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Beiträge mit Tag ‘Missbrauchsskandal’

„Gegen das Vergessen, Verschweigen, Verleugnen und Vertuschen.“ Bei der Eröffnung des Katholikentages gingen missbrauchte Domspatzen mit dieser Forderung auf die Straße.

„Im Bistum Regensburg wurde von Anfang an alles getan, um die schrecklichen Geschehnisse kleinzureden und unter den Teppich zu kehren.“ Die ehemaligen Domspatzen Udo Kaiser, Georg Auer, Alexander Probst und Michael Sieber. Foto: as

„Im Bistum Regensburg wurde von Anfang an alles getan, um die schrecklichen Geschehnisse kleinzureden und unter den Teppich zu kehren.“ Die ehemaligen Domspatzen Udo Kaiser, Georg Auer, Alexander Probst und Michael Sieber. Foto: as

„Was sollen wir jetzt mit denen machen?“ „So lange sie friedlich sind, dürfen die das.“ Auch wenn es etwas kühl ist, als der 99. Katholikentag auf dem Regensburger Domplatz eröffnet wird, laufen die Funkgeräte der Polizei am Mittwochabend für einen kurzen Moment fast heiß. Dabei ist die Stimmung trotz des nasskalten Wetters gut. Joachim Gauck ist da und Horst Seehofer. Die „Sechs lustigen Fünf“ und ein Domspatzen-Chor haben eben „Wer glaubt, ist nie allein“ gesungen.

„Mehr als 60 Fälle von sexuellem Missbrauch“

Aber gerade als Bischof Rudolf Voderholzer die Anwesenden begrüßt und stolz die Frage stellt, „welcher andere Event“ es denn vermöge, „Jugendliche und Greise, Unternehmer und ­Angestellte, Linke und Rechte, Konservative und Fortschrittsenthusiasten, Behinderte und Nichtbehinderte, Nerds und Ballprinzessinnen, Klassikfans und Rapper, Philippinos und Norweger, Juden und Muslime zu einer großen Feier unter einen Hut zu bringen“, bahnen sich vier Domspatzen, die man gerne vergessen würde, ihren Weg durch die Massen. Begleitet werden sie von einem Kamerateam und ihre Botschaft ist kaum misszuverstehen.

„Event, der alle zu einer großen Feier unter einen Hut bringt.“ Bischof Rudolf Voderholzer (eingerahmt von ZdK-Präsident Alois Glück, Joachim Gauck und Horst Seehofer). Foto: Staudinger

„Event, der alle zu einer großen Feier unter einen Hut bringt.“ Bischof Rudolf Voderholzer (eingerahmt von ZdK-Präsident Alois Glück, Joachim Gauck und Horst Seehofer). Foto: Staudinger

„Verprügelt und missbraucht“, steht auf der Schärpe von Udo Kaiser. „Der missbrauchte Domspatz“ hat sich Georg Auer auf die Sandwich-Tafeln geschrieben, die er sich umgehängt hat. Fotos aus seiner Zeit an der Domspatzen-Vorschule in Etterzhausen hat er dazu geklebt. Als Beweis sozusagen. In der Vergangenheit war von Stellen im Bistum Regensburg bestritten worden, dass Auer überhaupt an der Schule gewesen sei. Er gehört ebenso wie Kaiser zu den Empfängern eines Serienbriefs, mit dem das Bistum sie und andere Missbrauchsopfer wissen ließ, dass man ihre (eidesstattlich versicherten) Schilderungen von Prügel und Vergewaltigung „nicht nachvollziehen“ könne. „Eine Leistung in Anerkennung von erlittenem Leid erscheint vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt“, heißt es in den wortgleichen Briefen, die Generalvikar Michael Fuchs seinerzeit, 2012, unterzeichnet hatte.

„Bis zum Jahr 2006 gibt es nach aktuellem Stand unserer Erkenntnisse mehr als 60 Fälle von sexuellem Missbrauch unterschiedlichster Art bei den Regensburger Domspatzen und in keinem einzigen Fall ist eine Anerkennung bzw. Entschädigung durch das Bistum Regensburg bekannt geworden.“

Aus einem Flugblatt der ehemaligen Domspatzen

Er, Fuchs, sitzt heute selig lächelnd zwischen den Prominenten aus Politik und Gesellschaft. Und Bischof Voderholzer ist heute viel zu sehr mit diesem „Event“ beschäftigt, als dass er sich von ein paar missbrauchten Domspatzen stören ließe. Ohnehin hat er diese „Altlast“ von seinem gen Rom beförderten Vorgänger Gerhard Müller übernommen und das ein Jahr alte und mit viel persönlicher Betroffenheit versehene Versprechen des Bischofs, sich um diese Fälle zu kümmern, hat er vermutlich selbst schon wieder vergessen.

