SOZIALES SCHAUFENSTER

Schluss mit Romantik

Ohne Markt keine Gastronomie

Nach langem Hin und Her um den Romantischen Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis, das ausschließlich der Veranstalter befeuerte, steht seit heute fest: Die Veranstaltung wird – selbst in abgespeckter Form – (vorerst) nicht stattfinden.

Konnte auch schon letztes Jahr nicht stattfinden: Der „Romantische Weihnachtsmarkt“. Foto: Archiv/as

Es wird keinen Romantischen Weihnachtsmarkt, keinen Romantischen Wintermarkt und auch keine Romantische Wintergastronomie auf Schloss Thurn und Taxis geben. Letztere hatte der Veranstalter Peter Kittel gestern ausgerufen, nachdem seit Mittwoch vergangene Woche Weihnachtsmärkte in ganz Bayern pandemiebedingt untersagt sind. Eine Ausnahmegenehmigung wollte ihm die Stadt Regensburg „vor dem Hintergrund insbesondere der hohen Attraktivität und überregionalen Bedeutung des romantischen Weihnachtsmarktes sowie entsprechender zu erwartender Besucherströme“ nicht erteilen.

Begrifflicher Trick: „Romantische Wintergastronomie“

Kittel griff zu einem Trick. Da nach der aktuell gültigen 15. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung „Jahresmärkte, insbesondere Weihnachtsmärkte“ verboten sind, sollte sein Markt kein Markt und erst recht kein Weihnachtsmarkt mehr sein. Die „Romantische Wintergastronomie“ war geboren. Kittel inszenierte das Vorhaben als großen Freiheitskampf. In einer Pressemitteilung teilte er gestern mit: „Wir kämpfen gemeinsam einen existenziellen Kampf für die Schaustellerfamilien, aber auch einen Kampf für ein großes Stück Freiheit und Lebensfreude für alle Geimpften und Genesenen!“.

Sechs Euro sollte der Eintritt für das „Flanieren an der frischen Luft“ kosten, wovon ein Euro und zusätzlich fünf Prozent des Umsatzes an die Gewerbe-Schausteller hätten gehen sollen, die ihre Buden geschlossen halten müssen. Trotz spitzfindiger Umbenennung, stand auf der Homepage der „Romantischen Wintergastronomie“ dennoch: „Wir würden uns freuen, Sie baldmöglichst wieder auf unserem wunderschönen Markt begrüßen zu dürfen!“ Ein Markt oder doch kein Markt?

Stadt: Gastro an Marktanlass gekoppelt

Da der Veranstalter im Rahmen des ursprünglichen Weihnachtsmarktes eine städtische Genehmigung sowohl für Gastronomie als auch Handel hatte, wollte er nach dem Marktverbot die Gastronomie als eigenständig gültig betrachten. Die Kombination aus Handel und Gastronomie sei untersagt, doch „Gastronomie ist nicht untersagt, freie Luftgastronomie ist auch nicht untersagt“, so Kittel am Mittwoch gegenüber TVA. Darauf berufe er sich. Deshalb wollte er am heutigen Donnerstag ab 15 Uhr knapp 40 Buden, die Essen und Trinken anbieten, wieder öffnen. Doch dazu kam es nicht.

Sieht sich als Kämpfer für „Lebensfreude“: Veranstalter Peter Kittel. Foto: Archiv

Denn die Stadt Regensburg zog nicht mit. Die „gaststättenrechtliche Gestattung“ sei widerruflich für den Romantischen Weihnachtsmarkt erfolgt, so eine Stadtsprecherin auf Anfrage. Die gastronomische Genehmigung „war nach der relevanten Vorschrift des Gaststättengesetzes zwingend an einen besonderen Anlass, nämlich die Durchführung eines Marktes, gekoppelt. Dieser Anlass ist allerdings durch das Verbot der Weihnachtsmärkte seitens des Freistaates Bayern weggefallen.“ Deswegen der nur erfolgte Widerruf. Für Kittel heißt das: Ohne Markt auch keine Gastronomie.

