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Archiv für November, 2010

Ein wahrer Christ. Das ist Schulbürgermeister Gerhard Weber. Und ein Mann klarer Worte, der diesen seinen Glauben auch zu verteidigen weiß. Gegen Ungläubige. Gegen Ausländer. Und gegen das Grundgesetz. Wenn da ein Professor meint, er könne einfach geltendes Recht einfordern, hat er sich geschnitten und zwar gewaltig. Wie die Mittelbayerische Zeitung in mittlerweile drei aufeinanderfolgenden Ausgaben berichtet, hat dieser Professor das Kreuz in der Schulklasse seines Sohnes abhängen lassen. Eine Forderung, die mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1995 in Einklang steht, das die bayerische (!) Praxis, Kreuze in Schulen aufzuhängen für grundgesetzwidrig erklärt hat. Dass dieser Professor dieses Recht nun in die Praxis umgesetzt hat und noch dazu mit seiner Familie, wie ebenfalls aus der Mittelbayerischen Zeitung zu erfahren ist, „aus dem englischssprachigen Ausland eingereist“ ist, nimmt der Bürgermeister als Steilvorlage, um (man kennt das irgendwoher) mal was zu sagen, was schon erlaubt sein muss. „Die Frage muss erlaubt sein, ob damit nicht das Gastrecht, das wir Ausländerinnen und Ausländern gerne gewähren, überstrapaziert wird, wenn nämlich jahrhundertealte deutsche Traditionen wie das Kreuz in Schulzimmern angegriffen werden“, lässt er am Montag in einer Pressemitteilung verlauten. Und Weber fordert den Vater auf – nein, nicht das Land zu verlassen, wie man angesichts dessen meinen könnte – sondern „sich in der Öffentlichkeit zu seinem Vorstoß zu bekennen“. Dabei ist die Familie anhand der Informationen in der MZ sowieso ohne weiteres zu identifizieren. Aber ein noch etwas öffentlicherer Pranger scheint besser zu sein, um diesen Mann mal Mores zu lehren. Weber darf sich dabei in guter Gesellschaft fühlen. „Hat hier eine extreme Minorität die Schul-Autorität unter Druck gesetzt?“, wird ganz unprätentiös in der Mittelbayerischen Zeitung gefragt, die ziemlich unverhohlen zum Halali auf den Gottlosen bläst. Dabei wird das Thema am Albertus-Magnus-Gymnasium, wo sich das vermeintliche Drama abspielt, weit weniger hoch gehängt, als die Berichterstattung einen glauben machen könnte. Im Kollegium herrscht recht wenig Aufregung über den Fall an sich, wenn man den Aussagen einiger Lehrer glauben kann. Auch in der Klasse hatte man mit dem Andachtskreis ohne katholischen Bezug eigentlich eine Einigung gefunden. Es ist eher der Medienrummel, der für Unruhe sorgt und der wurde Wochen später, nach einem Elternabend, losgetreten. Gerade mal sechs von 32 Elternpaaren der betroffenen Schulklasse haben sich tatsächlich über das abgehängte Kruzifix beklagt, vier von ihnen haben schließlich einen Brief geschrieben. Diese Eltern werden nun von der Mittelbayerischen Zeitung zur vermeintlichen Mehrheit erhoben. Die „AMG-Familie“, also das ganze Gymnasium, 1.000 Schüler nebst Angehörigen, sei „geschockt“ wird am Montag gar geschlagzeilt, ohne dass dafür konkrete Belege genannt würden. Stattdessen kommen drei Stadträte und ein anonymer Lateinlehrer (nicht des Albertus Magnus-, sondern des Pindl-Gymnasiums) zu Wort, die von einem „unerhörten Skandal“ (Eberhard Dünninger, ödp) und „Intoleranz“ (Margit Wild, SPD) sprechen oder „schlechte Zeiten“ angesichts abgehängter Kreuze heraufziehen sehen (Bernadette Dechant, CSU). Zudem berichten „Quellen“ der Mittelbayerischen Zeitung davon, dass der Sohn dieser gottlosen Familie als Teufel verkleidet zur Schule gekommen sei. Da scheint Satan nicht weit zu sein – entsprechende Reaktionen im Internet gibt es bereits. Die Familienmitglieder werden auf einschlägigen Seiten als Satanisten beschimpft. Einem Bericht von Radio Ramasuri zufolge sollen sie bereits Drohbriefe erhalten haben. Bürgermeister Weber wird dagegen in rechtsradikalen Internetforen gefeiert. Der ansonsten nicht eben dafür bekannte Regensburger Bischof bleibt dagegen fast moderat. Der sähe es zwar auch lieber, wenn das Kreuz in der Schule hängen bliebe und definierte Toleranz anlässlich eines Pontifikalamts am Montagabend als etwas, dass die atheistische (oder andersgläubige) Minderheit gegenüber dem Christentum zu üben habe. Im Gegensatz zu Weber und der Mittelbayerischen Zeitung drischt er aber nicht auf die Familie ein, lässt den konkreten Fall sogar unerwähnt und von seinem Sprecher Clemens Neck verlautet gar gegenüber dem Regensburger Wochenblatt, es sei zunächst nicht zu kritisieren, wenn der Vater sich auf „in Deutschland geltendes Recht“ berufe. Über das Recht müsse man diskutieren. Nun kann es einem gleichgültig sein, ob in einem Klassenzimmer ein Kreuz hängt oder nicht. Man kann es andererseits auch bedauern, schade finden und kritisieren, wenn da kein Kreuz mehr hängt, weil man es doch mit seiner persönlichen Weltanschauung verbindet. Was aber mehr als nur zu bedauern ist, als ein fehlendes Kreuz im Klassenzimmer ist das Haberfeldtreiben das hier eine Tageszeitung und ein Bürgermeister gegen eine einzelne Familie veranstalten, die schlicht ihr grundgesetzlich garantiertes Recht wahrnimmt, das übrigens auch für Menschen gilt, die „aus dem englischsprachigen Ausland eingereist“ sind. Da mag sich Weber als guter Christ fühlen, doch er ist nichts anderes als ein Hetzer.

