SOZIALES SCHAUFENSTER

Korruptionsaffäre

Franz Rieger muss 120.000 Euro wegen Erpressung zahlen

Das Urteil der Sechsten Strafkammer am Landgericht Regensburg ist eindeutig: Franz Rieger ist schuldig der Erpressung und zweier Fälle der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Der Landtagsabgeordnete hat bereits Revision gegen die Entscheidung angekündigt. Sein Mandat will er behalten. Im Landtag muss er zwei Ämter niederlegen. Weitere Schritte hält Fraktionschef Thomas Kreuzer derzeit nicht für nötig.

Will das Urteil nicht akzeptieren: Franz Rieger. Foto: om

Franz Rieger versucht, sich rasch an den wartenden Medienvertretern vor dem Sitzungssaal 104 vorbei zu drücken. Seine beiden Verteidiger haben bereits eine knappe Pressemitteilung vorbereitet. Es sind genügend Kopien da. Man werde Revision beim BGH einlegen, heißt es da. Begründung: „Herr Rieger hat hinsichtlich des Vorwurfs der Erpressung zu keiner Zeit ein Geständnis abgelegt“, sondern lediglich einen „Sachverhalt unstrittig gestellt“, der aber „keine Verurteilung wegen Erpressung zulässt“.

Als Rieger fast an der Treppe ist und mehrere Journalisten ihm hinterherrufen, ob er denn sein Landtagsmandat behalten wolle, dreht er sich doch nochmal kurz um. „Ja, klar“, sagt der CSU-Politiker, der bei Joachim Wolbergs 2016 mit markigen Worten („administratives Aleppo“) einen Rücktritt gefordert hatte, als es noch nicht einmal eine Anklage gab. Dann verschwindet er aus dem Gerichtsgebäude. In seinem letzten Wort hatte Rieger zuvor bekräftigt, dass er niemals jemanden erpresst habe, auch nicht IZ-Chef Thomas Dietlmeier.

Strafkammer: Rieger hat „ganz explizit“ gedroht

Das sieht die Sechste Strafkammer des Landgerichts Regensburg deutlich anders. Sie verurteilt den 62-jährigen zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu je 400 Euro – insgesamt 120.000 Euro. Die Richter haben keinerlei Zweifel daran, dass Rieger Dietlmeier im August 2013 „ganz explizit“ gedroht hat, um von diesem „Spenden“ im fünfstelligen Bereich zu erpressen. Dabei habe er seine Machtstellung als Landtagsabgeordneter, Regensburger CSU-Chef und einflussreiche Persönlichkeit ausgenutzt. Er habe bewusst einen konkreten Bezug zu seinen politischen Einflussmöglichkeiten, der Vergabe von Baugenehmigungen und der Ausweisung von Baugebieten hergestellt.

Die Sechste Strafkammer unter Vorsitz von Marcus Lang hat keine Zweifel an Riegers Schuld. Foto: om

Angesichts der damaligen Stellung der CSU – stärkste Fraktion inklusive Oberbürgermeister sei das für Dietlmeier ein realistisches Bedrohungsszenario gewesen. Und genau das habe Rieger auch beabsichtigt, so der Vorsitzende Richter Marcus Lang.

In ihrer Argumentation schließt sich die Kammer weitestgehend der Staatsanwaltschaft an. Insbesondere die Sicht der Verteidigung, dass Dietlmeier als Zeuge unglaubwürdig sei, weisen die Richterinnen und Richter zurück. Dieser habe auch eigene Fehler ohne Umschweife eingeräumt, sich detailliert und „ohne den geringsten Ansatz von Belastungseifer“ eingelassen und anfänglich vorhandene Widersprüche plausibel erklärt (unser Bericht zu Dietlmeiers Aussage).

Schuldeinsicht bei Rieger „nur in Ansätzen“ 

Bei Franz Rieger vermag die Kammer Schuldeinsicht und Reue „nur in Ansätzen“ zu erkennen. Dennoch wertet man dieses bisschen Einsicht zugunsten des CSU-Landtagsabgeordneten, ebenso sein vollumfängliches Geständnis bezüglich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung und seine Einlassung zur Gesprächssituation mit Dietlmeier. Zudem habe es sich wohl um eine spontane Tat gehandelt.