Maltz-Schwarzfischer: „Nicht nach Schlupflöchern suchen.“

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer teilt heute mit, dass sie „das Unverständnis über das Verbot der Weihnachtsmärkte durchaus nachvollziehen“ könne. Auch die Stadt hatte ja erfolglos geplant, einen Christkindlmarkt unter strengen 2G/3G-Bedingungen durchführen zu können. Sie sehe trotzdem „gute Gründe, das Verbot zu akzeptieren“, denn „angesichts der aktuellen Zahlen und der dramatischen Lage auf den Intensivstationen ist Kontaktreduktion in allen Bereichen das Gebot der Stunde, und das bedeutet eben leider auch die Absage der Weihnachtsmärkte.“

Ohne ihn namentlich zu nennen, teilt Maltz-Schwarzfischer auch einen Seitenhieb gegen Kittel aus. „Es gebietet schon allein der Respekt vor der Leistung und der Belastung all derer, die die Behandlung der Corona-Patienten in den Krankenhäusern Tag für Tag stemmen müssen, dass wir jetzt nicht nach Schlupflöchern suchen, sondern uns solidarisch zeigen“, so die Oberbürgermeisterin.

Kittels letzte Hoffnung: VGH

Eine Spitze gegen Kittel erlaubte sich vor anderthalb Wochen auch schon Ministerpräsident Markus Söder. Als er damals auf einer Pressekonferenz ankündigte, alle Christkindlmärkte in Bayern abzusagen – nachdem er vergeblich gehofft hatte, dass Veranstalter die Märkte aus Solidarität selbst absagen – wurde er von einem Journalisten mit juristischen Schritten Kittels konfrontiert. „Die betreffende Person hat ja auch andere juristischer Erfahrung die letzten Tage gemacht, wie ich gelesen habe“, so Söder. Der CSU-Chef spielte dabei auf die kürzlich erfolgte Verurteilung Kittels wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Regensburger Korruptionsaffäre an. Der Rechtsweg stünde aber selbstverständlich allen offen.

Der Veranstalter (Papstbesuche, Bavaria Africa Festival) reichte letzte Woche einen Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München ein. Darin fordert er die Aufhebung des Verbots von Weihnachtsmärkten. Wie der VGH auf Anfrage mitteilt, sei ein Entscheidungsdatum „derzeit nicht konkret absehbar“. Es könnte also noch dauern.

Noch heute Vormittag hoffte Kittel auf Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in seinem Sinne. Doch dort scheint man sich weder mit dem „Romantischen Weihnachtsmarkt“ noch mit der „Romantischen Wintergastronomie“ beschäftigt zu haben. Die Schlosspforten bleiben erstmal weiter zu.

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Kommentare (22)

  • Mr. B.

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    Schön, daß die Stadt auch mal gute Entscheidungen trifft, auch wenn jemand in einer so schwierigen Zeit meint, er sei etwas besonderes! Viele Bürgerinnen und Bürger trifft es zu dieser Zeit viel härter.

  • Madame

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    Mit was für tricks arbeitet der smarte herr kittel immer noch.Und dann noch 6 euro zu verlangen, dass man dort spazieren gehen kann ist ein unchristliches unterfangen. Er stand ja vor kurzem wegen den csu rieger vor gericht. Mehr brauche ich nicht einzugehen. Ihre hochwohlgeboren gloria von t&t hätte das gerne gesehen,wenn ihre weihnachtsgastro funktioniert hätte. Es wäre ungerecht gewesen,gegen die anderen,

    standerl leute.Ausserdem ihre durchlaucht hat genug geld, um den weihnachtsmarkt zu verschmerzen
    . Ein guter christlicher zug wäre von der fürstin,wenn soziale vereine ihre waren dort auch mal die möglichheiten hätten ihre produkte zu verkaufen. Und nicht zu vergessen die ärmeren der gesellschaft würden auch den romantischen weihnachtmarkt besuchen Natürlich ohne eintritt.

  • Markus Feilner

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    Wenn der wunderbare Herr Kittel wirklich was Sinnvolles tun hätte wollen, dann hätte er ja ein ROMANTISCHES IMPZENTRUM MIT BRATWURST UND MUSIK sponsoren können, bei der Gloria, aus seiner eigenen dicken Brieftasche. Aber das wäre ja – igittigitt “sozial”, also linksradikal, und das macht man net. :-)
    Aber den Menschen geholfen hätte es sicher. Herrgott, wie verbohrt muss man sein, um so zu denken wie manche Menschen.

  • Tröster

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    Kittel ist einfach ein rücksichtsloser Egomane, dem es ausschließlich um seinen Profit geht, alles andere ist ihm schlicht sch..egal.
    Dass er sich da noch das Mäntelchen des Freiheitskämpfers umhängen will, zeugt schon von enormer Chuzpe. Man möchte sich direkt fremdschämen.

  • Bernd

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    @Madame
    Ihre Durchlaucht ist nicht die Betreiberin des Marktes, erst Informieren dann wettern.

