Stadträte geben grünes Licht für Bebauung

Realität erreicht das Bäckergassen-Idyll

Wo einst eine legendäre WG war, sollen nun Bürogebäude, ein Hotel und 53 Wohnungen entstehen. Am Dienstag stimmte der Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats diesem Vorhaben grundsätzlich zu.

Die Südansicht der geplanten Bebauung. Grafik: GHP Architekten

Die Südansicht der geplanten Bebauung. Grafik: GHP Architekten

Nur Irmgard Freihoffer (Linke) und Benedikt Suttner (ödp) waren dagegen: Wenn alles nach Plan läuft, dann wird die Gruber Wohnbau und Vertriebs GmbH auf dem Areal Bäckergasse 3 und 5 mehrstöckige Büro- und Gewerbegebäude, ein Hotel und insgesamt 53 Wohnungen errichten. Einer Voranfrage des Wackersdorfer Bauträgers für die knapp 7.000 Quadratmeter große Fläche stimmte der Planungsausschuss am Dienstag mit kleineren Einschränkungen mehrheitlich zu.

Siegerentwurf wird nicht umgesetzt

Gruber hatte für die Bebauung im Vorfeld einen Realisierungswettbewerb durchgeführt, an dem sich sieben Architekturbüros beteiligt hatten. Doch es ist nicht der im April noch hochgelobte Siegerentwurf der Münchner Zwischenräume Architekten und Stadtplaner GmbH, der nun umgesetzt wird, sondern der zweite Platz. Die Zusammenarbeit mit dem Münchner Architekturbüro sei „nicht so verlaufen sei, wie sich das“ Gruber „in Bezug auf die zeitlichen und wirtschaftlichen Vorgaben vorgestellt habe“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage. Deshalb haben nun die GHP Architekten aus Oberursel den Zuschlag erhalten.

109 Bäume werden gerodet

Der Entwurf sieht entlang der Frankenstraße und zur Protzenweiherbrücke hin eine vier- bis fünfgeschossige, geschlossene Blockrandbebauung vor, die auch als Schallschutz für die Wohngebäude im Inneren dienen soll. Zusätzlich entsteht eine Tiefgarage für 150 Pkw. Insgesamt müssen für das Vorhaben 109 Bäume gerodet werden, von denen die Stadtverwaltung zwölf als „erhaltenswert“ und einige andere als „bedingt erhaltenswert“ einstuft. Dies solle durch „extensive Dachbegrünung“ ausgeglichen werden, heißt es in der Vorlage.

Die Bäckergassen-WG kurz vor ihrem Aus 2010. Foto: Archiv/ as

Die Bäckergassen-WG kurz vor ihrem Aus 2010. Foto: Archiv/ as

Ursprünglich hatte das Gelände der Ferdinand Tausendpfund GmbH gehört und war erst vor kurzem an Gruber verkauft worden. Bis 2010 befand sich in dem kleinen, von Grün umwucherten Häuschen die legendäre Bäckergassen-WG. In den 22 Jahren ihres Bestehens haben dort weit über 100 Menschen gewohnt – bei konstanter Miete von 100 Mark im Monat.

Ostansicht der geplanten Bebauung mit Tiefgarage. Grafik: GHP Architekten

Ostansicht der geplanten Bebauung mit Tiefgarage. Grafik: GHP Architekten

Der nun beschlossene Vorbescheid für die neue und eher luxuriöse Bebauung ist noch keine Baugenehmigung, legt aber rechtlich bindend fest, dass dem Vorhaben in den wesentlichen Fragen keine Hindernisse entgegenstehen. Sowohl Suttner wie auch Freihoffer monierten am Dienstag die mangelnde Transparenz. Das Verfahren in der Vergangenheit sei ohne Beteiligung des Stadtrats durch den ehemaligen Oberbürgermeister Schaidinger schon weit vorangetrieben worden. So stehe man nun vor der Situation, dass ohne Bebauungsplan an dieser Stelle durch § 34 Baurecht gelte. Suttner kritisierte darüber hinaus den massiven Eingriff in den Baumbestand.

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Kommentare (10)

  • Jakob Strunz

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    Immobilienverkauf in München: Regensburger Hegenauer Stiftung in schlechten Ruf?

    ‚Angst und Frustration herrschen derzeit bei den Mietern in der Welfenstraße in München. Der Besitzer der Häuser, die Regensburger „Georg Hegenauer Stiftung“ will die Immobilien in der Welfenstraße verkaufen.‘ 10.12.2014

    http://www.br.de/radio/bayern1/sendungen/mittags-in-muenchen/welfenstrasse-100.html
    https://www.regensburg.de/rathaus/stadtrecht/inhalte-des-stadtrechts/12860/satzung-der-georg-hegenauer-stiftung-vom-20-juli-2000.html

  • da_Moartl

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    Jakob Strunz: Was hat die Hegenauer-Stiftung unter diesem Artikel zu suchen??? Und wenn schon, dann bitte die Stiftungssatzung wenigstens lesen! Dass die Stiftung – satzungsgemäß – das Anwesen in München verkauft und sich auf Regensburg konzentriert, ist absolut nachvollziehbar und sinnvoll.

  • doris sobert

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    Irgendwann werden unsere Kinder uns fragen: „Ihr habt doch gewusst, wie wertvoll die Bäume sind und welcher Müll verbaut wird, warum habt Ihr nichts dagegen getan?“

  • bürni

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    wehmut…

  • Ute Holz

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    109 Bäume werden vernichtet.

    Hallo OB Wolbergs, wie vereinbart sich das mit der Koalitionsvereinbarung 2014-2020 vereinbart?

    3.4.7. Versiegelung, Grünzüge, Frischluftschneisen
    Die Flächenversiegelung wollen wir minimieren. Die Vernetzung von Grünzügen und Frischluftschneisen sind bei Planungen zu beachten, und wo möglich, neu zu schaffen.

  • Schmidt Reiner

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    Immer wieder werden stadtnahe Grünfächen aufgegeben (Unterer Wöhrd etc). Da wirken dann die krampfhaften Bemühungen, in der Altstadt ein paar Bäme zu pflanzen lächerlich.

  • Bhullar

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    Das ist schon extrem bitter, ich wohne seit 1982 in dieser Gegend und dieses Waldstück (im Sommer wunderschön dichter Mischwald mit diversen Obstbäumen) stellt das mit Abstand größte in ganz Regensburg dar. Davon abgesehen wird das etwa alle drei Jahre auftretende, letztes Jahr infernalische Hochwasser für enorme Probleme sorgen, was z.B. die Flutung der Tiefgaragen betrifft.

  • Willkommen im Bau-Erwartungsland » Regensburg Digital

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    […] Seit Dezember steht fest: Das Bäckergassen-Areal in Regensburg Steinweg wird bebaut – mit Bürogebäuden, Hotel und ein paar exklusiven Wohnungen in altbekannter Schuhschachtel-Architektur. Viel zu entscheiden hatten die Stadträte des Planungsausschusses in der fraglichen Sitzung ohnehin nicht mehr: Das Vorhaben der Firma Gruber war unter dem früheren Oberbürgermeister Hans Schaidinger bereits so weit vorangetrieben worden, dass für den Investor, der bereits einen Wettbewerb durchgeführt hatte, faktisch Baurecht bestand. […]

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