Randalierender Mob?

feuerDer Polizeieinsatz bei der Alten Mälzerei hört sich dramatisch an. Von einem „randalierenden Mob” war in einige Medien die Rede. Zu recht? Eine Gruppe von 30 Personen hatte laut Polizeibericht in der Nacht von Samstag auf Sonntag „Gegenstände” vor der Alten Mälze angezündet (wir berichteten). Eine Streife wurde darauf aufmerksam. „Die aussteigenden Beamten wurden aus der Gruppe heraus sofort massivst beleidigt, ihnen wurde der ‚Deutsche Gruß‘ gezeigt und sie wurden mit Glasflaschen beworfen”, heißt es im Polizeibericht. Die beiden Polizisten riefen Verstärkung. Insgesamt waren schließlich 25 Beamte und ein Polizeihund vor Ort, um die Situation in den Griff zu bekommen. Der Einsatz endete mit einer eingeschlagenen Tür, einem leer gesprühten Feuerlöscher und (vorläufig) fünf Festnahmen. Die übrigen Beteiligten entkamen. Weniger dramatisch als der Polizeibericht hören sich dagegen die Schilderung eines Mitarbeiters der Alten Mälzerei an. „Das war alles vollkommen unspektakulär, eine Rangelei zwischen Polizisten und Gästen.” Tatsächlich gab es bei dem Polizeieinsatz weder Verletzte noch nennenswerte Sachschäden. In der Alten Mälze beziffert man den Schaden auf „100 bis 200 Euro” – der leer gesprühte Feuerlöscher und die Reinigung vom Löschstaub. „Sonst ist nichts kaputt gegangen.” Auch am Streifenwagen entstand trotz Flaschenwurf offenbar kein Schaden. Bei den brennenden „Gegenständen”, an denen sich die Situation entzündete, handelte es sich übrigens um bengalisches Feuer. Sagt man in der Alten Mälzerei. „Im Einzelnen wissen wir das nicht”, heißt es dazu von der Polizei. An einen rechtsradikalen Hintergrund glaubt die Polizei trotz Hitler-Gruß „momentan” nicht. „Es war aber offensichtlich, dass die Leute gegen die Polizei eingestellt waren.” Gegen die Festgenommenen wird neben Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte auch wegen Landfriedensbruch ermittelt. Höchststrafe: drei Jahre.

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Kommentare (10)

  • Joachim Datko

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    Polizei gibt es nicht zum Nulltarif, wir müssen alle dafür zahlen, wenn die Polizei unnötig beschäftigt wird. Es sind Beamte, die Kosten sind extrem hoch.
    Und die Alte Mälze hat es nötig, das ist ein „Subventions-Sumpf“, so viel mir bekannt ist.

  • Hans Hauser

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    War ja wohl eine echte Räuberpistole, 30 hochkriminelle Randalierer durch´s Haus getrieben, abgedrängt in den Keller, und leider den Hinterausgang nicht gesichert. Durch den spazieren dann angeblich 25 böse Buben unbehelligt ins Freie und ab nach Hause. Dem geistesgegenwärtige Menschen, der den Feuerlöscher gezündet hat, verdanken alle Beteiligten wohl ihr Leben, mangels Sicht konnten die „hervorragend geschulten“ Einsatzkräfte der Regensburger Polizei ihre Magazine dann doch nicht wie sonst üblich leerballern.

    Schon erstaunlich, welch geradezu poetische Kraft dem Polizeibericht innewohnt, im Gegensatz zu den Aussagen unbeteiligter Zeugen.

    Da die mittelmäßige Einheitszeitung unabhängegen Journalismus mit neutraler Berichterstattung wegen der bekannten Abhängigkeitsverhältnisse nicht kennt, gebührt Herrn Aigner höchste Anerkennung für seine Arbeit!

  • Andreas

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    Da könnte man sarkastischerweise sagen: „Na, wenigstens hat die Polizei diesmal nicht geschossen“, im Gegensatz zu hier:

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,635740,00.html

    bzw. hier:
    http://www.regensburg-digital.de/?p=3317

    Dann wird ein typisch aufgeblasener Polizeibericht angefertigt, mit „randalierendem Mob“, „angezündeten Gegenständen“, und „geworfenen Flaschen“, die aber merkwürdigerweise keinen Schaden anrichten.

    Wenn sich ständig Regensburger Polizeibeamte unter grenzwertigem Sprachgebrauch für ihre Taten rechtfertigen müssen, ist etwas faul.