  • Hindemit

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    Die Kontakte von Pegida Peter zur MZ sind nach wie vor gut. Hilft ihm aber diesmal zu Recht nix. Er versucht halt eine Volte und generiert sich als Pseudo-Freiheitsliebender. RWM ist over and giga out. Peinlich und einseitig ausgerufener Skandal, leicht durchschaubar..

  • Weihnachtsmo

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    Da kümmert sich mal einer um den bekannten romantischen Weihnachtsmarkt bei TuT und schon tauchen die Neider auf.

  • Bernd

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    @ Tröster
    1a Tröster besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.
    Schämen sollte Herr Kittel sich allen den Sozialapostel vorzuspielen der den Menschen nur ein wenig Freude und Gutes bringen wollte.
    Wo war sein soziales Gewissen beim CSU-Immobiliengemauschel?,..

  • Bernd

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    @Weihnachtsmo
    Kümmern? um den Weihnachtsmarkt bei TuT, den Herr Kittel höchstselbst veranstaltet.
    Schaut mal links rechts und hinter die schnell zusammengezimmerten Bretterverschläge, da schauts aus wie Kraut und Rüben, an losem Kabelverhau, anderem Hüttenversorgungskrempel und Müll das einem das grausen kommt, aber alles ist ja bestens Organisiert und Gott bewahre ja nie nicht auf Kommerz ausgerichtet.
    Ein Wunder das sich der eine oder andere noch nicht auf bayerisch “dadoudlt” hat, bei dem ach so sichersten Christkindlmarkt im ganzen Universum.
    Vielleicht mal auch aufs Detail achten, aber bitte wenn eine Armada von Glüh und LED-Birnen und eine volle überteuerte Glühweintasse “romantisch” sind, o.k,.was willst da noch sagen.

  • Daniela Camin-Heckl

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    Ja, Herr Kittel, gleiches Recht für alle! Weihnachtsmarkt bayernweit abgesagt, halt auch Ihrer.
    Vorschlag zur Güte, machts einen Ostermarkt, bis dahin, könnte eine Impfwelle bessere Vorraussetzungen für Märkte schaffen.
    Okay, oder Sie greifen die Idee mit einem weihnachtlichen Impfzentrum auf, lassen die Sozialverbände zum impfen rein, spendieren allen Impfwilligen die übrigen Gaumenfreuden, natürlich kostenlos…
    Und wenn möglich setzen Sie die ganze Aktion als Spende an. Den womöglich auf den Kosten sitzen gebliebenen Standbetreibern bieten Sie an, zu Ostern keine Gebühr zu verlangen. Bratwurst und Osterpunsch, Eierbecher töpfern, Ostereier bemalen…., Wohl an… kreatives Eventmanagement muss man Ihnen doch zutrauen dürfen!

  • Günther Herzig

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    Wenn es ihn nicht gäbe müsste man ihn erfinden, um all die anderen, die sich von ihm unterscheiden, besser wertschätzen zu können.

    Wo ist eigentlich Pietro? Er fehlt mir!

  • auch_ein_regensburger

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    Pegida-Peter in Topform. Inklusive Opfer-Pose.

  • Bernd

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    @Daniela

    Der romantische Glühweinbudenmarkt ist schon gruslig,..aber ein Ostermarkt mit 14 oder mehr Osterpunschhütten ist noch grusliger, wenn auf den Dacherln überdimensionale Plastikhasen hocken das man gleich erkennt wo zu erst das Geld ausgegeben werden soll,….ohoh bedenklich

  • Samson

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    Das ist nicht optimal gelaufen.
    Im Vorfeld dürften sich die Betreiber schon auf eine Öffnung einstellen.
    Aus einem Weihnachtsmarkt eine Außen-Gastronomie zu machen bleibt die Schnapsidee eines Peter Kittel.
    Und da Peter Kittel so ein enormer Sympathieträger ist werden ihn auch viele bemitleiden.

  • Hthik

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    Und wieder eröffnet sich ein Anwendungsfeld des alten Spontispruches. Er will doch nur unser Bestes! Unser Geld.

  • Daniela Camin-Heckl

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    @Bernd
    Ich weiß auch, dass Osterdecken sticken nicht jedermann Sache ist:-) So ernst war der Vorschlag auch nicht gemeint. Aber mit den jetzt zugebilligten 1500€ Entschädigung für Budenbetreiber durch die Landesregierung habe ich eher die Befürchtung, dass uns irgendwann die Marktbudenbetreiber ganz fehlen. Und um die solidarisch zu unterstützen, würde ich sogar Osterbuden mit überdimensionierten Plastikhasen bei T&T besuchen und Glühwein trinken, der für Weihnachten gedacht war.

