Pornoattacke: Online-Folgen eines Offline-Streits

margitwildNackte Tatsachen statt politischer Fakten finden sich nach wie vor auf der Homepage der Regensburger Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD). Und der derzeitige Inhaber der Domain www.margit-wild.de scheint das auch noch eine Weile so beibehalten zu wollen. Wie berichtet, wurde die Domain, auf der sich Wild bis vor kurzem noch präsentierte, durch den SPD-Unterbezirk gekündigt und stand zum Verkauf. Margit Wild wurde darüber ebensowenig informiert wie ihre Mitarbeiter. Ein Wolfgang Meier aus Reutlingen kaufte die Internetadresse und betreibt darauf seit geraumer Zeit eine erotische Kontaktbörse. Kürzlich fiel das im Büro der Landtagsabgeordneten auf. Ein Anwalt wurde eingeschaltet. Margit Wild spricht offiziell von einer „Panne”. In der SPD pfeifen es dagegen die Spatzen von den Dächern, dass es sich dabei um eine parteiinterne Retourkutsche handelt. Doch dazu später. In einem offenen und nicht ohne Häme verfassten Brief an Markus Baron von Hohenau, Rechtsanwalt der Landtagsabgeordneten, bietet der neue Inhaber der fraglichen Internetadresse als „Vorschlag zur Güte” an, die Seite „gemeinsam zur Selbstdarstellung” zu nutzen. „Uns beiden geht es letztendlich um das voll umfängliche Wohlbefinden von Frauen …” „Mich verbindet mit Frau Wild mehr als Sie für möglich halten”, ergänzt Meier sein „Angebot”. Auch er setze sich „vehement für die Rechte und Selbstbestimmung von Frauen” ein, auch ihm gehe es um gerechten Lohn „für alle Dienstleistungen”. „Uns beiden geht es letztendlich um das voll umfängliche Wohlbefinden von Frauen, die bisher vernachlässigt wurden”, spottet Meier weiter. „Um unser gemeinsames Anliegen voranzutreiben, schlage ich Ihrer Mandantin ein persönliches Kennenlernen und Pläne schmieden in Regensburg vor. Ich bin jederzeit bereit für diese Sache alles zu geben.” Juristisch dürfte Wolfgang Meier – selbst nach eigener Einschätzung – nur wenig Chancen haben, noch lange Inhaber der Wild-Domain zu sein. Das glaubt auch Margit Wild, die stinksauer fordert: „Der soll gefälligst einlenken.” Doch genau diese fordernde Haltung scheint Meier provoziert zu haben. Statt auf sein Angebot einzugehen, ihm die 249 Euro an Kosten zu ersetzen, habe es „wüste Drohungen und falsche Behauptungen” gegeben. „Ich verwehre (sic!) mich entschieden dagegen in ein schlechtes Licht gerückt zu werden”, schreibt der Online-Unternehmer in Sachen Sex in seinem offenen Brief. „Kein Unterlassungsanspruch” Die Domain erinnere ihn „ausschließlich an meine eigene Vergangenheit und an (Pornodarstellerin) Gina Wild”. Er könne schließlich nicht „jeden Provinzpolitiker” kennen, so Meier weiter. „Die Domain ‚margit wild‘ ist meiner Meinung nach eine beschreibende Domain!! Genauso wie margit nass, margit feucht, margit eng, margit geil, margit nett … usw.”, schwadroniert Meier. Es gebe daher keine Unterlassungsanspruch. Er habe lange nach dieser Domain gesucht und sie rechtmäßig von einer Internetagentur erworben. „Der arrogante Auftritt des Rechtsanwalts hat uns aufgeregt”, erklärt Meiers Lebensgefährtin am Telefon. Nun hoffe man, dass die Auseinandersetzung nicht all zu teuer werde. Rechtsanwalt Hohenau hat gerichtliche Schritte angekündigt, sollte Meier nicht nachgeben und auf die erheblichen Kosten hingewiesen. Verkauf: Keine Panne, sondern Retourkutsche margit-wildDass www.margit-wild.de überhaupt zum Verkauf stand, ist indessen weniger die Folge einer „Panne”, sondern scheint durchaus beabsichtigt gewesen zu sein. Nach ihrem Einzug in den Landtag hatte Margit Wild – entgegen der Erwartungen mehrerer SPD-Funktionäre – ihr Büro verlegt und eine Mitarbeiterin nicht übernommen. Sie hatte zuvor für Wilds Internetauftritt verantwortlich gezeichnet. Sie soll die Seite gekündigt haben – offenbar, weil ihr Name nicht aus dem Impressum entfernt wurde. Margit Wild will sich dazu nicht äußern. Für sie sei „die Sache abgehakt”. So oder so scheint es innerhalb der Regensburger SPD aber so einige Verwerfungen zu geben, wenngleich man sie bislang etwas besser unter der Decke halten konnte als die CSU. Die Diskussion um die Mitarbeiterin, gespickt mit Spitzen gegen Wild, erreichte über einen E-Mail-Verteiler zig SPD-Mitglieder. Ob Margit Wild ihre Ankündigung wahr macht und ihre Seite künftig auf einem eigenen Server – unabhängig vom SPD-Unterbezirk – laufen lassen wird, hat sie nach eigenen Worten noch nicht abschließend entschieden. Allein die Ankündigung zeigt aber, dass man einander nicht so recht über den Weg traut. Vorher muss Margit Wild aber die Seite ohnehin erst zurück bekommen. Auf Meiers Angebot zur Zusammenarbeit wird sie nämlich – wen wundert’s – nicht eingehen.

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