Todesschüsse: Ergebnisse in „zwei bis drei Wochen“

Tennessee5Viel Neues ist es nicht, was man aus der Pressemitteilung erfährt, die von der Regensburger Staatsanwaltschaft am heutigen Dienstag verschickt wurde. Immerhin so viel: In „zwei bis drei Wochen“ soll der Hergang des tödlichen Polizeieinsatzes vom 30. April rekonstruiert werden können. Der 24jährige Student Tennessee Eisenberg wurde dabei von insgesamt 13 Kugeln getroffen. Seitdem wartet die Öffentlichkeit auf die Ergebnisse einer Untersuchung des Landeskriminalamts (LKA). Diese Ergebnisse scheinen nun kurz bevor zu stehen. Laut Aussage des leitenden Oberstaatsanwalts Günther Ruckdäschel hat das LKA zunächst drei Teilgutachten, unter anderem über die Untersuchung der Schusswaffen, der Munitionsteile sowie der Richtung von einzelnen Schüssen, gefertigt. „Da jedoch aufgrund der Spurenqualität eine eindeutige Zuordnung der Geschosse zu den Waffen mit den Mitteln des Landeskriminalamts nicht möglich war“, musste auch das Bundeskriminalamt eingeschaltet werden, so Ruckdäschel. Das BKA wiederum hat ein weiteres Gutachten erstellt, das vergangenen Freitag das LKA erreicht hat. Auf Basis dieses Gutachtens könne man den tödlich verlaufenen Polizeieinsatz nun rekonstruieren, teilt Ruckdäschel mit. Insgesamt müssten dabei „über 80 Spuren“ zusammengefügt werrden. Das LKA rechnet mit den erwähnten zwei bis drei Wochen, bis die Ergebnisse vorliegen. Zunächst ging die Staatsanwaltschaft bereits wenige Tage nach dem Einsatz von Notwehr aus – Eisenberg soll vor den Schüssen seinen Mitbewohner und anschließend die Polizeibeamten mit einem nicht näher beschriebenem Messer bedroht haben, Pfefferspray und Schlagstockeinsatz seien wirkungslos geblieben. Ein erstes Gutachten, das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben wurde, und auf dem die Notwehr-Vermutung mit fußt, wirft mittlerweile mehr Fragen auf als es beantwortet. Der Erlanger Gutachter bescheinigte Eisenberg, dass er selbst nach einem Herzschuss noch kurzzeitig handlungsfähig gewesen sei. Nicht in dem Gutachten erwähnt ist der von den Polizeibeamten bezeugte Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray. Ebenso gibt es in diesem ersten Gutachten offenbar Ungereimtheiten in Zusammenhang mit den Schusskanälen. Mittlerweile haben die Anwälte von Eisenbergs Familie ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Eine Debatte zu dem katastrophal verlaufenem Einsatz im bayerischen Landtag brachte vergangene Woche keine neuen Informationen. Innenminister Joachim Herrmann wollte zwar keine Bewertung abgeben, erklärte aber doch, dass die Art und Weise, in welcher der Einsatz eskaliert ist, für ihn „nicht begreifbar“ sei. Der Freie-Wähler-Abgeordnete Joachim Hanisch sprach von einer „Hinrichtung“.

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Kommentare (8)

  • masterofdesaster

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    Naja eine „Hinrichtung“ ist wohl völlig ausgeschlossen. Aber möglicherweise laufen da Beamte mit Waffen herum, die nicht das dafür nötige Nervenkostüm und/oder psychologische Ausbildung besitzen. Schlimm genug. In England hat die normale Streife keine Schusswaffen. Die werden schon wissen, warum.

    Und erstmal darüber zu diskutieren, dass die Munition zu schwach ist, weil man mit schwereren Kugeln die Leute schneller platt kriegt, ist krass unangebracht, zynisch und eher ein Thema für iranische Milizhäuptlinge. Dass die MZ das ernsthaft druckt und dass ein Beamter solches (wohlgemerkt: in diesem Zusammenhang !) ungerüffelt äussern darf, zeigt, wie schnell eine Gesellschaft Massstäbe verlieren kann. Bei dem derzeit verwendeten Kaliber 9mm handelt es sich seit der Zeit vor dem ersten Weltkrieg um das deutsche Kaliber für das Militär (!) Die Militärs haben sich 2 Kriege lang nicht darüber beschwert, dass der Feind bei Treffern zu langsam umfällt. Um jetzt auch mal was Zynisches zu sagen.

  • Andreas

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    Die Erfahrungen, die ich bisher mit der Regensburger Polizei machen durfte, lassen für mich auch keinen anderen Schluss zu, als dass hier eine schlecht geführte, demoralisierte und motivationslose Truppe vollkommen überfordert damit war, einen an sich harmlosen Zeitgenossen, der sich wohl in einer Lebenskrise befand, mit den richtigen Mitteln zu beruhigen.

    Da drangsaliert man lieber Fahrradfahrer, die sich erdreisten, auf den Ruinen der Protzenweiherbrücke nicht abzusteigen statt sich auf derartige Situationen vorzubereiten.