Zufieden: Oberstaatsanwalt Jürgen Kastenmeier. Foto: om

Strafverschärfend wertet das Gericht insbesondere die Tatsache, dass Rieger ein Mandat als Landtagsabgeordneter inne hat. Bei der Strafzumessung bleibt die Kammer exakt in der Mitte des in Aussicht gestellten Strafrahmens, auf den sich Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft im Rahmen ihres Verständigungsgesprächs geeinigt haben (240 bis 360 Tagessätze). Klar wird am Donnerstag: Ohne den Deal wäre die Strafe gegen Franz Rieger härter ausgefallen. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Oberstaatsanmwalt Jürgen Kastenmeier mit der Entscheidung fürs erste zufrieden.

Verurteilt wird auch Riegers Wahlkampfmanager Peter Kittel. Wegen zweier Fälle der Beihilfe der Steuerhinterziehung verhängt das Gericht eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 300 Euro. Bei dem Veranstalter seien keinerlei Schuldeinsicht oder Reue zu erkennen, bescheinigt ihm das Gericht. „Er lächelt es ein wenig weg“, so Richter Lang.

Lächelnd, ohne Schuldeinsicht: Peter Kittel. Foto: om

Rieger legt zwei Ämter nieder

Rieger hatte im Rahmen seiner Einlassung zugegeben, dass er in Zusammenhang mit seiner Spendenforderung und nach einer anfänglichen Weigerung Dietlmeiers erwähnt habe, dass dieser schon wisse, wer künftig über Baugenehmigungen und Baugebiete entscheide. Er will das aber als flapsige Bemerkung verstanden wissen. Das hat er offenbar so auch der CSU-Landtagsfraktion mitgeteilt. Und die sieht derzeit keine Notwendigkeit für schärfere Reaktionen.

Wie Fraktionschef Thomas Kreuzer gegenüber unserer Redaktion erklärt, seien die Vorwürfe gegen Rieger zwar „schwerwiegend“, das Urteil sei aber noch nicht rechtskräftig. Einige Konsequenzen wird es aber doch geben. „Der Abgeordnete Rieger hat mir gegenüber erklärt, dass er bis zum Ende des Verfahrens auf seinen Sitz im Rechtsausschuss verzichtet und den Stellvertretenden Vorsitz im Europaausschuss niederlegt, um Schaden von den Ämtern abzuwenden. Zudem hat er mir gegenüber erklärt, dass er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen wird.“ Mögliche weitere Schritte seitens der Fraktion kämen erst nach Rechtskraft des Urteils in Betracht, so Kreuzer.

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Kommentare (24)

  • KW

    |

    Zitat aus dem Artikel:
    ‘Als Rieger fast an der Treppe ist und mehrere Journalisten ihm hinterherrufen, ob er denn sein Landtagsmandat behalten wolle, dreht er sich doch nochmal kurz um. „Ja, klar“’

    Ja klar, schließlich ist er doch in der CSU! Da gehört es doch zum guten Ton als Mitglied des Landtags vorbestraft zu sein, oder? (Ja Herr Herzig, ich weiß, dass es noch nicht rechtskräftig ist.)
    Vermutlich ist Herr Rieger noch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommen.

    Ich träume mal munter von einer beginnenden Zeitenwende im Freistaat Bayern und hoffe, dass wir hier nur den Anfang sehen, was die Aufarbeitung von systemischer Korruption im Bayerischen Lokalableger der Unionsparteien angeht.

  • rumpelstilzchen

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    Mit der Revision könnte es Rieger, wie Wolbergs ergehen und das Urteil zu seinen Ungunsten aufgehoben werden. Kittel dürfte das Verfahren insgesamt nicht ernst genommen haben, deshalb sein vom Gericht gerügtes Lächeln. Die Strafe holt er sich über den Weihnachtsmarkt im Schloss zurück. Die Fürstin wird weiterhin an ihm festhalten. Es dennoch zu hoffen, dass eine abschreckende Wirkung von den Urteilen ausgehen wird.

  • joey

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    “Mögliche weitere Schritte seitens der Fraktion kämen erst nach Rechtskraft des Urteils in Betracht”: das ist die rechtlich einwandfreie Beurteilung, denn es gilt bis zur Rechtskraft die Unschuldsvermutung. Juristisch.
    Politisch aber bleibt die Einordnung als Korruption, bei der die Spender anschließend auf eine bevorzugte Behandlung Anspruch haben, sofern es noch Ganovenehre gibt und Rieger dann sicher wieder mal auftauchen wollte und wieder kassieren…
    Vielleicht wendet sich ja der eine oder andere Kollege an Rieger und überzeugt diesen, daß er keine Chancen mehr hat. Die Söder CSU steht nämlich nicht mehr gut in den Umfragen – von 50+x weit entfernt. Da ist ein Rieger ein vorhersehbares und recht überflüssiges Eigentor.