Hip Hop statt Begleitmusik zum Massenmord

„Ich bin ein bisschen erkältet und wenn ich heute öfter huste, müsst ihr mir das verzeihen“, sagt die kleine Frau, die am Freitag im Gloria auf die Bühne kommt. Esther Bejarano liest aus ihren Erinnerungen vor. Nur drei Mal muss sie sich räuspern, während sie von der „Begleitmusik zum Massenmord“ erzählt, die sie als „Funktionshäftling“ […]

Streitgespräch Energiepolitik

Die Laufzeitverlängerung wurde Ende Oktober beschlossen, vergangene Woche ist der bislang längste Castor-Transport nach Gorleben über die Bühne gegangen und im Regensburger Stadtrat wurde erst vor kurzem nach kontroverser Diskussion eine Resolution gegen die Laufzeitverlängerung abgelehnt: Entsprechend dürfte Atomkraft im Mittelpunkt stehen, wenn sich am Dienstag, 19 Uhr, Vertreter von SPD, CSU, Linke, FDP und […]

Ersatzbrücke – ein Projekt aus vergangenen Tagen?

Die Reaktion hat nicht lange auf sich warten lassen: Wie berichtet, haben die Regensburger Verkehrsbetriebe Anfang der Woche erklärt, dass als Folge der Sperrung der Steinernen Brücke jährlich rund 100.000 Fahrgästen weniger die Linien 12, 13 und 17 vom Norden in Richtung Altstadt nutzen würden. Dieses Zahlenwerk sei „unseriös und politisch motiviert“, kontert nun der […]

Aufbruch in die katholische Tradition

Ausstellungen in historischen Museen sind Ausdruck und Mittel gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gleichermaßen. Sie zeigen, welche geschichtlichen Themen die Macher und Leiter der Museen für relevant halten. Die inhaltliche Ausrichtung gibt Auskunft darüber, welchen Standpunkt Ausstellungsmacher einnehmen, nahe legen – oder schlicht nicht thematisieren wollen. „Unerträgliche Kreatürlichkeit. Leid und Tod Christi in der spätmittelalterlichen Kunst“ lautet der […]

In eigener Sache: regensburg-digital gewinnt Social Media Preis

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern! Am 10. November wurden auf dem ConventionCamp in Hannover die Preisträger des Deutschen Social Media Preises 2010 vorgestellt. regensburg-digital.de war bei der Preisverleihung dabei: Wir haben in der Kategorie Gesellschaft den 1. Preis geholt (eine fesche Urkunde und 1.000 Euro Preisgeld)! Der Social Media Preis ist ein […]