  • Dugout

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    Und derweil öffnet der “Prüfeninger Wintergarten” mit Glühwein, Knackersemmel und Eislaufbahn!
    San mir eigentlich im Irrenhaus?

  • Rufus

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    Also ich weiß nur, dass es niemanden, aber auch niemanden in Regensburg gibt, der den Kittel sympatisch findet. Ich glaube fast sogar, dass genau das seine innere Absicht ist. Man kann ihm unterstellen, dass es ihm nur um Geschäfte geht und um seine guten Kontakte mit Leuten, die er als “da oben” bezeichnet. Aber ganz letzlich geht es ihm um
    die Verbrennung seines Rufs! Er will sich selber kaputt machen. Er wartet auf die Verurteilung wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Regensburger Korruptionsaffäre. Und dann kommt das wirklich Schlimme auf ihn zu:
    Wenn er vorbetraft ist, verliert er seinen Jagdschein! Mensch Kittel!

  • Native

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    @Rufus
    Den Jagdschein für die Jagd hat er schon lange, hoffentlich sorgt er nicht selbst durch sein bizarres öffentliches, gesellschaftliches Verhalten dafür, dass er nicht eines Tages „den Jagdschein hat“ und einen gesellschaftlichen Freibrief bekommt. Sonst wird es zukünftig beim traditionellen Truthahn-Essen im Auerbräu vermutlich weniger lustig und einsamer.

  • Bernd

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    @Daniela
    ;-) hab ich schon verstanden, dass der Vorschlag nicht so ernst gemeint war.
    Nix gegen die armen Standler die es nun echt schwer haben, da bin ich voll dabei.
    Das Problem an der Sache mit den Osterpunschhütten ist , dass der Kittel die ja selber hat auf Eigenregie da haben die Standler ja wieder nix davon.
    Da hätte er wieder den größten Vorteil vor den anderen , weil der abgelaufene Weihnachtstreibstoff dann unter die Leute zu bringen wär.
    ;-)

  • Native

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    Das Truth-Hahnessen im Auerbräu ist eine schon jahrelang gepflegte, feste Tradition. Eine medial beachtetes Get-together und Spielwiese für B-Promis, Schickimickis, Adabeis mit rustikalen Lokalkolorit. Eigentlich ist sie aber nur schmückendes Beiwerk für das diffuse Netzwerken und die Beziehungspflege (vermeintlich bedeutender), die Geschicke bestimmender „Lokalgrößen“. Ob der Kampf für die Freiheit und Lebensfreude der Besucher (Allgemeinheit) des Romantischen Weihnachtsmarkes und die prekäre Lage der Standbetreiber vorgeschoben ist, die Stimmung bestimmt und einen bedrückenden, dominierenden Schatten über den bierseligen Abend legt? Man weiß es nicht! Ob sich im öffentlichen, gesellschaftlichen Zusammenleben zukünftig etwas entscheidend ändert (Transparenz) oder erst im Sitzungssaal 104 hergestellt werden muss? Man weiß es nicht!
    Eine Bauernregel lautet: „Kräht der Hahn (Truthahn) auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.“

  • Daniela Camin-Heckl

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    @Bernd, sehen Sie, diese Info hat mir gefehlt. Also Korrektur: Ihr lieben Regensburger Stadträte, Bürgermeister*in, liebe Stadtverwaltung, setzt Euch bitte dafür ein, dass die Standler ab kommenden Frühjahr über den Sommer hinweg, ständig irgendwelche Märkte haben dürfen, um die Verluste, die sie auch dieses Jahr im Herbst und Winter haben, reduzieren zu können. Es wäre schon arg traurig, wenn uns die Vielfalt der Standler verloren ginge. Sicher kann man auch Märkte so platzieren, dass anliegende Gastronomie und der Einzelhandel mit davon profitieren. Ich hoffe, dass uns Corona auch im nächsten Sommer wieder etwas verschnaufen lässt, denn wir alle hätten es auch verdient, mal wieder so richtig gepflegt über einen Markt zu schlendern und ausgiebig die Seele baumeln zu lassen. Ich denke, ich spare das Geld jetzt auf, welches ich auf einen Weihnachtsmarkt verprassen würde und pulver es zusätzlich zu den Frühjahrs- und Sommermärkten raus.

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drin