    Allerdings dürfte das in allererster Linie ein Führungsproblem sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Polizisten von Haus aus dümmer oder ungeschickter sind als der Durchschnitt der Bevölkerung.

    Tatsächlich gehören Schusswaffen nicht in die Hände derartig schlecht ausgebildeter und unmotivierter Menschen!

  • grace

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    Aber an der Protzenweiherbrücke wird Kohle gemacht, und das ganz, ganz locker. Einfach hinstellen und einen zehner pro nichtabsteigenden radler abgreifen, hmm ned schlecht.

    In einer anderen Stadt würde dieses potenzial sofort kreative Ämtler auf die Idee eines allgemeinen Brückenzolls bringen. Absteigende Radler 5€, Fussgänger 2€ mit sauberen Schuhen dran; ohne schuhe dann 4€, wg. die Zehennägel.

    Und für die Sichtachse zur Heiligen Einfalt nochmal nen €. Und es wird scharf kontrolliert, ob einer ned doch verstohlen nüberschaut ohne zahlen oder gars Radl im Rucksack versteckt hat!!!

  • Sternenfee

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    In der Medizin ist nachzulesen, daß diese Waffen massive Wunden schlagen; und egal was dort passiert ist, dieser massive Schußwaffengebrauch ist nicht zu akzeptieren. Und über stärkere Munition nach diesem Fall zu diskutieren müsste genau so bestraft werden, wie die Leugnung des Holocaust. Ich glaube, nachdem der Einsatz so daneben gelaufen ist, haben die verantwortlichen Personen nicht daran gedacht, daß sich Angehörige mit vagen Erklärungen abspeisen lassen, sondern keine Angst haben und fragen. Die Angehörigen haben ein Recht auf transparente Ermittlungen; nicht das Verstecken hinter einem laufenden Verfahren. Ich denke, hier müssen alle Möglichkeiten der Gerichtsmedizin ausgeschöpft werden, um der Wahrheit nahe zu kommen. Und darum, an alle die an der Wahrheit interessiert sind, spendet für das Opfer und vielleicht haben wir das Glück, daß so etwas nicht wieder passiert.

  • BB

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    Im ZDF bei M.Lanz war zu hören, daß ein Schuß von hinten die Kniescheibe getroffen und durchschlagen hat!
    Wie soll sich ein Mensch so noch auf den Beinen halten, geschweige denn einen Angriff durchführen?

  • Sternenfee

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    Das ist die -frage; in der Sendung wurde auch gesagt, daß der Bruder die Todesnachricht von Freunden erfahren hat– 5 St. später –
    Und wo bleibt das Foto der Tatwaffe, die die Polizei doch sonst so gerne präsentiert?

  • Absolut richtig

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    Die seit dem 2. Wk beim Militär verwendete Munition ist in allen Natostaaten ein 7,62 mm Vollmantelgeschoss. In letzter Zeit wird aber auf 5,25 mm Vollmantel umgestellt, da man ja den anderen Soldaten nur mehr Kampfunfähig machen soll und nicht töten. Doch beide wären auf diese Enfernung nicht stecken geblieben, sondern glatt durchgegangen. Nur zur Berichtigung, die Polizei verwendet nicht die übliche Militärmunition . Was die Schrecklichkeit des Krieges, der Waffen, des Einsatzes, nicht mindert und der Einsatz von Schußwaffen wohl die allerletzte Möglichkeit sein sollte.

    Die Polizei verwenden ein 9mm Parabellum Geschoss. Dieses „piltzt“ beim auftreffen auf ein „Hindernis“ auf und soll so eine mannstoppende Wirkung haben. Das Dilemma ist nur, hier einen „guten“ weg aus Wirkung und Schaden zu finden. Verwendet man Munition die mehr aufpitzt sind die Verletzungen verheerender, die stoppende Wirkung jedoch größer.

    Des weiteren ist bekannt, das Drogen, legal oder illegal die Schmerzwahrnehmung so dämpfen können das jemand nach mehreren Treffern noch „kampffähig“ bleibt.

    Ich unterstelle hiermit jedoch Tennese nicht Drogen genommen zu haben!!!!
    Ich distanziere mich hier von jeder unverhältnismäßigen Gewalt, aber auch ein Polizist darf sein Leben verteidigen.
    Ich distanziere mich auch von jeder Glorifizierung von Kriegshandlungen. (Krieg ist immer sch..)

    Klarheit bringt hier nur eine hoffentlich korrekte Obduktion.

    Jegliche pro oder contra Haltung zum Thema Polize, sollte hier vermieden werden.

    Denn jeder Angeklagte ist bis zur Verurteilung als unschuldig anzusehen.

  • Absolut richtig

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    Nachtrag: In den USA würde während des kalten Krieges sogar damit experimentiert den eigenen Soldaten Drogen zu geben um sie so länger kampffähig zu mache, bevor sie sterben. Ja im Krieg ist der Mensch auch nur eine auf dem Nachschubweg ersetzbare Größe.

    Und wie sagt ein geflügeltes Wort – Nur die toten kennen sen wahren Ausgang des Krieges.

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