  • margit rötzer

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    Nun – die Regensburger Polizei und natürlich die Stadtöbersten sind schon geschlagen: Mit einer ungeheueren Menge an „kriminellen, randalierenden Jugendlichen“ – sprich der Jugendliche an sich ist schlecht!
    Meine langjährige Erfahrung im Jugendbereich lassen mich die Dinge schon anders sehen:
    Alkohol und Auseinandersetzungen unter den Jugendlichen sind nun mal Fakt. Finde ich nicht gut, aber die Jugendlichen befinden sich bei uns ja in guter Gesellschaft – sprich der Erwachsenenwelt. Aber – die übrigens von unseren Steuergeldern – bezahlten Polizeibeamten, lassen es auch richtig krachen. Unausgebildet im Umgang mit Jugendlichen eskalieren Auseinandersetzungen in der Stadt zum Teil sehr schnell. Wahrlich nicht alle Polizisten, da gibt es auch viele vernünftige und verständnisvolle Beamte, aber meiner Erfahrung nach eine große Menge, die mit „law and order“ und „wir sind der Staat“ den Jugendlichen gegenübertreten.
    Unter Jugendlichen, aber auch Rechtsanwälten, Jugendbetreuern gibt es schon „Hitlisten“ von Regensburger Polizeibeamten, die gerne „Jugendliche jagen“. Und Jugendliche über gerichtliche Verurteilungen hinaus mit privaten Zivilklagen (sprich Schmerzensgeldforderungen) überziehen.
    Es gäbe viel zum Thema Jugendarbeit in Regensburg zu schreiben – so wie sie sein könnte. Im Moment sehe ich allerdings nur folgendes: Überzogene Polizeieinsätze, Videoüberwachung, Gängelung, Hilfspolizei und schwarze Sheriffs – ist gleich: Kriminalisierung der Jugendlichen.

  • Absolut richtig

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    Da kann man doch nur lachen. gi wohl in die Hose. mälze ist ein e.V. und eine Kultureinrichtung. wenn man hier kleinlich jeden euro rechnet, müsste das Stadttheater schon lange dicht sein.

    Rächdschraibfehla dürfen behalten und kopiert werden

  • Joachim Datko

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    Zu „Absolut richtig am 14. Jul 2009, 13:52 … mälze ist ein e.V. und eine Kultureinrichtung … müsste das Stadttheater schon lange dicht sein.“
    ===
    Ich würde weder für das Stadttheater noch für die Mälze Steuergelder opfern. Das Stadttheater ist meiner Ansicht nach ein Subventionssumpf.

    Die Menschen sollen selbst entscheiden, für was sie Ihr Geld ausgegeben.

    Subventionen führen zu Wettbewerbsverzerrungen und zu Bürokratismus.

  • Matthias Beth

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    Grandioser Bericht H. Aigner über diesen Polizeieinsatz. 25 ausgebildete und bewaffnete Polizisten und ein Hund scheitern an 30 randalierenden Jugendlichen, denn festgenommen wurden offenbar nur 5 der Störenfriede bzw. vermutlichen Straftäter.
    Der Erfolg bzw. Misserfolg dieses Kräftansatzes zur Lösung des Sicherheitsproblemes „randalierende Jugendliche“ zeigt die wahrscheinliche Erfolglosigkeit des 7 Mann Ordnungsdienstes von H. OB Schaidinger auf!

  • grace

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    man kann die glorreichen sieben ja gleich mal bei der nächsten krassen Schlachtenbummler (sic)-Heimsuchung aufm weg von und zum Jahnstadion einsetzen (ohne Polizei).
    Viel Vergnügen.

  • auch aus regensburg

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    Diese Kleinigkeit hat sich wohl offensichtlich am Galgenberg abgespielt. Vielleicht haben die angeblich Beteiligten auch im Keller der Mälze gefeiert.

    Warum geht`s hier, politisch, wirklich?

    Jugendliche, Menschen die genauso in Regensburg wohnen wie jede/r andere auch, werden seit Jahren von ihren angestammten Plätzen aus der Innenstadt und drumherum vertrieben.
    Vertrieben von der Polizei als ausführendes Organ der Stadt- und natürlich Staatspolitik.

    Vertrieben weil sie, normal, am feiern, Musik hören, tanzen – Kontakt herstellen sind.
    Werden sie vertrieben, suchen sie sich, normal, einen neuen Platz.

    Spätestens eine Woche später ist die Polizei wieder am Ort und „räumt“ oder „drängt ab“ (Originalsprachgebrauch).

    Geräumt wird dabei nicht in Richtung des nächsten Jugendzentrum o.ä., geräumt wird per „Tonfa“ (Schlagstock), ohne vorherige Aufforderung den Platz zu verlassen, von der Bereitschaftspolizei (Bamberg), die in menschenverachtender Weise und agressiv auf Menschen, die öffentlichen Raum benutzen, losgeht.

    Diese Stadt verdrängt offensichtlich und absichtlich ihre BewohnerInnen aus öffentlichem Raum. Als Argument benutzen Schaidinger, Wollbergs & Co. das angebliche Ruhebedürfnis der InnenstadtbewohnerInnen.

    Der Witz an all dem ist nur leider: Weder in Berlin, Hamburg, Bremen, Köln, Duisburg, Kiel, Augsburg und Ingolstadt noch in München, Potsdam, Erfurt, Frankfurt noch sonst wo, hat dass jemals funktioniert.
    Die Regensburger Subkultur wird selbstverständlich, so wie es überall anderswo auch geschieht, ausweichen, angreifen und, natürlich, zurückschlagen.
    (und wenn „zurückschlagen“ nur bedeutet, sein Haus so anzumalen wie es einem gefällt…)

  • Absolut richtig

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    mälze ist ein e.V. und als gemeinnützig anerkannt. Die förderung ist minimal und gemeinützig bedeutet steuerfreiheit, aber das ist alles!

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