Stadtbau: Warum Petra Betz dort fehl am Platz wäre

Der koalitionsinterne Streit um die Neubesetzung des Geschäftsführerpostens bei der Stadtbau spitzt sich zu. „Die SPD will Petra Betz politisch verhindern“, jammerte der Oberbürgermeister kürzlich im Regensburger Presseclub. Klar scheint zu sein: Es gibt einen besseren Bewerber. Der käme aber teurer als Petra Betz. Das ist mittlerweile öffentlich bekannt. Ein Novum ist es, dass plötzlich öffentlich über Gehälter geredet wird. Gerade der Oberbürgermeister hat eine Doktrin immer wieder ausgegeben. Tenor: Es geht nicht um Geld, es geht um den besten Bewerber. Oberbürgermeister Hans Schaidinger und Petra Betz. Das Foto wurde im Kommunalwahlkampf von der städtischen Pressestelle verschickt. Auch jetzt legt sich der Oberbürgermeister für seine ehemalige Amtskollegin ins Zeug. Foto: Stadt RegensburgMan fragt sich, was der Oberbürgermeister mit solchen öffentlichen Aussagen eigentlich erreichen will. Soll so lange in der Öffentlichkeit herumgemosert werden, bis die beiden übrigen Bewerber das Handtuch werfen und nur noch Petra Betz übrig bleibt? Immerhin weiß mittlerweile ganz Regensburg zur Genüge, dass der Oberbürgermeister eine Wunschkandidatin hat. Wäre dem nicht so, hätte sich der beschließende Ausschuss, in dem der Oberbürgermeister mit Helgit Kadlez (CSU) und Lothar Strehl (SPD) über die Neubesetzung verhandelt, schon längst auf einen Bewerber geeinigt. Da hätte es keinen Personalgutachter gebraucht. Nichts gegen Petra Betz, aber eine Besetzung des Geschäftsführerpostens mit der ehemaligen Bürgermeisterin wäre fatal. Gerade aus politischen Gründen. Der Ruch der Kungelei und des Ämternepotismus aus parteipolitischen Gründen bliebe auf Dauer an ihr haften, unabhängig davon, ob das nun zutrifft oder nicht. Das kann die krisengeschüttelte Stadtbau nicht gebrauchen. Die städtische Tochtergesellschaft hat mit der Korruptionsaffäre, die Martin M. Daut den Posten kostete, einen erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Und nach wie vor bleiben Zweifel daran, dass der Oberbürgermeister als Vorsitzender des Aufsichtsrats tatsächlich so ahnungslos war, wie er in der Vergangenheit immer wieder behauptete. Vor Landgericht Regensburg wurde im Juli insbesondere auch das zögerliche Verhalten der Stadt bei der Aufklärung der Affäre moniert. Gleiches gilt für die Mobbingaffäre um einen ehemals leitenden Mitarbeiter. Der Rechnungsprüfbericht zu Bau- und Auftragsvergabe bei der Stadtbau wirft ebenfalls kein besonders gutes Licht auf die Wohnbaugesellschaft. Eine Geschäftsführerin, die von Anfang an mit der Spekulation konfrontiert sein wird, aus parteipolitischen Gründen an dieses Amt gekommen zu sein, ist da fehl am Platz. Wenn man der Aussage des Oberbürgermeisters nun Gewicht beimisst und die SPD Petra Betz tatsächlich nicht nur aus fachlichen, sondern auch aus politischen Gründen verhindern will, kann man nur sagen: Respekt! (Ent)spannende Lektüre!

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Kommentare (7)

  • J.B.

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    Im Fall Petra Betz haben wir den
    Fall „business as usual“ in Regensburg, mehr ist dazu nicht zu sagen. Traurig aber wahr

  • Politbeobachter

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    Es ist schade, dass die Chance vertan wird, die Stadtbau professionell in die Zukunft zu führen. OB sollte sich nicht beklagen, dass seine Bürgermeisterin a.D. vom Koalitionspartner nicht akzeptiert wird. Richtig wäre es, gemeinsam die beste Lösung in der seit mehr als einem Jahr schwelenden Führungskrise bei der Stadtbau herbeizuführen. Das ist die Aufgabe des Aufsichtsrats und des Gesellschafters, der Stadt Regensburg. Wenn der Aufsichtsrat dazu niocht in der Lage ist, die Führungskrise zu beenden. so ist der Stadtrat als Vertreter des Gesellschafters Stadt Regensburg gefordert. Krokodilstränen sind keine überzeugende Antwort. Dem Beobachter beschleicht eher das Gefühl, es geht um eine Machtfrage in der Koalition. Wohin diese Spielchen führen, kann man auch andernorts beobachten, man blicke auf Continental und Schaeffler.

  • Matthias Beth

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    Alle interessierte Personen sollten sich foglende fragen stellen, nachdem die Stadtbau GmbH seit einem jahr ohne einen Vorsitzenden und/oder Leitenden Geschäftsführer existiert:
    1. Benötigt die Stadtbau GmbH überhaupt einen weiteren Geschäftsführer?
    2. Warum ist Frau Betz auf diesen Posten angewiesen, es gibt noch weitere Unternehmen mit Sitz in Regensburg, die eventuell auf die Kompetenz und Qualifikation der Frau Betz bedürfen?
    3. Gab es hier Versprechungen und Zusagen in der CSU Fraktion?

  • Ruhig Blut

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    Also mir fällt spontan kein Grund ein, warum Betz überhaupt geeignet sein sollte…

  • Gipfelstuermer1206

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    … ausser der Linientreue zum OB Hr. Sch. ?!!

  • masterofdesaster

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    man fragt sich schon, wie man mit einer Banklehre und ein paar Jahren als seniorengratulations-Bürgermeisterin an ausgewiesenen Immobilienspezialisten mit Ingenieursabschlüssen und MBA vorbeiziehen können soll.

    Naja ein paar kontakte können nicht schaden im Leben.

  • rosa rakete

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    Die ganze Sache wird umso skurriler, je mehr man darüber nachdenkt:

    – einerseits wehren sich der Oberbürgermeister und Fr Betz mit gerichtlichen Mitteln gegen die üble Nachrede, sie hätten was miteinander gehabt.

    – andererseits versucht der OB mit aller Gewalt, die für diese Position offenbar nicht im Ansatz qualifizierte Fr Betz in den lukrativen Stadtbauposten zu drücken. (Nachdem er glaube ich versucht hat, sie als Bürgermeisterin, Bundestagskandidatin undwasweissichnoch durchzubekommen)

    Muss man da wirklich, wirklich wirklich ein Schelm sein, um das ganze zumindest für unglücklich dargestellt zu halten ? Das ist alles so krank, dreist und unglaublich, in einer Satire würde man es für überzogen halten.Es sind solche im Kern unseriösen Politikertypen, die die Demokratie kaputtmachen. Die Irren von ganz links und rechts sammeln nur noch das Totholz.

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