Schweinegrippe – und keine Sau impft

„Da kann ich Sie nicht informieren. Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir nicht impfen.” Das bekommt man vom Regensburger Gesundheitsamt zu hören, wenn man dem immer lauter werdenden Aufruf von Ärzteschaft und Politik folgen und sich gegen die Schweinegrippe impfen lassen will. Nun ist es nicht so, dass das Gesundheitsamt die erste Adressen gewesen wäre, an die sich ein Freiwilliger aus unserer Redaktion („Risikogruppe”) gewandt hat, um den Selbstversuch „Ich lasse mich impfen” durchzuführen. „Wir impfen nicht. Daran haben wir kein Interesse”, sagt ein Arzt in der Altstadt. Immerhin erfährt unser Klient die Telefonnummern von zwei angeblich impfwilligen Ärzten. Ob die beiden tatsächlich geimpft hätten, lässt sich nicht eruieren: Sie haben Urlaub. Flucht vor der Schweinegrippe? Wer weiß. Ein Bekannter weist uns auf eine Telefonliste der Kassenärztlichen Vereinigung hin. Die Rettung scheint nah. Der erste angerufene Arzt weiß allerdings gar nicht, wie er auf „diese Liste” gekommen ist. „Wir impfen nicht. Weder heute, noch morgen, noch nächste Woche”, hört man in freundlichem, aber offenbar geübtem Ton. Der Delinquent sucht weiter und wird bei einer Hausärztin fündig. Die impft. Allerdings nicht ihn. Auf der Impfliste ist er die Nummer elf. Der Impfstoff wird aber in Zehnerpackungen geliefert und ist nur 24 Stunden haltbar. Da lohnt sich die Bestellung von zwei Packungen nicht. Nächste Woche kommen wieder zehn Impfwillige dran, „wenn wieder Impfstoff geliefert wird. Der kommt normalerweise am Donnerstag”. Oder auch nicht? Ein weiterer – etwas nachdrücklicherer – Anruf beim Gesundheitsamt bringt die rettende Information. Die Telefonistin hat „mitbekommen”, dass es im Stadtosten eine Praxis geben soll, die impft. Und tatsächlich: Ein beherzter Unfallchirurg verabreicht die rettende Dosis Pandremix. Und oh Wunder: Er hat noch einige Vorräte im Kühlschrank. Die Moral von der Geschicht erfahren wir – nach mehreren Anrufversuchen – am Bürgertelefon, das tatsächlich beim Regensburger Gesundheitsamt angesiedelt ist: „Es gibt Lieferschwierigkeiten mit dem Impfstoff. Aber lassen Sie sich lieber gegen die normale Grippe impfen. Das ist viel, viel wichtiger.” Außerdem gibt es dafür auch genügend Impfstoff.  

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Kommentare (6)

  • Jakob Spitzauer

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    Uniklinik wär ein heißer Tipp von mir gewesen. Aber des wär ja zu einfach ;-)

    Wie hat der Risikobehaftete denn die Imfung vertragen, würde mich jetzt noch interessieren.

  • Aigner Stefan

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    @jakob spitzauer

    noch wirkt unsere testperson gesund …

  • Robert Rickler

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    Ich habe gerade in der Uniklinik angerufen.
    Dort wird keine Impfung durchgeführt.
    „heißer Tipp“????

  • peter sturm

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    ich habe das wort impfverweigerer bisher immer anders verstanden.
    wieso impfen denn so wenig ärzte?
    ist es fürsorge(nebenwirkungen) oder ist ihnen das honorar zu gering?
    was vemutet das forum?

  • Sabine RoVo

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    ich habe es auch versucht: Risikogruppe und beurflich in Zügen oder Fliegern und in wechselnden Unternehmen zu finden. Achja, in der Schule meiner Tochter gibt es auch die Schweinegrippe!
    Es war schier unmöglich (Ärzte und Gesundheitsamt) eine Impfung am 02.Nov. in Regensburg zu bekommen. Nun bin ich auf Warteliste Platz 75.
    Ob das noch was wird????

  • Susanne Wimmer

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    Schweinegrippe – und keine Sau testet!

    Uniklinik ist gar kein Tipp, denn völlig überlastet und daher nicht mal zum Test bereit. Da hilfts übrigens auch nichts, wenn – wie in unserem Fall – der Infizierte Arzt ist (Arztgattin, mitinfiziert, gleich gar nicht…). Eigentlich wollten wir uns ja nur versichern, ob wir wieder auf Patienten losgelassen werden können. Tamiflu hilft übrigens sehr gut.

    Susanne Wimmer

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