Wenig Unterstützung von Gastronomen und Bevölkerung

Der, Müller, hat in Regensburg offenbar ganze Arbeit geleistet. Im negativen Sinn, aus katholischer Sicht. Innerhalb der Organisationsmaschinerie des Katholikentages stellt man sich nämlich durchaus die Frage, woran es denn liegen mag, dass sich trotz eines breit gestreuten Aufrufs an alle Regensburger Gastronomen lediglich acht bereit gefunden haben, einen vergünstigten „Katholikentagsteller“ für Pilger und Besucher anzubieten. Oder woran es liegen mag, dass sich trotz großflächiger Werbekampagne mit Flashmobs und prominenten Paten in der neueren Geschichte des Katholikentags offenbar noch nie so wenig Privatpersonen bereit erklärt haben, Besucher aufzunehmen wie dieses Jahr in Regensburg.

Nasskaltes Wetter trübte die Eröffnung. Foto: Staudinger

Nasskaltes Wetter trübte die Eröffnung. Foto: Staudinger

„Ich finde es schade, dass viele auch jetzt immer nur die negativen Seiten der katholischen Kirche sehen“, sagt einer der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Er selbst ärgere sich das ganze Jahr über die Kirche, aber hier beim Katholikentag, da kämen doch vor allem „die Guten“ zusammen, um über „alle wichtigen Fragen, die unsere Gesellschaft beschäftigen“ zu diskutieren und sich auszutauschen. „Da muss man es doch auch mal gut sein lassen und lieber mitmachen statt miesmachen.“

Das elfte Gebot…

Tatsächlich sind auch Reformgruppen wie „Wir sind Kirche“ oder die Schwangerenkonfliktberatung „Donum Vitae“ zumindest zum Teil mit eingebunden. Manche munkeln, dies sei der Grund, warum Kardinal Müller seine Teilnahme abgesagt hat.

Tatsächlich stehen auch Themen wie die Solidarität innerhalb der EU, erneuerbare Energien oder der Rassismus gegen Sinti und Roma im Veranstaltungsprogramm.

Kritik an der staatlichen Bezuschussung: Zustimmung auch von Katholikentags-Besuchern. Foto: as

Kritik an der staatlichen Bezuschussung: Zustimmung auch von Katholikentags-Besuchern. Foto: as

Und tatsächlich scheint das Gros der Katholikentagsbesucher mit Kritik ganz gut umgehen zu können. Als Aktivisten – am Donnerstag – einen mahnenden Moses auf dem Domplatz aufstellen und die Zuschüsse für das Katholiken-Event (drei Millionen Euro) kritisieren, ernten sie eher selten Wünsche von Verdammnis und ewiger Höllenqual; weitaus häufiger gibt es sogar Zustimmung.

„Der blanke Hohn!“

Dass man sich aber – abgesehen von einer Veranstaltung mit Bischof Stephan Ackermann (Freitag, 11 Uhr, Kolpinghaus) – dem Thema sexueller Missbrauch so gut wie gar nicht stellt, ist gerade in Regensburg ein Armutszeugnis. Auf den T-Shirts der vier Domspatzen, die am Mittwoch über den Domplatz ziehen, steht, in welchem Punkt dieses Bistum deutschlandweit an der Spitze steht: beim „Vergessen, Verschweigen, Verleugnen und Vertuschen“. Der zuständige Bischof Voderholzer empfiehlt auch den Gläubigen beim Katholikentag lieber andere Veranstaltungen.

„Echte Hilfe für Betroffene wurde kaum geleistet, in Einzelfällen bestenfalls ein 'seelsorgerisches Gespräch. Für die meisten Betroffenen der blanke Hohn!“ Aus dem Flugblatt der missbrauchten Domspatzen Foto: as

„Echte Hilfe für Betroffene wurde kaum geleistet, in Einzelfällen bestenfalls ein ‘seelsorgerisches Gespräch. Für die meisten Betroffenen der blanke Hohn!“ Aus dem Flugblatt der ehemaligen Domspatzen Foto: as

Auf dem Domplatz bekommen die Helfer am Mittwoch irgendwann die Anweisung, die blauen Absperrbänder, die den Durchgang freihalten, wegzunehmen. Dann sammeln sich die Besucher auch auf der Straße und die vier Domspatzen kommen mit ihrem mahnenden Marsch nicht mehr durch. Thema erledigt.

