen, noch 60 Jahre?
    Wer „glaubt“ noch daran, von der CSU „erlöst“ zu werden, wo doch von dieser gestrigen Partei eine „drohende Gefahr“ für unsere freiheitliche demokratische Grundordnung täglich mehr auszugehen scheint?

    Man blicke nach Polen, Ungarn und in die Türkei!

  • Piedro

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    @mkv
    „Prantl hat diese Pläne der CSU jüngst als „ketzerisch“ qualifiziert.“

    Nicht nur er, der Gegenwind kommt vor allem von der katholischen Kirche.

    https://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/wuerzburger-hochschulpfarrer-kritisiert-soeders-kreuz-kampagne-100.html

    http://www.blog-der-republik.de/soeder-vergreift-sich-am-kreuz-massive-kritik-aus-der-kirche/

    Es gehört schon eine gewisse Hirnerweichung dazu, mutmaßlich weißbierbedingt, um gerade in Bayern zu tönen das Kreuz sei kein religiöses Symbol, sondern ein bla bla.

    Jetzt darf man gespannt sein was dem Heimatmuseumsministerialhorstl noch so einfällt. Vielleicht Kreuze auf der Uniform der Bundespolizei, damit jeder weiß, dass sie den Rechtsstaat repräsentieren? Weihwassereinläufe vor der Abschiebung nach Afghanistan, damit die Menschenwürde mit ihnen ist? Oblatenexporte in Hungergebiete?

    Warum nageln die Bayern keine Brezen an ihre Behördenwände? Das würde als Identitätszeichen doch auch funktionieren und würde keine gläubigen Christen verärgern.

    http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/das-kreuz-gehort-nicht-der-csu

  • Rosalia Genoveva

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    Der Bonifaz rennt heute nur im Kreis.
    Er möcht von mir wissen, ob er am End das Vergessliche kriegt hat und ab jetzt nur mehr in seiner schrecklichen Vergangenheit leben muss, tagaus, tagein. Er hat ja noch in den Krieg müssen, als Schulbub.

    Ihm war nämlich auf einmal, als hätt wieder wer grufen, der Staat muss ein Kreuz als Zeichen haben, in allen Amtsstuben und sicherlich bald auf allen Fahnen – und wer das anders sieht, ist ein Feind…

    Und jetztat hab ich ein Problem, dass ich entscheid, was ist besser fürn Fazi.
    Soll er lieber glauben, er taucht immer mehr zurück in die Schatten der Vergangenheit, oder soll er glauben, die Zeit ist wieder da, wo man die Leut auf die Art das Fürchten und Kuschen lehren will?

  • mkv

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    Gesucht Hashtag zur Durchführung einer Info-Kampagne!!

    Danke für den Link zu Petra Kappe, @ Don Piedro. Die kluge Dame gibt die kirchliche Warnung, das Kreuz nicht „für Parteipolitik und Polemik zu missbrauchen“ wieder und führt trefflich aus:

    „Ohne Zweifel tut Markus Söder genau das. Neu im Amt und die Landtagswahlen im Herbst fest im Blick, instrumentalisiert er ein christliches Symbol und entleert es damit. Wie fehlgeleitet und verzweifelt der Seehofer-Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten agiert, zeigt sich auch an den zwei Gesetzen, die er zu den Polizeiaufgaben und zum Umgang mit psychisch Kranken auf den Weg gebracht hat. Beide Vorhaben entfernen sich extrem weit von unseren freiheitlich-demokratischen Grundwerten, atmen ein autoritäres Staatsverständnis und sind auch mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar.“

    Könnte man die ca. 8 Millionen bay. Wahlberechtigen zur Lektüre allein dieser wenigen Zeilen ggf. – wie früher, nur diesmal andersrum – von der Kanzel herab freundlich „vergattern“, das Ergebnis der Wahl wäre gar nicht vorstellbar.

    Wer macht daraus bitte einen griffigen Hashtag und informiert über alle digitalen wie analogen das Wahlvolk, den Souverän? Ein HAIdenspaß!

  • Piedro

    |

    Frau Rosalia, sagen ihm doch er soll sich von Verrückten nicht deppert machen lassen. Verabreichen Sie ihm ein Würstl und euch den Loisl an. Das hilft bestimmt.

    https://youtu.be/9otjJR0AKt0

  • Piedro

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    @mkv

    Tja, denen fliegt das Christentum um die Ohren. Gut so. Ich bin wirklich sehr gespannt auf die Landtagswahl. Immer mehr freiwillige Helfer erleben wie die Menschen, die sie aufgenommen und unterstützt haben, nach Afghanistan abgeschoben werden. Immer mehr kriegen mit, wie der Freistaat verhindert, dass ihre Arbeit blockiert und ad absurdum führt und sich im Nachgang damit brüstet die christlichen Werte vor bösfiesen Fremdlingen zu schützen. Jetzt entwerten sie auch noch die durch das Kreuz symbolisierte Heilsbotschaft ihres Glaubens um den AfD-Deppen zu gefallen.

    Dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann auch die Kritiker daran zu Extremisten abgestempelt werden und die katholische Kirche aufgefordert wird diese Personen zu exkommunizieren.

    „Ich finde es sehr, sehr schade, wenn wir darüber jetzt einen Streit führen“, sagte er am Donnerstag in den ARD-„Tagesthemen“. „Und manchmal wundere ich mich sogar, dass dies aus kirchlichen Kreisen kommt. Denn da wär mir ehrlich lieber, man würde sich zum eigenen Kreuz bekennen, man würde sich zum Symbol der eigenen Religion dazustellen, anstatt es kritisch zu hinterfragen.“

    https://www.tagesspiegel.de/politik/kruzifix-vorstoss-soeder-weist-kritik-der-kirchen-zurueck/21220864.html

    Jau, so schad is, das Katholiken einem CSU-ler widersprechen.

    „Für ihn sei das Kreuz „in erster Linie ein religiöses Symbol“, es gehöre „aber auch zu den Grundfesten des Staates“, sagte Söder in der ARD.

    Soso, das Kreuz gehört also zu den Grundfesten des Staates. Der Bursche hat doch echt was, und eigentlich müsste das weh tun oder wenigstens beim Atmen quietschen.

  • mkv

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    „Grundfesten des Staates“

    Auch der „zurückgetreten-wordende“ CSU-Innenminister Friedrich schwadronierte einst vom „Super-Grundrecht“ Sicherheit.

    Nichts davon steht in der Verfassung. Aber was schert das die CSU-ler!

    „Ich mach´ mir die Welt, wie sie mir gefällt …“

    „Lichterloh brennt es, die Feuerwehr geht von Brandstiftung aus, in jedem Zimmer sind kleine Feuer gelegt worden.“
    Celeste Ng: „Kleine Feuer überall“. DTV Literatur

    Man gewinnt tagtäglich immer mehr den Eindruck, die CSU sei dabei, ihr „altes Haus“ selbst „abzufackeln“, in einem „abgründigen Familiendrama“.

    All das geschieht freilich sehendes Auges, in der Hoffnung im flachen und hügeligen Land, man blicke in die Türkei, noch ein letztes Mal offene, stumpfe Ohren zu finden.

    Ob diese vorgeblich „christlich-soziale“ Hoffnung, die im Ergebnis ein lausig-dreister Versuch der missbräuchlichen Vereinnahmung vor allem der Bodenständigen [die früher dem Ruf des Pfarrers, die CSU zu wählen, brav folgten] ist, am Ende des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts noch aufgeht, wird die Landtagswahl unter Beweis stellen.

    Im Grundgesetz steht: Die Parteien wirken bei der Willensbildung des Volkes (nur) mit. Die Willensentscheidung liegt aber am Ende, in der Wahlkabine, bei jedeM einzelnen Mitgied des Souveräns selbst. Die abnehmende neuronale Verknüpfung zur CSU (laborierende Synapsen) dürfte das „Familiendrama“ be- und vollenden.

  • Mani3

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    Schön dass sich alle bis zu CSU dem Rabbi anschliessen…..wie gebildet doch alle sind….
    und vor allem Frauenverachtend ( wie der jetzige manipulierte Islam ) , nur um eine Propaganda zu fahren …..
    Wahnsinn ! Es schockiert nur noch , wie unsere Gesellschaft verdummverkauft wird.

    Josef Chaim Bloch: Männer tragen schlichte Kleidung und eine Kopfbedeckung (Demut vor Gott). Allerdings ist es nicht erlaubt, Leinen und Wolle in einem Kleidungsstück zu haben! Frauen müssen züchtig angezogen sein. Sie dürfen keine Hosen, sondern müssen Röcke über die Knie tragen. Verheiratete Frauen tragen ein Tuch über die Haare oder eine Perücke.

    https://www.mittelbayerische.de/zusatz/rabbiner-zu-sein-ist-eine-berufung-21681-art930616.html

  • Grünwaldner

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    @mani, Gemeinschaften funktionieren anders, sie sind selten intern einheitlich. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Regensburg ist nicht der Rabbi, es ist eine Frau. Genau so wie der Zentralratspräsident beklagt, dass es innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Personen gibt die AfD wählen, gibt es innerhalb der CSU Personen die in guter Absicht handeln. Es ist mutig wenn Mitgliedern einer Partei, die aktiv zulässt, dass die neue Synagoge für alle Zeit geschändet bleibt, bei einem solchen Gedenken Anwesenheit zeigen – erlaubt ist die Frage nach der „Wachsamkeit“.

  • Mathilde Vietze

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    Pax christi hat dem Herrn Dr. Söder einen
    unmißverständlichen Brief geschrieben.
    Und da kann dann kein CSUler behaupten,
    das wären „Kirchenfeinde.“

  • Max Kluger

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    Kommentar gelöscht. entweder nur ein Pseudonym oder gar kein Kommentar.

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