„Verrat an den Studierenden“

Der Schein trügt: Rektor Thomas Strothotte und die Studierendenvertreter geraten in regelmäßigen Abständen anneinander. Foto: Archiv

Um das Klima zwischen Hochschulleitung und Studierenden an der Uni Regensburg scheint es nicht zum Besten bestellt. Bei seiner letzten Sitzung hat es der studentische Konvent abgelehnt, ein Votum zur Verwendung der Studiengebühren abzugeben. Eine Abstimmung darüber fand nicht statt. Stattdessen übt der Konvent in einem Schreiben geharnischte Kritik an der Hochschulleitung und wirft ihr vor, Gelder „zweckentfremdet“ und die gesetzlichen Richtlinien zur Verwendung von Studiengebühren „größtenteils missachtet“ zu haben. Hintergrund des Ärgers: Während z.B. an der Hochschule Regensburg die Gebühren zum kommenden Semester um 100 Euro gesenkt werden, bleibt an der Universität Regensburg alles beim Alten: Die gesetzliche Maximalhöhe von 500 Euro soll weiter voll ausgeschöpft werden. Das bestätigt auf Nachfrage auch Pressesprecher Alexander Schlaak, der erklärt: „Die Gebühren werden sehr gut eingesetzt.“ Die Studierenden sind da anderer Meinung. Eine „dauerhafte Senkung“ auf das vorgeschriebene Minimum von 300 Euro sei ohne weiteres möglich, heißt es in dem Schreiben. Zum Teil werde das Geld, das ausschließlich der Verbesserung der Lehre dienen soll, zur Grundfinanzierung, Umsetzung der Bologna-Reformen oder „weder notwendige noch studienrelevante Anschaffungen“ ausgegeben. „Wir haben Berechnungen angestellt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass 290 Euro Gebühr ausreichend wären“, konkretisiert der Konventsvorsitzende Martin Witte. Anna-Lena Schnaudt von der AG Studiengebühren spricht von „einer langen Liste von Posten, die nicht in die Verbesserung der Lehre fließen.“ Alles andere als eine Senkung auf 300 Euro sei „Verrat an den Studierenden“. Das Problem: Bei der Frage, was der Verbesserung der Lehre dient und was nicht, ist der Interpretationsspielraum groß. Entsprechend stoßen die Berechnungen der Studis bei der Hochschulleitung auf keine positive Resonanz. Der Grund dafür wird ebenfalls in dem Schreiben ausgeführt: Im Gegensatz zu anderen Hochschulen „findet an der Universität Regensburg keine ernsthafte und demokratische Diskussion über die Verwendung der Studiengebühren statt“. Das Votum der Studenten werde von der Hochschulleitung regelmäßig übergangen und nach außen falsch dargestellt. Generell bleibt der Konvent bei einer grundsätzlichen Ablehnung von Studiengebühren: Diese seien „kein geeignetes Mittel zur Hochschulfinanzierung“. „Jede Barriere auf dem Weg zum Studium ist bereits rein volkswirtschaftlich kontraproduktiv.“ Pressesprecher Schlaak bemüht sich, die Wogen zu glätten. Selbstverständlich erfolge ein Austausch mit den Studierenden, diese würden über die entsprechenden Gremien bei den Entscheidungen mit eingebunden. Die Diskussion über die Verwendung der Gebühren erfolge „so transparent wie möglich“. Weiteres sollen nun erneute Gespräche mit den Studierenden klären. Für heute ist nun ein solches Gespräch anberaumt. Für Zündstoff dürfte dabei die Position des sozialistisch-demokratischen Studierendenverbands (SDS) sorgen. Der vertritt in einer heute verschickten Pressemitteilung die Auffassung, dass die Hochschulleitung ohne ein Votum des Konvents nicht das Recht hat, über die bezahlten Studiengebühren zu verfügen. Die Kritik an der Studis am Diskussionsstil der Hochschulleitung ist nicht neu. Bereits während der Besetzung der Universität im vergangenen Semester wurde Rektor Thomas Strothotte immer wieder vorgeworfen, Gespräche zu verweigern oder ohne Not zu verschieben. Bei seinen Versuchen, die Studenten zu beschwichtigen, agierte Strothotte häufiger glücklos. Sein Vorschlag etwa, einen studentischen Prorektor zu installieren, wurde vom Senat einstimmig abgelehnt. Ein Affront auch gegen Strothotte.

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Kommentare (6)

  • Besserwisser

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    der soll erstamal zum frisör. muss man sich ja schämen. nachher meint das volk noch wir laufen da alle so rum.

  • hansdampf

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    Zum Teil werde das Geld, das ausschließlich der Verbesserung der Lehre dienen soll, zur Grundfinanzierung, Umsetzung der Bologna-Reformen oder „weder notwendige noch studienrelevante Anschaffungen“ ausgegeben.

    Da frage ich mich, warum dagegen nicht vorgegangen wird? Wenn die Gelder eindeutig entgegen ihrem eigentlichem Zweck eingesetzt werden macht sich da irgendwer strafbar (?). Oder aber die Ausgaben bewegen sich in einer Grauzone, dann wirds nat. schwieriger.

    Ich freu mich für die FHler, da scheint man klüger zu sein.

  • Jason Neuer

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    @ Besserwisser:

    Geil ;)

    ———————————————-

    Nichts ist besser als Demokratie!

  • Student

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    nur weil er fast keine haare mehr hat, musst du ihn doch nicht so kritisieren :D

    vielleicht sollte er sich in der nächsten verwendungsrunde um ein toupee bemühen…

  • Begeisterte Leserin

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    Huhu, im letzten Absatz habt ihr ein ‚an‘ zu viel. Sonst: Danke für die Berichterstattung, sehr gut, sehr gut, weiter so!

  • D

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    Der Rektor hat beschlossen, das fehlende Votum einfach nicht zu Kenntnis zu nehmen. und die Studiengebühren trotzdem zu verwenden.

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