Kurzfilm zum Missbrauchsskandal

Filmtipp: Der Weltverdruss

Missbrauchsskandal? War da was? Die Diözese Regensburg lässt die Stelle der im Mai verstorbenen Missbrauchsbeauftragten seit Monaten unbesetzt. Von anfänglichen Versprechungen des neuen Bischofs spüren Betroffene nichts. Doch wenn sich schon die Diözese nicht mehr mit den Missbrauchsfällen und deren Vertuschung beschäftigen will, so tut dies zumindest ein Kurzfilm aus Regensburg.

Missbrauch: Kreativer Umgang mit den Fakten

Bischof Rudolf und sein fragwürdiger Berater

Bei seinem ersten Auftritt im Regensburger Presseclub hinterließ Bischof Rudolf Voderholzer einen weitgehend positiven Eindruck. Beim „Thema“ sexueller Missbrauch indes wirkt er engagiert, allerdings auch schlecht informiert. Sein Pressesprecher hat dabei ein ganz eigenes Verständnis von der Wahrheit.

Die Geheimwaffe des Vatikan im Missbrauchsskandal

Erzbischof Müller: Genau der Richtige

Ausgerechnet Müller? Der ehemalige Bischof von Regensburg ist bekanntermaßen als Chef der Glaubenskongregation gen Rom gezogen. Am Freitagmorgen hat Papst Franziskus Herrn Müller nun seine erste Audienz gewährt und aufgefordert, „mit Entschiedenheit“ gegen sexuellen Missbrauch zu handeln. Damit beauftragt der Papst also Gerhard Ludwig Müller. Eine gute Entscheidung.

Wie die Diözese selbst "Altfälle" verschleiert

Missbrauch bei den „Domspatzen“ unter Theobald Schrems

Es war der 5. März 2010. Damals wandte sich die Diözese Regensburg erstmals an die Öffentlichkeit, um die Medien über sexuellen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen zu informieren. Bistumssprecher Clemens Neck präsentiere damals nur Jahrzehnte zurückliegende Fälle. Doch selbst diese wurden irreführend und falsch dargestellt. Versuch einer Aufarbeitung.

Ehemalige Domspatzen sagen Unterstützung zu

Kriminologe pfeift auf katholische Klagedrohung

Das geplatzte Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche ist für einige Opfer kein Grund zur Trauer. Beim „Unabhängigen Archiv ehemaliger Regensburger Domspatzen“ hat man vom Anfang an an dessen Sinn gezweifelt. Nun wollen die dort zusammengeschlossenen Missbrauchsopfer dem Kriminologen Dr. Christian Pfeiffer ihre Zahlen zur Verfügung stellen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat unterdessen angekündigt, Pfeiffer zu verklagen. Der sieht einer solchen Auseinandersetzung „mit Freuden“ entgegen.

Forschungsprojekt zu Missbrauch gescheitert

„Ein Vertrag mit der Kirche ist nichts wert“

Das Forschungsprojekt zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche ist gescheitert. Der von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragte Kriminologe erhebt schwere Vorwürfe. Offenbar wird dabei ein wesentliches Dilemma der Bischofskonferenz: Sie kann solche Forschungsaufträge nicht ernsthaft vergeben. Es steht jedem Bischof frei, sich zu verweigern. Und das Beispiel Regensburg macht deutlich: Hier wurde bislang nicht aufgeklärt, sondern Aufklärung verhindert. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Konsequenzen.

Rechtsstreit um "Schweigegeld"

In eigener Sache: Verfassungsgericht weist Beschwerde der Diözese Regensburg ab

Die Diözese Regensburg hat zu Weihnachten nicht nur einen neuen Bischof, sondern auch Post aus Karlsruhe erhalten. Im Rechtsstreit mit unserer Redaktion hat das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde der Diözese am 3. Dezember 2012 abgewiesen (1 BvR 558/12).

Gegen das Totschweigen

Domspatzen gründen Missbrauchs-Archiv

Die Mauer des Schweigens in der Diözese Regensburg will eine Gruppe ehemaliger Domspatzen nun durchbrechen. Vergangenes Wochenende trafen sie sich im Altmühltal und brachten ein Archiv auf den Weg, in dem sie möglichst viele Fälle sexuellen Missbrauchs dokumentieren und veröffentlichen wollen. Dem eben nach Rom beförderten Gerhard Ludwig Müller bescheinigen sie: „Er hat es nicht mehr verdient, als ‘Seelsorger’ bezeichnet zu werden.“

Spießrutenlauf im Bistum Regensburg

Ins Genick gewichst

Wenn ein erwachsener Mann den Kopf eines Kindes zwischen die Beine nimmt, stöhnend seinen Penis am Genick des Kindes reibt, während er ihm gleichzeitig auf den nackten Hintern schlägt, dann ist das kein sexueller Missbrauch. Das Stöhnen kann nämlich von der Anstrengung beim Verprügeln kommen.

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