  • Mr. B.

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    Danke an Herrn Kastenmeier und die gesamte Ermittlerschaft für Ihre gute Arbeit, sodass das Gericht zu einem Urteil kommen konnte, auch wenn ich bei beiden Verurteilten ein Lächeln interpretieren kann!
    So so, der Hr. Rieger war bisher im Rechtsausschuss und die CSU hat noch kein Problem, dass er weiter für sie im Landtag bleibt? Auch irgendwie bezeichnend! Gibt’s in diesem Bereich keine vollständige Ämterniederlegung bis zur Rechtskraft des Urteils?
    Ansonsten bleibe ich bei meiner letzten Äußerung von heute im Bericht “Zur Märchenstunde”!

    Ob da die CSU im Landtag heute Nacht noch gut schlafen kann?

  • Privatfrau

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    Frage in die Runde: resultiert dieses Urteil aus einem vorangegangenen “Deal” oder ist gar kein “Deal” zustande gekommen?

  • Stefan Aigner

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    @Privatfrau Ja. Das steht im Text.

  • Dieter

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    Man kann vom IZ halten was man will, Dietlmeier hatte zumindest im Vergleich zu allen anderen Beteiligten noch so etwas wie ein Restgewissen.

    Korruption und ihre Artverwandten sind und bleiben nach wie vor die Wurzeln allen politischen Übels der Nachkriegszeit.
    Solange die Menschen deswegen nicht auf die Straße gehen, wird sich nichts ändern.

  • Privatfrau

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    @Stefan Aigner
    Danke Herr Aigner – ich hab es zwar im Text gelesen, konnte aber einfach nicht glauben, dass Herr Rieger gegen den “Deal”, dem er vorher noch zugestimmt hat, nach Verkündung des daraus resultierenden für ihn günstigen Urteils Rechtsmittel einlegen will. Das ist so unfassbar armselig, peinlich, ekelerregend, verabscheuungswürdig, verachtenswert und was noch alles. Mir fehlen die Worte.

  • KW

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    @Dieter
    Es wäre gar nicht nötig auf die Straße zu gehen, vor Kurzem erst hätte Mensch die Möglichkeit gehabt, das nannte sich Bundestgaswahl.
    Aber, höre und staune, es gingen beispielsweise in Bayern wie eh und je praktisch 100% aller Direktmandate an die CSU. Natürlich auch in Regensburg. Hmm… Obwohl man beispielsweise auch Herrn Robert Fischer von der ÖDP hätte wählen können, eine Partei die keine Konzernspendent annimmt.
    Nebenbei, wegen der daraus resultierenden Überhangmandate der Hauptgrund warum der Bundestag so überquillt, aber das ist ein anderes Thema.

  • hansemann

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    Hört man den Namen Regensburg denkt man an Korruption.
    Unvorstellbar ist, dass ein “Rieger” -seit heute- nach dem vorläufigen Urteil “vorbestaft”
    noch immer im Landtag sitzen darf. Man muss sich die Frage stellen, welche Interessen er bisher überhaupt vertreten hat, die der Bürger, die Ihn gewählt haben oder seine persönlichen. Wenn ich mir die politische Landschaft so ansehe, egal im Stadtrat von Regensburg (sh. Wolbergs) oder im Landtag (sh. Maskenaffäre) bestimmen doch nur noch korrupte Politiker unser Politikgeschehen.
    Solchen korrupten Politikern sollten sofort Ihre Pensionsansprüche in voller Höhe gestrichen und Ihr Mandat entzogen werden.
    Aber die Gier nach mehr, reichen solchen Politkern anscheined nicht mehr.
    Wenn soll man dann eigentlich heute noch vertrauen.

  • Mr. T.

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    Interessant! Pegida-Peter zahlt die Hälfte dessen als Strafe, was er vom IZ erhalten hat.