Einstiger Wolbergs-Konkurrent verlässt den Stadtrat

Im Vorfeld der Kommunalwahl 2008 galt er einem Teil der SPD als Hoffnungsträger: Tonio Walter übernahm den Vorsitz des traditionsreichen Ortsvereins Altstadt und löste dort den langjährigen und umstrittenen Vorsitzenden Kurt Schindler ab. Kurzfristig war Walter auch als OB-Kandidat der SPD im Gespräch. SPD-Chefin Margit Wild hatte ihn im internen Machtgerangel gegen Joachim Wolbergs in […]

Nach Fahrgastverlusten: RVV fordert Westtrasse

100.000 Fahrgäste weniger kommen nach Angaben des RVV pro Jahr in die Regensburger Altstadt, seit die Steinerne Brücke gesperrt wurde. Das hätten umfassende Erhebungen in den Linien 12, 13 und 17 ergeben, so RVV-Geschäftsführer Rainer Kuschel. Dem UNESCO-Welterbezentrum in Paris wurden diese Zahlen bereits vor einigen Wochen zugeschickt, am Montag stellte sie Kuschel im Rahmen […]

Gottlose Querschüsse auf feudalen Fremdkörper

„Oh jeh“, murmelt einer der Zuhörer, als er eine weitere Milliardensumme hört, mit der die Kirchen alljährlich vom Staat unterstützt werden.„Oh jeh ist eine Kurzform von Herrjemineh und das ist eine Abkürzung von Herr Jesus mein Herr. Dafür müssten Sie bei uns einen Euro in die Kaffeekasse zahlen“, erwidert Carsten Frerk. Am Sonntag, zur besten […]

Römermauer im Nobelhotel

Die künftigen Bischofshof Arcaden (im Vordergrund die Porta Praetoria) bergen eine “spannende Geschichte”. Vor 20 Jahren, als sich die Regensburger noch vornehmlich über ihre römische Geschichte definiert haben, hätte die Entdeckung wohl noch etwas mehr Aufsehen in Regensburg erregt – heutzutage gelangt eine solche Information eher gemächlich an die Öffentlichkeit: Bei den Sanierungsarbeiten eines Gebäudes […]

Ein Mondkalb auf Erfolgskurs

„Wer soll es denn sonst machen?“, sagt Stefan Fromberger auf die Frage, ob das Mondkalb tatsächlich die Menschheit retten wird. „mondkalb will save mankind“ nennt sich die riesenhafte, goldglänzende Plastikskulptur, mit der Fromberger am Wochenende den zweiten Platz beim erstmals vergebenem „Blooom Award“ in Köln geholt hat. Jetzt winkt ihm eine Reise nach Paris und […]

Schulterschluss unter Vorbehalt

Die bayerische Staatsregierung bläst zum Streichkonzert, die Universität Regensburg zum Protest. In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben Rektor Thomas Strothotte und Vertreter der Studigremien am Dienstag Geschlossenheit demonstriert und gemeinsam für den 17. November zu einer Demonstration aufgerufen. Strothotte kündigte an, dafür allen Studierenden und Beschäftigten der Universität frei zu geben. In der Vergangenheit waren sich […]

BayernLB – der OB soll raus!

Er empfinde „große Genugtuung“. Er habe immer gewusst, dass er seine Arbeit „ordentlich gemacht“ habe. Kritiker sollten sich mäßigen. All das war von Hans Schaidinger zu hören, nachdem Mitte Oktober ein (von der BayernLB in Auftrag gegebenes) Gutachten zum Kauf der Pleitebank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) vorgestellt worden war. Die Verwaltungsräten – damit auch […]

Integration ist machbar

1.350 Bewohner, 38 Nationen, über 40 Prozent der Menschen haben (nicht-bayerische Deutsche nicht mitgerechnet) Migrationshintergrund – die Humboldtstraße ist ein passender Ort, um über Erfolg oder Misserfolg von Migration und Integration zu diskutieren. Entsprechend groß ist das Interesse. Der Saal ist voll, als Albert Schmid (Foto) ins Bürgerhaus kommt. Die SPD-Landtagsabgeordnete Margit Wild hat den […]

drin