  • Schwarzmeertanker

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    Wenn Herrn Dr. Rieger nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils die Zulassung als Rechtsanwalt erhalten bleibt, kann er für die Mafia arbeiten. Als verurteilter Erpresser wäre er auf seinen angebotenen Tätigkeitsschwerpunkten (Erbrecht/Unternehmensnachfolge, Immobilienrecht, Miet- / Pachtrecht und Landwirtschaftsrecht) damit ein gefragter Mann.
    Als Landtagsabgeordneter ist er ab September 2023 eh weg, da ihn seine Partei – es gibt sicher genügend Ergeizlinge und Anwärter für das Landtagsmandat – nicht mehr aufstellen wird. Als Stadtrat wollte man Ihn ja auch schon nicht mehr aufstellen.
    Ein unrühmliches politisches Ende…

  • Gscheidhaferl

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    @hansemann
    Ich versteh Ihren Frust. Aber es wäre wahrscheinlich schon viel gewonnen, wenn wir uns alle diese Frage (“Wem soll man denn eigentlich heute noch vertrauen?”) tatsächlich mal erntshaft stellen würden. Und das möglichst nicht erst kurz vor der Wahl. Dann müssten wir nur noch genauso ernsthaft versuchen, diese Frage so gut wie möglich zu beantworten und dann würen wir wahrscheinlich nicht immer wieder die selben unzureichenden Wahlentscheidungen treffen.

    Wenn ich mir das aktuelle Personal der Parteien so anschaue, dann ist es eigentlich generell so, dass ich es umso weniger überzeuegnd finde, je weiter ich nach oben schaue. Die Leute, die ich mir an den entscheidenden Stellen wünschen würde, solche mit Fachkompetenz, Sachorientierung und Sinn für’s Allgemeinwohl (also solche, die im Zweifelsfall in der Lage wären, ihr eigenes Ego auch mal der Sache unterzuordnen) sind offenkundig nicht die, die in den Strukturen einer Partei besonders weit kommen.

    Wer sich jedenfalls nicht darum bemüht, ein mündiger Bürger und Wähler zu sein, sondern sich klaglos zu Stimmvieh degradieren lässt, braucht sich nicht wundern, wenn er von den Gewählten buchstäblich verraten und verkauft wird.

    Ist doch die Pandemie das Beste Beispiel: Der Drosten hat schließlich Recht, wenn er sagt, dass das die vierte Welle eigentlich keine “Pandemie der Ungeimpften” ist (was speziell Herr Söder zu behaupten nicht müde wird). Es ist eine Pandemie, die primär jene Politiker zu verantworten haben, die entgegen der vorliegenden Erkenntnisse vor der Wahl so getan haben, als ob die Pandemie praktisch schon überwunden sei und sich dafür vom Volk feiern und Wählen lassen wollten.

    Also wurden kurz vor der Kälteperiode (in der die gängigen Infektionen bei uns immer stärker grassieren als im Sommer) sämtliche Kontaktbeschränkungen aufgehoben und in den Schulen die Masken abgeschafft. Tests wurden mit alberner Law-and-order-Pose für kostenpflichtig erklärt. Ernsthafte Beschränkungen in Betrieben mussten Unternehmen selbst veranlassen, weil sich die Politik nicht getraut hat, die nötigen Entscheidungen zu treffen. Das hätte ja schließlich wertvolle Prozentpunkte kosten können. Und das alles bei einer bekanntermaßen unzureichenden Impfquote sowie einem ebenfalls bekanntemaßen über die Zeit nachlassenden Impfschutz.

    Unter diesen Bedingungen wirkt sich selbstverständlich jeder Ungeimpfte fatal aus. Und auch der Umstand, dass die Impfung eben nicht 100&-ig schützt, kommt dann viel deutlicher zum Tragen.

    Jeder politisch Verantwortliche (und da zähle ich bis zu einem gewissen Grad jetzt auch die Journalisten), der sich vor diesem nicht sonderlich komplizierten Hintergrund jetzt hinstellt und behauptet, er könne sich die Explosion der Infektionszahlen nicht erklären, sollte meines Erachtens einfach seine Sachen packen und gehen.

    In Regensburg sollte das außerdem auch für all jene gelten, denen die explodierenden Immobilienpreise unerklärlich sind. Weil wer als politisch Verantwortlicher nur die eigenen Taschen aufhält und die Filetstücke aus dem ohenhin überschaubaren Immobilienbestand dafür im Gegenzug privaten Bauträgern zuschanzt bzw. nicht konsequent gegen solche Praktiken zu Felde zieht, der ist einfach Teil des Problems und nicht der Lösung.

    Und jeder sogenannte Wähler, der meint, auch bei der nächsten Wahl nicht so genau hinschauen zu müssen, sondern seine Wahlentscheidung lieber ‘aus dem Bauch heraus’ zu Gunsten der üblichen Verdächtigen trifft, bekommt dann eben die Regierung, die er verdient.

  • Rüdiger

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    Schließe mich dem Lob für die hervorragende Berichterstattung über den Prozess an. Guter Journalismus betreibt keine Meinungsmache, sondern lässt die, die nicht im Gerichtssaal sein können, an den Geschehnissen dort teilhaben. Damit sie sich eine Meinung bilden können.

    Deshalb kann der Bericht nicht alle Fragen beantworten. Ich meine aber, dass der BGH nur Urteile aufhebt, die rechtsfehlerhaft sind. Dazu gehört nicht die Einschätzung des LG, dass der Angeklagte R. den Zeugen D. mit seiner zugestandenen Bemerkung erpresst hat. Das ist Bestandteil der freien richterlichen Beweiswürdigung, die vom BGH nur gerügt wird, wenn gegen ihre Grundsätze verstoßen wird. Das LG hat diese Überzeugung mit den Rahmenbedingungen plausibel begründet. Ich sehe keinen Anlass, warum der BGH hier intervenieren sollte.

    Genauso wenig vermag ich Rechtsfehler bei der rechtlichen Einordnung als Straftat oder bei der Strafhöhe ersehen. 300 Tagessätze entsprechen 300 Tage Strafhaft, das ist keine Billigheimerstrafe. Für “Deals” gibt es feste gesetzliche Voraussetzungen, die eingehalten werden müssen. Hier kann ich keine Einschätzung abgeben, glaube aber, es gehört zum kleinen 1×1 von Richtern und Staatsanwälten, das sauber zu gewährleisten.

    Interessanter ist die Frage, ob das nun wirklich alles war, oder ob sich die Strafverfolgungsbehörden auf Wink von oben hin eher zurückgehalten haben. Wir m.a.W. mit Rieger, Kittel, Schlegel, Wolbergs, Tretzel usw. nur die Spitze eines Eisbergs gesehen haben.

  • Realist

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    Tja der Franze und der Peter sind jetzt wohl Kriminelle und dürfen lt. Internet anscheinend auch so genannt werden….einfach weil die beiden es halt durch das Urteil geworden sind. Ehre wem Ehre gebührt.

    Ein krimineller Rieger im Landtag bei der CSU….da wird der Söder wohl sehr schnell handeln. Und dass Rieger die Schuld nicht einsieht und nicht selbst handelt. Naja…Was der von Wolbergs alles verlangt hat….peinlich zu dem was er jetzt selbst tut… Viel Spass im Landtag wünsche ich dem kriminellen Rieger, wenn ihm vielleicht alle noch zulächeln, aber ihn sicher hinter seinen Rücken verarschen..

    Und ein weiterer Krimineller der einen Christkindlmarkt hat….schön schräg….Jesus wäre dagegen…stimmt nicht ganz weil Jesus verzeiht. AberChristkind und kriminell…naja…Wollte ihn heuer besuchen, den Markt….aber jetzt sicher nicht mehr…sorry passt einfach nicht

  • Matthias Beth

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    Man sollte das positiv sehen, Herr Dr. Rieger hat sich mit den durchgeführten Bestechung, Vorteilsannahme und Erpressung neue Qualifikation erworben. Diese könnten von Vorteil sein, um Personen aus Clan-Organisationen die auf diesem Gebiet tätig sind, z.B. Mafia wirksungsvoll vor Gericht zu vertreten.

  • Günther Herzig

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    Entscheidend wird sein, dass nach Eintritt der Rechtskraft eines Urteils der Antrag des Generalstaatsanwalts an das zuständige Anwaltsgericht gestellt wird ein Verfahren zu eröffnen.
    Danach kann feststehen, ob er der Betroffene seine Zulassung als Anwalt behält. Das Anwaltsgericht ist besetzt mit Rechtsanwälten, hier in der Funktion von Richtern. Beteiligt ist die Staatsanwaltschaft, Zuständig ist hier das Anwaltsgericht Nürnberg. Gegen Urteile des Anwaltsgerichts kann Berufung zum Landesanwaltsgericht in München eingelegt werden. Dann gibt es noch eine Revisoinsinstanz. Einer Verurteilung unter Verlust der Zulassung kann der Betroffene begegnen durch die selbst erklärte Aufgabe der Zulassung. Damit kann das Verfahren beendet sein.

  • Samson

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    Also ich glaube das Franz Reger gut beraten wäre den Mund zu halten und die 120.000 € ab zu drücken.
    So viel dürfte das kleinste Feld wert sein das er hat.
    Das wird ein böses Erwachen für ihn.
    Hybris kommt vor dem Fall.

  • Hthik

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    @hansemann 11. November 2021 um 19:35

    “Hört man den Namen Regensburg denkt man an Korruption.”

    Man kanns den Leuten nicht recht machen. Da nimmt mal einer den Spruch “mittelalterliches Regensburg” ernst und benimmt sich wie damals, als die Mächtigen die Sache noch unter sich ausmachten und dann passt es auch wieder nicht! Wer wollte denn als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet werden? Kaum machen die Mitglieder der ehrenwerten Gesellschaft hier, was ein Mitglied einer ehrenwerten Gesellschaft dort macht, macht irgendsoein Richter Stunk. Schönes Bauunternehmen, dass sie da haben. Wäre wirklich jammer, jammerschade, wenn ihm etwas zustoßen würde. Gibt ja leider soviele Politiker, die die unternehmerische Bedürfnisse nicht ausreichend berücksichtigen. Richtige Vandalen sind das. Wenn es dagegen doch nur eine Versicherung gäbe!

  • Daniela Camin-Heckl

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    Herr Stefan Aigner, die CSU war die CSU schon lange vor Rieger …., die Manier, die hier beklagt wird, gab es, so meine ich, schon viel früher. Aufgekocht jedoch wurde es erst, als die innerparteiliche Rangelei begann. Als Ehrgeizlinge halt wegen alter Strukturen nicht zum Zuge kamen, oder weil es einfach menschelte…. Man muss den Goldstaub schon weit verblasen, damit alle zufrieden sind.

  • Riafan

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    Ein jetzt wegen Erpressung vorbestrafter sitzt in Rechtsausschuss des Bay. Landtages
    Genau mein Humor( zumindest in den letzten Jahren)

  • Das System Regensburg » Regensburg Digital

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    […] Urteil vom vergangenen Donnerstag gegen den CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Franz Rieger und seinen Wah… ist das vorläufige Schlusskapitel der Regensburger Parteispenden- und Korruptionsaffäre. Rieger […]

  • karlsbad

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    Die vorläufig gesamte “Soße” (ohne Wolberg 2.0) liegt bei DEN bedürftigten Regensburgern mit etwa 8.9 Mio Euro unter dem Weihnachtsbaum.
    Das ist nicht zum Spassen.

  • Hthik

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    @karlsbad 13. November 2021 um 13:50

    “Das ist nicht zum Spassen.”

    Er hat bei der Schädigung des Steuerzahlers nicht nur Beihilfe in dem Sinne geeliestet, dass er als Randfigur oder Mitläufer tätig war, sondern das ganze ist überhaupt erst seine Idee und er hat andere dazu aufgefordert und gedrängt da mitzumachen, wie RD schon früher berichtete

    “Auch das „System Scheinrechnungen“, das später ebenso bei Christian Schlegl und in geringerem Maß bei Joachim Wolbergs zur Anwendung kam, ist demnach auf Franz Rieger zurückzuführen. Da werde sich Peter Kittel bei ihm melden, habe Rieger gesagt. Und er könne das dann ja auch von der Steuer absetzen.”
    https://www.regensburg-digital.de/rieger-kittel-prozess-schluss-mit-maerchenstunde/10112021/

    Man muss natürlich auch sehen, dass das alles gar nicht nötig wäre, wenn es bei uns, wie etwa in den USA SuperPACs ohne Spendenbegrenzung geben würde. So betrachtet kann er sich bei den Konzernen einreihen, die ihr rechtswidriges Geschäftsmodell schon mal hier einführen wollen, etwa Uber oder sich sonst vom deutsche Recht, insbesondere Arbeitsrecht, etwa Amazon, behindert fühlen. Rieger könnte doch deren Semantik übernehmen; dann ist er gar nicht kriminell, sondern kreativ, innovativ und disruptiv. Er stellt alte, verknöcherte und verzopfte Strukturen in Frage, deswegen wird er verfolgt. Hat nicht die Kirche auch Galilei verfolgt?

    Ja, real ist es nicht zum Spassen, aber eine Prise Sarkasmus zur rechten Zeit kann dem Verständnis helfen. Etwa dem Verständnis, warum sich die alle so uneinsichtig zeigen. Aus eigener Sicht, sind sie vermutlich missverstandene und zu Unrecht verfolgte Finanzgenies.

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drin